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	<title>Kommentare zu: Amos Oz und ein Denkfehler</title>
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	<description>was so eine Perspektive ausmacht...</description>
	<pubDate>Fri, 08 Aug 2008 00:01:05 +0000</pubDate>
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		<title>Von: beer7</title>
		<link>http://beer7.wordpress.com/2007/04/30/amos-oz-und-ein-denkfehler/#comment-1094</link>
		<dc:creator>beer7</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 May 2007 19:49:43 +0000</pubDate>
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		<description>Lila,

Grossman, Oz und Yehoshua haben auf alle Faelle literarisches Format. Das intellektuelle Format wuerde ich bereits vorsichtiger beurteilen. Da ich keinen der drei persoenlich kenne, entzieht sich das menschliche Format meiner Beurteilung. Vermuten wuerde ich es bei Grossman und Oz, bei Yehoshua schon weniger. 

Mitgefuehl ist es nicht, was ich beanstande. Das Einfuehlen in andere Menschen setzt voraus, ihnen sorgfaeltig zuzuhoeren. Sich die Deutungshoheit ueber sie anzumassen, bedeutet das Gegenteil. Besonders bei Yehoshua wuerde ich schon fast von einer Sonderform von Rassismus sprechen. Wenn Araber grundsaetzlich die besseren Menschen sind, dann wird dem Individuum die ans Kollektiv gerichtete Erwartung aufgezwungen. Dieses Kollektiv dient meist obendrein als Projektionsflaeche fuer eigene Sehnsuechte...</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lila,</p>
<p>Grossman, Oz und Yehoshua haben auf alle Faelle literarisches Format. Das intellektuelle Format wuerde ich bereits vorsichtiger beurteilen. Da ich keinen der drei persoenlich kenne, entzieht sich das menschliche Format meiner Beurteilung. Vermuten wuerde ich es bei Grossman und Oz, bei Yehoshua schon weniger. </p>
<p>Mitgefuehl ist es nicht, was ich beanstande. Das Einfuehlen in andere Menschen setzt voraus, ihnen sorgfaeltig zuzuhoeren. Sich die Deutungshoheit ueber sie anzumassen, bedeutet das Gegenteil. Besonders bei Yehoshua wuerde ich schon fast von einer Sonderform von Rassismus sprechen. Wenn Araber grundsaetzlich die besseren Menschen sind, dann wird dem Individuum die ans Kollektiv gerichtete Erwartung aufgezwungen. Dieses Kollektiv dient meist obendrein als Projektionsflaeche fuer eigene Sehnsuechte&#8230;</p>
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		<title>Von: Lila</title>
		<link>http://beer7.wordpress.com/2007/04/30/amos-oz-und-ein-denkfehler/#comment-1093</link>
		<dc:creator>Lila</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 May 2007 19:24:36 +0000</pubDate>
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		<description>Nun, immerhin haben sie, und auch A.B. Yehoshua, intellektuelles und menschliches Format. Unter den Pygmäen, die sich in der Politik tummeln, fallen sie einfach positiv auf, ohne daß man mit ihnen übereinstimmen müßte. Ich habe sie schon öfter reden gehört, und sie sind eindrucksvoll und charismatisch, wie man es bei unserer bläßlichen Gurkentruppe in der Knesset bitter vermißt. Darum bekommen ihre Worte vielleicht mehr Gewicht, als man ihnen sonst zugestehen würde. 

Ich bin Künstlern gegenüber toleranter, denn ihre gesellschaftliche Rolle kann auch die der vielleicht naiven, aber lebenswichtigen Utopie sein. So wie Rubens, der als Shuttle-Diplomat so gern Frieden machen wollte und riesige Bilder voll Allegorien des Friedens malte, auch wenn außer ihm niemand daran interessiert war. 

Natürlich sieht die Realität, gemessen an den hehren Idealen, desto häßlicher aus. Trotzdem wäre es für uns alle besser, wenn auch bei den Palästinensern so eloquente Stimmen mal andere Visionen als nur von Blutvergießen und Märtyrertum zu hören wären. 

In privaten und auch dienstlichen Begegnungen habe ich übrigens nie Probleme mit Arabern gehabt, viel weniger als mit verbohrten deutschen Friedensfreunden. Dan Shiftan erklärt das ganz einleuchtend, daß es nämlich möglich ist, "den Juden" (den ich für Araber natürlich auch repräsentiere) freundlich zu bewirten, aber "die Juden" und ihren Staat bitter zu hassen und zu bekämpfen. Auch Deutsche und Franzosen haben sich von Schützengraben zu Schützengraben zugetrunken, bevor weiter geschossen wurde. 

Wir sollten uns keine Illusionen über ein solches Zutrinken machen - aber ich persönlich lasse mir von der Kraft des Hasses, der mir von gegenüber entgegenschlägt, die Empathiefähigkeit nicht kaputtmachen. Mir werden traurige Schicksale der Palästinenser immer leidtun, auch wenn ich die Übeltäter woanders vermute als die leidenden Palästinenser selbst. Ich glaube, mein Wunsch, Kinder in Gaza mit Teddybären, Schultaschen und Büchern ausgestattet zu sehen, vergnügt und spielend, ist viel brennender als das Verlangen der arabischen Führung nach solchen Verhältnissen. Deswegen lasse ich mir aber mein menschliches Mitleid nicht nehmen, wie es sich auxh Oz und Grossmann nicht nehmen lassen. 

Ob man daraus eine Haltung in Verhandlungen ableiten kann - vermutlich eher nicht. 

Und totally unrelated: ich habe gestern dienstlich mit Oz´ Tochter telefoniert und BOAH ist die nett. Vollkommen unisraelisch.  Ich war ganz bezaubert.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Nun, immerhin haben sie, und auch A.B. Yehoshua, intellektuelles und menschliches Format. Unter den Pygmäen, die sich in der Politik tummeln, fallen sie einfach positiv auf, ohne daß man mit ihnen übereinstimmen müßte. Ich habe sie schon öfter reden gehört, und sie sind eindrucksvoll und charismatisch, wie man es bei unserer bläßlichen Gurkentruppe in der Knesset bitter vermißt. Darum bekommen ihre Worte vielleicht mehr Gewicht, als man ihnen sonst zugestehen würde. </p>
<p>Ich bin Künstlern gegenüber toleranter, denn ihre gesellschaftliche Rolle kann auch die der vielleicht naiven, aber lebenswichtigen Utopie sein. So wie Rubens, der als Shuttle-Diplomat so gern Frieden machen wollte und riesige Bilder voll Allegorien des Friedens malte, auch wenn außer ihm niemand daran interessiert war. </p>
<p>Natürlich sieht die Realität, gemessen an den hehren Idealen, desto häßlicher aus. Trotzdem wäre es für uns alle besser, wenn auch bei den Palästinensern so eloquente Stimmen mal andere Visionen als nur von Blutvergießen und Märtyrertum zu hören wären. </p>
<p>In privaten und auch dienstlichen Begegnungen habe ich übrigens nie Probleme mit Arabern gehabt, viel weniger als mit verbohrten deutschen Friedensfreunden. Dan Shiftan erklärt das ganz einleuchtend, daß es nämlich möglich ist, &#8220;den Juden&#8221; (den ich für Araber natürlich auch repräsentiere) freundlich zu bewirten, aber &#8220;die Juden&#8221; und ihren Staat bitter zu hassen und zu bekämpfen. Auch Deutsche und Franzosen haben sich von Schützengraben zu Schützengraben zugetrunken, bevor weiter geschossen wurde. </p>
<p>Wir sollten uns keine Illusionen über ein solches Zutrinken machen - aber ich persönlich lasse mir von der Kraft des Hasses, der mir von gegenüber entgegenschlägt, die Empathiefähigkeit nicht kaputtmachen. Mir werden traurige Schicksale der Palästinenser immer leidtun, auch wenn ich die Übeltäter woanders vermute als die leidenden Palästinenser selbst. Ich glaube, mein Wunsch, Kinder in Gaza mit Teddybären, Schultaschen und Büchern ausgestattet zu sehen, vergnügt und spielend, ist viel brennender als das Verlangen der arabischen Führung nach solchen Verhältnissen. Deswegen lasse ich mir aber mein menschliches Mitleid nicht nehmen, wie es sich auxh Oz und Grossmann nicht nehmen lassen. </p>
<p>Ob man daraus eine Haltung in Verhandlungen ableiten kann - vermutlich eher nicht. </p>
<p>Und totally unrelated: ich habe gestern dienstlich mit Oz´ Tochter telefoniert und BOAH ist die nett. Vollkommen unisraelisch.  Ich war ganz bezaubert.</p>
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		<title>Von: beer7</title>
		<link>http://beer7.wordpress.com/2007/04/30/amos-oz-und-ein-denkfehler/#comment-1084</link>
		<dc:creator>beer7</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 May 2007 06:24:03 +0000</pubDate>
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		<description>Rika,

sowohl Grossman wie Oz mischen sich aktiv in israelische Politik und nehmen fuer sich in Anspruch, sachlich-politische Ansaetze zu praesentieren. 

Ich kann und will keinem Schriftsteller verwehren, politisch aktiv zu sein. Aber dann gelten fuer ihn die gleichen Regeln wie fuer alle anderen auch. Aus ihrer Rolle als Schriftsteller leiten beide (und nicht nur sie - Grass u.a. fallen mir ebenfalls ein) den Anspruch ab, besonders authentisch und tiefschuerfende Beitraege zur Politik zu leisten. Es geht nicht an, aus derselben Sonderrolle einen Anspruch auf Schonung abzuleiten...</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Rika,</p>
<p>sowohl Grossman wie Oz mischen sich aktiv in israelische Politik und nehmen fuer sich in Anspruch, sachlich-politische Ansaetze zu praesentieren. </p>
<p>Ich kann und will keinem Schriftsteller verwehren, politisch aktiv zu sein. Aber dann gelten fuer ihn die gleichen Regeln wie fuer alle anderen auch. Aus ihrer Rolle als Schriftsteller leiten beide (und nicht nur sie - Grass u.a. fallen mir ebenfalls ein) den Anspruch ab, besonders authentisch und tiefschuerfende Beitraege zur Politik zu leisten. Es geht nicht an, aus derselben Sonderrolle einen Anspruch auf Schonung abzuleiten&#8230;</p>
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	<item>
		<title>Von: Rika</title>
		<link>http://beer7.wordpress.com/2007/04/30/amos-oz-und-ein-denkfehler/#comment-1079</link>
		<dc:creator>Rika</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Apr 2007 23:55:20 +0000</pubDate>
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		<description>sicher hast du, 
liebe Ruth,  
eine hervorragende analyse geschrieben.
ich möchte aber einwenden, dass autoren wie oz und grossman ( die ich sehr gerne lese und schätze!) nicht in erster linie sachlich-politisch schreiben - auch wenn sie es manchmal so verkaufen - sondern in ihrer eigenschaft als schriftsteller auch (immer?) ihrer rolle treu bleiben und damit auch die einschätzung der realität nicht nach wissenschaftlichen methoden betreiben. sie bleiben in ihrem metier - zu schreiben und beschreiben und damit ihre gefühle und einschätzungen einfließen zu lassen in das, was sie schildern.
damit liefern sie nicht "den" abgleich der realität sondern bestenfalls das, was sie dafür halten. ( du sagst es ja selbst!) und so kann ich sie auch verstehen - ohne ihnen zustimmen zu wollen oder zu müssen! 
ich lese "sie" als eine stimme mit dem ausdruck von verzweifelung, als solche, die wider besseres wissen die hoffnung auf   verstehen nicht aufgeben ... es macht mich traurig.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>sicher hast du,<br />
liebe Ruth,<br />
eine hervorragende analyse geschrieben.<br />
ich möchte aber einwenden, dass autoren wie oz und grossman ( die ich sehr gerne lese und schätze!) nicht in erster linie sachlich-politisch schreiben - auch wenn sie es manchmal so verkaufen - sondern in ihrer eigenschaft als schriftsteller auch (immer?) ihrer rolle treu bleiben und damit auch die einschätzung der realität nicht nach wissenschaftlichen methoden betreiben. sie bleiben in ihrem metier - zu schreiben und beschreiben und damit ihre gefühle und einschätzungen einfließen zu lassen in das, was sie schildern.<br />
damit liefern sie nicht &#8220;den&#8221; abgleich der realität sondern bestenfalls das, was sie dafür halten. ( du sagst es ja selbst!) und so kann ich sie auch verstehen - ohne ihnen zustimmen zu wollen oder zu müssen!<br />
ich lese &#8220;sie&#8221; als eine stimme mit dem ausdruck von verzweifelung, als solche, die wider besseres wissen die hoffnung auf   verstehen nicht aufgeben &#8230; es macht mich traurig.</p>
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