Ich will nicht verheimlichen,


dass ich hier gerade eine Diskussion fuehre, allerdings auf Englisch. Mein Gegenueber ist ein arabischer Student aus Ostjerusalem – er koennte die israelische Staatsbuergerschaft haben, will aber nicht, weil er sich als Palaestinenser identifiziert. Es koennte sich insgesamt lohnen, die Seiten der “Middle East Post” naeher zu studieren und sich ueber die verschiedenen Gruppen, Projekte und Organisationen schlau zu machen. Bis jetzt bin ich aber noch nicht dazu gekommen.

Fuer meinen letzten Beitrag dort, habe ich ein bisschen im Hagalil Forum nachgelesen und dabei festgestellt, dass mein Stil ziemlich humorlos und pedantisch wirkt. Ich will hoffen, dass diejenigen, die mich privat kennen, mir bestaetigen koennen, dass ich im wirklichen Leben nicht ganz so schlimm bin.

“Hosting”


wuerde ich mit “Bewirten” oder “Gastfreundschaft” uebersetzen. Ein Museum in Bat Yam (nicht Nord-Tel Aviv, ausser wir wollen das wieder als Synonym fuer “postmodern” verwenden) moechte sich mit dem Thema auseinersetzen.

“Art is no longer just a painting on the wall,” Milana Gitzin-Adiram, chief curator of the Museum of Bat Yam near Tel Aviv, said. “Art is life, life is art.”

Wenn Leben und Kunst austauschbar sind, sehe ich eigentlich keine Notwendigkeit mehr fuer Museen, aber das nur nebenbei.

In Bat Yam, Gitzin-Adiram said she spent weeks exploring the gallery’s theme of “hosting”, turning to philosophers such as Jacques Derrida and even the Bible for inspiration. She received proposals from around the world but was won over by the lice.

“The idea is that we live in the museum as their guests, and at the same time we are hosting lice on our heads,” said artist Vincent Grunwald, 23, wearing a plastic shower cap to prevent the lice from spreading.

Mit diesem Kunstobjekt

habe ich auch diverse Erfahrungen. Seit ein paar Jahren bin ich dazu uebergegangen, den Maedchen nach jedem Haarewaschen mit dem Lauskamm durch die Haare zu gehen. Auf diese Weise erwische ich die einzelnen Laeuse, die zu Besuch kommen, bevor sie Familien gruenden koennen… Alle anderen prophylaktischen Massnahmen haben sich bei uns nicht bewaehrt.

Bin ich ein Kunstbanause?

Das Herzliya Museum fuer zeitgenoessische Kunst habe ich waehrend der Pessachtage besuchen koennen und sehr genossen. Dort war allerdings Kunst immer noch eindeutig als nicht identisch mit Leben ausgestellt und nahm auch nicht die Form von Laeusen an.

Kids & Biz


Gestern nachmittag ging es zuerst zum Friseur. Beide Maedchen wollen den Sommer mit etwas kuerzeren Haaren beginnen. Anschliessend schlug ich ihnen vor, in der nahen Negev-Mall Haarbaender und/oder Reifen zu kaufen, weil das zur neuen Laenge gut passt. Sie waren natuerlich dabei.

In der Mall wird gelegentlich an kleinen Staenden rund um den Lichthof eine Art Markt betrieben. Kunst- (oder auch Kitsch-)Handwerker bieten ihre Waren an. Oder saisonale Produkte, etwa zu Schulbeginn, werden staerker beworben.

Gestern waren wieder Staende aufgebaut, gleich wurden wir auch angesprochen und zwar von einem etwa 14-jaehrigen Jungen, der ein rotes T-Shirt mit Schulaufdruck trug. Inzwischen haben sich in Israel Schuluniformen weitgehend durchgesetzt. Nur darf man sich nichts vorstellen, was an so etwas erinnern koennte:

Stattdessen tragen die Schueler T-Shirts (im Winter Sweat-Shirts) in verschiedenen Farben mit dem Namen und dem Wappen ihrer Schule als Aufdruck.

Der Markt war Teil eines Schulprogramms “Young Entrepreneurs”, bei dem die hoeheren Klassen (entspricht der US high school) eine Geschaeftsidee entwickeln – das kann ein Produkt sein wie hier und hier oder auch Export/ImportFirma. Sie gruenden eine Firma und versuchen, sich auf dem Markt einzufuehren.

Die verschiedenen Schulen, die gestern auf der Ausstellung vertreten waren, hatten sehr unterschiedeliche Konzepte. Eine Gruppe wollte umweltvertraeglich Wasch- und Putzmitteln aus den USA einfuehren. Eine andere hatte die Idee, aufblasbare Kissen mit Tasche als Lloesung fuer bequemes Schlafen auf den Wertsachen beim Campen anzubieten. Eine dritte Gruppe entwickelte einen Tortenheber, der die Kuchenstuecke nicht nur schneidet, sondern auch gleich umfasst und sauber herausheben laesst (Nachteil, funktioniert nur bei runden Kuchen im Einheitsformat). Eine weitere Gruppe hatte ein Picknickset entwickelt, das vom Wind nicht vom Tisch geweht werden kann (oder nur die Becher). Eine vierte hatte lustige Duschvorleger entworfen. Eine fuenfte vertrieb reines Jojobaoel vom Kibutz Chatzerim in ansprechender Verpackung. Eine sechste hatte das magnetische Sodukoboard erfunden. Eine siebte bot statt dem ueblichen Federmaepchen flache Etus an, die im Ordner eingehaengt werden koennen. Mindestens eine Gruppe ist mir gerade nicht praesent.

Mir und der Grossen machte es sehr Spass, uns die verschiedenen Produkte erklaeren und zeigen zu lassen. Einen Duschvorleger und flaches Maeppchen haben wir auf der Stelle gekauft. Fuer den Tortenheber, die Campingkissen und das Sodukoboard haben wir uns auf einer Liste eingetragen. Von allen Gruppen haben wir uns Visitenkarten geben lassen. Der Kleinen wurde in der Halbzeit langweilig und sie schaute lieber einer Kindertheaterauffuehrung zu.

Hamas fordert Schutzgeld


So wuerde ich diese Ueberschrift uebersetzen.

Das ist doch genau dasselbe Vorgehen wie bei der Mafia. Bekanntlich sind Schutgelderpressungen kein einmaliges Geschaeft. Wer einmal bewiesen hat, dass er erpressbar ist, wird mit immer weiteren und hoeheren Forderungen konfrontiert.

Die historische “Toleranz” des Islams gegenueber Christen und Juden war aehnlich strukturiert. Fuer ihren “Schutz” hatten die Dhimmis eine Sondersteuer zu zahlen. Ausserdem wurde darauf geachtet, dass sie ihre niedrigere Rechtsposition nie vergassen.

Ueber den muslimischen Suprematanspruch in der Gegenwart habe ich hier und hier schon geschrieben.

Jedes Entgegenkommen gegenueber und/oder Verhandeln kann von denjenigen, die diese Haltung vertreten, nur als Schwaeche verstanden werden.

In diesem Zusammenhang empfehle ich dringend “An Anatomy of Surrender” zur Lektuere.

crossposted bei Freunden der Offenen Gesellschaft

Alibijuden


Wer sein Photo auf einem solchen Plakat abdrucken laesst, ist ein Alibijude.

Achtung: Das ist keine ausreichende und ausschliessliche Definition. Elam Shraga und Shlomo Sand sind nicht ausgeschlossen, auch wenn sie es noch nicht so weit gebracht haben.

Rami aus Nazareth


*kennen* wir ja schon ein bisschen.

Hier meldet er sich wieder einmal zu Wort. Es geht um den Tod einer Mutter und vier ihrer Kinder im Gazastreifen. Bis jetzt kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob der Tod durch israelisches Panzerfeuer verursacht wurde, oder ob die Explosion von pal. Sprengstoffen/Waffen letzlich dafuer verantwortlich ist. Mit Sicherheit kann festgehalten werden, dass die Familie von einer Gruppe Terroristen als menschliche Schutzschilde benutzt worden war.

Und das meint Rami:

No difference between this airstrike and suicide bomber..
both kill innocent civilians both are terrorism….on is Islamic terrorisim the other is Jewish terrorisim..

Traurig

Update (29.04.08):
Bis jetzt spricht viel dafuer, dass tatsaechlich die Explosion von pal. Sprengstoffen fuer den Tod dieser Familie verantwortlich sind. Mir kam der Gedanke, als ich im oben verlinkten Y-Net Artikel von einer Granate, aber 2-3 Explosionen las.

According to the IDF, the explosion occurred after an Israeli aircraft fired a missile at two Palestinian terrorists who were spotted next to the family home. The terrorists, the IDF said, were carrying explosive devices, which subsequently detonated, causing a secondary explosion that destroyed the home and killed Miyasar and her four children.

Reiskrise in Israel angekommen


Manchmal merkt man eben doch, dass Israel in Asien liegt.

Als ich gestern im Supermarkt unseres Viertels das Noetigste einkaufte (jetzt nach Pessach vor allem Chametz, also Brot, Nudeln, Mehl), waren die Regale mit dem Reis schon leer gefegt. Nur ein paar Pakete einer ausgefallenen Reismischung standen noch hinten an der Regalwand. Ein neues Preisettikett war so schlampig daraufgeklebt worden, dass man den alten Preis noch gut lesen konnte: Von 15.90 war der Preis auf 22.90 angehoben worden, ein Anstieg von 44%.

Das ist wohl nicht das Ende der Fahnenstange. Was uns angeht, koennen wir die steigenden Preise verkraften, solange mein Mann und ich gesund sind und arbeiten koennen. Aber auch in Israel gibt es Familien, bei denen die steigenden Kosten fuer Nahrungsmittel ein Loch ins Familienbudget reissen.

Dieser Ansatz sollte vertieft werden. Dabei handelt es sich um bereits existierende Lebensmittel, die vor der Verschwendung bewahrt werden.

Ich nehme an, dass der israelische Erfindergeist gerade auch in der Landwirtschaft gute Ansaetze fuer die derzeitige Krise finden wird. Vom Luxus “bio” und “organisch”, der auch in Israel von den “Zfon Tel Avivim” (Bewohnern des reichen Tel Aviver Norden und pars pro toto fuer eine bestimmte Weltanschauung und Lebensweise) gepredigt wird, sollte man wieder Abstand nehmen.

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