Deutsche Berichterstattung

German firms smuggled nuclear material to Iran: prosecutor

POTSDAM, Germany (AFP) – German prosecutors on Thursday said they are investigating some 50 companies suspected of smuggling technology to Iran’s Bushehr nuclear power plant via Russia.

Lange said prosecutors have so far only traced material worth about five million euros (6.8 million dollars), but that this appeared to be the tip of the iceberg. Up to 150 million euros’ worth of material may have left Germany for Iran, he estimates.

(…)

Ich habe gezielt nach deutschsprachigen Berichten zum Thema gesucht und nur die regionalen Zeitungen berichten:
Maerkische Allgemeine: Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt wegen Atomgeschäften mit dem Iran und Potsdamer Ermittler entwirren das Netz russischer Schmuggel-Deals für Atommeiler im Iran
Maerkische Oderzeitung: Illegale Atomgeschäfte mit Iran – Lieferung auch über Frankfurt (Oder)
dazu der Newsticker von Netscape Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Nuklearlieferungen für Iran

Die grossen ueberregionalen Zeitungen berichten nicht. Dabei soll nur eine der 50 Firmen, die ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten sind, in Ostdeutschland liegen.

Warum dieses Schweigen? Soll hier etwas verschwiegen werden oder hat die Nachricht keinen Neuigkeitswert, weil ohnehin alle wissen, dass solche Geschaefte stattfinden?

8 Antworten

  1. Ruth,

    es sind in den letzten 40 Jahren einige Milliardenbeträge in die deutsche Atomwirtschaft geflossen. Vermutlich hängen auch noch ein paar Hermesbürgschaften daran. Unsere Politiker und hohen Beamten sind äusserst geübt darin, über Dinge zu entscheiden, von denen sie nix verstehen, die aber der Wirtschaft zu seltsamer Blüte verhelfen. Und rate mal welche westdeutschen Firmen daran hängen könnten … ;-)

  2. … wobei die Strukturen und Verflechtungen längst nicht mehr so klar sind wie in den guten alten 70er Jahren.

  3. Micha,

    das erklaert aber nicht das Schweigen der Presse, oder? Seit wann werden die Journalisten an den Gewinnen durch solche Geschaefte beteiligt?

    Dieses dezidierte Schweigen scheint mir auf dem Mist des Anti-Amerikanismus zu gedeihen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Am Ende haette Bush ja noch Recht damit, wenn er a) den Iran als gefaehrlich einschaetzt und b) von Europa eine haerte Gangart verlangt.

  4. Ruth,

    in einigen dieser Firmen steckt nicht gerade wenig amerikanisches Vermögen. Darum ist Bushs Aufruf ein bisschen scheinheilig. Z.T. bestehen Verflechtungen mit anderen ausländischen Firmen (z.B. französischen), so man herrlich Verantwortung durch die Landschaft schieben kann.
    Was unsere Presse angeht: ich glaube, die sind dann kritisch, wenn sie glauben es sich leisten zu können – nicht mehr und nicht weniger. Amerika und Israel sind m.E. längst nicht die einzigen Themen, deren Berichterstattung z.T. äusserts skurile Züge aufweist. Es wäre für mich eher eine grosse Überraschung, wenn darüber besser berichtet würde. Dazu kommt, dass die Qualität erheblich schwankt, so dass fast alle irgendwelche Beiträge vorweisen können, die sich aus der Masse herausheben. Tatsächlich werden diese jedoch unter einem riesigen Berg Müll begraben und sind daher effektiv irrelevant. Aber es beruhigt das Gewissen ungemein, sich hin und wieder zu beweisen, dass man’s doch kann: das muss dann für die nächste Tonnage Quatsch reichen.
    Die Verflechtung der Presse mit Events wie der Tour de France, die mithalf, das Dopingsystem aufrecht zu erhalten, ist wahrscheinlich eine treffende Parabel für das allgemeine Verhältnis der Presse zu den Themen, über die sie berichtet (das Dope der Politiker ist wahrscheinlich überwiegend die Aufmerksamkeit, die sie in der Öffentlichkeit geniessen).

  5. kurz gesagt: in gewisser Weise *macht* die Presse mit ihrem Umgang mit Informationsquellen ein gutes Stück selbst Politik.

  6. vielleicht halten sich im Moment “grössere” Blätter auch deshalb noch zurück, weil sie die Meldungen erst mit ihren eigenen Informationskanälen abgleichen müssen, was ja zunächst einmal durchaus sinnvoll ist.

  7. Micha,

    natuerlich macht die Presse mit ihrem Umgang mit Informationen auch Politik!

    Die Nachricht stammt vom 12. Juli. In dieser Zeit haette das Abgleichen schon stattfinden koennen.

  8. noooooo net hudla, woisch doch: in Hamburg send’s id dia schnellst … ond en Mincha mends erschnot no im Biergarta dia Sach ausdiskutiera. Ond en Stuagert mends se erscht no dia dia derfet froga ob dia dia wellet so kennet wia se mechtet odr omkehrt. ’s isch halt älles id so oifach wemmr’s gern kompliziert hätt’ ;-)

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