die ausgestreckte Hand


ist eine Metapher, die nicht erst seit Obama, aber seither besonders haeufig bemueht wird.

David Grossman und Amos Oz stehen nicht allein mit ihrem Gedanken, dass Israelis mehr Empathie mit Palaestinensern entwickeln sollten, um auf diese Weise zur friedlichen Koexistenz zu gelangen.

Robi Damelin ist eine Frau, die sich das gesagt sein liess. Vor siebeneinhalb Jahren wurde ihr Sohn David zusammen mit sieben weiteren israelischen Soldaten und zwei israelischen Zivilisten von einem pal. Scharfschuetzen getoetet. Die trauerende Mutter schloss sich dem Elternkreis an: Palaestinensische und israelische Familien, die Angehoerige im Konflikt verloren haben.

Das war ihr nicht genug. Als der Scharfschuetze (da er Soldaten im Dienst toetete, kann er nicht als “Moerder” bezeichnet werden), vor fuenf Jahren von israelischen Truppen gefangen genommen wurde, entschloss sich Robi Damelin seiner Familie einen Brief zu schicken, in dem sie ihm ihr Verstaendnis und ihre Vergebung ausdrueckte und ihrerseits um Verstaendnis und Sympathie fuer ihren toten Sohn warb:

(…) He was part of the peace movement and did not want to serve in the occupied territories. He had compassion for all human beings and he understood the Palestinians’ suffering. He treated those around him with respect. David belonged to the officers’ movement that refused to serve in the occupied territories, and yet, for many reasons, he served when he was called up for reserve duty. (…) I cannot describe to you the pain I have felt since his death. After your son was apprehended, I spent many sleepless nights thinking about what to do: should I ignore the whole thing or try to find a way for closure? I came to the decision that I wish to choose the path of reconciliation.


(…) Er gehoerte der Friedensbewegung an und wollte nicht in den besetzten Gebieten dienen. Er fuehlte Empathie fuer jeden Menschen und er verstand die Leiden der Palaestinenser. Er behandelte jeden um ihn herum mit Respekt. David gehoerte zu der Gruppe Offiziere, die den Dienst in den besetzten Gebieten verweigerten, trotzdem leistete er seinen Reservedienst, als er diesmal aufgerufen wurde, aus einer Vielzahl von Gruenden.(…) Ich kann Ihnen den Schmerz nicht beschreiben, den ich seit seinem Tod empfinde. Nachdem Ihr Sohn gefasst wurde, habe ich viele Naechte schlaflos gelegen und darueber nachgedacht, was ich tun soll: Sollte ich die ganze Sache ignorieren oder versuchen, einen Abschluss zu finden? Ich kam zum Entschluss, dass ich den Weg der Versoehnung einschlagen moechte.

Robi wartete lange Jahre auf Antwort, schliesslich meldete sich der Taeter selber:

(…) I cannot hold a dialogue with someone who insists on equating the criminal and the victim, and on equating the occupation with its victims. This is my response to the letter of Mrs. Robi, and I hereby criticize her sarcastic style when she thinks that with emotional words it is possible to resolve this decades-old conflict.


(…) Ich kann keinen Dialog mit jemandem fuehren, der darauf besteht, den Verbrecher und das Opfer auf dieselbe Stufe zu stellen, die Besatzung und ihre Opfer. Das ist meine Antwort auf den Brief von Frau Robi, und hiermit kritisiere ich ihren sarkastischen Stil, wenn sie meint, mit ein paar emotionalen Worten waere es moeglich, diesen jahrzehntelangen Konflikt zu beenden.

Aber Davids Mutter laesst sich nicht von ihrer Versoehnungsabsicht abbringen. Sie hat ihm einen zweiten Brief geschrieben und ist bereit, die naechsten zwanzig Jahren auf einen Dialog zu verwenden.

Ihr aelterer Sohn haelt sie nicht von diesem Versuch ab, sondern spricht ihr Mut zu:

‘Mom, this is also the beginning of a dialogue.’

Mama, das ist auch der Anfang eines Dialogs.

Ausdauernder kann man die Hand kaum ausstrecken, wuerde ich behaupten.

Signifikant ist nicht nur die Reaktion des Taeters, sondern auch der Kommentatoren unter dem Artikel in Ha’aretz

Von 29 Kommentaren, unterstuetzen 15 (also mehr als die Haelfte) die Position des palaestinensischen Scharfschuetzen, der sich selber als Opfer der Besatzung und die von ihm getoeteten Menschen als Verbrecher betrachtet. Im besten Fall wird der trauerenden Mutter zugestanden, dass sie ebenfalls ein Opfer der Besatzung ist. Sieben Kommentare (ein knappes Viertel) nehmen eine aequidistante Haltung ein: Sowohl die Mutter wie auch der Taeter bekommen ihr Verstaendnis. Nur 6 Beitraege bringen kein Verstaendnis fuer den Taeter auf.

Symptomatisch scheint mir der erste Kommentar. Der Autor hat sich zynischerweise “David” genannt:

(…) David`s mother calls it “political”, but it sounds like she`s the one unsure about occupation and she`s making excuses. Ta`er is perfectly comfortable with what he`s fighting for and proud. Does this reveal anything?

Davids Mutter nennt ihn [den Brief des Taeters, RB] “politisch”, aber es hoert sich so an, als ob sie diejenige waere, die sich wegen der Besatzung unsicher ist und sie bringt Entschuldigungen vor. Ta’er ist vollkommen mit sich im Reinen, weiss, wofuer er kaempft und ist stolz. Verraet uns das etwas?

Die Herangehensweise der Mutter wird ihr als Schwaeche ausgelegt. Dass der Taeter ihre menschliche Geste zurueckweist, wird ihm als Staerke angerechnet. Gerade, weil er wie ein Psychopath reagiert, muss er im Recht sein.

Ich wuenschte mir, David Grossman, Amos Oz, Barack Obama etc. liessen es sich gesagt sein. Wer staendig die Hand ausstreckt, signalisiert, dass er bettelt.

Meine eigene Reaktion entspricht uebrigens am ehesten Kommentar Nr. 10, offensichtlich geht es Yisrael Medad nicht viel anders.

Vergewaltigung auf mehreren Ebenen


Ein israelischer Professor hat seine Machtposition ausgenutzt, um von Doktorandinnen Sex zu bekommen. Das erfuellt nach israelischem Recht den Tatbestand der Vergewaltigung.

Zu seinen Doktorandinnen gehoerte auch Tal Nitzan. Wir koennen nicht wissen, ob sie ebenfalls zu Prof. Ben Aris Opfern gehoerte oder nicht.

Tal Nitzan schrieb ihre Doktorarbeit unter Ben Aris Betreuung: ‘Controlled occupation: the rarity of Military Rape in the Israeli Palestinian Conflict’. Nach ihrer Argumentation laesst sich die Tatsache, dass israelische Soldaten keine Palaestinenserinnen vergewaltigen, nur durch israelischen Rassismus erklaeren.

Bekanntlich laeuft derzeit im tuerkischen staatlichen Fernsehsender eine Serie, in der israelische Soldaten gezeigt werden, wie sie alle moeglichen Graeueltaten begehen. Das Bemerkenswerte daran ist, dass keine dieser angeblichen Verbrechen halbwegs plausibel der IDF vorgeworfen werden kann, wohingegen es nicht an Indizien mangelt, dass tuerkische Truppen solche Taten begehen. In einem Wort Projektion.

Eine Episode zeigt, wie israelische Soldaten Palaestinenserinnen vergewaltigen. Die Frauen werden anschliessend von palaestinensischen Kaempfern geehrenmordet. Das empfinden die Palaestinenser als Verrat. Man beachte, dass sie sich nicht etwa gegen den Vorwurf verteidigen, dass die Opfer von Ehrenmorden getoetet werden. Stattdessen behaupten sie, dass es zu keinen Vergewaltigungen kommt. Allerdings fuehren sie das nicht auf israelischen Rassismus zurueck, wie Nitzan, sondern auf den Heldenmut ihrer Kaempfer.

Alltagsfreuden


Fuer mein Teil bin ich davon ueberzeugt, dass Israel in absehbarer Zukunft einen Schlag gegen den Iran fuehren wird. Die iranische Reaktion wird moeglicherweise die ganze Welt betreffen.

Das hindert mich aber nicht daran, in der Zwischenzeit den Alltag zu geniessen. Am letzten Shabbat sind wir mit den Fahrraedern losgezogen, unser Viertel zu erkunden. Wir entdeckten einen huebschen mit Baenken und zu meiner Freude Tischtennistischen.

Heute morgen, nachdem ich mein taegliches Schwimmprogramm und den Besuch beim Arbeitsamt hinter mir hatte, kam ich an einem Spielwarengeschaeft vorbei und kaufte zwei Tischtennisschlaeger samt Baellen. Leider konnte ich die Maedchen nicht dazu ueberreden, gleich nach dem Mittagessen loszuziehen.

Die Kleine war zu beschaeftigt, Materialien fuer ihre Wahlkampagne vorzubereiten. Sie wurde mit grosser Mehrheit zur Klassensprecherin gewaehlt, so dass sie ins Schuelerparlament einzog. Jetzt moechte sie sich dort zur Vorsitzenden waehlen lassen. Ihre Farbe ist lila. Sie hat ein tolles Schild auf lila Karton gemalt “Lila an die Macht!”, bastelt Ketten und Armbaender aus lila Krepp, die sie an ihre Anhaenger verteilt. Lila Ballons und jede Menge lustiger Aufkleber gehoeren ebenfalls zum Werbematerial. Bermerkenswerterweise hat sie mich nicht um einen Zuschuss zu den Wahlkampfkosten gebeten, sondern haelt sich an ihr Taschengeld.

Als mein Mann nach Hause kam, war er ziemlich ausgehungert (die Kantine seiner Firma ist eher mies). Ich bot mich an, ihm etwas Warmes zu richten. Da sah er die Tischtennisschlaeger. Als er anfang, am Kuechentisch damit zu spielen, kam die Grosse herbei. Ich half den beiden noch, unseren Esstisch freizuraeumen, waehrend mir fast die Zwiebeln anbrannten. Dann stellte ich mich wieder an den Herd und freute mich ueber das Klickklack des Baellchens hinter mir.

Ich habe meine Apfelbaeumchen gepflanzt. Jetzt kann ich nur beten, dass ich erleben darf, wie sie wachsen, bluehen und gedeihen.

nach Ritualmord wieder mal Brunnenvergiftung


Amnesty International beglueckt mit einem Bericht darueber, wie Israel den Palaestinensern das Wasser abgrabe.

Niemand stellt in Abrede, dass Israel die im Rahmen der Oslo-Vertraege zum Thema Wasser abgeschlossenen Abkommen einhaelt, waehrend niemand dasselbe von der PA behauptet.

Die Methode entspricht dem Goldstonebericht:

1) Man trage palaestinensische Aussagen zusammen, die natuerlich in keiner Weise hinterfragt werden duerfen. Wie es Hina Jilani, ein Mitglied des Goldstone-Teams, so praegnant ausdrueckte: “Ich denke, es waere sehr grausam, wenn wir ihnen keinen Glauben schenkten.” (hattip Augean Stables)

2) Man waehle ein paar Beispiele aus, mit denen Israel am besten in die Pfanne gehauen werden kann und stelle sie als “typisch” dar.
(hattip: Elder of Ziyon)

3) Man weigere sich, entsprechenden israelischen Stellen Gehoer zu schenken.

4) Fertig ist der anti-israelische Bericht. Nun kann man sich darauf verlassen, dass er von internationalen Medien verbreitet wird.

Warum sollte Israel eigentlich irgendwelche Vertraege mit der PA schliessen, wenn uns so vorgefuehrt wird, dass auch israelische Vertragserfuellung nicht honoriert wird, waehrend pal. Nichterfuellung nicht thematisiert wird? Wie der Goldstonebericht sorgen auch diese Anwuerfe dafuer, dass Israel keine weiteren Schritte auf eine 2-Staaten-Loesung hin unternehmen kann.

Kein Wunder, dass Ahmadinejad sicher ist, dass er im Stillen die Unterstuetzung des Westens besitzt

Georg Schmidt Leiter Referat 22 (Afrika, Asien, Entwicklungspolitik)


und zwar im Praesidialamt der Bundesrepublik Deutschland.

So ist dieses Schreiben unterzeichnet.

Zwei Punkte stechen mir besonders ins Auge:

Henning Mankell bezieht in der Tat polarisierend Stellung in einer politischen Diskussion, die im europäischen Ausland und in Israel selber anders geführt wird als in Deutschland.

Lese nur ich hier zwischen den Zeilen, dass man auch in Deutschland gern Stellung dazu beziehen wuerde, ob der Staat Israel weiter existieren duerfe und sich das aus “historischen Gruenden” leider verkneifen muss?!

In seiner Rede im Bundestag anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus, am 27. Januar 2009, hat er daher auch der Toten der Auseinandersetzung im Gaza-Streifen gedacht und gemahnt, dass der Teufelskreis der Gewalt im Nahen Osten endlich gebrochen werden muss.

Lasst uns den “Teufelskreis der Gewalt” mal ein bisschen naeher ansehen: Im Sommer 2005 raeumte Israel einseitig den Gazastreifen, keine Siedlung, kein Militaerstuetzpunkt blieb bestehen. Dieser Fall von brutaler Gewalt wurde noch dadurch gesteigert, dass die Gewaechshaeuser intakt den Palaestinensern uebergeben wurden. Jeder Europaeer hat volles Verstaendnis dafuer, dass sich die Palaestinenser das nicht bieten lassen konnten. Die Tausenden von Raketen und Moerserangriffe auf Israel seit dem einseitigen Abzug erscheinen als gerechtfertigte, wenn nicht zurueckhaltene Reaktion. Dass die Israelis auf die Kriegserklaerung der Hamas im Dezember 2008 tatsaechlich mit militaerischen Mitteln reagierten, ist zutiefst beklagenswert. Dabei haette ein Appell an die friedliebenden Buerger im Gazastreifen und eine realistische Aussicht auf einen pal. Staat garantiert fuer Frieden und Sicherheit sorgen koennen!

Kurz vor Weihnachten 2008 gab es in der Muenchner U-Bahn auch einen solchen Teufelskreis von Gewalt. Der nervige Rentner hatte sogar angefangen, weil er in pingeliger Weise auf das Rauchverbot hinwies.

Ich hoffe, dass ein solches Hantieren mit undurchdachten Schlagworten nicht typisch ist fuer das Praesidialamt, aber ich fuerchte, dass ich wieder einmal uebertrieben optimistisch bin.

Feigenkuchen


In Israel gibt es immer eine breite Auswahl an Obst und Gemuese. Besonders reich sind die Uebergangszeiten im Fruehling und im Herbst.

An diesem Wochenende hatten wir gleichzeitig: Zuckermelone, Mango, Granatapfel, Trauben, Mandarinen, Orangen, Aepfel, Plaumen, Pfirsiche, Banaen, Kiwis, Zwetschgen und frische Feigen.

Zu seinem Geburtstage wuenschte sich mein Mann einen Kuchen mit frischen Feigen. Meine Kochbuecher kennen kein solches Rezept, also suchte ich im Internet und wurde fuendig. Ich habe die Zuckermenge auf 100 gr. reduziert, Puderzucker verwendet, ein Paeckchen Vanillezucker hinzugefuegt und nur ein Eigelb zum Bepinseln verwendet. (Das andere wanderte in ein Brownierezept, womit ich seine Mitarbeiter im Buero beglueckte.) Ich habe den Kuchen auch nicht warm serviert, sondern im Gegenteil kalt – eine Nacht im Kuehlschrank. Es war sehr lecker!

Karriereempfehlungen fuer Goldstone und sein Team


England und Frankreich verlangen von Israel, eine unabhaengige, transparente Untersuchung der Vorgaenge im Gazastreifen.

British Premier Gordon Brown and French President Nicolas Sarkozy sent a letter to Netanyahu, expressing their support of Israel’s right to defend itself against terror, and urging him to order an “independent, transparent investigation of Gaza events.”

Goldstone sollte sich zur Verfuegung stellen: die Rolle der Briten im Irak, im besonderen in Basra muss untersucht werden. Bisher weigert sich die britische Regierung jedoch, das in transparenter Weise zu tun und der Vorsitzende dieser Untersuchung, Sir John Chilcot, laesst sich das gefallen.

Im Herbst 2004 haben franzoesische Truppen in der Elfenbeinkueste auf Demonstranten scharf geschossen und sieben bis elf Menschen getoetet. Dazu hat es nun gar keine Untersuchung gegeben. Die Franzosen gaben den Vorfall zu, als sie mit einem vom Schweizer Sender TSR gedrehten Film konfrontiert wurden, und rechtfertigten ihn als Selbstverteidigung. Aber solche Aussagen einer betroffenen Partei koennen nicht fuer bare Muenze genommen werden. Wo bleibt die unabhaengige, transparente Untersuchung? Herr Goldstone, bitte uebernehmen Sie!

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