Die Sehnsuch der israelischen Linken nach Europa
As the son of German Jews, I know how important it is for our elites to be a part of Europe.
So wird Ilan Pappe in Y-Net zitiert.
Der Satz ergibt keinen Sinn. Die Integration der juedischen Eliten in Europa ist versucht worden und endete in der Katastrophe, ein paar Gedanken dazu habe ich hier schon einmal notiert. Wenn ich Pappes Andeutung richtig einordne, dann leitet er daraus die Forderung ab, dass die israelische Elite sich Europa anzupassen habe?!
Die Haltung von Ilan Pappe erinnert ein wenig an Otto Weininger. Gerade lese ich die Herzlbiographie von Amos Elon (1975). Die Athmosphaere des damaligen Wiens hat er mE sehr gut eingefangen, darunter auch der Wunsch vieler Juden nach dem Erlangen der buergerlichen Gleichberechtigung, endlich dazuzugehoeren. Wie wir im Rueckblick wissen, entpuppte sich dieses Ziel als Chimaere. Der moderne Antisemitismus wurde nicht zuletzt deshalb erfunden und populaer, um diese Zugehoerigkeit unmoeglich zu machen. Das heutige Europa bietet wenig Anlass zu Optimismus, dass sich die Situation grundlegend geaendert haette.
Bemerkenswert scheint mir auch, dass Ilan Pappe sich im selben Interview unreflektiert als Anhaenger der Opfer-Taeter-Ideologie (Victimology) bekennt:
(…) this is the truth the way I see it: The story of a victim and a victimizer. And the victim is the Palestinians. Without idealizing the Palestinians -victims are not necessarily nice people, but they are still victims.
Ein Lehrbuchexempel koennte kaum deutlicher sein. Alles, was zaehlt, ist die Zugehoerigkeit zu einem Opferkollektiv. Wenn die etabliert ist, darf man auch “nicht nett” sein (offensichtlich ein Euphemismus fuer Terror und moerderischen Judenhass), das spielt keine Rolle mehr.
vgl. mit Dr. Sanity’s Vitimhood 101:
-You are not responsible for what happened to you
-You are always morally right
-You are not accountable to anyone for anything
-You are forever entitled to sympathy
-You are always justified in feeling moral indignation for being wronged
-You never have to be responsible again for anything
crossposted bei Freunden der Offenen Gesellschaft
März 16, 2008 um 12:33 Uhr nachmittags
Gut, daß Du ihn Dir vorgeknöpft hast. Ich hab diesen Artikel heute früh gelesen, und er hat mich ratlos zurückgelassen.
Ich kenn zu viele Leute, die mit dem Fall beruflich zu tun hatten, die mit Pappe gearbeitet haben und ihn kennen, und ich sage besser nichts dazu… außer, daß seine Vorwürfe gegen die Uni vollkommen aus der Luft gegriffen sind. Die ganze Uni ist links und hat viele arabische Dozenten und Studenten. Niemand steckt dort einem Linken Knüppel in die Speichen, das ist lächerlich, dann könnte die Bude zugemacht werden………..
März 16, 2008 um 4:08 Uhr nachmittags
ilan pappe, wenn ich schon den namen lese koennte ich kot…
auf der anderen seite zeigt dieser typ das die israelische demokratie und meinungsfreiheit ihren namen wirklich verdient. in den autonomiegebieten wuerde er schon laengst an einem baum haengen. das wiederum interessiert weder herrn pappe noch seine anhaenger.
März 17, 2008 um 5:10 Uhr nachmittags
Einer der schon ganz dazu gehört ohne Israeli zu sein…
http://www.taz.de/1/politik/nahost/artikel/1/das-ist-meine-lehre-aus-der-nazizeit/?src=TE&cHash=4c607781d4
“Meine Lehre aus der Nazizeit”
Israel baut eine Mauer und bombardiert Gaza. Morgen besucht Merkel Premier Olmert - und wird kein Wort darüber verlieren. Das ist Feigheit vor dem Freund, sagt Publizist Alfred Grosser.
März 18, 2008 um 6:42 Uhr nachmittags
Diesen Eintrag finde ich gut und nötig. Nur Eines: Die Überschrift Die Sehnsucht der israelischen Linken nach Europasuggeriert, Ilan Pappe spreche im Namen der ganzen Linken. Das tut er aber nicht. Ich selber zähle mich eher zur linken Seite des politischen Spektrums, aber mit diesem Herrn möchte ich wirklich nicht zusammengezählt werden. Wenn du, wie ich annehme, eher nach rechts orientiert bist, wirst du sicher trotzdem keine Sympathien für Marzel & Co. aufbringen…. Also bitte nicht nur schwarz-weiss sehen, sondern auch die reich abgestuften Grautöne wahrnehmen.
März 18, 2008 um 7:05 Uhr nachmittags
Mit diesem Einwand hast Du natuerlich Recht, Vered. Pappe spricht nicht fuer die israelische Linke, sondern hoechstens fuer eine Handvoll Leute.
In gewisser Weise scheint mir aber, dass Europa die geographische Verortung der Sehnsucht von Linken in aller Welt geworden ist. Auch die amerikanische Linke will sich ja immer wieder nach Europa ausrichten.
Vielleicht koennte man sagen, dass bestimmte linke Ideen (Post-Moderne, Ueberwindung des Staates, Pazifismus, Sozialstaat etc.) in Europa bisher am meisten Fuss gefasst haben, so dass Europa nicht zu Unrecht das Sehnsuchtsland von Linken ist.
März 19, 2008 um 9:12 Uhr vormittags
Ja, aber die israelische Linke, zu der ich mich auch zählen würde, ist längst nicht so link wie die europäische! Das kapieren ja Europäer nicht, daß israelische Linke viel weiter im Zentrum stehen. Pappe ist m.E. ein pathologischer Fall, er spinnt, wirklich.
Und die Beziehung zwischen Postmoderne und linker Politik ist sehr, sehr komplex, da würde ich keine einfache Kausallinie ziehen.
März 19, 2008 um 9:14 Uhr vormittags
Nein, natuerlich nicht, Lila. Eher im Gegenteil. Sehr viele klassisch-linke Themen sind im Postmodernismus ja in ihr Gegenteil verkehrt worden.
Mai 13, 2008 um 1:49 Uhr nachmittags
[...] Israel ist Pappe voellig diskreditiert, gerade auch von [...]