Gesundheit im Gazastreifen
April 27, 2008Mehrfach hatte ich schon erwaehnt, dass die Karte “Gesundheit im Gazastreifen” derzeit von Hamas am meisten gespielt wird.
Die ueblichen Mitwirkenden uebernehmen bereitwillig ihre Stichworte: Hier die Weltgesundheitsorganisation der UN mit Hilfestellung von AFP
Ich stelle mir die Gesundheitslage im Gazastreifen auch nicht besonders erfreulich vor. Menschen vertragen es schlecht, wenn sie ueber laengere Zeitraeume unter Stress stehen. Und spaetestens seit dem Hamasputsch im Juni vor einem Jahr duerfte die Bevoelkerung des Gazastreifens unter Dauerstress stehen. 54% fuehlen, dass ihre Sicherheit und die Sicherheit ihrer Familien nicht gewaehrleistet ist:
- Endemische Gewalt gegen rivalisierende politische Organisationen (in dieser Hinsicht scheint die Situation im Westjordanland noch schlimmer zu sein, vermutlich, weil sich die Fatah nicht wirklich durchsetzen kann, sondern nur von Israel und den USA am Leben erhalten wird),
- Durchsetzen von islamischen Moralvorstellungen mit Talibanmethoden,
- Bevormundung und Knebelung der Presse (waehrend die NZZ nichts Dringenderes zu tun hat, als auf die Zensur in Israel hinzuweisen. Bei dieser Geschichte ruehrt die Notwendigkeit von Diskretion einfach daher, dass israelische Spione in Syrien gefaehrdet werden koennten!),
- Kassamraketen, die es nicht ueber den Zaun schaffen und statt israelischer Zivilisten, pal. Zivilisten toeten und verletzen,
- Systematische Verwendung der zivilen Bevoelkerung als menschliche Schutzschilde,
- Erzwungener Boykott von Hilfslieferungen,
- Wiederholte Angriffe auf die Grenzuebergaenge, durch die Hilfslieferungen in den Gazastreifen kommen,
- und natuerlich kriegerische Konflikte mit der IDF im Gazastreifen, bei denen Menschen getoetet und verletzt werden.
Wenn man sich ausmalt, wie es sich unter diesen Umstaenden lebt, leuchtet sofort ein, dass die meisten Bewohner den Gazastreifen verlassen moechten. Fuer alle diejenigen, die sich nicht fuer ein Trainingsprogramm in Syrien oder im Iran qualifizieren, ist einer der wenigen Auswege, als Kranker in Israel behandelt zu werden.
Kein Wunder, dass mit allen Mitteln (inklusive Schmiergeld) versucht wird, an eine entsprechende Genehmigung zu kommen. Kein Wunder auch, dass die Anzahl der gestellten Antraege drastisch angestiegen ist. Natuerlich kann nicht nur die Anzahl der Genehmigungen angesteigen: von 2006 bis 2007 um 52%, im ersten Quartal von 2008, extrapoliert auf das ganze Jahr, wiederum um 28% gegenueber 2007. Bei solchen Zuwachsraten (und solchen Methoden) steigt naturgemaess auch die Anzahl der abgelehnten Antraege.
Und einzig dieser Ausschnitt wird von den Medien berichtet.
Bei diesen Ueberlegungen habe ich noch nicht einmal die legitimen Sicherheitsbedenken einbezogen.
crossposted bei Freunden der Offenen Gesellschaft
Verfasst von beer7






