Der erste Schultag

liegt hinter uns und wenn das hier ein Cartoon waere, wuerdet Ihr mich den Schweiss abwischend “Pffffuuuu” sagen sehen.

Jedes Jahr freuen sich Eltern, wenn das Schuljahr wieder beginnt. Und jedes Jahr vergesse ich, dass es immer  noch eine Weile dauert, bis sich die ersehnte Routine einstellt.

Die Kinder sind gluecklich, ihre Freunde wiederzusehen. Meine beiden freuen sich auch auf ihre Lehrerinnen. Die Schule wurde schoen renoviert. In der Luf liegt “Erneuerung”. Das ist schlecht aus dem Hebraeischen uebersetzt. L’hitchadesch ist ein reflexises Verb “sich erneuern”. Es bezieht sich auf ein Konzept, wonach zyklische Ereignisse uns immer wieder Gelegenheit geben, neue Anfaenge zu setzen. Aber eben keine “Stunde Null”, keinen “Schlusstrich”, die Erneuerung aus uns selbst kann nicht funktionieren, wenn wir unsere Geschichte verleugnen.

Wenn nach der Thoralesung die Rolle(n) wieder in den Thoraschrank gestellt werden, singt oder betet die Gemeinde noch ein kurzes Gebet, bevor der Schrank endgueltig geschlossen wird. Es endet auf “Chadesch, Chadesch jameinu, chadesch jameinu k’kedem” (Erneuere, erneuere unsere Tage, erneuere unsere Tage wie ehedem.) L’chadesch stammt natuerlich aus der gleichen Wurzel wie L’hitchadesch ist aber transitiv, der Ewige als Handelnder, wir als Objekt seiner Handlungen. Bemerkenswert finde ich auch die Kombination von “neu” und “ehedem”. Wahrscheinlich liegt es an der Kombination von Wort und Melodie in unserer Gemeinde und auch an der Stelle in der Liturgie, dass ich gerade dieses Gebet immer sehr intensiv empfinde.

Rosh Hashana (Neujahr) steht natuerlich auch vor der Tuer und traegt viel zu dieser Stimmung bei.

4 Antworten

  1. liebe ruth,
    alles gute zum schulanfang. ich bin ja ab sofort auch mutter eines schulkindes – mein kleiner grosser zog heute begeistert in die schule ein um 8 uhr in der früh. möge ihm der spass des lernens lebenslang erhalten bleiben… ich fühle mich jetzt mit dieser neuen situation etwas als “arbeitslose mutter” ;)

    ich wünsche dir und deiner familie schana tova u’metuka – ktiva tova lachem.
    schoschana

  2. Mazal tov ! Ich empfand die Einschulung beides Mal als tiefen Einschnitt. Wie schnell die Kinde gross werden! Allerdings kann ich nicht feststellen, dass mich das als Mutter arbeitslos gemacht haette, eher im Gegenteil. Im Unterschied zum Kindergarten verlangt die Schule auch einiges von mir. Hausaufgabenbetreuung, Elternabende, Elternvertretung, Feiern mitorganisieren usw.

    P.S. Die Feiertagswuensche spare ich mir noch ein bisschen auf. Wir schreiben uns bestimmt noch vorher.

  3. ja, als einschnitt empfinde ich es auch.
    arbeitslos bin ich ja nicht wirklich, bin ja erstens berufstätig und zweitens ist mir schon klar, dass die schule auch ihre anforderungen stellen wird. nicht nur in form von hausaufgabenbetreuung, sondern die schule selbst. bin zwar keine elternvertreterin, aber dadurch, dass ich dort schon workshops gemacht habe, bin ich schon vorher involviert gewesen und das wird jetzt nicht aufhören.

    ja, du hast recht, die feiertagswünsche hätte ich auch aufsparen sollen. die kommen dann halt nochmal, schadet ja nicht! ;)

  4. [...] habe ich schon einmal geschrieben: Bemerkenswert finde ich die Kombination von “neu” und “ehedem”. Es bezieht sich auf ein [...]

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