Dialog mit Extremisten (oder Verhandeln mit Hamas VII)

In Reaktion auf einen Beitrag, wo ich, wie so haeufig, das eingebaute Bias der NZZ identifiziere, hat ein anonymer Kommentator, der an der Universitaet Genf den Internetanschluss von Albert Schindler in der Informatikabteilung benutzte, Israel den Rat erteilt, mit Hamas zu verhandeln.

Ich konnte kein Argument entdecken, ausser der Platituede, dass man mit Feinden Frieden schliesse. In mangelhafter Logik scheint Anonym. daraus zu folgern, dass mit allen Feinden jederzeit Frieden geschlossen werden kann.

Dem widersprach und widerspreche ich. Im ersten Beitrag zum Thema listete ich 3 Punkte auf, die Israel der Hamas in Verhandlungen bieten koennte und fuehre aus, warum ich sie nicht fuer ausreichend halte.

Der dritte Punkt lautete: “3) Ein Ende der gezielten Toetungen? Verzicht auf militaerische Operationen im Gazastreifen?”

Wie wir inzwischen wissen, reagierte die Hamas ausschliesslich auf diesen Punkt. Seit die IDF die gezielten Toetungen erfolgreich wieder aufgenommen hat, lancierte Hamas die Idee eines Waffenstillstands, was natuerlich gleichzeitig geleugnet wurde.

Eigentlich sollte jedem denkenden Menschen klar sein, dass kein “Friede” auf einer solchen Basis verhandelt werden kann. Im allerbesten Fall ist gegenseitige Abschreckung denkbar, die wie im Kalten Krieg eine Stagnation zwischen manchen (aber nicht allen!) Kontrohenden fuehren kann. Hamas bietet Einstellung des Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen gegen Einstellung der Gezielten Toetungen. Implizit in einer solchen Stagnation ist, dass jede Seite jederzeit nach eigenem Gutduenken die Aktionen wieder aufnehmen kann.

Ein isr. Argument gegen eine solche gegenseitige Abschreckung ist, dass Hamas die Phase der Ruhe nuetzen wuerde, um sich besser auf die naechsten Feindseligkeiten vorzubereiten. Im Fall der Hisbollah koennen wir diesen Mechanismus in Aktion beobachten. Dabei wird jedoch uebersehen, dass auch Israel jede Ruhephase nuetzt. Das Gleichgewicht des Schreckens im Kalten Krieg fuehrte zur Implosion der Sovietunion. Auch die Islamisten haben ihren Bevoelkerungen nichts zu bieten und wuerden in einer aehnlichen Lage implodieren. Sie sind daher auf ein fortwaehrendes Schueren von Feindseligkeiten angewiesen.

Die Herrschaft der Hamas im Gazastreifen ist nicht so unumstritten und verankert, dass sie sich mE Stagnation leisten koennte. Niemand sollte auch ausblenden, dass Hamas regional alles andere als eine Macht darstellt. Sie ist auf Finanzierung aus dem Ausland, vor allem Iran, angewiesen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das iranische Regime es als gute Investion sehen wuerde, wenn nur ein Gleichgewicht des Schreckens erreicht waere.

Das entscheidene Argument ist mE ein anderes. Hier wird es von Muslimen vorgetragen:

It appears that Rabbi Yoffie believes dialogue is possible with extremists. We do not agree. We believe that dialogue between mainstream Muslims, Jews, and Christians is necessary, but that the defeat of Islamist extremists is necessary for such interfaith efforts to succeed. We do not support “dialogue” with Islamist and other apologists for violence, or proponents of restrictions on freedom under the pretext of religion.

(…)

We fear that heedless acceptance of ISNA as an ally of URJ does harm to both our communities, by legitimizing a radicalism that, regardless of ISNA’s rhetorical claims, is fundamentally hostile to Jews and suppresses the intellectual and social development of Muslims.

Hervorhebung von mir

Eine Antwort

  1. [...] durchzuexerzieren. Dass ich bei dieser Uebung keinerlei potentiellen Nutzen erkennen kann, habe ich in mehreren Beitraegen schon erklaert. Auch Lehming scheint nichts Konkretes in petto zu haben, sonst wuerde er sich kaum derart [...]

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