Verhandeln mit Hamas III

September 24, 2007

Gestern haben 11 linksorientierte Schriftsteller und Intellektuelle eine Petition vorgelegt, in der sie Olmert auffordern, mit Hamas zu verhandeln. Intellectuals to PM: Talk with Hamas

Ich halte nichts von Verhandlungen mit Hamas. Und mir scheint es bedenklich, dass Schriftsteller aus ihrem literarischen Rang den Anspruch auf besonderes politisches Verstaendnis ableiten.

Amos Oz und David Grossmann habe ich in dieser Hinsicht schon ein bisschen unter die Lupe genommen.

Wie gesagt, lese ich gerade systematisch “The Oslo Syndrome” von Kenneth Levin. Hier findet sich eine ins Deutsche uebersetzte Rede von ihm vor dem Middle East Forum vom 26.09.2005. Und hier eine Rezension seines Buches durch Joel Fishman (englisch).

Vor diesem Hintergrund ordne ich die Petition folgendermassen ein. Die Auffassung, dass Israel nur zu einem Bruchteil ueberhaupt in der Lage ist, Einfluss auf den Nahostkonflikt zu nehmen (ausser, es stimmt seiner Aufloesung zu!) , bedeutet Hilflosigkeit, die psychisch schwer auszuhalten ist. Ich habe zwar Amos Oz, David Grossmann et alii nicht auf der Couch, aber gestern abend, als die Nachricht im Fernsehen kam, immerhin meinen Mann auf dem Sofa, der genauso fuehlt, ohne dass er imstande waere, seine Gefuehle so eloquent zu rationalisieren wie ein Schriftsteller. Seine Begruendung lief immer wieder auf dasselbe heraus: “Wir muessen doch irgendetwas tun. Mit Hamas haben wir noch nicht verhandelt. Es kann doch nicht schaden, das zu versuchen.” Umsonst versuchte ich ihm klar zu machen, dass Verhandeln mit einer Partei, die nachweislich keinerlei Vertraege einhaelt (s. Mekkaabkommen) eine voellig ueberfluessige Uebung ist. Und dass sie sehr wohl schaden kann: Israelische Verhandlungen mit Hamas wuerden diese augenblicklich international rehabilitieren und die Gelder und Unterstuetzung vor allem aus Europa wuerden nur so sprudeln. Hamas genoesse waehrend der Verhandlungen einen de-facto Waffenstillstand, den sie - wie bisher noch immer - nutzen wuerde, um sich fuer die naechste Terrorrunde vorzubereiten. Israelische Verhandlungen mit Israel wuerden Hamas genau das geben, was sie braucht, um beim naechsten Anlauf noch erfolgreicher zu sein: Zeit, Geld und internationale Anerkennung.

Mein Mann konnte meinen Argumenten nichts entgegen setzen. Sie lassen sich gar zu leicht verifizieren und er kennt die Entwicklungen hier nicht weniger gut als ich. Aber sie liefen seinem Gefuehl zuwider. Er konnte nicht zulassen, dass es im Moment sehr wenig gibt, was Israel ueberhaupt tun kann.


Jom Kippur - die Praxis

September 23, 2007

Zu allen Festen gehoert das vorangehende Schuften und Hasten bei den Vorbereitungen. Jedes Jahr wieder fuehle ich mich irritiert, dass vor einem Fasttag soviel gekocht werden muss. Die letzte Mahlzeit vor dem Fasten und die Mahlzeit nach dem Fasten sollen festlich sein.

Weil ich befuerchtete, es sonst nicht zu schaffen, fing ich am Donnerstag abend schon zu kochen an. Gleichzeitig begann ich, literweise Wasser zu trinken.

Am Freitag morgen kam der obligatorische Markteinkauf, obwohl ich diesmal mehr fuer die folgende Woche als fuer das Fest einkaufte. Ein Besuch in der Buchhandlung gehoert auch dazu: Diesmal habe ich mir Kenneth Levin “The Oslo Syndrome” und Michael Oren “Six Days of War” gegoennt. Beide Buecher kannte ich schon in Auszuegen, habe sie aber noch nicht systematisch gelesen. Dann die letzten Gerichte zubereiten und putzen. Mein Mann half fleissig mit und brachte auch die Fahrraeder der Maedchen in Ordnung.

Schliesslich wurde es Zeit, die Maedchen abzuschrubben, selber in die Dusche zu steigen und sich an den Tisch zu setzen. Zu meiner Genugtuung waren alle Gerichte gelungen und schmeckten rundum. Da komplexe Kohlenhydrate am Besten vorhalten, gab es eine Gerstensuppe vorweg, dann Reismischung aus rotem und weissem Reis mit Pinienkernen und Rosinen, gebackene weisse Boehnchen, Jerusalemartischoken (eine Kartoffelart) mit Zuchhini und Erbsen, weil zu einer Mitzwa-Mahlzeit aber auch Fleisch gehoert, auch Rinderbraten mit Steinpilzsauce. Zum Nachtisch Obstsalat und Honigkuchen.

Alles abwaschen, den letzten Muell fortbringen, Zaehne putzen, Feiertagskleider anlegen, Kerzen anzuenden. Der Countdown ist bei Null angelangt. Sofort veraendert sich die Stimmung. Wir spazieren alle zusammen Hand in Hand zum Beit HaKnesseth. Shimon findet sogar noch einen Sitzplatz. Ich haette auch einen bekommen koennen, verzichte aber, weil ich nicht glaube, dass ich die ganze Zeit im Beit HaKnesseth sein kann. Richtig, wir haben noch nicht einmal ein Viertel der Liturgie hinter uns - die allerdings durch das Versteigern der Ehren unnoetig verlaengert wurde (an diese separdische Sitte kann ich mich nicht gewoehnen!) - da werden die Maedchen ungeduldig. Viele anderen Kinder haben schon an diesem Abend ihre Fahrraeder dabei, waehrend wir ihnen das Fahrradfahren eigentlich erst am folgenden Tag erlauben wollten. Schliesslich gebe ich nach, auch, damit die anderen Frauen nicht weiter durch meine zwei gestoert werden. Inzwischen ist es die Frauenabteilung so dicht, dass ich manche Beterinnen fast beiseite schieben muss, um ueberhaupt ins Freie zu gelangen. Ich hole die Fahrraeder der Maedchen und sitze nun draussen, wo ich nur noch die Haelfte hoere… Wehmuetig denke ich an letztes Jahr, wo in der Stuttgarter Synagoge mitbeten konnte.

Wir gehen nach Hause. Ich singe den Maedchen zum Einschlafen und gehe dann selber ins Bett. Der Countdown hat muede gemacht.

Am naechsten Morgen wache ich frueh auf. Ich setze mich auf den Balkon und geniesse die Stille. Als die Maedchen auch aufstehen, draenge ich sie, raus zu gehen. Solange es noch kuehl ist, macht Fahrradfahren am meisten Spass. Ich setze mich dazu mit Levin an eine Ecke, waehrend alle Nachbarskinder auf ihren diversen Gefaehrten an mir vorbeiflitzen. Gegen Mittag werden die Maedchen hungrig und ich muede. Ich schlafe auf dem Sofa ein. Die Kinder spielen sehr ruhig und phantasievoll. Sie basteln einen Aufzug, mit dem ihre Puppen zwischen ihren Stockbetten hin und her fahren koennen. Der einzige Nachteil ist, dass das Kinderzimmer danach aussieht, als sei eine Bombe eingeschlagen.

Am Nachmittag gehen wir wieder zum Beth HaKnesseth. Diesmal versuche ich gar nicht mehr, hinein zu kommen. Ich sitze draussen mit vielen Nachbarinnen, die ich teilweise schon lange nicht gesehen habe. Die Gespraeche drehen sich vor allem um die Kinder. Schliesslich meine ich mit Blick auf den Nachthimmel, dass nun die Zeit fuer den Schofar gekommen waere. Waehrend ich meine Toechter suche, um mit ihnen naeher ans Gebaeude heranzugehen, wird der Schofar schon geblasen und ich habe ihn diesen Jom Kippur nicht gehoert. Diesmal gehen wir nach Hause, ohne auf meinen Mann zu warten.

Ich habe den Tisch schon gedeckt, die Eier gekocht und die Grosse hat den Salat gerichtet, waehrend die Kleine im Kinderzimmer wenigstens die Betten frei geraeumt hat, als er auch nach Hause kommt. Wir trinken langsam ein Glas Tee und essen ein paar Datteln. Dann setzen wir uns an den Tisch, diesmal zu einer milchigen Mahlzeit. Zur grossen Freude der Maedchen gibt es Eis zum Nachtisch.

Eigentlich wollte ich noch die Bretter fuer die Sukkah aus dem Keller holen, aber dann bin ich doch zu muede. Vor dem Einschlafen lasse ich mir den Tag noch einmal durch den Kopf gehen. Eigentlich haette ich ihn gern spiritueller erlebt. Aber zuhause ist das anscheinend schwieriger, wenigstens solange die Kinder noch klein sind. So lag der Schwerpunkt fuer mich auf der Familie.


Quod erat demonstrandum

September 23, 2007

Vor Jom Kippur schrieb ich noch, dass Hamas ohnehin pausenlos versucht, Selbstmordattentate in Israel durchzufuehren.

Die Bestaetigung folgt auf dem Fuss:
Police, Shin Bet foil suicide attack in Tel Aviv
‘Hamas planned attack to sabotage summit’
und hier auf Deusch
Israelische Sicherheitskräfte vereiteln Anschlag

Hamas is under orders to perpetrate a large terrorist attack in an Israeli city to undermine the peace summit scheduled for November, senior defense officials said Saturday, hours after a Yom Kippur suicide attack was thwarted by an arrest and the capture of an explosives belt in Tel Aviv.

Security officials said intelligence on the imminent attack was obtained by the Shin Bet (Israel Security Agency) from the head of Hamas in Nablus, Niad Shakrit, who was arrested late Thursday night by the IDF’s Duvdevan undercover unit, ending a four-day operation in the West Bank city.

Nablus liegt nicht im Gazastreifen, sondern in der Westbank, die angeblich von der Fatah unter Abu Mazen und Salam Fayad kontrolliert wird. Man sollte meinen, dass die Konferenz im November im besonderen Interesse gerade dieser PA Regierung liegt. Trotzdem ist Fatah entweder unwillig oder unfaehig, gegen

a large Hamas weapons lab in Nablus

(zitiert aus dem Y-Net Artikel) vorzugehen.

Aber war das wirklich nur eine Hamas-Zelle in Nablus? Laut WorldNetDaily waren mindestens zwei Mitglieder der Al-Aksa-Brigaden (Fatah) beteiligt. Und was noch schoener ist, weil diese Terroristen auf der Amnestieliste stehen (man erinnere sich Aufgabe von Waffen und Gewalt gegen Amnestie) wurden sie sofort wieder laufen gelassen.

Das Photo stammt aus dem oben verlinkten Artikel aus der New York Times und ist folgendermassen untertitelt:

Mahdi Maraka, an Aksa Brigades leader, turned in his weapons and is temporarily staying in this Palestinian Authority cell in Nablus.

Wenn nun dieser und andere Terroristen vorlaeufig in Nablus geblieben waeren, um die dortigen Zellen und Sprengstofflabors mit zu organisieren?


Jom Kippur

September 20, 2007

Wenn ich in diesem Blog jemanden beleidigt habe, bitte ich um Verzeihung.

גמר חתימה טובה


Pal. Druecken auf die Traenendruese in der ZEIT

September 20, 2007
Zwei Drittel der Bevölkerung im Gaza-Streifens sind inzwischen von den Hilfslieferungen der Vereinten Nationen abhängig, um zu überleben.

erzaehlt Dr. Usama Antar im Interview in der Zeit

Tatsaechlich ist das ein Dauerzustand, der nichts mit der Hamasherrschaft (gewaehlt im Januar 2006, Putsch im Gazastreifen im Juni 2007) zu tun hat.

Man beachte folgende Tabelle der UNRWA vom Jahr 1998, also lange vor der sog. 2. Intifada und mitten in den hoffnungsvollen Oslojahren. Im Gazastreifen waren damals 785,551 Personen als Fluechtlinge registriert und hatten damit das Recht auf Unterstuetzung durch die UNRWA. Im Maerz 2005 waren es bereits 961,645 Personen.

Philip Rizk gibt in seinem Blog die Gesamtbevoelkerung des Gazastreifens mit 1.49 Millionen an. Wenn wir nun die 961,645 registrierten Fluechtlinge von 2005 durch die Bevoelkerung von 2007 teilen - wobei davon auszugehen ist, 1) dass die Bevoelkerung in diesen zwei Jahren mit Sicherheit gewachsen ist und 2) dass Philip Rizk eher ueber- als untertreibt - dann erhalten wir 64.54%, voila Zweidrittel!

Freundlicherweise haelt Dr. Antar fest, was die UN schon lange leugnet:

Bisher haben wir keine Knappheit an Lebensmitteln, in dieser Hinsicht ist alles vorhanden.

Er faehrt fort:

Allerdings haben wir keine Rohstoffe, was vor allem die kleinen und mittleren Betriebe betrifft.

Die Produktion von Kassamraketen leidet offensichtlich unter keinem Rohstoffmangel und laut NZZ ist der Waffenmarkt wegen Ueberangebot zusammengebrochen.

Owohl Dr. Antar in erster Linie die Hamas fuer die Zustaende im Gazastreifen verantwortlich macht (in zweiter Linie natuerlich Israel fuer die Hamas):

Die Sicherheitslage hat sich, entgegen der Behauptungen der Hamas nicht verbessert, die Lebenssituation ist schlecht. Gaza war und ist ein großes Gefängnis. Ein Menschenrechtler hat das einmal so beschrieben: Die Menschen in Gaza leben wie in einem großen Käfig, sie werden nur mit Lebensmitteln versorgt. Wie Tiere im Zoo.

Es gibt keinerlei Bewegungsfreiheit, keine freie Meinungsäußerung, keine Parteien. Wir haben es mit der Herrschaft einer einzigen Macht zu tun: der Hamas.

greift er mit beiden Haenden zu, als ihm der Interviewer als Loesung nahelegt, man muesse mit der Hamas verhandeln:

ZEIT Online: Da heißt konkret, es führt kein Weg daran vorbei, mit Hamas zu reden?

Antar: Ich denke nicht, denn sie symbolisiert eine große Kraft, sie ist äußerst populär und sie besitzt massenhaft Waffen. Man muss sie in künftige Abkommen einbinden. Abmachungen, die nur zwischen Israel und der Regierung getroffen werden, werden wenig Hoffnung auf Erfolg haben. Außerdem hat man von Hamas schon einige pragmatische Entscheidungen gesehen. Zum Beispiel die Einhaltung der Waffenruhe mit Israel.

Eine Politik der Konfrontation hätte dagegen ungewisse Konsequenzen, die Gefahr, dass im gesamten Nahen Osten Chaos ausbricht, ist eine reale Gefahr. Hamas könnte plötzlich die strategische Entscheidung treffen, die Selbstmordanschläge wieder aufzunehmen. Der ehemalige israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin hat einmal gesagt, dass nichts jemanden davon abbringen könne, einen Selbstmordanschlag zu verüben.

Gerade bei der Einhaltung von “Waffenruhe” hat sich die Hamas notorisch “zuverlaessig” gezeigt: Waffenruhe heisst fuer sie, dass die Gegenseite einseitig auf Aktionen verzichtet, waehrend sie selbst frei ist, weiter zu agieren.

Die Drohung mit einer Wiederaufnahme der Selbstmordanschlaege koennte auch ernster genommen werden, waere nicht dokumentiert, dass die Hamas die ganze Zeit ueber versucht, Selbstmordanschlaege durchzufuehren.


Kognitive Dissonanz in der NZZ (Viktor Kocher)

September 20, 2007

Iran wehrt sich gegen die französischen Drohungen

Ich habe mir vor einiger Zeit von berufener Seite erklaeren lassen, dass die Redaktion die Ueberschriften und Zwischentitel waehle. Demnach ist die NZZ-Redaktion fuer das Orwell’sche “wehrt sich” (vgl. “Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen.”) verantwortlich.

Dem Journalist Viktor Kocher wurde in diesem Fall damit aber kein Tort angetan. Ganz offensichtlich geht er davon aus, dass der Iran voellig unschuldig sei und die deutlichen Worte von Frankreichs Aussenminister Kouchner ueberhaupt nicht verdiene.

Teheran setzt darauf, dass es mittels besserer Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) schärfere Uno-Sanktionen verhindern und damit sein ziviles Nuklearprogramm weiterführen kann.

Was fuer Herrn Kocher voellig ausser Frage steht, dass naemlich der Iran ausschliesslich ein ziviles Nuklearprogramm habe, stellt sich fuer den Rest der Welt etwas weniger eindeutig dar. Auch die Berichterstattung in der NZZ selber vermittelt ein ganz anderes Bild:
Iran besitzt Dokumente zum Bau von Atombomben
vom 01.02.2006
Irans nuklearer Aufstieg vom 19.03.2006
Was will Iran mit Atomwaffen? vom 07.07.2006
«Iran will zum Atom-Klub aufschliessen» vom 23.12.2006
Iran beschleunigt Atomprogramm vom 10.04.2007

Dies alles passt zu einer iranischen Politik, die mit Hilfe erschöpfender Auskünfte über die eigenen Atomprogramme deren Fortführung retten will.

Auch die Maer von der iranischen Transparenz laesst sich kaum aufrecht erhalten, wenn man auch nur oberflaechlich die oben verlinkten Artikel ueberfliegt.

Wie kommt ein angesehener Journalist einer angesehenen Zeitung dazu, in einem Nachrichtenbeitrag einfach Fakten falsch widerzugeben?


Es wurde Zeit!

September 19, 2007

Das israelische Sicherheitskabinett hat den Gazastreifen zur feindlichen Entitaet erklaert.

Move enables Israel to cut off electricity, water and fuel

“Hamas is a terrorist organization that has taken control of the Gaza Strip and turned it into hostile territory. This organization engages in hostile activity against the State of Israel and its citizens and bears responsibility for this activity.

“In light of the foregoing, it has been decided to adopt the recommendations that have been presented by the security establishment, including the continuation of military and counter-terrorist operations against the terrorist organizations.

“Additional sanctions will be placed on the Hamas regime in order to restrict the passage of various goods to the Gaza Strip and reduce the supply of fuel and electricity. Restrictions will also be placed on the movement of people to and from the Gaza Strip. The sanctions will be enacted following a legal examination, while taking into account both the humanitarian aspects relevant to the Gaza Strip and the intention to avoid a humanitarian crisis.”

Und natuerlich melden sich die ueblichen Verdaechtigen zu Wort:

Following the decision, a UN official called the move problematic, telling Army Radio that since Gaza was still under Israeli occupation and Israel controlled all crossings in and out of the area, collective punishment of all Gaza residents would constitute a violation of international law.

Die Behauptung, Israel kontrolliere alle Grenzuebergaenge in den Gazastreifen, ist nachweislich falsch. Es scheint aber Methode zu sein, dass linksorientierten Menschen und Gremien das einfach leugnen, vgl. Viktor Kocher in der NZZ.


die Sehnsucht nach der Gleichheit

September 19, 2007

via Achse des Guten bin ich auf diesen ausgezeichneten Text gestossen:
Der Haß auf die eigene Gesellschaft

Bitte lest ihn ganz. Ich greife nur ein kleines Element hervor, dass zu meinen Gedanken zum Narzissmus passt.

Bakunins »Ich will nicht ich, ich will wir sein«, ist gleichsam das gemeinsame Motto dieser Intellektuellen.

Ich assoziiere mit dem Satz Bakunins zunaechst einmal den Plural Majestatis. Hier scheint es mir auch oder sogar in erster Linie um Selbsterhoehung zu gehen. Der Narziss will andere vereinnahmen, um sich selbst auf diese Weise zu vergroessern.

Bei den meisten Forderungen nach gesellschaftlicher Gleichheit, denen ich in meinem Privatleben begegne, kommt es dem Fordernden nie in den Sinn, sich selbst aendern und anderen anpassen zu wollen. Es geht in Wirklichkeit nicht um Gleichheit, sondern um Angleichen. Andere Menschen koennen nur insoweit akzeptiert werden, als sie sich dem Selbstbild des Fordernden anzupassen bereit sind. Damit wird jeder dieser Fordernden zum “Mass aller Dinge”.


Notproviant, Gasmasken?

September 19, 2007

Heute wird in allen israelischen Medien ueber einen Artikel des britischen Militaermagazins Jane’s Defence Weekly berichtet. Danach waere es bei einem Versuch, Scudraketen mit chemischen Sprengkoepfen auszustatten, zu einer Explosion gekommen, wobei Dutzende iranischer Ingenieure und 15 syrische Offiziere getoetet worden seien.

Report: Dozens dead in Syrian chemical weapons experiment
‘Dozens died in Syria-Iran missile test’
News / Report: Iranians killed in July blast in Syrian chemical arms plant

Nur Debka wiegelt (wieder) ab: DEBKAfile: Janes Defense Weekly’s “revelation” of an explosion at a Syrian military plant was first aired by Syria radio and TV on the day it happened


Apropos Begabtenfoerderung

September 18, 2007

In dem unten verlinkten Statement des isr. Erziehungsministeriums zur Begabtenfoerderung findet sich dieser Satz:

טיפוחם של תלמידים מחוננים ומצטיינים נועד לא רק למענם אלא גם למען החברה כולה, שכן בבגרותם הם יוכלו להצעידה לאופקים חדשים בכל תחומי החיים.

Die Foerderung der begabten und herausragenden Schuelern kommt nicht nur diesen selber zugute, sondern der ganzen Gesellschaft: als Erwachsene werden sie sie in allen Lebensbereichen zu neuen Horizonten voranbringen koennen.

Uebersetzung von mir

Kommt es nur mir so vor, dass hier eine defensive Haltung eingenommen wird? Die Rechtfertigung erfolgt wohl gegenueber Vorwuerfen wie diesen: TA’s gifted program: Mostly for the rich

In diesem Artikel werden mehrere Punkte vermischt. Die Schlagzeile suggeriert, dass die Begabtenfoerderung fast ausschliesslich den Kindern aus reichen Familien zugute kommt. Und gerade die (implizit) haben es ja am wenigsten noetig.

Der Schlussatz des Artikels lautet dann:

According to a source who is familiar with the tests used by the Szold Institute, “there is no doubt that children who receive more nurturing at home will do better on the tests.”

Der Satz ist atemberaubend banal: “Nurturing” (Zuwendung, Pflege, Foerderung) ist die Grundlage jeder erfolgreichen Erziehung. Ich kann mir keinen einzigen Test vorstellen, bei dem Kinder, die zuhause Zuwendung erfahren, nicht besser abschneiden wuerden, als Kindern, denen Zuwendung fehlt.

“Nurturing” und “rich” sind aber keineswegs Synonyme. Gerade im Norden von Tel Aviv wohnen viele Familien, wo beide Eltern hohe berufliche Positionen haben und dementsprechend rund um die Uhr arbeiten muessen. Fuer ihre Kinder haben sie dann nicht mehr so viel Zeit … Ich finde gerade kein Link dazu, aber ich erinnere mich an mindestens zwei Faelle, wo Jugendliche aus solchen “reichen” Familien Straftaten begangen haben und in der Berichterstattung implizit den Eltern vorgeworfen wurde, dass sie ihre Kinder zugunsten ihrer Karriere vernachlaessigt haetten.

Ich habe noch keine Statistik gesehen, aber ein kurzer Blick auf die Gruppe meiner Tochter heute morgen und ein Gespraech mit einem Kollegen, dessen Frau jahrelang die Begabtenfoerderung von Sha’ar Hanegev geleitet hat, vermittelen mir, dass Kinder aus orthodoxen Familien ueberrepraesentiert sind. Orthodoxe Familien sind aber gerade nicht “reich” im Sinn von Ha’aretz. Dagegen wird der Erziehung der Kinder (”Nurturing”) ein hoher Wert zugemessen.

Was Ha’aretz im Sinn hat, ist “affirmative action”, die gezielte Foerderung von Kindern, die aus welchen Gruenden auch immer benachteiligt sind. Solche Programme haben auch ihre Berechtigung. Auf die spezielle Foerderung von Beduinen habe ich schon einmal verwiesen. Im Kontext der Begabtenfoerderung hat “affirmative action” aber nichts verloren. Shlomit Rachmel, die Direktorin der Abteilung Begabtenfoerderung, haelt im Artikel ganz richtig (und diplomatisch) fest, dass das die Begabtenfoerderung ad absurdum fuehren wuerde:

If there is a big gap between groups of gifted students, a heterogenous group will be formed that will change the essence of the program.

Mein Eindruck ist, dass dem Artikel unausgesprochen das Ideal einer Gesellschaft zugrunde liegt, die moeglichst “gleich” ist. Die besondere Foerderung von begabten Kindern ist von Uebel, weil damit der Unterschied zwischen diesen und anderen Kindern vergroessert statt verkleinert wird. “Affirmative action” ist dagegen gut, weil das Ziel Angleichung ist.

Dieser Kommentar zum Ha’aretzartikel scheint mir dafuer symptomatisch:

It is giving one lot of kids because through an accident of birth an advantage over other kids. We are all members of the same family, the human family. No one person has the right to have a better life than an other. That is what will happen to those so called “privileged” kids, over the other the ordinary children.

Hervorhebung von mir. Damit keine begabten Kinder spaeter ein besseres Leben haben koennen, muessen sie in ihrer Entwicklung eher gebremst werden. Dass - wie das Erziehungsministerium festhaelt - die Beitraege von besonders begabten und qualifizierten Menschen der Gesellschaft insgesamt nuetzen, wird mindestens ausgeblendet, wenn nicht gar abgelehnt.

Dazu habe ich zufaellig auch heute gelesen: Wir brauchen mehr Ungleichheit!

(…)

Friedrich August von Hayek hat sich im März 1981 in einem Interview in der Wirtschaftswoche zur Ungleichheit und zur „sozialen Gerechtigkeit“ geäußert. Es lohnt sich, den großen klassischen Liberalen noch einmal zu Wort kommen zu lassen

(…)

Ungleichheit ist nicht bedauerlich, sondern höchst erfreulich. Sie ist einfach nötig. Leider Gottes ist das Sozialprodukt nur da, weil Menschen nach ihrer Produktivität entlohnt und dorthin gelockt werden, wo sie am meisten leisten. Gerade die Unterschiede in der Entlohnung sind es, die den einzelnen dazu bringen, das zu tun, was das Sozialprodukt entstehen lässt. Durch Umverteilung lähmen wir diesen Signalapparat. Und nicht nur das: Wir unterbinden auch die ständige Anpassung an sich laufend verändernde Umstände, durch die allein die Wirksamkeit unseres Produktionsapparates erhalten werden kann, Umstände, von denen der einzelne nichts weiß, über die er nur durch den Marktmechanismus informiert werden kann.

(…)