In der NZZ-Online vom 17. Februar erschien dieser Kommetar: Will Olmert wirklich verhandeln?
Die im Titel und im Text enthaltene Unterstellung, dass Israel fuer die mangelnden Resultate des Dreiergespraechs Condoleezza Rice, Ehud Olmert und Mahmud Abbas in Jerusalem verantwortlich sei, hat mich so erbittert, dass ich dem Verfasser, den ich an den Initialen erkennen konnte (aber leider nicht die richtige Schreibart erinnerte) ein kurzes, sarkastisches Mail schrieb:
Ach Herr Meyer,
Das war ja wieder mal eine Glanzleistung, wie Sie ganz richtig beschreiben, dass eigentlich keine Partei in der Lage ist, irgendetwas zu bewegen, aber dann doch ausschliesslich Olmert in der Vernatwortung sehen! Natuerlich kann es niemandes Optimismus daempfen, dass Hamas und Fatah in Mekka ein Abkommen geschlossen habe, indem die Anerkennung Israels nicht vorkommt. Das ist ja schliesslich ganz normal, nicht wahr. Der Optimismus kann nur gedaempft werden, wenn sich Olmert nicht in der Lage sieht, mit diesen Partnern die kritischsten Punkte zu verhandeln.
Mit freundlichen Gruessen
Zu meiner freudigen Ueberraschung bekam ich Antwort, im Ton deutlich sachlicher als mein Mail:
Sehr geehrte Frau Bracha,
Danke für Ihr Mail. Ich freue mich natürlich, wenn die NZZ-Kommentare auch in Israel gelesen werden - auch wenn Sie persönlich mit meiner Meinung offenbar nicht einverstanden sind.
Ich nehme aber an, dass Sie mir zustimmen, dass es auch in Israel selber sehr verschiedene Meinungen gibt über Olmerts Bereitschaft, mit Abbas wirklich konkret über die Grenzen eines palästinensischen Staates und über den künftigen Status von Jerusalem zu verhandeln. Wenn ich manche Kommentare etwa in “Haaretz” lese, dann fühle ich mich in meiner kritischen Meinung gegenüber Olmerts Politik in dieser Frage durchaus bestätigt.
Dabei will ich natürlich die Problematik auf palästinensischer Seite nicht ausblenden - auf die ideologische Sturheit der Hamas-Führung (übrgens gibt es auch da Nuancen, wenn man gewillt ist, genau hinzuhören) habe ich ja in meinem Kommentar ausdrücklich hingewiesen. Aber wenn Olmert es ernst meinen würde mit wirklichen Verhandlungen: Warum macht er den Palästinensern nicht einmal ein sehr konkretes Angebot, mit genau definierten Grenzen - dann läge es wiederum an der palästinensischen Seite, dazu konkret Stellung nehmen. So würde wenigstens endlich einmal über die Sache geredet, und nicht nur über schwammige und belieb intgerpretierbare Prinzipien.
Mit freundlichen Grüssen,
Darauf folgte ein kurzer Exkurs in Verhandlungstechnik meinerseits. (Ich arbeite ja im internationalen Verkauf und Verhandlungen sind mein taeglich Brot)
Sehr geehrter Herr Meier,
Natuerlich lassen sich immer auch Israelis finden, die eine bestimmte Meinung vertreten. Ihre Haltung waere innerhalb Israels anscheinend links von Meretz angesiedelt.
Ein konkretes Angebot mit genau definierten Grenzen wuerde als Grundlage fuer weitere Verhandlungen dienen. Kein isr. Regierungschef koennte also die wirklich roten Linien in einem solchen Angebot vermitteln, weil er damit jeden Verhandlungsspielraum vernichten wuerde.
Haben Sie noch nie Verhandlungen gefuehrt, sagen wir Gehaltsverhandlungen? Eine Herangehensweise, wie die von Ihnen empfohlene, fuehrt zu einem double-bind: Entweder Sie definieren wirklich die rote Linie, dann stehen Sie in den Verhandlungen als unflexibel und nicht kompromissbereit da. Oder Sie definieren rote Linie plus Verhandlungsspielraum. Wenn Sie dann in den Verhandlungen von dem abruecken, was Sie bereits als “rote Linie” bezeichnet haben, werden Sie feststellen, dass auch spaetere Positionen niemals als letztes Angebot akzeptiert werden.
Mit freundlichen Gruessen
Darauf die Antwort:
Sehr gehrte Frau Fink,
Nach meiner Meinung wäre man einen Schritt weiter, wenn Olmert ein Angebot Rote Linien (die Sie ja nach aussen nicht als solche definieren müssen) plus Verhandlungsspielraum machen würde.
Aber es sieht doch bisher ganz danach aus, als ob Olmert (und noch weniger sein Koalitionspartner Lieberman) über solche territorialen Fragen gar nicht verhandeln will (er baut offenbar lieber die Siedlungen in Cisjordanien aus, siehe den neuesten Bericht zu diesem Thema von Peace Now und B’Tselem). Und gelten auch die Positionen von David Grossmann, Amos Oz oder dem früheren Aussenminsiter Ben-Ami als “links von Meretz”?
Mit freundlichen Grüssen,
Daraufhin ich:
Sehr geehrter Herr Meier,
Ich sehe wirklich nicht, was ein konkretes Angebot mehr bringen koennte als das konkrete Angebot von Barak, das in Camp David von Arafat nicht einmal einer Erwiderung fuer wert befunden wurde. Welchen Anlass haben Sie, einer pal. Fuehrung am Rande des Buergerkriegs zuzutrauen, was der verehrte Rais nicht in Erwaegung ziehen konnte/wollte?
Es hinge von der konkreten Meinung ab, moechten Sie mir konkrete Texte schicken?
Heute morgen dann schickte mir Herr Meier tatsaechlich konkrete Texte zu: Das Interview mit Shlomo Ben-Ami vom 08.12.06 in der NZZ als pdf-File und den Verweis auf die Rede von David Grossman zum 11. Todestag von Yitzchak Rabin. Ich finde die Auseinandersetzung mit diesen Texten so interessant, dass ich das im Blog machen moechte. Herr Meier, den ich um sein Einverstaendnis gebeten habe, hat mir das Zitieren seiner Mails erlaubt und mir sogar noch weiteres Material fuer die Auseinandersetzung geschickt.
P.S. zur Namensverwirrung: Mein Ehename ist Bracha. Fink fuehre ich eigentlich nur fuer meine Kunden weiter. Auf meinen Visitenkarten steht Fink-Bracha.