In dem unten verlinkten Statement des isr. Erziehungsministeriums zur Begabtenfoerderung findet sich dieser Satz:
טיפוחם של תלמידים מחוננים ומצטיינים נועד לא רק למענם אלא גם למען החברה כולה, שכן בבגרותם הם יוכלו להצעידה לאופקים חדשים בכל תחומי החיים.
Die Foerderung der begabten und herausragenden Schuelern kommt nicht nur diesen selber zugute, sondern der ganzen Gesellschaft: als Erwachsene werden sie sie in allen Lebensbereichen zu neuen Horizonten voranbringen koennen.
Uebersetzung von mir
Kommt es nur mir so vor, dass hier eine defensive Haltung eingenommen wird? Die Rechtfertigung erfolgt wohl gegenueber Vorwuerfen wie diesen: TA’s gifted program: Mostly for the rich
In diesem Artikel werden mehrere Punkte vermischt. Die Schlagzeile suggeriert, dass die Begabtenfoerderung fast ausschliesslich den Kindern aus reichen Familien zugute kommt. Und gerade die (implizit) haben es ja am wenigsten noetig.
Der Schlussatz des Artikels lautet dann:
According to a source who is familiar with the tests used by the Szold Institute, “there is no doubt that children who receive more nurturing at home will do better on the tests.”
Der Satz ist atemberaubend banal: “Nurturing” (Zuwendung, Pflege, Foerderung) ist die Grundlage jeder erfolgreichen Erziehung. Ich kann mir keinen einzigen Test vorstellen, bei dem Kinder, die zuhause Zuwendung erfahren, nicht besser abschneiden wuerden, als Kindern, denen Zuwendung fehlt.
“Nurturing” und “rich” sind aber keineswegs Synonyme. Gerade im Norden von Tel Aviv wohnen viele Familien, wo beide Eltern hohe berufliche Positionen haben und dementsprechend rund um die Uhr arbeiten muessen. Fuer ihre Kinder haben sie dann nicht mehr so viel Zeit … Ich finde gerade kein Link dazu, aber ich erinnere mich an mindestens zwei Faelle, wo Jugendliche aus solchen “reichen” Familien Straftaten begangen haben und in der Berichterstattung implizit den Eltern vorgeworfen wurde, dass sie ihre Kinder zugunsten ihrer Karriere vernachlaessigt haetten.
Ich habe noch keine Statistik gesehen, aber ein kurzer Blick auf die Gruppe meiner Tochter heute morgen und ein Gespraech mit einem Kollegen, dessen Frau jahrelang die Begabtenfoerderung von Sha’ar Hanegev geleitet hat, vermittelen mir, dass Kinder aus orthodoxen Familien ueberrepraesentiert sind. Orthodoxe Familien sind aber gerade nicht “reich” im Sinn von Ha’aretz. Dagegen wird der Erziehung der Kinder (”Nurturing”) ein hoher Wert zugemessen.
Was Ha’aretz im Sinn hat, ist “affirmative action”, die gezielte Foerderung von Kindern, die aus welchen Gruenden auch immer benachteiligt sind. Solche Programme haben auch ihre Berechtigung. Auf die spezielle Foerderung von Beduinen habe ich schon einmal verwiesen. Im Kontext der Begabtenfoerderung hat “affirmative action” aber nichts verloren. Shlomit Rachmel, die Direktorin der Abteilung Begabtenfoerderung, haelt im Artikel ganz richtig (und diplomatisch) fest, dass das die Begabtenfoerderung ad absurdum fuehren wuerde:
If there is a big gap between groups of gifted students, a heterogenous group will be formed that will change the essence of the program.
Mein Eindruck ist, dass dem Artikel unausgesprochen das Ideal einer Gesellschaft zugrunde liegt, die moeglichst “gleich” ist. Die besondere Foerderung von begabten Kindern ist von Uebel, weil damit der Unterschied zwischen diesen und anderen Kindern vergroessert statt verkleinert wird. “Affirmative action” ist dagegen gut, weil das Ziel Angleichung ist.
Dieser Kommentar zum Ha’aretzartikel scheint mir dafuer symptomatisch:
It is giving one lot of kids because through an accident of birth an advantage over other kids. We are all members of the same family, the human family. No one person has the right to have a better life than an other. That is what will happen to those so called “privileged” kids, over the other the ordinary children.
Hervorhebung von mir. Damit keine begabten Kinder spaeter ein besseres Leben haben koennen, muessen sie in ihrer Entwicklung eher gebremst werden. Dass - wie das Erziehungsministerium festhaelt - die Beitraege von besonders begabten und qualifizierten Menschen der Gesellschaft insgesamt nuetzen, wird mindestens ausgeblendet, wenn nicht gar abgelehnt.
Dazu habe ich zufaellig auch heute gelesen: Wir brauchen mehr Ungleichheit!
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Friedrich August von Hayek hat sich im März 1981 in einem Interview in der Wirtschaftswoche zur Ungleichheit und zur „sozialen Gerechtigkeit“ geäußert. Es lohnt sich, den großen klassischen Liberalen noch einmal zu Wort kommen zu lassen
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Ungleichheit ist nicht bedauerlich, sondern höchst erfreulich. Sie ist einfach nötig. Leider Gottes ist das Sozialprodukt nur da, weil Menschen nach ihrer Produktivität entlohnt und dorthin gelockt werden, wo sie am meisten leisten. Gerade die Unterschiede in der Entlohnung sind es, die den einzelnen dazu bringen, das zu tun, was das Sozialprodukt entstehen lässt. Durch Umverteilung lähmen wir diesen Signalapparat. Und nicht nur das: Wir unterbinden auch die ständige Anpassung an sich laufend verändernde Umstände, durch die allein die Wirksamkeit unseres Produktionsapparates erhalten werden kann, Umstände, von denen der einzelne nichts weiß, über die er nur durch den Marktmechanismus informiert werden kann.
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