Nach meinem Verstaendnis gibt es derzeit genau eine menschliche Rasse, den homo sapiens sapiens, da die letzte bekannte andere Menschenrasse, der homo sapiens neanderthalensis vor geraumer Zeit ausgestorben ist.
Ich zitiere mich mal selber:
“Rasse” ist ein Begriff aus dem 19. Jahrhundert. Er fusst auf Charles Darwin, vor allem “The origin of the species” (1859).
Das Konzept der Rasse basiert auf angeborenen Eigenschaften, so dass die Zugehoerigkeit zu einer bestimmten Rasse ein Fakt ist, der zu Lebzeiten eines Individuums unabaenderlich ist. Das biologische Konzept ist hierarchisch geordnet: Jedes Lebewesen kann eingeordnet werden in 8 Gliederungsstufen: 1. Reich, 2. Abteilung, 3. Stamm, 4. Klasse, 5. Ordnung, 6. Familie, 7. Gattung und 8. Art. Rasse wurde als 9. Gliederungsstufe eingefuehrt, um eine weitere Subkategorie zu Art zu gewinnen. Das war vor allem fuer Zuechter relevant, da verschiedene Zuechtungen zwar nicht als “Art” definiert werden koenenn (sie koennen sich weiterhin untereinander paaren und fortpflanzungsfaehigen Nachwuchs produzieren), aber dennoch voneinander abgegrenzt werden sollten. Dementsprechend haftet dem Begriff selbst in der Zuechtung etwas Beliebiges an.
Ganz und gar beliebig wird der Begriff “Rasse”, wenn er auf Menschen angewandt wird. Im englischen Sprachgebrauch kann er fuer jede Gruppe mit einem gemeinsamen Merkmal verwendet werden, z.B. auch “a race of lawyers” (wobei Juristerei nun wirklich nicht angeboren ist). Im deutschen Sprachgebrauch bezieht er sich ausschliesslich auf angeborene Merkmale, wobei jedoch immer nur oberflaechlich sichtbare Merkmale gemeint sind. Der sog. Phaenotyp beim Menschen (Haut-, Haar-, Augenfarbe, Koerperbau etc.) basiert aber auf einer sehr kleinen Anzahl von Genen vom gesamten genetischen Setup. Prozentual gesehen koennen die genetischen Unterschiede zwischen zwei Menschen des gleichen Phaenotyps ohne weiteres groesser sein als die prozentualen Unterschiede zwischen zwei Menschen von unterschiedlichem Phaenotyp. Die Entzifferung des menschlichen Genoms hat den Rassisten endgueltig jede moegliche Grundlage entzogen.
Vor diesem Hintergrund bin ich etwas ueberrascht, dass die EU nun in Datenbanken erfassen moechte, wer sich welcher “Rasse” zugehoerig fuehlt. (Hat tip Gates of Vienna)
Im deutschen Text des Pressedienst des Europaeischen Parlaments zu den “Richtlinien über die Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf sowie über die Gleichbehandlung der Rassen” findet sich dazu nur ein ganz dezenter Hinweis:
Die Mitgliedstaaten müssten jährlich “umfassende, genaue, verlässliche und nach Geschlecht aufgeschlüsselte statistische Daten” erheben, sammeln und veröffentlichen
Der englische Text (gleiches Datum und gleiche Uhrzeit!) ist um einiges spezifischer:
Data on race and ethnicity - a useful tool, despite concerns
The collecting of sensitive data, which could be needed to establish indirect discrimination or to assess the extent of discrimination in society, continues to raise concerns and fears in many Member States. The committee “underlines that additional guarantees should be provided for data on race and ethnicity, as these data could be diverted and used for other purposes in the justice and home affairs field” but it does believe such data - for example, statistics on racist crime and on employment - are needed as a tool to combat discrimination.
Anscheinend glaubte man den Deutschen nicht soviel Offenheit zumuten zu koennen.
Der springende Punkt ist, warum die EU das Beduerfnis hat, Rassisten soweit entgegen zu kommen, dass sie nicht-existente Menschenrassen einfuehren will?
Ich glaube, ich kenne die Antwort: Die einzufuehrenden Menschenrassen sollen wohl rein subjektiv gefuehlt sein.”Rassismus” und “Rassist” besetzen derzeit die Punkte, wo in christlicher Theologie “das Boese” und “der Boese” sitzen. Muslime versuchen spaetestens seit den daenischen Mohammedkarikaturen, sich als Rasse zu praesentieren, so dass jede Beleidigung muslimischer Empfindlichkeiten als “Rassismus” stigmatisiert werden kann. Nicht ohne Erfolg, islamophob und rassistisch koennen schon fast synonym verwendet werden.
Eine entsprechende Datenerhebung haette den Vorteil, Muslime als einheitliche und sehr zahlreiche “Rasse” zu etablieren. Wenn nebenher eine brauchbare Liste von Juden in Europa herauskaeme, waere das aus muslimischer Sicht kein Nachteil. Wer weiss, wann so etwas mal wieder nuetzlich werden kann.

Oktober 1, 2007 um 12:15 Uhr nachmittags
Volltreffer.