Ich bin Flashlink30 auf den Grossen Wissenstest zur Bibel bei Welt Online gefolgt. Mein Ergebnis war schlechter als ihres, aber unterwegs fielen mir ein paar Punkte auf:
Frage 14: Welches Tier wird im Schoepfungsbericht beim Namen genannt. Die Antwort heisst “taninim g’dolim”. Im modernen Hebraeisch ist Tanin ein Krokodil. Die Identifikation mit “Leviathan” erfolgt erst durch eine Talmudstelle (Bava Basra 74b). Im modernen Hebraeisch bedeutet Leviathan Wal, aber der Traktat, in dem diese Identifikation erfolgt, macht deutlich, dass es sich um ein Fabelwesen handelt. In der juedischen Tradition wird diese Stelle denn auch mit “die grossen Meeresungeheuer” uebersetzt.
Bei Frage 40: “Welche Tiere durften die Israeliten nicht verspeisen?” irritiert mich die Vergangenheitsform. Die gleichen Speisevorschriften werden von Juden immer noch eingehalten.
Frage 43: “Welchen Tod erlitt der Jünger Stephanus durch die Juden?” Stephanus war, wie zu dieser Zeit alle Juenger, selber Jude. Er wurde das Opfer einer innerjuedischen Auseinandersetzung. “Die Juden” (noch dazu mit dem bestimmten Artikel) nur auf einer Seite auszumachen, ist historisch falsch und latent antisemitisch.
In der Antwort auf Frage 46 wird behauptet: “Das Hohelied Salomos (Canticum canticorum) ist eine weltlich-erotische Dichtung über die Freuden des Alkohols und der Liebe („Deine Brüste sind wie zwo Rehzwillinge“ etc.). Es wurde wohl nur aus Respekt vor dem Namen Salomo ins Alte Testament aufgenommen.”
Das trifft nicht zu. Als Autor wird keineswegs durchgehend Koenig Shlomo gesehen, siehe Bava Basra 15, wo ohne weitere Diskussion Hezekia und seine Schueler als Autoren angegeben werden. Fuer den Platz des Hohen Lieds im Kanon der Schriften plaedierte schon Rabbi Akiva damit, dass der Text eine Allegorie sei: Das Maedchen als Volk Israel, der Ewige als ihr Geliebter. Waehrend das Christentum vor allem das Eltern-Kind-Verhaeltnis im Verhaeltnis der Menschen zu Gott reproduziert, ist eine haeufige und wichtige juedische Metapher die erotische Beziehung zwischen Mann und Frau (die nicht als gleichberechtigt definiert sind, vgl. Jer. 2.2).
Frage 47: “Welche Frau wird hier von zwei alten Juden sexuell belästigt?” Hier stoert mich wieder, dass allein die negativen Figuren als Juden identifiziert werden. Susanna war natuerlich auch Juedin. Entweder sollte formuliert werden: Welche Frau wird von Maennern belaestigt? oder aber: Welche Juedin wird von Juden belaestigt?

Januar 12, 2008 um 6:56 Uhr nachmittags
Sehr interessante Infos, erneut! Ich hatte ganz gewiß auch meine Bauchschmerzen mit der Formulierung der Fragen. Da es aber um ein unterhaltsames Quiz ging (jedenfalls in meinen Augen), habe ich das nicht thematisiert.
Das Wissen und die Kenntnisse desjenigen, der sich wirklich tiefgründig mit den biblischen Texten und Auslegungen beschäftigt, unterscheidet sich ziemlich krass von den landläufig üblichen Ansichten darüber, was Bibeltexte so aussagen. Da werden jede Menge Fehlinterpretationen kolportiert. Man kennt ja überhaupt nicht die jüdische Kultur, die durchgängig den Hintergund für die Bibel darstellt.
Woher hast du denn diese Kenntnisse?
Januar 13, 2008 um 6:38 Uhr vormittags
Hallo Flash,
ich bin Juedin und versuche, seit die Kinder groesser sind, mich etwas mehr mit der juedischen Litaratur zu beschaeftigen. Ich bin weit davon entfernt, wirkliche Kenntnisse zu haben.