noch eine Uebersetzung im Alten Jahr


Anti-Semitism the real issue that dare not speak its name

Totgeschwiegener Antisemitismus ist der wirkliche Grund

http://www.theaustralian.com.au/news/opinion/anti-semitism-the-real-issue-that-dare-not-speak-its-name/story-e6frg6zo-1226144877560

  • Greg Sheridan, Foreign editor
  • From: The Australian
  • September 24, 2011 12:00AM

Vor einem Jahr oder zwei nahm ich ein Taxi von Jerusalem nach Tel Aviv. Es war ein strahlend sonniger Tag und um herum waren die Huegel gruen, waehrend wir an einem bluehenden arabischen Dorf, einem ansehnlichen Kibbutz und etwas Verkehrstau vorbeifuhren.

Der Fahrer war Englaender, ein englicher Jude, der in Israel ein besseres Leben gefunden hatte, bessere Bezahlung, weniger Antisemitismus, sicherere Strassen, eine gute Flugverbindung zu seiner Toachter in England, aber naeher bei seinen anderen Verwandten in Israel und ganz viel Sonnenschein.

An diesem Tag spielte ein Song von Roger Whittaker im Radio des Taxis. Dieses Israel, dachte ich, hier ist es schoen.

Und jetzt ein paar andere Eindruekce.

Auf der Internetseite des BBC berichtete ein britischer Journalist, weder Israeli noch Jude, von einem Erlebnis in Kairo. “Waehrend ich die Strasse entlangging, schubste mich jemand von hinten so heftig, dass ich fast hinfiel. Ich drehte mich um und sah, dass ich von fuenf Maennern umringt war. Einer von ihnen versuchte, mich ins Gesicht zu schlagen. Ich konnte den Angriff abwenden, indem ich darauf hinwies, welche Schande es fuer einen Muslim sei, einen Gast in seinem Land anzugreifen, und noch dazu waehrend Ramadan. Ich war erleichert, dass die Attacke vorueber war, aber die Entschuldigung, die mir einer der Angreifen anbot, schockierte mich: ‘Sorry’, sagte er, ‘wir dachten, Sie sind Jude.'”

Ein drittes Bild, dieses Mal von ausserhalb des Nahen Ostens. Eine meiner Bekannten, Amerikanerin, weder Israelin noch Juedin und ohne jede Verbindung zum Nahen Osten, half bei einem Annaeherungsprojekt im Sueden Thaeland, wo es um muslimische und buddhistische Studenten ging. Am Ende sagte einer der muslimischen Studen ein paar Worte zu ihr, im Sinne von: danke, das war sehr nett. Viel besser als ich erwartet haette. Und der letzte Satz: “Bis jetzt habe ich noch nie einen Zionisten getroffen.”

Der Knackpunkt im israelisch-palaestinensischen Konflikt und im weiteren israelisch-arabischen Konflikt, ist genau dieser Punkt, der immer ungenannt bleibt, der umfassende und tiefsitzende Antisemitismus, der die moderne islamische Welt durchdringt, ganz besonders im Nahen Osten.

Das ist ein echtes Hindernis fuer den Frieden, und Menschen, denen es um Frieden zu tun ist, werden versuchen, die Situation zu verbessern.

Es ist analytisch falsch, historisch unwahr und konzeptionell unmoeglich, dass dieser ganze Antisemitismus aus Israels echten und angeblichen Vergehen hervorgegangen sei.

Wie Richard Cohen in der Washington Post letzte Wocher erwaehnte: Als Anwar Sadat 1953 ein junger Offizier war, wurde er von der Zeitschrift Al-Musawwar  interview und gefragt, was er Adolf Hitler sagen wuerde. Seine Antwort? “Mein lieber \Hitler, ich bewundere Sie aus tiefstem Herzensgrund.”

Als der [australische R.B.] Aussenminister Kevin Rudd gestern vor der UNO-Generalversammlung in New Yorok sprach, betonte er die Dringlichkeit einer abschliessenden Vereinbarung zwischen Israelis und Palaestinensern. Wenn das nicht geschaehe, befuerchtete er eine “Spirale der Gewalt”. Wenn ein Abkommen erreicht wuerde, oeffneten sich riesige, neue Maerkte in swn arabischen Laendern fuer Israel. Es wuerde diplomatisch von all seinen arabischen Nachbarn anerkannt und die die Aufmerksamkeit koennte auf das wirklcihe Sicherheitproblem in der Region gerichtet werden, Iran, Wenn kein endgueltiges Abkommen zustande kaeme, waeren die Folgen fuer Israels Sicherheit verheerend.

Ich zweifle nicht an Rudds gutem Willen, auch nicht an seiner analytischen Kompetenz, aber ich glaube, dass seine Analyse auf vier Ebenen fehlerhaft ist.

Erstens, Israel kann kein Friedensabkommen per Willenskraft ins Dasein bringen, wenn es auf der anderen Seite keinen Partner gibt, der sowohl willens wie auch faehig ist, mit Israel ein Friedensabkommen zu schliessen, das Israels Sicherheit gewaehrleistst und das auch durchsetzen kann und will.

Zweitens, ein gescheitertes Friedensabkommen, oder eines, das nicht durchgesetzt wird, koennte Israels Sicherheit weit mehr schaden als die gegenwaertige Situation.

Drittens, Israels Sicherheitslage hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert, aufgrund einer Dynamik, die nichts mit dem israelisch-palaestinensischen Konflikt zu tun hat, aber die einen viel gefaehrlicheren Hintergrund bildet, vor dem von Israel erwartet wird, existenzielle Risiken einzugehen.

Viertens, ein dauernder Friede ist unmoeglich, wenn Israels Nachbarn sich vor Hass auf die Juden und Verachtung fuer Israel als politische Groesse verzehren.

Hier noch ein anderer Gedanke: Eine Phase der Normalisierung und Nicht-Gewalt gehen sehr haeufig einem Friedensabkommen voraus, anstatt dass ein Abkommen die Normalisierung ausloest. Israel und seine internationalen Partner arbeiten hart daran, das Leben im Westjordanland zu normalisieren, Wohlstand und ein anstaendiges Leben zu ermoeglichen, damit die Palaestinenser sozusagen etwas zu verlieren haetten.

Es ist mindestens so wahrscheinlich, dass Normalisierung zum Frieden fuehrt, wie dass ein Friedensvertrag magisch Normalisierung schafft.

Rudd steht mit seiner Analyse nicht allein da. Unter den internationalen Konferenzbesuchern gilt es als Binsenweisheit, dass der Konflikt schnell geregelt werden kann und muss. Aber lasst uns meine vier analytischen Einwaende einzeln durchgehen.

Hat Israel einen Friedenspartner? Das ist keine rhetorische, sondern eine praktische Frage. Wenn man mit einem Feind Frieden schliesst, muss man zuversichtlich sein, dass der Feind seine eigenen Kraefte kontrolliert und dass die Angriffe nicht weitergehen.

Die Situation, der Israel gegenueber steht, sieht so aus: Fast die Haelfte der pal. Bevoelkerung wird von Hamas beherrscht. Australisches und US Recht definieren Hamas als Terrororganisation. Hamas gehoert formal ebenfalls der nationalen Regierung der PA an. Obwohl westliche Vermittler das einst forderten, hat Hamas weder dem Terrorismus abgeschworen, noch Israels Existenzrecht anerkannt, noch sich bereit erklaert, bestehende Vertraege der Palaestinensischen Autonomiebehoerde mit Israel anzuerkennen. Israel kann nicht mit dem Zauberstab Hamas in eine Kumbaya-Friedensbewegung verwandeln. Selbst im Westjordanland schuert die Fatahregierung Hetze und Hass gegen Israel vom Unterrichtsmaterial fuer Grundschueler bis zu Fernsehprogrammen und allem anderen. Jede Karte von Palaestina zeigt ganz Israel, nicht nur die besetzten Gebiete. Noch wichtiger ist, dass sich die pal. Regierung in Ramallah nur  durch die Macht der IDF an der Herrschaft haelt. Fuer Israel ist es nicht unvernuenftig, sich grosse Sorgen ueber die Regierung zu machen, die sich schlussendlich in Ramallah durchsetzen wird.

Der zweite Einwand ist, dass ein gescheitertes Abkommen viel schlimmer waere als die heutige Lage. Wenn die Westbank sich wie der Gazastreifen entwickelt, dann stroemt  eine Flut von Raketen und anderen Waffen dorthin, sobald Israels Soldaten abgezogen sind. Keine pal. Regierung wird akzeptieren, dass Israel auf Dauer die Grenze zu Jordanien kontrolliert. Wenn Israel diese Grenze aber nicht kontrolliert, dann wird sich die Westbank den Weg des Gazastreifens nehmen. Israel ist ein kleines, schmales Land. Ein Staat Palaestina laege nur wenige Kilometer von Israels grossen Bevoelkerungszentren entfernt. Raketen im Stil des Gazastreifens wuerden die israelische Wirtschaft verkrueppeln. Nur wenige, verstreute Moerserangriffe wuerden Tel Avivs Flughafen lahmlegen. Was geschaehe, wenn eine pal. Regierung im Westjordanland solche Angriffe ermutigt, aber dann behaupetet, dass sie von einer Schattenorganisation ausgehen, die sie nicht unter Kontrolle habe, wie es Hamas im Gazastreifen macht?

Das ist kein Argument dafuer, dass es niemals einen Staat Palaestina geben kann. Es ist aber hoechst vernuenftig, von einem pal. Partner zu verlangen, dass er Israels Sicherheit gewaehrleistet, umso mehr, als sie in der Vergangenheit nie respektiert wurde.

Einige sehr angesehene Personen sagen im privaten Kreis, dass Israel einfach wieder in pal. Gebiet einmarschieren koenne, wenn empoerende Angriffe stattfaenden. Aber die Welt wuesste, dass Israel einen unabhaengigen Staat Palaestina angeboten hatte.

Das ist voellig unrealistisch. Israel bekommt nie einen Bonus fuer die Angebote, die es macht. Im Jahr 2000 bot Ehud Barak Arafat 95% der Westbank, den ganzen Gazastreifen und Gebietstausch fuer die 5% der Westbank an, die bei Israel bleiben sollten und die die grossen juedischen Siedlungsblocks umfassen.

Fast 10 Jahre spaeter machte Ehud Olmert im Grunde dasselbe Angebot. In keinem der beiden Faelle konnte die pal. Fuehrung das Angebot annehmen, weil es ein Ende der Forderungen an Israel und ein Ende des Konflikts bedeutet haette. Die Palaestinenser werden nie ein besseres Angebot bekommen, als was ihnen von Barak und Olmert unterbreitet wurde, die bereit waren, die oben skizzierten enormen Risiken auf sich zu nehmen.

Sie muessen sich zum Schluss fragen, ob die pal.Fuehrung ernsthaft einen unabhaengigen Staat zu realistischen Bedingungen will oder ob sie nur kurzfristige Manoever betreibt, ohne eine Langzeitvision, oder ob die Langzeitvision ein apokalyptischer Plan ist, Israel endgueltig zu vernichten.

Abdurrahman Wahid, der verstorbene, fruehere Praesident von Indonesien, erzaehlte mir einmal von seinem Abscheu, als Yasser Arafat ihm in einem Privatgespraech sagte, das Fernziel sei es, die Juden ins Meer zu treiben. Moeglicherweise besteht der groesste Fehler derer, die Israel zu einer sofortigen Loesung draengen, darin, dass sie nicht erkennen, wie sehr sich Israels aeussere Sicherheitlage verschlechtert hat. Israelische Diplomaten waeren vor zwei Wochen fast vom Mob in ihrer Botschaft in Kairo ermordet worden. Die aegyptische Regierung nahm keine Anrufe ihrer israelischen Amtskollegen entgegen, waehrend der Mob die Betonmauer um die Botschaft niederriss, damit sie die Diplomaten darin in Stuecke reissen koennten. Erst, als der US Praesident Barack Obama sich persoenlich einmischte, schickten die Aegypter Soldaten los, um das Leben der Israelis zu retten.

Der tuerkische Premierminister hat effektiv beschlossen, das langjaehrige Buendnis seines Landes mit Israel zu beenden. Durch die Daemonisierung Israels will er in der arabischen Welt popular werden, und so droht er, seine Kriegsflotte in eine Konfrontation mit Israel zu schicken. Das sind enorme Veraenderungen zum Schlechten fuer Israels Sicherheit in der Region. Sie haben nicht das Geringste mit dem palaestinensischen Konflikt zu tun. Beide spiegeln den rapiden Schwund an US Einfluss im Nahen Osten wider. Wer einen sofortigen Staat Palaestina befuerwortet, behauptet, dass Israel alle diese Widrigkeiten besaenftigen koennte, wenn es einem pal. Staat zustimmt. Aber wo faende sich auch nur ein Quentchen Beleg dafuer?

Wenn es den Maechten in der Region darum ginge, den Palaestinensern zu einem Staat zu verhelfen, muessten sie Israel Zuversicht einfloessen. Wie wir jedoch gesehen haben, hassen Israelis Nachbarn Israel und daemonisieren die Juden.

Die pal. Fuehrung hat selber mehr oder weniger deutlich garantierd, dass kein Abkommen moeglich ist, indem sie darauf besteht, dass alle Palaestinenser, die je im Gebiet Israels vor der Staatsgruendung gelebt hatten und alle ihre Nachkommen, ein Rueckkehrrecht haetten. Dabei handelt es sich um fuenf Millionen Menschen. Ignoriert werden natuerlich die Millionen Juden, die durch den moerderischen Antisemitismus gezwungen waren, arabische Laender zu verlassen, und ihre Nachkommen. Vor allem aber weiss jeder dienstaeltere, palaestinensische Politiker, dass keine israelische Regierung je Selbstmord begehen wird, indem sie fuenf Millionen Palaestinenser einlaedt, im israelischen Kernland zu leben.

In frueheren, geheimen Verhandlungen haben palaestinensische Fuehrer sich willig gezeigt, diese groteske Forderung fallen zu lassen. Aber sie haben sie zu einem so zentralen Baustein ihrer emotionalen Verunglimpfung von Israel gemacht, dass ein oeffentlicher Verzicht darauf notwendig eine feindselige Reaktion unter den Palaestinensern und innerhalb der weiteren, arabischen Welt ausloesn wird. Wenn man das alles zusammennimmt, dann bedeutet das, dass zur Zeit keine abschliessende Bereinigung des israelisch=palaestinensischen Konflikts moeglich ist. Etwas anderes vorzuspiegeln, ist zum Mindesten unverantwortlich.

Ein gutes und suesses Neues Jahr


Fundstueck zum palaestinensischen Vorstoss in der UNO


Nicht jedermann’s Sache, aber ich mag Gagdad Bobs Mischung von flapsigem, aber sprachgewandtem Stil und philosophischen Ueberlegungen.

All Men are Created Equally Racist

(…)

Think of the so-called Palestinians, who claim to want a “state.” But they’ve had a remarkably stable one for 63 years. It is a state of mind that makes them one of the most depraved cultures on the planet, since it is centered around everything that is wrong with human beings: bigotry, hatred, envy, child abuse, misogyny, scapegoating, systematic lying, sacrificial violence, etc.

The Palestinians have exactly the state which they and other Arabs wish them to have. Now they want the world to officially recognize this state of mind by drawing external boundaries around it, presumably on the pretext that this nasty state of cultural mind results from a lack of said boundaries.

Which is more than a little condescending, because for the Palestinians, it is not a nasty, much less dysfunctional, state of mind. After all, doesn’t everyone want to exterminate the Jews? The Palestinians believe — and have every right to do so, given the amount of foreign aid that flows their way — that “we just have the balls to actually do what everyone else is only thinking.”

Hitler felt the same way — that he was doing the world a huge favor — at great inconvenience I might add, since genocide can be a messy and thankless job. Look at the poor Turks. Not only does no one thank them for the Armenian genocide, but they have to pretend it never happened. Is the world upside-down?

(…)

Denkt an die Palaestinenser, die behaupten einen Staat zu wollen. Aber sie haben einen sehr stabilen seit 63 Jahren. [Wortspiel im Englischen "state" = Staat, "state" of mind = Geistesverfassung] Es handelt sich um eine Geistesverfassung, die sie zu einer der verkommensten Kulturen auf der Welt macht, weil sie sich auf alles Schlechte gruendet, wozu menschliche Wesen faehig sind: Fanatismus, Hass, Neid, Kindsmissbrauch, Frauenhass, Schuldzuweisungen, systemtisches Luegen, kultartige Gewalt, usw.

Die Palaestinenser haben genau die Verfassung, die sie sich selbst und die ihnen andere Araber wuenschen. Jetzt moechten sie, dass die ganze Welt diese Verfassung anerkennt, indem sie aeussere Grenzen darum zieht. Vermutlich unter dem Vorwand, dass der garstige Zustand ihrer Kultur daher ruehrt, dass ihnen diese Grenzen bisher fehlen. 

Das ist mehr als nur ein bisschen herablassend, denn fuer die Palaestinenser ist das weder eine garstige, noch eine dysfunktionale Geistesverfassung. Moechte schliesslich nicht jeder die Juden ausrotten? Die Palaestinenser glauben – und angesichts der Geldstroeme, die von ueberall her zu ihnen fliessen, haben sie guten Grund dazu: “Wir haben den Mut, das zu tun, wovon andere nur traeumen.”

Hitler hatte das gleiche Gefuehl, dass er der Welt einen Gefallen tat – unter grossen Unannehmlichkeiten, wie ich hinzufuegen koennte, denn Voelkermord kann ein unappetitlicher und undankbarer Job sein. Schaut euch die armen Tuerken an. Keiner dankt ihnen fuer den Genozid an den Armeniern, sie muessen sogar so tun, als sei er gar nicht passiert! Steht die Welt Kopf?

Kantinengespraech im Kibbutz


Meine Firma gehoert zur Kibbutzindustrie. Viele Mitarbeiter sind Kibbutzmitglieder und der Speisesaal des Kibbutz dient auch als Firmenkantine.

Gestern sass ich mit drei Kollegen am Tisch, die alle Kibbutzmitglieder sind und zwar aktive, die Frau engagiert sich beim Erziehungskommitee, einer der beiden Maenner, G.,  gehoert dem Kommitee an, das Sondierungsgespraeche mit Anwaerten auf Kibbutzmitgliedschaft  fuehrt und der zweite, Y.,  hat etwas mit der  Internet- und Telefonversorgung des Kibbutz am Hut.

Vorgestern gab es offensichtlich ein “Kibbutz-Gespraech” (eine Sitzung, zu der alle Mitglieder eingeladen werden), weil sich ein Loch im Haushalt des Jahres  aufgetan hat.

Ich hoerte lange nur zu, waehrend die drei Betroffenen erregt diskutierten. Erst zum Schluss stellte ich ein paar Verstaendnisfragen.

Der Haushalt wird jaehrlich ausgearbeitet und beschlossen. Bei der Ausarbeitung sind die Kibbutzfunktionaere meist unter sich, obwohl alle Mitglieder zur Teilnahme eingeladen sind. Beim Abstimmen gibt es dann oft Kritik und Aenderungsvorschlaege, die besser in die Phase der Ausarbeitung gepasst haetten, ueber die aber auch jeweils abgestimmt wird.

Offensichtlich wiederholt sich Jahr fuer Jahr, dass der Haushalt nicht eingehalten wird. Y. ging soweit zu sagen, dass dieses  System zur Verschwendung einlaedt. G. und die Frau dagegen meinten, dass die Budgetierung immer zu knapp ist und z.B. steigende Wasserpreise nicht beruecksichtigt oder auch zu erwartende Einnahmen zu hoch veranschlagt wurden.

Wenn ich richtig verstanden habe, dann beginnt die Erarbeitung des Haushalts mit der Bestandsaufnahme der zu erwartenden Einnahmen. Danach erfolgt eine erste Verteilung auf die verschiedenen Ressorts. Bei der Kibbutzversammlung, die den Haushalt genehmigen muss, kommt es dann zu Verteilungskaempfen. Jeder hat seine Prioritaeten und moechte, dass das entsprechende Ressort finanziell besser ausgestattet wird. Familien mit kleinen Kindern haetten gern mehr Geld fuer die Kindergaerten und Freizeitangebote fuer Kinder, Senioren dagegen sind die Angebote in Sachen Gesundheit wichtiger, usw.

Regelmaessig wird dann auch vorgeschlagen, doch die Kibbutzabgaben zu erhoehen (eine Art zusaetzlicher Steuer fuer Kibbutzmitglieder), aus der sich das Gros der Kibbutzeinnahmen ergibt. Die Frau und Y. sagen, dass sie dafuer gestimmt hatten. Wie G. richtig bemerkt, findet sich aber dafuer nie eine Mehrheit, so dass es nichts kostet, als  Minderheit ein Zeichen zu setzen.

Die Aufregung entstand, weil der Kibbutzsekretaer vorgeschlagen hatte, das Defizit durch eine Erhoehung der Abgaben auf den Quadratmeterpreis der Wohnungen zu decken. Die Frau hat die groesste Familie von denen, die am Tisch sassen, vermutlich auch die groesste Wohnflaeche und war deswegen strikt dagegen, auf diese Weise zusaetzliche Einnahmen zu generieren.

Ich spekuliere, dass die verschiedenen Ressorts es alle nicht so ernst nehmen, wenn sie ihr Budget ueberschreiten. Insofern setzt sich das Haushaltsloch vermutlich aus vielen kleinen Loechern zusammen, und die Forderung der Frau, genau zu klaeren, wer dafuer verantwortlich ist, kann nur zum Kleinkrieg der Ressorts und viel boesem Blut sorgen.

Warum sollten die Ressorts ihre diveren Ueberziehungen auch ernst nehmen? Seit Jahren erleben sie, dass der Kibbutz das Loch immer irgendwie stopft. Vermutlich wird das Defizit auch dieses Jahr dadurch gedeckt werden, dass das Schwimmbad frueher als geplant fuer den Winter geschlossen wird. Auf dem Rueckweg in die Firma meinte G. truebselig, dass er nun wieder nicht fuer das Schwimmen im See Genesareth trainieren kann.

Mich beruehrt eigenartig, dass alle drei mit mir schon ueber die Demonstrationen “Soziale Gerechtigkeit” diskutierten und sich offensichtlich damit identifieren, teilweise auch daran teilgenommen haben. Da erleben alle drei hautnah, wie es im Kleinen, dem Kibbutz, schon nicht so ganz funktioniert. Und gleichzeitig sind sie davon ueberzeugt, dass es im Grossen, dem Staat, nur gut laufen kann.

Malte Lehming: Eingefrorenes Denken


Ein- bis zweimal pro Jahr stossen mir Texte von Malte Lehming so auf, dass ich dazu einen Blogeintrag schreibe. Der Beitrag fuer 2011 ist inzwischen faellig, hat Malte Lehming doch bis dato nur eine Erwaehnung bekommen.

Im Tagesspiegel vom 12.09.11 finden wir seinen Text: Israel hat verloren

Die Ehe- und Scheidungsmetaphern, mit denen Lehming seinen Artikel einleitet, sind unpassend – Israel und die Palaestinenser sind nie eine Liebesheirat oder auch nur eine Vernunftsehe eingegangen – und irrefuehrend: Das Zusammengeworfensein von Juden und Arabern begann nicht vor 44 Jahren mit dem Sieg Israels im 6-Tage-Krieg und der Besetzung des Westjordanlands und des Gazastreifens, sondern viel frueher. Ueber die genaue Jahreszahl laesst sich trefflich streiten, vielleicht die Balfour-Deklaration 1917, vielleicht die ausgedehnten Pogrome von 1929 oder lieber die Staatsgruendung Israels 1948?

Lehming schnipselt  die Geschichte ab, weil sie ihm nicht in den Kram passt. Sein Glaubenssatz ist, dass es im Konflikt zwischen Palaestinensern und Israelis um Territorium geht und dass einer friedlichen Koexistenz nichts im Weg steht, wenn Israel einfach ein bisschen zur Seite rutscht und den Palaestinensern einen eigenen Staat ermoeglicht.

Das glaubte eine Mehrheit der wahlberechtigten Israelis vor guten 19 Jahren auch, als sie 1992 eine Regierung waehlte, die umgehend daran ging, mit den Palaestinensern zu verhandeln, worauf Premierminister Rabin 1993 auf dem Rasen vor dem Weissen Haus die Oslovertraege mit Handdruck besiegelte.

Offensichtlich ist Malte Lehmings Gehirn etwa gleichzeitig schockgefrostet worden. Symptomatisch dafuer ist, dass er sich nur an ein Broder Zitat  von vor 20 Jahren erinnern kann.

Fast forward ins Jahr 2011: Die Palaestineser haben immer noch keinen Staat! Jedenfalls nicht im Westjordanland. Der Gazastreifen dagegen ist seit 2005 judenfrei und wird seit 2006 von der Hamas regiert. Hamastan weist viele Zeichen der Souveraenitaet auf – eine eigene Innenpolitik (derzeit mit abweichender Zeitzone), eine eigene Aussenpolitik (Buendnis mit Iran und Hisbollah) inklusive Kriegsfuehrung. Aber offensichltich guckt Lehming dort nicht hin, sondern sieht nur die Westbank:

Was immer noch kein Staat?! Wie konnte das passieren? Und dann setzt anscheinend ein Instinkt ein, denn Lehming versucht an keiner Stelle, diese Frage ernsthaft zu beantworten. Israel hat Schuld!

Es fehlt allein am Willen. Scheiden tut weh. Keiner fügt sich selbst gern Schmerzen zu. Das trifft auch auf jene in Israel zu, die verstanden haben, dass die Fortsetzung der Besatzung ad infinitum eine größere Gefahr für die Identität und moralische Verfasstheit ihrer Gesellschaft bedeutet als deren Beendigung.

Anscheinend bringen nur die Israelis den guten Willen nicht mit, sogar diejenigen, die eigentlich Malte Lehmings Glaubensbekenntnis teilen. Die Palaestinenser strotzen entweder nur so von gutem Willen, oder es ist voellig unerheblich, ob sie etwas wollen und was (kleiner Tip fuer Neugierige: Slide Nr. 43 verraet, wie sie zu Lehmings unkomplizierter Loesung stehen), weil Malte Lehming das viel besser fuer sie entscheiden kann.

Weil nun die Palästinenser nicht mehr länger auf die Einsichtsfähigkeit der besseren Zionisten hoffen wollen, werden sie in der kommenden Woche einen Antrag auf einen eigenen Staat bei den Vereinten Nationen in New York einreichen.

Sicher ist es sehr frustrierend fuer die Palaestinenser, wie sich selbst die besseren Zionisten der Einsicht verschliessen, dass Israel sich doch selber abschaffen sollte.

Natürlich, und das weiß jeder, ist die ganze Sache vor allem symbolisch. Ein UN-Votum produziert keinen Staat, beendet keine Besatzung, schafft keine Gerechtigkeit.

Das sieht Mahmoud Abbas uebrigens etwas anders: Seiner Meinung nach koennte das UN-Votum die Besetzung schaffen. Indem die UN den Staat Palaestina anerkennt, wuerden die Gebiete offiziell besetzt, waehrend sie bisher den Status umstrittene Gebiete haben. Aber geschenkt, wir wissen ja schon, dass Lehming besser Bescheid weiss als irgendwelche Palaestinser und ihr nicht-ganz legitimer Repraesentant und fuer ihn sind die Gebiete auch bisher “besetzt”

Tja, das mit der reinen Wohlfuehlpropaganda wuerden wir Israelis auch gern glauben, haetten wir nicht schon unsere Erfahrungen mit internationalen Zusicherungen gemacht.

Da ist das Beispiel der einseitige Rueckzug aus dem Suedlibanon 2000 und dann Libanon 2006, samt Resolution 1701. Dann gibt es den einseitigen Rueckzug aus dem Gazastreifen 2005 samt Schreiben des US-Praesidenten und dann die Militaeraktion Gegossenes Blei 2008/2009. Eben hartgelernte Lektionen.

Ich schlage Malte Lehming vor, dass er sein Hirn noch einmal schockfrosten laesst. Es muessen nicht wieder 20 Jahre sein, wahrscheinlich kommt der grosse Knall in der Region frueher. Danach koennten wir gemeinsam (b’esrat HaShem!) pruefen, was vom gefrorenen Gedankengut noch brauchbar ist und was doch endlich weggeworfen werden muss, weil voellig verrottet.

Armutszeugnis fuer Cengiz Dursun


Ich *kenne* Cengiz Dursun von der Achse des Guten, wo gelegentlich seine Beitraege erscheinen. Weil sie mir gefielen, nahm ich seinen Primaverablog in meine Bookmarks und Blogroll auf.

Am vergangenen Freitag veroeffentlichte Cengiz dort einen Beitrag Israel, du hast mich enttäuscht!

Er war zu Recht schockiert von der Nachricht, dass Israels Aussenminister Lieberman mit der PKK kooperieren und sie vielleicht gar mit Waffen versorgen wolle. Die PKK ist eine Terrororganisation und mit Terrororganisationen sollte kein Staat, und das schliesst Israel ein, zusammenarbeiten. (Die Tuerkei kooperiert natuerlich mit Hamas, die nicht weniger eine Terrororganisation ist, aber darueber regt sich Cengiz sicher in anderen Texten auf. Ich habe laengst nicht alles von ihm gelesen, will also nicht behaupten, dass er mit zweierlei Mass misst.)

Das Dementi der israelischen Regierung ist etwa zeitgleich mit Cengiz Blogeintrag erschienen. Vielleicht konnte er es noch nicht kennen, als er seinen Text verfasste.

Fuer mangelnde Recherche und eine gewisse Oberflaechlichkeit spricht sein Abschluss:

Allerdings könnte die Türkei den Spieß umdrehen und von einem Völkermord in Gaza sprechen, als in der Operation “Gegossenes Blei” mehr als 1200 Zivilisten getötet wurden – was sie nicht tut, da es ihr um die Lieferung von Hilfsmitteln – und nicht um Waffen geht.

Er plappert das Propagandamaerchen nach, wonach quasi alle Toten der Aktion Gegossenes Blei Zivilisten gewesen waeren, obwohl inzwischen selbst Hamas einraeumt, dass mindestens die Haelfte Kombattanten waren. Das ist eine bessere Ratio, als andere Industriestaaten sie in Afghanistan, Irak und Libyen hinkriegen und unter tendenziell schwierigeren Bedingungen. (An dieser Stelle wird nun sicher erwartet, dass ich den Tod von unschuldigen Zivilisten bedaure. Geschenkt. Wer in diesem Blog liest und mir Blutgelueste unterstellt, kann nur ein ausgewachsener Antisemit sein.)

Auch die Geschichte mit den Hilfsguetern ist natuerlich pure Propaganda. Israel erlaubt grundsaetzlich die Einfuhr von Hilfsguetern, auch aus arabischen Laendern, in den Gazastreifen und hat das auch den Organisatoren der Flotilla angeboten. Tatsaechlich hatte sie kaum nennenswerte Hilfgueter an Bord. Und als diese von Israel auf LKWs verladen und an die Grenze zum Gazastreifen gekarrt wurden, verweigerte Hamas die Annahme.

Unfreiwillig komisch ist, dass Cengiz nicht weiss, wie Erdogan die Feindseligkeiten gegen Israel gerade damit eingeleitet hat, indem er es in Davos des Voelkermords bezichtigte.

Mit all dem hat sich Cengiz aber sein Armutszeugnis nicht verdient, sondern damit, dass er meine Kommentare auf seinem Blog, worin ich ihn ebenfalls auf diese Punkte hinwies, nicht zulassen kann. Meine Kommentare stammen vom gestrigen Nachmittag. Im Laufe des Abends hat Cengiz dann die Kommentarfunktion aller neueren Beitraege geschlossen. Durch die Unfaehigkeit, sachlich formulierte und begruendete Kritik zu ertragen, stellt er sich selber ein Armutszeugnis aus.

Noch einen Punkt moechte ich beleuchten:

Cengiz rechtfertigt seine Emotionalitaet in den Kommentaren folgendermassen

meinen Sie, ich schaue seelenruhig zu, wenn mein Mutterland bombardiert wird, obwohl ich weiß, dass es nicht islamisiert ist und es nur eine Propaganda des Westens ist? oder wenn rechte wie lieberman der türkei mit terrororganisationen drohen? Ich war in der Türkei und es sieht aus wie zu Zeiten des Kemalismus. NICHTS hat sich verändert. wenn mir jemand den Arsch rettet, dann ist es die Türkei.

Israelis sind wohl etwas direkter bedroht als die Tuerkei und Cengiz, aber wir erwarten von uns mehr Selbstbeherrschung. Ich konnte in den englischsprachigen, rechtsorientierten, israelischen Blogs, die ich verfolge keine vergleichbare Emotionalitaet ausmachen.

Laecherlich ist auch die Annahme, dass jemand waehrend eines kuerzeren Aufenthalts schleichende Veraenderungen in einem Staat sehen kann, vor allem, wenn er sie gar nicht sehen will. Die kemalistischen Offiziere und Journalisten in den Gefaengnissen sieht man ja gerade nicht.

Und ist die Identifikation mit dem Mutterland und die Ueberzeugung, dass nur die Tuerkei sein Leben und seine Gesundheit schuetzen wuerde, nicht etwas eigenartig fuer jemanden, der in Deutschland geboren wurde und sich als Deutscher bezeichnet?

Ich erkenne den einen oder anderen Kommentator im Primaverablog und diese Menschen, die ich sehr schaetze, scheinen Cengiz mit Samthandschuhen anzufassen. Das ist verstaendlich und passiert mir auch immer wieder. Ich glaube aber nicht, dass Cengiz ein Gefallen getan wird, wenn fuer ihn die Latte besonders niedrig gehalten wird.

Update: Cengiz hat auf seinem Blog eine Entgegnung geschrieben http://www.primaverablog.de/2011/09/13/kretins-haben-langeweile/

Michael Martens verleumdet Israel in der FAZ


Laut offizieller Lesart Ankaras steht die Ermordung mehrerer Staatsbürger der Türkei bei der Erstürmung des türkischen Schiffes „Mavi Marmara“ durch israelische Sicherheitskräfte vor einem Jahr am Beginn der jüngsten Krise.

schreibt Michael Martens in seinem Kommentar Der drohende Erdogan in der FAZ. Und damit besorgt er die tuerkische Propaganda, auch wenn der Rest des Artikels sachlich ist.

Von einer “Ermordung” kann selbst bei boeswilligster Lesart nicht die Rede sein. “Mord” setzt Absicht und niedrere Beweggruende voraus. Die israelischen Soldaten befanden sich aber eindeutig in einer Notwehrsituation.

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