Neubeginn


Der Monat Elul hat begonnen. In dieser Zeit bereiten wir uns auf die Hohen Feiertage vor: Neujahr und Gerichtstag und danach Versoehnungstag und Besiegelung des Urteils, also ein Phase der Selbstreflexion: Was habe ich falsch gemacht in diesem Jahr, wie haette ich es besser machen koennen, auf welche Ergebnisse will ich im naechsten Jahr zurueckblicken koennen?

Wie es sich so ergibt, faellt in diesem Jahr auch eine berufliche Neuorientierung in diese Phase. Puenktlich vor Rosh Hashana verlasse ich meine bisherige Firma. Ich weiss noch nicht genau, wohin ich diesmal gehen will. Diese Arbeit hatte ich angenommen, weil mein Arbeitsplatz nahe beim Zuhause war und mir die Flexibilitaet gab, auch schnell mal ein krankes Kind aus der Schule abzuholen usw. Fuenf Jahre sind vergangen, die Kinder sind groesser und ich sehne mich nach mehr Herausforderung. Das letzte Jahr habe ich mich oft gelangweilt, umso mehr, als mein Chef und ich voellig verschiedene Auffassungen davon haben, wie mein Aufgabengebiet angepackt werden muss. Ein Jahr lang habe ich versucht, gegen mein eigenes Konzept zu arbeiten und der Frust hat sich angesammelt und war natuerlich auch nach aussen hin sichtbar. In einem guten Gespraech einigten mein Chef und ich uns darauf, dass unsere Wege sich besser trennen.

Drueckt mir die Daumen fuer den Neuanfang und bitte habt Verstaendnis, wenn der Blog bis auf weiteres nicht mehr so oft bedient wird (das war natuerlich auch ein Symptom der Langeweile).

Noten fuer die Gleiche Gesellschaft


Unsere Grosse wurde vor drei Jahren in einem landesweiten Screening als “hochbegabt” eingestuft und erhaelt seither besondere Foerderung. In diesem Zusammenhang bin ich sensibler dafuer geworden, wie Begabtenfoerderung angegriffen wird. Eine Gesellschaft, die dem Ideal der “Gleichheit” (nicht etwa Gleichheit vor dem Gesetz und soweit moeglich Chancengleichheit, sondern Ergebnisgleichheit) hinterherjagt, kann schlecht akzeptieren, dass manche Menschen von Geburt an begabter sind als andere. So wird nach Wegen gesucht, diese Unterschiede moeglichst zu nivellieren.

In Ha’aretz von heute habe ich das neueste Beispiel gefunden:

It is unacceptable that a student can flout studies all year, not do his homework, yet get a 90 on the final and be happy. From now on, the final grade will reflect not only test results but other parameters, too,” she [Mitglied des relevanten Ausschusses des Erziehungsministeriums] said.

Warum kann das eigentlich nicht akzeptiert werden? Wenn ein Schueler das Unterrichtsmaterial voll beherrscht, auch ohne Hausaufgaben zu machen und fuer Klassenarbeiten zu leren, warum soll sein Wissen weniger gelten? Umgekehrt, wenn ein Schueler trotz aller Anstrengungen das Unterrichtsziel einfach nicht erreicht, warum kann ihm nicht zugemutet werden, seinen Fehlschlag zu ertragen?

Meines Wissens werden Mitarbeit und Erledigen der Hausaufgaben uebrigens auch heute schon in den Noten beruecksichtigt, allerdings wohl nicht mit 15-20% der Gesamtnote!

Als ich in Deutschland arbeitete, war der Code fuer Arbeitszeugnisse so, dass “bemuehte sich sehr”, “gab sich viel Muehe”, “unternahm grosse Anstrengungen” im Klartext bedeutete, dass der oder die Betreffende keinerlei Leistungen und Begabungen vorzuweisen hatte.

Schon heute ist die “Bagrut” (israelisches Abitur) ziemlich irrelevant, wenn es darum geht, einen Studienplatz zu bekommen. Die Universitaeten verlangen fast immer zusaetzlich pyschometrische Pruefungen. Ich halte es fuer sehr wahrscheinlich, dass der Reichtum der Eltern beim Ergebnis der psychmetrischen Pruefungen mehr Signifikanz hat als bei der Bagrut. Wer vorher mit Nachhilfelehrern gezielt und systematisch pauken kann, ist eindeutig im Vorteil gegenueber denjenigen, die sich das aus finanziellen Gruenden nicht leisen koennen.

Wie so oft, werder derart “progressive” Ideen genau denjenigen schaden, denen sie angeblich nuetzen sollen.

Friedenspartner Fatah


Ich brauche kaum selber zu formulieren, es duerfte ausreichen, Abbas’ Aussagen zu uebersetzen:

In der woechentlichen Kabinettsitzung der PA in Ramallah sagte Abbas, die Hamas Offensive gegen Jund Ansar Allah, bei der 28 Palaestinenser getoetet und mehr als 120 verwundet wurden, sei “unmenschlich”.

“Ihre [Hamas] Vorgehensweise war grausamn und unmenschlich,” klagte Abbas. “Sie haben ungefaehr 30 Menschen getoetet und Moscheen bombardiert.”

Abbas aeusserte seine Bereitschaft, den Dialog mit Hamas wieder aufzunehmen, sagte jedoch, dass er dagegen sei, die Friedensgespraeche mit Israel wieder zu beleben.

“Der nationale Dialog [mit Hamas] ist unausweichlich und wir sind dazu bereit,” sagte Abbas den Ministern in seinem Kabinett und fuegte hinzu, dass die Praesidentschafts- und die Parlamentswahlen termingerecht im Januar 2010 abgehalten wuerden.

Abbas bekraeftigte erneute, dass er nicht an den Verhandlungstisch mit Israel zurueckkehren werde, solange nicht alle Siedlungsaktivitaeten, einschliesslich “natuerlichem Wachstum” beendet wuerden.

“Wir stellen keine Bedingungen an irgendjemand,” erklaerte er. “Das entspricht der Forderung der Weltoeffentlichkeit. Wenn Israel seine Verpflichtungen aus der Road Map erfuellt, dann sind wir bereit, die Gespraeche von dem Punkt ab weiterzufuehren, wo sie unter der vorherigen Regierung Ehud Olmerts aufgehoert haben.”

Und jetzt noch einmal langsam und zum Mitschreiben:

Hamas ist eine grausame, unmenschliche Moerderbande, aber sie sind Palaestinenser, daher ist der Dialog unausweichlich und Fatah ist dazu bereit.

Bei Israel dagegen herrscht unter Palaestinensern immer noch Hoffnung, dass sie das Ende des juedischen Staates herbeifuehren koennen. Daher ist der Dialog alles andere als unausweichlich, und Fatah ist nur dazu bereit, wenn Israel eine Reihe von Forderungen erfuellt. Merke, auch die Road Map bindet nur Israel, die PA sieht keine Notwendigkeit, ihrerseits ihre Verpflichtungen zu erfuellen. Ueber die Rad Map hinaus, wird auch jede Forderung, die von anderen Playern an Israel gerichtet wird, sofort adoptiert. (Danke Obama und Hillary!)

Da die PA unmoeglich irgendwelche Kompromisse eingehen kann, koennen Gespraeche immer nur “fortgefuehrt” werden, wobei jede von Israel versuchsweise vorgeschlagene Kompromissloesung sofort als Ausgangspunkt fuer weitere Zugestaendnisse verwendet wird.

Ehud Olmert war Rechtsanwalt genug, nichts Schriftliches zu hinterlassen. Aber wir haben Abbas Version, was ihm angeboten wurde, aus der Washington Post:

In our meeting Wednesday, Abbas acknowledged that Olmert had shown him a map proposing a Palestinian state on 97 percent of the West Bank — though he complained that the Israeli leader refused to give him a copy of the plan. He confirmed that Olmert “accepted the principle” of the “right of return” of Palestinian refugees — something no previous Israeli prime minister had done — and offered to resettle thousands in Israel. In all, Olmert’s peace offer was more generous to the Palestinians than either that of Bush or Bill Clinton; it’s almost impossible to imagine Obama, or any Israeli government, going further.

Und was war seine Reaktion:

Abbas turned it down. “The gaps were wide,” he said.

Auch Salam Fayyad macht mit beim palaestinensischen Eiertanz. Im Interview mit Akiva Eldar von Ha’aretz (die beiden kennen sich schon etwas laenger) zum Antritt seiner neuen Amtsperiode weicht Fayyad aus, Israel als juedischen Staat anzuerkennen:

“Israel’s character is Israel’s business and nobody else’s,” Fayyad says in an interview with Haaretz.

“The character of Israel, as the total character that Israel would like to have, is Israel’s own choice. It characterizes itself in the way that it wishes to characterize itself. Why raise it now? Why would you want to settle it now when we haven’t settled anything else? Needless to say, however which way Israel decides to characterize itself as a product of the political system of Israel, is [up to] Israel.

Fayyad versucht es so hinzustellen, als sei die Frage nach Israels juedischem Charakter ausschliesslich eine innere, israelische Angelegenheit.

In der gleichzeitigen Berichterstattung von Ma’an wird aber deutlich ausgesprochen, welches Interesse die Palaestinenser daran haben, Israel nicht als juedischen Staat anzuerkennen.

The recognition of Israel as a Jewish state is generally understood by Palestinians as a cancellation of the right of refugees to return to their homes in land taken by Israel in 1948, and a revocation of rights of Palestinians who remained on their land and are now citizens of Israel.

Im englischen Sprachraum treffe ich immer wieder mal auf “Kessellogik”, gemeint ist totales und deshalb unplausiblese Leugnen, wie hier:

Old German joke, as retold by Sigmund Freud. A man borrows a kettle from his neighbour. When he returns it, the neighbour complains that it’s got a hole in it. Don’t look at me, says our man, I never borrowed your kettle. Besides, it was fine when I gave it back to you. I wish I’d never borrowed it anyway – it’s useless, it’s got a great big hole in it.

In solcher Kessellogik faehrt Fayyad fort. Fuer die Palaestinenser sei es zwar vollkommen irrelevant, wie sich Israel definiere, aber:

This condition wasn’t mentioned in the Oslo Accords, and I see no room to set new conditions or preconditions for the negotiations. Until today all we received in exchange for recognizing the two-state solution and stopping the armed struggle was your recognition of the Palestine Liberation Organization as the Palestinian people’s representative,”

Man koennte meinen, dass die Palaestinenser fuer ihre nicht ernst gemeinte Anerkennung der 2-Staaten-Loesung und fuer das nie eingehaltene Ende des Terror eine ganze Menge bekommen haben, nicht zuletzt Territorium und Milliarden Gelder

Waffenschmuggel hat Prioritaet vor Wiederaufbau


In Martin Gehlens Ruehrstueck zur Lage im Gazastreifen im Tagesspiegel war auch zu lesen, dass Hamas zwar Waffen schmuggeln kann, aber kein Interesse daran hat, Materialien fuer den Wiederaufbau durch die Tunnel zu bringen:

Einer ist Abu Halid, wie er sich nennt. Er hat ein gutmütiges, rundes Gesicht, lacht gerne und wäre unter anderen Umständen wohl ein netter Kerl geworden. Seit 2003 gehört er zu den Qassam-Brigaden, dem militärischen Arm der Hamas. Den Krieg hat er mit Datteln, Dosenfleisch und Wasser in Militärtunneln unter der Erde verbracht. Über der Erde war und ist er Polizist, in dem makellosen, schwarzen Lederetui hat er nicht etwa eine Geige, sondern eine Kalaschnikow, die er mit zwei schnellen Handgriffen auseinander klappt. “Wir glauben nicht, dass der Krieg beendet ist – er wird weitergehen”, sagt er. Seine Einheit trainiere bereits an neuen Waffen – panzerbrechende Geschosse chinesischer Produktion, Stinger-Raketen und Scharfschützengewehre. Und in den Raketenschmieden unter Tage basteln seine Mitstreiter an Raketen, die angeblich bis Tel Aviv fliegen können.

(Hervorhebung von mir)

Gehlen behauptet, dass auch Israel keinen Zement in den Gazastreifen gelassen habe,was unwahr ist.

Unter internationalem Druck hat Israel am 29. Juli folgende Lieferungen in den Gazastreifen genehmigt:
310 Tonnen Zement fuer eine Getreidemuehle und die Renovation des britischen Soldatenfriedhofs.
60 Tonnen Eisen und
Maschinen, beides ebenfalls fuer die Getreidemuehle
120 Tonnen Zement
25 Tonnen Treibstoff
Metalrohre, fuer eine Abwasseranlage

Inzwischen berichtet der Geheimdienst, dass Hamas einen Teil des Zements beschlagnahmt hat und ihn statt Getreidemuehle, Abwasseranlage und Soldatenfriedhof beim Bau von Schmuggeltunnels verwendet.

Ich bin schockiert, schockiert.

Uebrigens berichtet Arutz7 auch, dass Israel 3000 Kaelber in den Gazastreifen liefert, damit die Menschen dort im bald beginnenden Fastenmonat Ramadan etwas Gutes zu braten haben.

Archaeologie und Politik


In Arutz Sheva lese ich heute, dass der World Archeology Congress (WAC) Israel nicht zur gerade stattfindenden Zwischenkonferenz in Ramallah eingeladen habe. Der WAC veranstaltet alle vier Jahre eine Konferenz und dazwischen anscheinend mehr oder regelmaessig Zwischenkonferenzen.

In einem Update vom 5. August schreibt der WAC:

Participation Issues

The world is a complex place, and due to Israeli government regulations, it appears that some Israeli archaeologists who may have wished to attend WAC Ramallah may be unable to do so. We regret the situation. We are trying to arrange for a screening of the proceedings that will be available in East Jerusalem. More specific information will be available as soon as possible. Other potential attendees are even less fortunate because they simply cannot afford the travel to Ramallah. We will therefore make the proceedings, including the talks, roundtables and dicussions, available on this website soon after the intercongress. In this way, we hope to open a longer term dialogue.

Nun ist es zweifellos richtig, dass der Staat Israel israelischen Staatsbuergern nicht unbedingt erlaubt, Hoheitsgebiet der PA zu betreten. Ein bisschen stutzig macht mich aber der schnoddrige Eingangssatz, mit dem suggeriert wird, der oder die Israelis, die sich beschwert haben, seien zu doof, um komplexere Zusammenhaenge zu begreifen.

Im Artikel von Arutz Sheva kommt Dr. Uzi Dahari ausfuehrlich zu Wort, der dem WAC vorwirft, sich politisch mit den Palaestinensern zu identifizieren. Seine Ausdrucksweise ist alles andere als diplomatisch. Entweder handelt es sich um einen Hitzkopf, der wegen fachlicher Qualitaeten die Stelle des Vizedirektors der Israeli Antiquities Authority erhalten hat, und nicht recht kontrolliert werden kann. Oder Dr. Dahari weiss sehr genau wovon er spricht, was auf fruehere Erfahrungen schliessen laesst.

Und presto, was finde ich? Folgende Pressemitteilung der Praesidentin der WAC vom Januar 2004. Darin wird in oberflaechlichster Weise Israel unterstellt, gezielt palaestinensische archaeologische Staetten zu zerstoeren.

Dr. Dahari erwiderte in deutlich wissenschaftlicherem und sachlicherem Ton sowohl auf diese Presseerklaerung wie auch auf die anscheinend dahinter stehenden Vorwuerfe von Dr. Najat El Hafi. Seine Aussage ist, dass nicht zwischen palaestinensischen und israelischen archaeologischen Staetten unterschieden werden koenne, die Geschichte des Landstrichs kann nicht nach nationalen Narrativen aufgespalten werden. Er fuehrt einige Beispiele an, wo israelische Archaeologen islamischen Staetten ausgegraben haben, die vorher nicht bekannt waren, ohne sich zu fuerchten, dass damit der juedische Anspruch auf das Land untergraben wuerde.

Dr. Najat El Hafi scheint palaestinensischer Herkunft zu sein. Studiert hat sie in England und gegenwaertig lebt sie in Luxembourg. Der Titel eines Beitrags, den sie fuer die Anthologie “Our Precious Past” verfasst hat, laesst deutlich erkennen, worum es ihr geht:

Palestine’s Archaeology: How to Promote One’s Own Political Agenda

Bemerkenswerterweise wird Dr. El Hafi auf der Pressemitteilung vom Januar 2004 noch als WAC Mitglied des WAC-Rats direkt nach Dr. Smith aufgefuehrt. Inzwischen aber kann ich ihren Namen auf der Seite des WAC nirgends finden.

Mein Befund: Der in akademischen Kreisen so modische Antisemitismus hat laengst auch den WAC angesteckt. Wohl bekomm’s!

alte Taschenspielertricks


bietet der Onkel meines Bekannten, Ziad Abu Zayyad, in der Jerusalem Post.

Die “neue Fatah” fuehrt die alte Tradition fort, dass immer nur Israel in der Bringschuld sein kann, und wo Israel allein nicht spurt, muss die Welt Druck machen:

Everything lies in the hands of Israel and the international community.

Sollte das nicht zur pal. Zufriedenheit ausfallen, wird mit Terror und Gewalt gedroht:

but the lack of progress toward a political solution will inspire some of its members to long for the old days of underground struggle against occupation.

Israel may regret one day that it allowed the convening of the Fatah conference in Bethlehem because the new leadership will not agree to carry on negotiating indefinitely without real progress toward a political settlement and while Israel continues its settlement activities in occupied territory. A new generation of leaders will soon have to confront the reality of Israel’s anti-peace activities and at the same time seek to regain the sympathy and support of their own people.

Deutlich wird aus dem Text, dass Fatah nicht davon ausgeht, in erster Linie mit besseren wirtschaftlichen Bedingungen gegenueber Hamas zu punkten. Nicht umsonst wird damit geprahlt:

Fatah membership, or affiliation with Fatah pre-Oslo process, used to be enough to secure a one-to-three year jail sentence by Israel. It was considered membership in a terrorist organization.

Die Kommentare enthalten bereits alle Punkte:

Der “neue” Fatahfuehrer Dahlan ist nicht bereit Israels Existenzrecht anzuerkennen. Das “neue” Grundsatzprogramm der Fateh erlaubt keinen Kompromiss in der Fluechtlingsfrage oder in Jerusalem. Fatah war die fuehrende Kraft in der PA, hat aber nichts unternommen, um funktionierende Institutionen aufzubauen, der “bewaffnete Kampf” ging vor. Die Erziehung der Kinder zum Hass im Fernsehprogamm von Fatahsendern und in Schulbuechern geht weiter.

“Everything lies in the hands of Israel and the international community.” Uh, no. It’s for the “new” Fatah to demonstrate that they’ve truly abandoned the ways of the “old” Fatah, that it’s abandoned the historic distortions and fantasies, ended the hate and incitement to violence, abandoned the victimhood, and dedicated itself to building an entity that no longer threatens its neighbors. Based on the protocols of the current Conference, they’ve done none of that.

Das meine ich doch auch, und war mehr ist, Khaled Abu Toameh sieht das ebenfalls.

Heiraten in Israel


Ich bin auf einen Artikel in der Sueddeutschen aufmerksam gemacht worden, worin geschildert wird, welche Klimmzuege israelische Paare machen muessen, wenn fuer sie eine orthodox-juedische Trauung nicht in Frage kommt.

Im Grossen und Ganzen ist die Beschreibung zutreffend. Das Fehlen einer standesamtlichen Trauung macht Brautpaaren, die nicht derselben Religionsgemeinschaft oder gar keiner angehoeren, das Leben schwer.

In Israel werden Ehen zwischen Juden und Nichtjuden vom Staat nicht anerkannt. Was tun? Am besten zur Hochzeit nach Zypern fliegen.

Der Untertitel ist faktisch falsch. Wie der Artikel selber ausfuehrt, gibt es in Israel keine standesamtliche Trauungen, sondern nur religioese Zeremonien, so dass Ehen zwischen Partnern, die verschiedenenen Religionsgemeinschaften angehoeren oder auch gar keiner, in Israel nicht geschlossen werden koennen. Andernorts geschlossene Ehen werden jedoch auch in Israel anerkannt. Das ist ja gerade die Grundlage des Heiratstourismus!

Für Ultraorthodoxe wären ihre Kinder keine Juden, sie würden gar als “Mamserim”, Bastarde, gelten.

Das ist falsch. Kinder einer nichtjuedischen Mutter sind keine Juden nach der Halacha. Mamserim aber koennen sie gar nicht sein. Mamser ist naemlich definiert als das Kind einer verheirateten, juedischen Frau aus einer ehebrecherischen Beziehung.

“Viele sind jüdisch genug fürs Militär – aber nicht, um heiraten zu dürfen”

Das ist verzerrend. Die Wehrpflicht in Israel basiert nicht auf Religionszugehoerigkeit, sondern auf der Nationalitaet. Auch drusische Soehne sind wehrpflichtig. Arabische Israelis sind nicht wehrpflichtig, koennen aber freiwillig dienen. Bekanntlich dienen gerade ultraorthodoxe Juden haeufig nicht in der Armee. Da muesste man dann formulieren “zu juedisch fuers Militaer”.

“Jeder Jude ist berechtigt, in das Land Israel einzuwandern”, heißt es im ersten Artikel des Rückkehrgesetzes von 1950. Die Interpretation dessen, wer genau sich denn nun jüdisch nennen darf, wurde damals noch sehr lax gehandhabt. Israel war ein winziges Fleckchen Erde in einem Minenfeld aus Staaten, die es vernichten wollten. Die Versuchung für einen Nicht-Juden, sich ins Land einzuschmuggeln, schien überschaubar zu sein.

Im Grunde ließ man jeden, der im Dritten Reich verfolgt worden wäre oder wurde, einwandern – selbst wenn er nach den Gesetzen der Ultraorthodoxen kein Jude war, sondern beispielsweise nur einen jüdischen Großvater hatte. So bekam auch Elena dank ihres jüdischen Vaters einen israelischen Pass.

Die Darstellung der israelischen Einwanderungsgesetzes ist faktisch falsch und tendenziell. Hier wird suggeriert, dass die Einwanderungspraxis anfangs laxer gehandhabt wurde als heute, um Kaempfer fuer Israels Kriege zu bekommen. Das trifft nicht zu. Dem Rueckkehrrecht wurde 1970 ein Ammendment beigefuegt, wonach Ehepartner, Kinder, Enkel sowie deren Ehepartner ebenfalls unter das Rueckkehrrecht fallen. Diese Bestimmung wurde bewusst parallel zu Rassengesetzen der Nazis gestaltet. Jeder der von den Nazis als Jude verfolgt worden waere, hat das Recht auf Einwanderung nach Israel. Dieses Gesetz wird nach wie vor genauso angewandt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Elena als eine Gefahr für das jüdische Volk angesehen wird

Das ist pure Hetze!

Die meisten seiner Kollegen sehen in Elena jedoch nur eins: eine Gefahr für den Fortbestand des Volkes. Denn auch Elenas Kinder wären “falsche” Juden.

Elenas Kinder werden keine Juden sein, es sei denn, dass sie sich zur Konversion entschliessen, die ihnen relativ leicht gemacht wuerde. Dass Rabbiner nicht-juedische Frauen als Gefahr fuer das juedische Volk sehen, halte ich fuer schwer uebertrieben. Noch vor zwei Generationen gab es so gut wie keine Eheschliessungen zwischen Katholiken und Protestanten. Soweit ich weiss, laesst die kath. Kirche solche Ehen immer noch nicht zu. Sollte das auf Angst um den Fortbestand des Katholizimus zurueckgehen? Doch wohl eher nicht. Katholische und juedische und vermutlich noch jede Menge anderer Kleriker halten dafuer, dass die Religion eine wichtige Grundlage der Familie ist, so dass sie Heiraten zwischen Menschen mit unterschiedlicher Religion fuer problematisch halten. Die Ausnahme im Islam – Muslime duerfen christliche oder juedische Frauen heiraten – scheint mir nichts mit Toleranz zu tun zu haben, sondern die Rolle der Frau in der Ehe niedrig einzuschaetzen.

Bei einer orthodoxen Hochzeit gibt es beispielsweise einen Vertrag, nachdem der Bräutigam der Familie der Braut eine gewisse Summe für ihre Tochter zahlt. Aber ich will Noa nicht kaufen.

Das ist falsch. Die Summe, die in der Ketubba definiert wird, ist eine Abfindung, die an die Braut selber zu zahlen ist, wenn der Mann sich spaeter scheiden lassen will. Die Braut wird also nicht gekauft, sondern gegen ein Scheitern der Ehe abgesichert. In Zeiten, als es noch keine Unterhaltszahlungen gab, war das eine sehr frauenfreundliche Massnahme!

Die Leserkommentare in der SZ zeigen sehr deutlich, welche psychischen Beduerfnisse der Artikel befriedigt: Die Kommentatoren WM2000, roberto.o, Herr Rabe und MuahDib assoziieren sofort die Nuernberger Gesetze (nicht etwas katholische Trauungen!). Das lassen sie sich auch von Lally und Wurstwesen nicht ausreden und belegen damit ihren Antisemitismus.

Die Redaktion leistet genau diesen Assoziationen Vorschub. Das wird mE belegt durch den falschen Untertitel (die Redaktion, nicht der Journalist ist verantwortlich), durch die Hervorhebung der verzerrenden Behauptung “Viele sind jüdisch genug fürs Militär – aber nicht, um heiraten zu dürfen” als Zwischentitel und last not least durch die hetzerische Aufforderung, den zweiten Teil zu lesen. Die Journalistin Sarah Stricker wuerde ich dagegen von diesem Vorwurf freisprechen, ihr sind ein paar kleinere Ungenauigkeiten unterlaufen, aber insgesamt hat sie eine zutreffende und nette Schilderung des israelischen Heiratstourismus vorgelegt.

Und warum haben es interkonfessionelle oder nicht konfessionelle Brautleute  so schwer in Israel?

Die Antwort liegt im israelischen Wahlrecht. Israel hat keine 5% Huerde. Die Huerde lag lange bei 0.5%, dann 1% und derzeit bei 1.5%. Das bedeutet, dass die Parteienlandschaft wild zersplittert ist und die grossen* Parteien haeufig auf Kleinstparteien angewiesen sind, um eine stabile** Koalition bilden zu koennen. Dadurch erhalten Kleinstparteien ueberproportionalen Einfluss. Davon profitieren seit der Staatsgruendung vor allem ultraorthodoxe und orthodoxe Parteien, die ihre Waehler jederzeit mobilisieren koennen und ihre Abgeordneten in straffer Disziplin halten. Auch Lieberman, der seinen Waehlern im letzten Wahlkampf die Zivilehe versprochen hat, konnte nur ein sehr abgespecktes Modell liefern. Shas wurde in der Koalition gebraucht und Israel Beitenu ist keine “Ein-Thema-Partei”, sondern willens Regierungsverantwortung fuer das ganze Land zu uebernehmen.

Die Loesung waere meiner Meinung nach eine Aenderung des Wahlrechts. Die Haelfte der Knessethabgeordneten sollten wie in Deutschland in Wahlkreisen gewaehlt werden. Das Prinzip des Wahlkreises (Winner takes it all) wuerde die Zersplitterung etwas mildern. Auch entstuende damit eine direkte Beziehung zwischen Waehlern und Abgeordneten, waehrend der Abgeordnete derzeit eigentlich nur dem Zentralkommitee seiner Partei verpflichtet ist.

* gross = maximal ein Viertel der Abgeordneten, haeufig aber auch weniger

**Ich habe, in den 15 Jahren, die ich in Israel lebe, nie erlebt, dass eine Koalition eine ganze Amtsperiode durchgehalten haette.

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