Unabhaengigkeitstag

Wo das schoenste Fleckchen Israels liegt, ist heftig umstritten. Also sage ich nur, dass wir an einem sehr schoenen Flecken waren.

Der Yattir-Forst liegt ca. 30 Autominuten von uns entfernt und ist auch am Unabhaengigkeitstag, wo Israelis selbst auf Verkehrsinseln grillen, nicht ueberlaufen.

Ueber den vorangegangenen Tag mag ich nicht viel berichten. Wie manche wissen, war der Stiefsohn meines Chefs einer der ersten Soldaten, die im Libanonkrieg im letzten Sommer fielen. Sein Buero grenzt an meins und ich kann seine Telefonate mithoeren. Als die Arbeitszeit um 13:00 beendet wurde, zuckte ich jedesmal zusammen, wenn jemand ihm “Chag Samech” (=frohes Fest) wuenschte…

Die Maedchen standen heute frueh auf, obwohl sie wegen des Feuerwerks sehr spaet ins Bett gekommen waren. Um 10:00 waren wir also schon im Wald. Als mein Mann an unseren Stammplatz fuhr, sah ich, dass es dort seit letztem Jahr eine Veraenderung gegeben hatte: Ein Grabhuegel samt Kopfstein war neben den Picknicktischen errichtet worden. Ich sagte meinem Mann, ich wuerde nicht neben einem frischen Grab Picknick machen wollen. Es dauerte eine Weile, bis er ueberhaupt begriff, wovon ich redete. Ich habe im Internet auf die Schnelle nichts ueber die Beerdigungstraditionen der Beduinen finden koennen. Es gibt muslimische Friedhoefe, wir hatten von der Strasse aus zwei sehen koennen. Aber trotzdem scheint sich der Nomadenbrauch, die Toten entlang der Strassen zu begraben, gehalten zu haben. Wer darauf achtet, kann im Sueden an allen Strassen entlang solche Graeber erkennen, auch an der Autobahn Beer Sheva – Tel Aviv. Die Kopfenden sind immer mit einer schmalen, oben abgerundeten Steinplatte markiert, manchmal markiert ein kleinerer Stein auch das Fussende. Nach den Grabhuegeln kann man schaetzen, wie alt ein Grab ist. Nur ein einziges Mal habe ich einen Beduinen gesehen, der bei einem Grab stand, als besuche er es. Viele Israelis sehen diese Graeber nicht. Ich habe schon erlebt, dass Bekannte auf Wanderungen sich ganz unbewusst auf solche Huegel setzen.

Wir fuhren also weiter, tiefer in den Wald hinein bis wir zu einem wunderschoenen Picknickplatz kamen. Wir mussten etwas warten, gerade kam eine Schafsherde vorbei und die drei Schaeferhunde verbellten unser Auto sehr aggressiv.

Wir konnten den Stoerchen zusehen, die sich auf der gegenueberliegenden Wiese niedergelassen hatten.

Mein Mann (Grillen ist Maennersache) machte sich daran, ein ordentliches Feuer zu bauen. Ich stellte in der Zwischenzeit das Zelt und pumpte die Luftmatraze auf. Mein Mann lachte mich aus, aber ich prophezeite, dass er nach dem Essen noch sehr dankbar dafuer sein wuerde und so kam es natuerlich auch. Ganz in der Naehe unseres Plaetze fuehrte ein schmaler Wanderpfad an mehreren kleinen Hoehlen vorbei.

Offensichtlich wurden/werden diese Hoehlen immer noch von Menschen genutzt, die Decken sind schwarz verrusst. Ein tiefes Wasserloch fanden wir auch. Der eine Sonnenstrahl, der gerade noch hinunterreichte, brachte das Wasser zum Glitzern.

Nach dem Grillen und Essen (Schwarma-Spiesschen, geroestete Kartoffeln und natuerlich Salate) legten wir Grossen uns hin und die Maedchen spielten. Sie legten einen Naturspielplatz an, suchten Wanderstoecke und fanden einen leeren Schildkroetenpanzer. Dann weckten sie mich und drehten mir den Panzer als lebende Schildkroete an. Ich war schon halb durch mit meinem Vortrag ueber griechische Landschildkroeten, als ich es merkte.

Es war ein schoener Tag, wenn nur die Nachrichten am abend anders waeren.

2 Antworten

  1. hallo ruth,

    vielen dank fuer deinen bericht – ich bin ja so ein stiller mitleser in deinem blogg …. da kann ich nur sagen: WEITER SO, die lektuere ist jedesmal interessant !!

    viele gruesse,
    dirk

  2. [...] Grenze, auch die Landschaft: Oben habe ich Bilder vom Wald von Lahav und von Sansana gepostet, vom Yatir Wald hatte ich auch schon berichtet. Auf der anderen Seite gibt es keine Waelder und kaum Baeume. Die [...]

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