Interview mit Shlomo Ben-Ami in der NZZ vom 8. Dezember 2006
In diesem Fall kann ich keinen Link anbieten. Der Artikel ist Teil des Nahostdossiers der NZZ und der Zugang dazu ist kostenpflichtig. Herr Meier, dem das wohl bekannt ist, hat mir freundlicherweise den Text als pdf zugeschickt.
Update: Dank Urs Schmidlin kann ich nun doch den Link einbinden: «Neue Friedensverhandlungen müssen mit klar definiertem Ziel begonnen werden»
Meine Antwort an Herrn Meier: Nein, Shlomo Ben-Ami steht nicht links von Meretz, auch nicht auf demselben Punkt wie Meretz, allerdings vertritt er auch eine ganz andere Auffassung, als Herr Meier sie zu verstehen scheint.
An keiner Stelle sagt Ben-Ami, dass die Israelis in der Pflicht waeren, ein konkretes, detaillierte Angebot zu unterbreiten, um die Friedenshandlungen vorwaerts zu bringen. Im Gegenteil verweist er darauf, dass mit dem isr. Angebot vom Clinton-Gipfel von 2000 und dem saudischen Plan aus dem Jahr 2002 bereits offizielle Dokumente auf dem Tisch liegen. Im Interview wird auch daran erinnert, dass Olmert im Herbst 2006 an Ben Gurions Grab (also ein hoechst symbolischer Ort) eine Rede hielt, in der er einen ernsthaften Dialog mit Abbas in Aussicht stellte und den saudischen Plan erwaehnte.
Nach Ben-Amis Position in diesem Interview ist derzeit nicht Israel in der Pflicht, sondern die USA und die Europaeer sollten die Vorarbeit leisten (eine einheitliche Position erarbeiten), worauf dann das Quartett der Roadmap (USA, EU, Russland und UN) eine Konferenz organisieren koennte. Die Teilnahme an der Konferenz waere dann gleichzeitig die pal. Wasserscheide, womit Israel akzeptiert und ein Verzicht auf das sog. Rueckkehrrecht von allen Nachkommen ehemaliger pal. Fluechtlinge signalisiert wird.
Angesichts der Tatsache, dass die Hamasregierung unveraendert daran festhaelt, Israel auf gar keinen Fall akzeptieren zu wollen/koennen, scheint die Chance, dass eine solche Konferenz - so sie denn organisiert werden wuerde - zu irgendwelchen Ergebnissen fuehren koennte, sehr klein.
Ben-Ami sieht im Gegensatz zu Reinhard Meier keinen Onus bei Israel. Er ist natuerlich Politiker und beherrscht die diplomaische Sprache, daher deutet er nur sehr vorsichtig an, wo der Onus denn ueberhaupt liegen koennte. Nett ist z.B. diese Formulierung: “Denn diese Fuehrung hat - schon unter Arafat - nie unmisverstaendlich klargemacht, in welchen Grenzen sie Israel anerkennen wuerde.”
Mich wuerde interessieren, in welchen pal. Umfragen Ben-Ami gelesen haben will, dass eine pal. Bevoelkerungsmehrheit willens waere, ein Verhandlungsergebnis zu akzeptieren, das plus/minus auf der Gruenen Linie beruht und kein Rueckkehrrecht enthaelt. Ich kenne nur entgegengesetzte Umfrageergebnisse.
Ich bin ueberzeugt davon, dass die politische Analyse von Ben-Ami meiner eigenen viel aehnlicher ist (wiewohl natuerlich fundierter, er verfuegt ueber Insiderwissen, waehrend ich auf veroeffentlichte Informationen angewiesen bin) als der Auffassung von Herrn Meier.