Gaydamak evacuates hundreds from Sderot
Was ich von Gaydamak halte, ist klar.
Aber die Frage, was koennen/sollen die Bewohner von Sderot machen, was ist zumutbar, was nicht, bleibt offen.
Soweit ich sehen kann, gibt es keine offizielle israelische Statistik zum Kassambeschuss aus dem Gazastreifen. Hier trage ich meine Fragmente zusammen:
Vom 29/09/2000 bis 14/07/04 (knapp vier Jahre) ueber 300 Kassamraketen
1. is 16. Mai 2007 (und der Tag ist noch nicht um!) 56 Kassemraketen
April 2007: 27 Kassamraketen
Maerz 2007: 34 Kassamraketen
Februar 2007: 41 Kassamraketen
Ich addiere jeweils nur die von Israel berichteten Einschlaege, mindestens Feb. bis Apr. waeren die Zahlen hoeher wuerde ich die pal. Angaben zu Einschlaegen beruecksichtigen = 160 Kassamraketen in dreieinhalb Monaten.

Fuer das Jahr 2004 (ohne Januar 2005) kommen wir auf 309 Kassamraketen.
August05 bis Nov06: 1201 Kassamraketen
Und jetzt rechnen wir mal grobe Monatsschnitte:
2000 bis 2003: 349 (extra hoch gegriffen, bei Zahlen von 350 und hoeher wuerde wohl nicht mehr von “ueber 300″ gesprochen) minus 138 (das sind die Raketen Jan bis Mitte Juli 2004) geteilt durch 36: monatlicher Durchschnitt 5.86
2004: monatlicher Durchschnitt: 25.75
August 05 bis November 06 - 1201 geteilt durch 16 Monate: monatlicher Durchschnitt 75.06
Februar 07 bis Mitte Mai 07 - 148 geteilt durch 3.5: monatlicher Durchschnitt 45.14
Der Monatsdurchschnitt fuer Aug05 bis Nov06 scheint hoch zu liegen. Moeglicherweise wurde da nicht sauber zwischen Kassam und Moerserbeschuss unterschieden. Mindestens im Jahr 2004 stellten die Kassamrakten nur 21% des gesamten Beschusses dar.
Alle Zahlen beziehen sich auf Beschuss aus dem Gazastreifen. Von diesen Raketen duerften die meisten auf Sderot gerichtet sein. Gelegentlicher Beschuss von Ashkelon ist immer noch so selten, dass er eigens berichtet wird. Und die Kibbutzim entlang des Gazastreifens bieten weniger lohnende Ziele.
Und nun sollten wir unsere Vorstellungskraft einsetzen: Wir leben mit unseren Familien in Sderot und erleben die staendigen und langsam, aber deutlich zunehmenden Beschuss. Ich erinnere mich allzu gut, wie ich mich gefuehlt habe, als unsere Kinder am Anfang des Libanonkriegs letzten Sommer kurz im Norden Israels waren, als die Katjushas fielen.
Jahrelang mit dem Wissen zu leben, dass jederzeit eine Rakete im Haus, in der Schule, im Kindergarten, im Buero einschlagen kann? Kann man sich daran gewoehnen: die Sirene, die einem nur Sekunden Zeit laesst, Deckung zu suchen? Das Zischen der heranfliegenden und dann das Geraeusch der einschlagenden Rakete? Anschliessend die hektischen Telefonate, um sich aller Familiemitglieder zu versichern?
Ich glaube, ich wuerde unter solchen Umstaenden schon laengst alles gepackt und meine Kinder an einen sichereren Ort gebracht haben.
Andererseits schaut Euch Reaktion #6 zu dem Bericht ueber Gaydamak an:
6. Time to Evacuate ! RUN FOR UR LIVES ! (End)
schreibt fadi , lebanon.
Die juedischen Siedlungen im Gazastreifen wurden vor knapp zwei Jahren geraeumt. Sderot ist aber kein “umstrittenes” Gebiet, zumindest nicht fuer jemanden, der Israels Existenzrecht irgendwie akzeptiert. Wenn Sderot evakuiert wird, brauchen die Palaestinenser im Gazastreifen nur Raketen mit laengerer Reichweite zu entwickeln oder zu importieren (und der Waffenschmuggel ueber die aegyptische Grenze wird weder von den Aegyptern noch von den EU-Beobachtern ernsthaft behindert), dann kommt Ashkelon an die Reihe, dann Ashdod. Schon Ashkelon hat nationale strategische Einrichtungen. Diese Stadt koennte nicht einfach dem Beschuss ueberlassen werden, wie es mit Sderot passiert.
