Pal. Buergerkrieg - IV. Weltkrieg
Mir gelingt es nicht, meinen eigenen Beitrag zu kommentieren. Das Thema ist auch wichtig genug, so dass ich zu einem weiteren Eintrag greife:
Unter dem III. Weltkrieg wird gemeinhin der Kalte Krieg verstanden, der in manchen Stellvertreterkonflikten durchaus heiss war. Demnach muss der Konflikt zwischen politischem Islam (Islamismus) und dem Westen als IV. Weltkrieg gezaehlt werden.
Debka lehnt sich in der Tat manchmal zu weit aus dem Fenster, und die politische Agenda ist unuebersehbar. Ich haette gestern wahrscheinlich nicht dazu verlinkt, wenn ich nicht in y-net eine Art Bestaetigung gelesen haette:
2 al-aqsa members killed in IDF operations
Member of Fatah’s military wing killed in special forces operation in Ramallah; four Palestinians injured. Another group member killed in village near Jenin
(…)
Wir sahen die ganze letzte Zeit, dass die Regierung Olmert ihre Schlaege speziell auf die Hamas ausrichtete, waehrend Fatah und Abbas als potentielle Partner mit Samthandschuhen angefasst wurden. Die Aktion in Ramallah faellt da aus dem Rahmen. Nicht nur, dass auf einmal gezielt Fatahleute ins Visier genommen werden: Ramallah ist auch der Amtssitz von Abu Mazen (Abbas), diese Aktion findet also unter seinen Augen statt. Und gleichzeitig gibt Abbas Toene von sich, wonach die Gespraeche mit den Israelis gut laufen: PA optimistic for ceasefire with Israel. Vor diesem Hintergrund macht die Meldung, dass es sich um Rebellen in der Fatah handelt, die sich gegen Abbas und Dahlan richten und mit Hamas, Hisbollah und Iran kooperieren, sehr viel Sinn. Ich kann mir ganz gut vorstellen, dass die fuer noetige Intelligenz von Fatahleuten kam, die sich Abbas verpflichtet fuehlten.
Zur Ergaenzung empfehle ich diesen Beitrag von Israel Matzav
(…)
Why is the State Department covering for Dahlan and Abu Shbak? First, because the US and the EU have decided that they will talk to ‘non-Hamas’ members of the current ‘Palestinian unity’ government. One of those non-Hamas members is Muhammed Dahlan.
Second, because while the US is financing the Force 17 terror organization, it is also financing Muhammed Dahlan’s office.
Third, because Rice’s ‘benchmarks plan’ depends heavily on Dahlan taking control of the security situation in Gaza.
(…)
Juni 1, 2007 um 5:26 Uhr vormittags
Ruth,
ich glaube nicht, dass der kalte Krieg gemeinhin als III.Weltkrieg verstanden bzw. bezeichnet wird. Die Bezeichnung “kalter Krieg” ist eine überspitzte Formulierung, die zum Ausdruck bringt, dass die Spannung zwischen Ost und West auf die Politik in der ganzen Welt Einfluss nahmen, und vor allem, dass diese Spannungen zeitweise so gross waren, dass kleine Unstimmigkeiten, Missverständnisse und sogar technische Fehler das Vernichtungspotential eines vielfachen Overkills hätten in Gang setzen können, von dem keine Region der Welt mehr verschont geblieben wäre. Das Overkill-Potential besteht übrigens noch immer und entzieht sich immer mehr der internationalen Kontrolle.
Ich halte es auch nicht für gerechtfertigt, die Auseinandersetzung mit islamischem Fundamentalismus als Weltkrieg zu bezeichnen, so ernst die Sache auch ist.
Viele Grüße,
Michael
Juni 3, 2007 um 6:11 Uhr vormittags
Michael,
wenn Dir die Begriffe nicht gefallen, dann verwende sie eben nicht.
Meiner Auffassung passen sie und daher verwende ich sie. Was den III. Weltkrieg angeht, bist Du schlecht informiert:
http://en.wikipedia.org/wiki/World_War_IV
http://www.opinionjournal.com/editorial/feature.html?id=95001493
etc.
Juni 3, 2007 um 11:06 Uhr vormittags
Ruth,
der erste Link weist lediglich auf die gelegentliche Verwendung dieser Bezeichnungen hin: diese Verwendung ist aber augenscheinlich nicht etabliert. Und der zweite Link ist eindeutig eine Meinung (nicht nur wegen des Linknamens ). Sooooo schlecht bin also gar nicht informiert ….
Ich denke, dass es gute Gründe gibt, mit diesen Bezeichnungen etwas vorsichtiger umzugehen. Darum gefallen sie mir nicht.
Juni 3, 2007 um 11:25 Uhr vormittags
Michael,
die Begriffe signalisieren offensichtlich eine politische Position, wie mir selber beim Recherchieren aufgefallen ist. Und zwar stehen WW III und IV anscheinend fuer eine sog. neo-konservative Sicht. Das ist in der Tat die Sichtweise, die mir seit September 2000 die angemessene erscheint. Dir leuchtet sie dagegen offensichtlich nicht ein.
Im Namen der Meinungsfreiheit bestehe ich auf meinem Recht, sie zu verwenden, ob es Dir nun gefaellt oder nicht. Im Gegenzug verzichte ich darauf, Dich dazu zwingen zu wollen, sie ebenfalls zu verwenden.
Interessehalber: Welche Kriterien wuerdest Du fuer “Weltkrieg” zugrunde legen? Warum eignet sich der Begriff Deiner Meinung nach weder fuer den Kalten Krieg noch fuer den Krieg gegen den Terror?
Juni 3, 2007 um 1:30 Uhr nachmittags
Ruth,
ich will dir nicht vorschreiben, wie du persönlich welchen Begriff verwenden sollst - wie käme ich dazu. Aber du hast mich darauf hingewiesen, dass ich scheinbar bestimmte Begriffsbestimmungen nicht mitbekommen hätte, und da ich kein Politikwissenschaftler oder Historiker bin, bin ich erstmal “erschrocken”: schliesslich interessiere ich mich ja ziemlich für diese Themen.
Den ersten Weltkrieg als solchen zu bezeichnen, könnte man vielleicht noch als ein wenig eurozentristisch betrachten; für den zweiten Weltkrieg trifft die Bezeichnung auf jeden Fall zu. Es war ein heisser Krieg, der fast jede Region der Welt betraf. Man kann zwei grosse Bündnisse erkennen, die fast ihre gesamten Möglichkeiten und Fähigkeiten auf die taktische und strategische Durchführung von Handlungen konzentrierten, die so nur in einem umfassenden Krieg aufgebracht werden (können).
Der kalte Krieg war ja keineswegs eine Zeit ohne Krieg. Aber diese militärischen Auseinandersetzungen blieben immer in einer Weise begrenzt, anhand derer man nicht von einem Weltkrieg sprechen konnte.
Es widerstrebt mir, den “Krieg” gegen den Terror schon als Weltkrieg aufzufassen. Das fängt schon damit an, dass gar keine einheitliche Auffassung über den Begriff Terror gibt, und dass auch über die Mittel und Wege ihn zu bekämpfen, verschiedenste Auffassungen bestehen.
Der “Krieg gegen den Terror” kann auch deshalb kaum ein Weltkrieg sein, weil der Unterstützung terroristischer Aktionen recht unterschiedliche Begründungen und Motivationen zugrunde liegen, so dass aus dem Begriff Weltkrieg ein kaum noch aussagefähiger Wühltisch würde. Für Propaganda mag das schön sein, zur Differenzierung eines Sachverhalts nutzt der Begriff damit aber nicht mehr viel.
Aber vielleicht habe ich auch eine zu europäisch gefärbte Sicht.
Juni 3, 2007 um 6:49 Uhr nachmittags
Nein, Micha,
schon der 1. Weltkrieg war keineswegs auf Europa konzentriert. Gerade im Mittleren Osten geht die heutige Ordnung in vielem auf den 1. Weltkrieg zurueck.
Wenn ich Dich richtig verstehe, verlangst Du fuer einen Weltkrieg, dass der Krieg zwischen den beiden Hautpkontrahenten heiss zu sein hat. Stellvertreterkriege reichen anscheinend nicht aus. Ja?
Der “Wuehltisch” ist nicht gar so hetergen, wie Du ihn sehen moechtest. Gemeinsam ist allen terroristischen Brennpunkten eine Ideologie, die auf politischem Islam beruht. Auch im 2. Weltkrieg, der der einzige zu sein scheint, dem Du diesen Begriff wirklich zuerkennst, hatten die verschiedenen Player in den verschiedenen Weltgegenden unterschiedliche Interessen. Du wirst z.B. kaum Hitlerdeutschlands Polenfeldzug, den italienischen Abessinienkrieg und Japans Krieg in China als ein und dasselbe bezeichnen koennen. Trotzdem gab es genuegend Zusammenhaenge, so dass sich der uebergreifende Begriff rechtfertigen laesst.
Dasselbe gilt mE fuer die verschiedenen Fronten des Islamismus gegen den Westen.
Ich weiss nicht, ob Deine Sicht spezifisch “europaeisch” ist. Mir scheint sie ein bisschen von “Kopf in den Sand stecken” gekennzeichnet zu sein, aber das ist sicher kein europaeisches Monopol.
Juni 3, 2007 um 9:45 Uhr nachmittags
Ruth,
bei der Bekämpfung des islamischen Extremismus gibt es zwar punktuell internationale Zusammenarbeit, aber im grossen und ganzen kocht jedes Land sein eigenes Süppchen.
Abgesehen davon: was soll’s denn bringen, die Auseinandersetzungen und Konflikte einfach über einen Kamm zu scheren und als Weltkrieg aufzublasen. Die Sache ist so schon schlimm genug. Da muss man nicht noch extra Öl in’s Feuer giessen. Denn genau letzteres wollen die Extremisten ja; das liefert ihnen ja gerade die Bestätigung, dass sie mit ihren Aktionen die Welt verändern können.
Was erhoffst du dir davon, dass man den “Krieg gegen den Terror” auf die Eskalationsstufe eines Weltkriegs hebt ? Glaubst du die Interessenlage ist in der nicht-islamischen Welt so einheitlich, dass ein koordiniertes Vorgehen zustande kommt ? Verglichen mit den Positionen Russlands und Chinas musst du doch zugeben, dass man fast behaupten kann, dass Europa, USA und Israel noch am gleichen Strang ziehen. Findest du nicht, dass du mit solch verbaler Säbelrasselei gerade jene arabischen Staaten in Bedrängnis bringst, die ohnehin Schwierigkeiten haben, ihre innenpolitische Situation einigermassen unter Kontrolle zu behalten ?
Ich finde, dass man so lange wie irgendmöglich eine Verhandlungslösung verfolgen und höchstens punktuell militärisch vorgehen soll, solange es international weder einen breiten Konsens über die Ziele noch über die Verfahrensweise gibt.
Hätte man sich zunächst allein auf die Sache konzentriert, zu der es noch den grössten Konsens gab - Afghanistan - wären wahrscheinlich alle in einer erheblich besseren Position, meiner Meinung nach auch Israel. Ein konkret vorweisbarer Erfolg hätte allen vernünftigen Seiten eine erheblich bessere Ausgangsbasis verschafft.
Juni 4, 2007 um 6:03 Uhr vormittags
[...] zu verwenden. Weil ich das Thema interessant und wichtig finde, mache ich aus meiner Antwort auf Michaels letzten Kommentar einen neuen Beitrag. bei der Bekämpfung des islamischen Extremismus gibt es zwar punktuell [...]