Und weiter im Hamasprogramm


Die westliche Welt legt Israel dringend ans Herz, die Lebensbedingungen im Gazastreifen zu verbessern, indem die Grenzen fuer Menschen und Waren geoeffnet werden. Und ueberhaupt sollte Israel endlich dem Staat Palaestina zustimmen, ohne sich mit Kinkerlitzchen wie Verhandlungen und Ausreden wie dem israelischen Sicherheitsbeduerfnis aufzuhalten.

Ali Abunimah wendet in seiner Electronic Intifada ein, dass die Anerkennung eines Staats Palaestina neben Israel den Palaestinensern schaden wuerde: Was ist schliesslich mit den arabischen Israelis und all denen, die gern in den Staat Israel “zurueckkehren” moechten? Die meisten Palaestinenser wollen keine Zwei-Staaten-Loesung, sondern eine Kein-Staat-Israel-Loesung.

Das ist auch das Hamas-Programm und daran arbeitet sie tatkraeftig weiter: Waffen und Bauteile fuer Waffen sollen in den Gazastreifen geschmuggelt werden. Angriffstunnel werden wieder hergestellt. Die “Einheitsregierung” unter Abbas hat dazu offensichtlich nichts zu sagen. Sie ist zu sehr damit beschaeftigt, Juden anzuprangern, die doch glatt den Tempelberg und/oder die Grabeskirche besuchen wollen.

Aber natuerlich ist Israel dafuer verantwortlich, dass der Konflikt noch nicht beendet ist. Die “Hardliner” wollen ja keinen Frieden. Das *wissen* wir ganz genau.

Update vom 23.10.13: Hier lesen wir von den ersten Schwierigkeiten bei der Verteilung von Guetern und Verantwortung zwischen Hamas und Fatah

Hamaspropaganda im Tagesanzeiger und in der BaZ


Vincenzo Capodici ist seit 2008 Onlinejournalist beim Tagi (Tagesanzeiger). Die BaZ (Basler Zeitung) uebernimmt gern auch mal online-Artikel vom Tagi und so gelangt dieses Stueck Hamaspropaganda auch zu den Lesern der BaZ.
So schreibt Capodici

Seit dem 50-Tage-Krieg ist das einzige Elektrizitätswerk in Gaza kaum noch funktionstüchtig, 18 Stunden am Tag gibt es keinen Strom.

Tatsaechlich wurde das Kraftwerk am 29. Juli 2014 beschaedigt, wobei es eher unwahrscheinlich ist, dass dies durch einen israelischen Angriff geschah. Ich wuerde auf eine zu kurz geschossene Rakete aus dem Gazastreifen tippen. Damals wurde weithin berichtet, dass der Schaden so ernsthaft sei, dass mindestens ein Jahr fuer die Reparaturen benoetigt werde:

“We need at least one year to repair the power plant, the turbines, the fuel tanks and the control room,” said Fathi Sheik Khalil of the Gaza energy authority. “Everything was burned.” He said crew members who had been trapped by the fire for several hours were evacuated. (Guardian, oben verlinkt)

Im selben Artikel erfahren wir nebenher, dass die Bewohner des Gazastreifens schon vor dem Schaden 20 Stunden am Tag keinen Strom bekamen.

“The power plant is finished,” said its director, Mohammed al-Sharif, signalling a new crisis for Gaza’s 1.8 million people, who were already enduring power cuts of more than 20 hours a day.

Ich wuerde vermuten, dass zur selben Zeit die Angriffstunnel der Hamas weiterhin beleuchtet waren.

Schon am 13. September 2014 meldete jedoch die palaestinensische Ma’an News Agency, dass das Kraftwerk wieder funktionstuechtig sei.

Dass das Kraftwerk wieder mindestens so viel Strom liefert wie vor seiner Beschaedigung im Krieg wird auch durch Herrn Capodicis Angaben bestaetigt. Statt nur 4 Stunden Stromversorgung bekommt die Bevoelkerung im Gazastreifen heute immerhin 6 Stunden Strom am Tag.

Das Kraftwerk im Gazastreifen liefert bekanntlich nur ca. 25% des Bedarfs im Gazastreifen, ca. 5% kommen aus Aegypten und ca. 70% des Stroms wird von Israel geliefert, aus dem Kraftwerk in Ashkelon, das von Hamas und Co. waehrend des ganzen Kriegs fleissig beschossen wurde. Die durch Hamas beschaedigten Stromleitungen in den Gazastreifen wurden uebrigens noch waehrend des Kriegs wieder repariert, unter Gefahr fuer Leib und Leben der Angestellten des Elektrizitaetswerks, auch das nicht zum ersten Mal.

Hier soll wieder einmal Stimmung gegen Israel gemacht werden.

Der zitierte Usama Antar ist offensichtlich ein Sprachrohr der Hamas und als solcher meldet er sich gern in internationalen Medien zu Wort.

 «Der Kern des Konflikts, der zum Krieg geführt hat, ist die Blockade des Gazastreifens», sagte der palästinensische Politikwissenschaftler Usama Antar in einem Interview mit baz.ch/Newsnet. Die israelische Blockade bedeute eine Erniedrigung für die Palästinenser. Wenn sich die Lebensbedingungen in Gaza verbessern würden, sinke auch das Interesse der radikalen Palästinenser, Gewalt gegen Israel anzuwenden. «Aber ohne wirtschaftliche Perspektiven gibt es wieder Krieg in Gaza», warnte Antar, der in Gaza-Stadt lebt. Israel müsse die neue palästinensische Konsensregierung in Gaza anerkennen und die Blockade endlich aufheben.

Als Israel sich im August 2005 vollkommen aus dem Gazastreifen zurueckzog, wurde keineswegs sofort eine Blockade eingerichtet. Erst als Hamas im Sommer 2007 die Macht im Gazastreifen gewaltsam uebernahm, schlossen sowohl Aegypten wie Israel die Grenzen. Hamas’ Ziel,  in ihrer Charta und immer neu bekraeftigt, ist die Zerstoerung Israels.

Hamas will offene Grenzen nicht, um die Lebensbedingungen der Bevoelkerung zu verbessern, sondern um uneingeschraenkt Waffen, vor allem auch Langstreckenraketen einfuehren zu koennen.

Wett-Finanzierung fuer den Gazastreifen


Die Geberkonferenz fuer den Gazastreifen in Kairo ist zuende gegangen und hat Fruechte getragen: Ingesamt seien 5.4 Milliarden zugesagt worden, von denen die Haelfte, 2.7 Milliarden, fuer den Wiederaufbau des Gazastreifens verwendet werden sollen, sagt Norwegen.

Die Zahlen gehen nicht wirklich auf:

Hier die Spender nach Hoehe der in Aussicht gestellten Betraege:

  1. Qatar: 1 Milliarde (=1000 Millionen) US-Dollar
  2. EU: 568 Millionen US-Dollar
  3. Saudiarabien: 500 Millionen US-Dollar
  4. USA: 212 Millionen US-Dollar
  5. Emirate: 200 Millionen US-Dollar
  6. Tuerkei: 200 Millionen US-Dollar
  7. Deutschland: 63 Millionen US-Dollar
  8. Frankreich: 50.5 Millionen US-Dollar
  9. UK: 32 Millionen US-Dollar

Macht insgesamt 2,825.5 Millionen US-Dollar, also 2.8 Milliarden.

Der Witz an der Sache ist, dass das Geld auf PA und Hamas aufgeteilt wird: Hamas bekommt mit Sicherheit die ganze Milliarde aus Qatar, und wahrscheinlich das Geld aus der Tuerkei, also zusammen 1.2 Milliarden

Die PA hat gute Chancen auf den Rest, wobei zu beruecksichtigen ist, dass Saudiarabien und die Emirate ihre Zusagen haeufig nicht einhalten. Die PA kann demnach mit guten 900 Millionen bis bestenfalls 1.6 Milliarden rechnen.

Ich gehe davon aus, dass ungefaehr Gleichstand erreicht wird.

Mit diesen Geldern werden nun sowohl Hamas wie auch die PA versuchen, sich die Loyalitaet in der palaestinensischen Bevoelkerung zu kaufen. Der Aufbau proper wird nach Kriterein der Pareizugehoerigkeit vor sich gehen. Aber es geht nicht nur um den Gazastreifen, sondern auch um die Westbank. Die hat Hamas naemlich schon laenger ins Auge gefasst, als geeignete Ausgangsposition fuer die Zerstoerung Israel. Die PA muss dem im Westjordanland etwas entgegensetzen koennen. Da die Bevoelkerung dort nicht unter dem Krieg gelitten hat, koennte die Begeisterung fuer Hamas dort echt sein. Im Gazastreifen ist die Bevoelkerung desillusioniert und hat Hamas satt, das ist die Chance fuer die PA, wieder Boden zu gewinnen.

Auf jeden Fall sind unter dem Deckmantel der “Einheitsregierung” verbissene Grabenkaempfe zwischen Hamas und PA zu erwarten, um Geld und um Prestige.

In den wie ueblich seichten Berichten der deutschsprachigen Presse wird davon erst zu lesen sein, wenn der Konflikt wieder in offene Gewalt eskaliert.

Waehrend die westlichen Laender mal wieder Geld in Palaestina verlochen, kommt der Wiederaufbau an anderen Brennpunkten im Nahen Osten gar nicht erst in die Gaenge.

Sonderfall Israel – Heuchelei um tote Zivilisten


Die US-amerikanische Luftwaffe bombardiert derzeit Ziele in Syrien und im Irak. Angegriffen werden islamistische Terrororganisationen: IS, Al-Nusra-FrontKhorasan-Group.

Auch bei diesen Angriffen werden Zivilisten getoetet. Die Berichte ueber die zivilen Opfer stammen aus Quellen, die kaum als unparteiisch und objektiv bezeichnet werden koennen. Eine weitere Klaerung waere notwendig.

Das war waehrend Aktion “Schutzkante” nicht anders. Damals ueberschlugen sich westliche Medien, Regierungen und Organisationen, Israel unverhaeltnismaessige Gewalt und Brutalitaet anzuwenden. Der US-Aussenminister, John Kerry, befand, dass Israel mehr tun muesse, um Zivilisten zu schuetzen, obwohl selbst die UN anerkannten, dass Israel Zivilisten warnte, und nicht geleugnet werden kann, dass Hamas bewusst und zynisch Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbrauchte. Die israelische Armee untersucht selber alle Faelle, wo der Verdacht besteht, dass Fehler zum Tod von Zivilisten gefuehrt haben. (Auch wenn Ha’aretz in der Schlagzeile behauptet, das geschehe nur, um gegen eine internationale Untersuchung zu Kriegsverbrechen gewappnet zu sein, laesst sich dem Text des Artikels entnehmen, dass dies seit mehreren Jahren Standard ist, auch in Faellen, wo die UN mit keiner Untersuchungskommission gedroht hat.)

Die USA gehen in aehnlicher Situation ganz anders vor. Als erstes wird geleugnet, dass Zivilisten betroffen sein koennten. Gleichzeitig betont das Pentagon, dass die Terroristen menschliche Schutzschilde verwenden. Im naechsten Schritt wird klar gestellt, dass die von Obama vor einem Jahr noch stringenter gestalteten, strengen Masstaebe zum Schutz von Zivilisten nur dann gelten, wenn das nicht so schwierig ist, aber nicht in einem heissen Konflikt wie derzeit im Irak und in Syrien.

Ich denke, das zweite D – Doppelter Masstab – von Nathan Sharanksys 3D Brille koennen wir inzwischen als eindeutig belegt ansehen.

Leseempfehlung


Auf Lizas Welt hat Stefan Frank eine ueberarbeitete Fassung seines Artikels in Konkret veroeffentlicht. Sehr gut recherchiert und geschrieben, ich kann die Lektuere nur empfehlen:

Demütigung und Pogrom

FAZ auf anti-zionistischer Linie


Die FAZ berichtet heute ueber die fehlgeschlagene Festnahme von zwei Terroristen in Hebron.

Waehrend im Artikel die israelischen Angaben zu lesen sind:

Spezialkräfte hätten am Dienstag im Gebiet von Hebron im Westjordanland versucht, die Verdächtigen zu verhaften, sagte Lerner. Die Palästinenser hätten das Feuer eröffnet und die Soldaten hätten zurückgeschossen. Dabei seien die Männer umgekommen.

behauptet die Schlagzeile und der Untertitel:

Israel tötet mutmaßliche Mörder dreier Jugendlicher

Die Entführung und Ermordung dreier Schüler hatten im Juni die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern verschärft – und schließlich in den Gazakrieg geführt. Nun hat die israelische Armee die mutmaßlichen Entführer nach eigenen Angaben erschossen.

dass die FAZ lieber an das antisemitische Klischee der juedischen Rachsucht glaubt, als den Ausfuehrungen des israelischen Armeesprechers.

Dazu passt, dass im Artikel noch immer behauptet wird, Hamas habe womoeglich mit der Entfuehrung gar nichts zu tun gehabt:

Die Hamas bestritt jede Verwicklung und warf Israel vor, die Tat als Vorwand für die Zerschlagung ihrer Strukturen zu nutzen.

Seit dem 20. August ist diese Aussage unwahr. Hamas hat sich mit Verspaetung offiziell zu dieser Entfuehrung bekannt, wie selbst der virulent anti-israelische Guardian berichtet. Bis zur FAZ hat sich das aber auch nach einem Monat noch nicht durchgesprochen…

Schoen ist auch zum Schluss wieder das Winken mit den unterschiedlichen Zahlen an Opfern. In immer mehr Faellen wird deutlich, dass die angeblichen Zivilisten keine solchen waren und dass Hamas selber vermutlich eine dreistellige Zahl an Palaestinensern im Gazastreifen getoetet hat. Ob sich das je bis zur FAZ durchsprechen wird?

Bewohner des Gazastreifens sprechen über Kriegsverbrechen der Hamas


Schon 2011 habe ich Texte von Mudar Zahran uebersetzt. Mudar Zahran ist ein Jordanier palaestinensischer Herkunft, der inzwischen als politischer Fluechtling in England lebt. Vergangene Woche hat das Gatestone Institut einen Artikel von ihm veroeffentlicht. Mudar Zahran hat ueber Bekannte im Westjordanland Kontakt zu Menschen im Gazastreifen bekommen und sie zu ihren Ansichten zu Hamas und dem Krieg im Sommer 2014 befragt. Hier ist meine Uebersetzung:

Mudar Zahran
September 19, 2014 at 5:00 am

Bewohner des Gazastreifens sprechen über Kriegsverbrechen der Hamas

“Wenn Hamas dich aus irgendeinem Grund nicht mag , müssen sie dich nur einen Mossadagenten nennen und dann töten.” – A. ein Fatahmitglied im Gazastreifen.

“Hamas wollte uns niedergemetztelt, damit sie den Medienkrieg gegen Israel gewinnen, unsere toten Kinder im Fernsehen zeigen und dann Geld aus Qatar bekommen konnten.” – T. ein ehemaliger Mitarbeiter in einem Hamasministerium.

“Sie schossen Raketen ab und rannten dann schnell weg, und wir hatten dann die israelischen Bomben für das, was sie taten.” – D., ein Journalist im Gazastreifen.

“Hamas verhängte eine Ausgangssperre: Wer auf der Strasse war, wurde erschossen. Auf diese Weise mussten die Menschen in ihren Wohnungen bleiben, selbst wenn sie bombardiert werden sollten. Hamas benutzte die gesamte Bevölkerung des Gazastreifens als menschlichen Schutzschild.” – K., Student im Aufbaustudium.

“Die israelische Armee erlaubte Hilfslieferungen hereinzukommen und Hamas stiehlt sie. Anscheined kümmern sich sogar die Israelis mehr um uns als Hamas.” – E., Freiwilliger bei der Ersten Hilfe.

“Wir sind von der Hamas besetzt, und wenn Sie die meisten von uns fragen, wir hätten lieber die israelische Besatzung. … Wir sehnen uns nach der Zeit, als wir in Israel arbeiten und gut verdienen konnten. Wir vermissen die Sicherheit und Ruhe, die Israel uns damals lieferte.” – S. ehemaliger Hamas-Sympathisant mit dem Abschluss einer amerikanischen Universität.

Weiterlesen

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 114 Followern an

%d Bloggern gefällt das: