ein paar Verallgemeinerungen zu Journalisten

Mein Lesehunger kommt einigermassen teuer. Daher stoebere ich immer auch in der Verramschkiste von Steinmatzky und kaufe alles, was einigermassen interessant zu sein verspricht, wenn es deutlich verbilligt ist.

Auf diese Weise bin ich an John Simpson “The Wars Against Saddam” geraten. In zwischen bin ich auf Seite 163 von 394 Seiten (danach folgen noch 20 Seiten Index).

Ein paar Beobachtungen: Zwar schreibt Simpson fluessig, aber immer wieder gibt es klare Faelle von “non sequitur”. Ein Beispiel:

“An estimated qurter of a million Assyrians threw in their lot with the Kurds in the uprising against Saddam in 1991 and had to flee Iraq altogether. Some returned, and during the 1990s the Assyrians were allowed to rebuild their churches and worship openly: partly, perhaps, because of the influence of Tariq Aziz, Saddm’s deputy prime minister, who came from an Assyrian family though he himself was a [sic] Assyrian Christian.”

ebd. p. 33 (Hervorhebung von mir)

Natuerlich kann man auch den Editor fuer solche Fehler verantwortlich machen, aber sind sie nicht auch ein Hinweis auf eine gewisse Schlampigkeit im Denken?

Dann faellt mir immer wieder etwas auf, was ich eigentlich nur als Oberflaechlichkeit bezeichnen kann, allerdings eine Oberflaechlichkeit, die sich ihrer selbst ganz und gar unbewusst ist. Beispiel:

“But the prime minister. Margaret Thatcher, had made a political career out of not being cautious. Her main concern was to associate herself as strongly as possible with the United States”

ebd. p. 135

Simpson beschreibt seiten- und kapitelweise (p. 115 bis p. 155), wie der Einmarsch in Kuweit aus einer Laune Saddam Husseins entstand und jeden halbwegs plausiblen Vorwands entbehrte. Trotzdem stosse ich auf p. 159 ploetzlich auf folgende “philosphische” Betrachtung:

“On these big international issues we all long for a clarity of understanding, which usually eludes us. In the United States and Britain, in particular, the governments trimmed off the moral complexities and presented Iraq’s invasion of Kuwait as a clear-cut matter of good and evil; it is hard to make democracies fight for anything else.”

Sollte der Ueberfall auf Kuweit kein klarer Fall von ungerechtfertigter Aggression gegen einen anderen Staat gewesen sein? Es scheint, als ob Simpsons linke Grundhaltung nicht zulassen kann, dass die USA und Grossbritannien richtig und klar urteilten. Wo Simpson von Mubaraks Reaktion berichtet, fehlt die Ambivalenz, die er gegenueber den USA und England zeigt:

“Opening the session, President Mubarak insisted that the summit was not a forum for apportioning of blame. The he said it was unacceptable for one country to use force against another. (…) President Mubarak’s great achievement had been to make it possible for Arabs and Muslims to ally themselves with a Western force. Partly, of course, it ws because no one could easily condone a piece of internantional savagery like the invasion of Kuwait.”

Mir scheint Simpson kein typischer Vertreter von Nahostkorrespondenten zu sein, wie sie mir aus den vielen Berichten, die ich lese, entgegenblicken. Er kennt die Hintergruende besser als viele andere und schiesst nicht leichtfertig aus der Huefte. Aber das, was mich in seinem Buch die Stirn reiben laesst, scheint mir weit verbreitet: Schnelles, fluessiges Schreiben mitunter auf Kosten analytischen und logischen Denkens, Oberflaechlichkeit im Urteilen und ein unbewusstes links-liberales Vorurteil.

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