Jeweils auf dem Weg zum Buero hoere ich Nachrichten im Radio. (Woraus sich leicht ableiten laesst, dass ich fast immer ein paar Minuten zu spaet komme.) Von da habe ich den Eindruck, dass der Kassambeschuss auf Sderot in den letzten Tagen deutlich angestiegen ist. Ob das zutrifft, weiss ich nicht, weil ich im Urlaub keine israelischen Nachrichten hoerte.
Mir scheint, dass Hamas es darauf anlegt, eine Schule oder einen Kindergarten zu treffen. Nachdem die Zielsicherheit von Kassams sehr niedrig ist, kann die Chance nur erhoeht werden, wenn einfach mehr Raketen abgeschossen werden. Eine deutliche Erhoehung der Abschuesse zu Beginn des neuen Schuljahres liesse sich so erklaeren.
Warum Hamas einen solchen Treffer anstrebt: Sie erkennt sehr richtig, dass die Wirkung von verletzten oder getoeteten Kindern auf die israelische Bevoelkerung kaum unterschaetzt werden kann. Weiter scheint sie davon auszugehen, dass die Olmertregierung darauf eher mit der Evakuierung Sderots als mit einer Offensive antworten wuerde. Ich hoffe sehr, dass diese Einschaetzung falsch ist, kann mir aber leider nicht sicher sein.
Heute war es schon nah dran: Babies evacuated as Kassam strikes Sderot day care center courtyard
Wer kann sich in diese Mutter hineinversetzen?
Abgelegt unter : Kinder und Alltag, Nahost


“Wer kann sich in diese Mutter hineinversetzen?”
das sollte eigentlich eine überflüssige frage sein.
Ich bin nicht sicher, Schoschana. Ich habe es versucht und stiess sehr schnell an meine Grenze. Das Allerschlimmste, was ich mir vorstellen kann, ist, dass meinen Kindern durch meine Schuld etwas zustossen koennte. Die entsprechenden Gefuehle kann ich nur zu einem ganz kleinen Prozentsatz bei einer solchen Uebung zulassen. Alles andere scheint mein Bewusstsein abzuwehren.
Ich fürchte, die Hamas geht davon aus, dass sie in jedem Fall profitiert: Evakuiert Israel Sderot, ist es ein Sieg für die Hamas. Eskaliert es den Konflikt, profitiert ebenfalls die Hamas, weil sie den Konflikt braucht wie die Luft zum Atmen und andererseit die verhandlungsbereite Fatah-Führung Legitimität verliert.
Manfred,
ob Abbas und Co. wirklich als Fatahfuehrung gesehen werden koennen, wage ich zu bezweifeln. Siehe diesen Artikel http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1188392500475&pagename=JPost/JPArticle/ShowFull
Es gibt nur eine Lösung ohne blutiger Invasion, die zahlreiche israelische Opfer erfordern würde : eine offentliche Erklärung der Regierung Israels, dass in Hinkunft auf
jede Kassam-Rakete mit ungezielten 20 Artilleriegranaten auf Bevölkesrungszentren
in Gaza geantwortet wird. Von diesem Entschluss ist auch der UN-Sicherheitsrat zu
verständigen, der – ebensowenig wie das Quartett, die EU u.a.m. – stillschweigend das
Wüten der islamofaschistischen Gangs von Hamas und Islamic Jihad hingenommen haben.
Oje. Eine PA, die nicht mehr für den Gazastreifen spricht, “geführt” von einer Fatah, die kaum noch im Westjordanland sicher im Sattel sitzt, “geführt” von einem Abbas, dem nicht einmal die Fatah folgen würde. M.a.W.: Es gibt überhaupt niemanden auf der pal. Seite, der Frieden schließen könnte.
Ja, das ist die Zusammenfassung und sie ist schwer auszuhalten. Gestern meinte sogar mein Mann, dass man vielleicht mit Hamas reden muesste, weil man ja schliesslich mit irgendjemandem reden muesse.
Ich erwies auf die “Erfolge” der vielen internationen Gespraechsversuche mit Syrien und auf die “Erfolge”, die gerade Europa gegenueber der Hamas erzielt hat. (Es wurde eine kleine Philippika, weil ich ohnehin ziemlich angespannt bin.)
Zum Schluss meinte er, dann seien ja auch Verhandlungen um Shalit eigentlich nur eine Staerkung der Hamas. Ich seufzte und meinte, dass Israel da wohl nicht so viel Wahl haette. Und ja, natuerlich bedeuten Verhandlungen um eine Geisel Machtzuwachs fuer den Geiselnehmer. Deswegen gibt es ja Entfuehrungen!