“Neues” von der Arabischen Liga


Wohl wegen dem 1. Mai Feiertag, haben die deutschsprachigen Medien das Thema noch nicht aufgenommen.

Am vergangenen Montag befand sich eine Delegation der Arabischen Liga in Washington. Dabei traf sie auch mit Aussenminister John Kerry zusammen. In der anschliessenden Pressekonferenz gab der Sprecher der Delegation, der Premierminister Qatars, Scheich Hamad Bin Jassem Al Thani, kund, dass die Arabische Liga auch kleinere Gebietstaeusche zwischen den Palaestinensern und Israel akzeptieren koennte.

Das wird nun von der israelischen Opposition und den links tendierenden Medien als grosser Fortschritt, geradezu als Durchbruch auf dem Weg zu einem umfassenden Frieden gehandelt, dem nur Netanyahu wieder einmal im Weg stehen koennte.

Dabei handelt es sich nur um eine nette Geste gegenueber Kerry, der nicht ganz und gar mit leeren Haenden dastellen sollte. Vom tuerkischen Premierminister Erdogan hatte Kerry sich ja schon eine Demuetigung eingefangen, als er diesen bat, den Gazastreifen im Mai nicht zu besuchen, worauf Erdogan mit einer klaren Absage reagierte.

1) Weder der Sprecher noch die Delegation der Arabischen Liga sind in irgendeiner Weise befugt, Entscheidungen fuer die Liga zu treffen. Abstimmungen koennen nur waehrend eines Gipfels der Arabischen Liga stattfinden, wobei jeder der 22 Mitgliedsstaaten eine Stimme hat. Witzigerweise ist jedoch das Abstimmungsergebnis nur fuer diejenigen Staaten bindend, die dafuer gestimmt haben. Mit anderen Worten, die Arabische Liga hat keinen Mechanismus ueberhaupt bindende Entscheidungen zu treffen.

2) Theoretisch hat ja auch die PA schon Gebietstausch akzeptiert, waehrend Hamas offen sagt, dass sie Israel in keinen Grenzen akzeptieren will.

3) Wohlweislich ausgespart in allen Darstellungen dieses “Friedensplans” ist die Frage nach dem sog. Rueckkehrrecht fuer ehemalige Fluechtlinge aus dem Mandatsgebiet und deren Nachkommen. Bei der UNRWA sind etwa 5 Millionen “Fluechtlinge” registriert (4,966,664 im Jahr 2010). 2013 hatte die juedische Bevoelkerung in Israel gerade die 6 Millionen Marke ueberschritten, waehrend 1.658 Millionen arabischer Israelis gezaehlt wurden. Das “Rueckkehrrecht” koennte daher in Kuerze die Mehrheitsverhaeltnisse so veraendern, dass Israel ein weiterer arabischer Staat wuerde, vor allem wenn man die ca. 2.4 Millionen Palaestinenser im Westjordanland und die ca. 1.4 Millionen Bewohner des Gazastreifens noch dazurechnet.

Ein gutes Zeichen sei dieser Bluff dennoch, meint Barry Rubin.

I believe that the Arab states of the Persian Gulf would like to see the Arab-Israeli conflict decline and even end. Bahrain, Kuwait, Oman, Saudi Arabia, and the United Arab Emirates no longer profit from this battle. They are frightened of Iran and revolutionary Islamists, and the Shia Muslim challenge in general. Such governments view Israel as a positive strategic factor given these real and big threats. You might add Algeria, Morocco, and Jordan to the list of moderates. Iraq doesn’t care anymore, while the Kurds in Iraq and Syria are almost pro-Israel.
(…)
What it does show once again, however, is that the strategic picture in the region has changed dramatically. The Arab-Israeli conflict is a minor issue compared to the Islamist threat at home and from neighbors, the Iranian threat abroad, and the Shia challenge to these predominantly Sunni Muslim, conservative or nationalist, monarchical or dictatorial regimes.

Ich glaube, dass die Arabischen Staaten im persischen Golf den Arabisch-Israelischen Konflikt gern schwinden und sogar verschwinden saehen. Bahrain, Kuwait, Oman, Saudiarbien und die Vereinten Emirate profitieren nicht mehr von dieser Schlacht. Sie haben Angst vor dem Iran und revolutionaeren Islamisten und ueberhaupt vor der schiitischen Herausforderung. Solche Regierungen sehen Israel als positiven, strategischen Faktor gegenueber diesen echten und ernsten Bedrohungen. Man koennte Algerien, Marokko und Jordanien dieser Liste der Moderaten hinzufuegen. Dem Irak ist das inzwischen egal, waehrend die Kurden im Irak und in Syrien fast pro-israelisch sind.
(…)
Was das jedoch zeigt, ist wieder einmal, dass sich die stratische Landkarte in der Region dramatisch veraendert hat. Der Arabisch-Israelische Konflikt ist vernachlaessigbar gegenueber der islamistischen Bedrohung innerhalb der Staaten und durch die Nachbarstaaten, die iranische Bedrohung und die schiitische Herausforderung, der diese ueberwiegend sunnitischen konservativen oder nationalistischen Monarchien und Diktaturen gegenueberstehen.
(uebersetzung von mir)

Mein Teeloeffel Senf


Der Waffenstillstand laesst mich ausgelaugt zurueck. Wir trauen der Ruhe nicht. Die Stahllaeden in unserem Schutzraum bleiben bis auf weiteres geschlossen. Wie lange wird die Ruhe, die seit 23:00 gestern herrscht, anhalten? Zwei Tage, zwei Wochen, zwei Monate? An zwei Jahre wie nach Gegossenem Blei kann ich nicht glauben.

Was sind die Auswirkungen dieses Minikriegs und was davon beinhaltet Chancen fuer Israel? Diese Fragen stellt man sich jetzt allerorten und ich mag meinen Teeloeffel Senf aus Beer Sheva auch abgeben.

Auswirkungen:

Gazaland ist auf dem besten Weg zu einem unabhaengigen Staat. Natuerlich wird die Weltoeffentlichkeit noch einige Zeit weiter von “Besatzung” schwafeln, aber irgendwann bekommt sie es auch mit: Ein Territorium mit klar definierten Grenzen, einer relativ einheitlichen Bevoelkerung und mit einem klaren Souveraein erfuellt alle Bedingungen an einen Staat. Keine staatsrechtliche Definition sieht vor, dass ein Staat wirtschaftlich autark sein muss. Wenn diese Einheit auch noch Staatsbesuche bekommt, Kriege fuehrt und an internationalen Verhandlungen beteiligt wird, dann spielt es irgendwann keine Rolle mehr, ob es sich selber Staat nennt oder nicht. Wenn derjenige, der am meisten Unterstuetzung liefert, der Oberherr ist, dann handelt es sich bei Gazaland um einen Vasallenstaaten der UN, EU und USA.

Im Augenblick hat sich Gazaland an Aegypten angelehnt und etwas Abstand zwischen sich und Iran  entstehen lassen. Der Iran “is not amused” und liess sich sogar dazu hinreissen, Verbindungen, die bis vor kurzem bestanden und sonst immer abgestritten wurden, oeffentlich zu machen.

Aegypten hat sich von der US-Regierung kaufen lassen. David Goldman (alias Spengler) geht davon aus, dass das Sinn und Zweck der Uebung war.

I believe: Egyptian President Mohamed Morsi encouraged Hamas to attack Israel as part of a protection racket, directed at Saudi Arabia as well as the West. In return for putting out a fire he helped to start, Morsi wants the West and the Gulf States to bail out his crumbling economy. Saudi Arabia and other Gulf States (with the exception of Qatar’s radical ruler) consider the Muslim Brotherhood a subversive organization and a mortal threat to their regimes and sent Morsi away empty-handed after his mid-August visit to Riyadh. Morsi is hoping that Gaza will shake money loose. “Nice little country you’ve got here. It would be a shame if something were to happen to it.”

Derzeit jedenfalls verhaelt sich die Muslimbruderschaft noch pragmatisch (wenn auch im Mafiastil) und gibt den Interessen des Staates Aegypten Vorrang vor ihrer islamistischen Ideologie.

Das Weisse Haus unter Obama wurde sowohl von Aegypten wie auch von Israel an den Verhandlungen beteiligt und ist von jetzt an involviert.

Chancen fuer Israel:

Die Verantwortung fuer den Gazastreifen und Hamas kann vielleicht ganz langsam in Richtung Aegypten verschoben werden.

Israel hat keinerlei Interesse daran, die Verwaltung des Gazastreifens selber zu uebernehmen, auch keines, fuer die Fatah die Drecksarbeit zu leisten und ihr den Gazastreifen auf dem Silbertablett zu ueberreichen. Carl in Jerusalem vermutet, dass Netanyahu den Waffenstillstand angenommen hat, weil ihn das Weisse Haus genau dazu zwingen wollte. Die Fatah ist ein totes Pferd, im Westjordanland haelt sie sich nur an der Macht, weil sie diskret von Israel gestuetzt wird. Vermutlich hat die Fatah auch kein wirkliches Interesse daran, den Gazastreifen zu uebernehmen. Es ist doch auffallend, dass hohe aegyptische und tuerkische Politiker und die Vertreter der Arabischen Liga ostentativ den Gazastreifen besuchen, aber Fatah durch Abwesenheit glaenzt.

Moeglicherweise konnte Netanyahu durch sein Nachgeben gegenueber Obama ein bisschen Boden gut machen. Das koennte Israel zugute kommen, wenn in absehbarer Zeit gegenueber dem Iran gehandelt werden muss.

Ich erinnere mich auch an Michael Orens Buch zum Sechstagekrieg. Er beschreibt darin eindringlich, wie der damalige israelische Premierminister Levi Eshkol die Entscheidung zum Krieg ueber Wochen hinauszoegerte. Die Einberufung der Miliz legte eine schwere wirtschaftliche Buerde auf das Land. Israelis  fuehlten sich dem Untergang geweiht.  Aber Oren arbeitet heraus, dass gerade dieses Zoegern war, das Eshkol den guten Willen der westlichen Welt eintrug, wodurch der Sieg nicht nur erkaempft, sondern auch gehalten werden konnte.  Im Unterschied zu vielen anderen Kriegen, wo Israel unter dem Druck seiner westlichen Aliierten zur Aufgabe von Erreichtem gezwungen war.

Vielleicht orientiert sich Netanyahu an diesem Script?

Oder vielleicht hantiere ich mit Wunschdenken?

Anti-israelische Schlagzeile im tagesanzeiger


Romney stützt Israels Angriffslust gegen den Iran titelte der Tagesanzeiger am 29. Juli.

“Angriffslust” – Offensichtlich brennen wir Israelis geradezu darauf, einen Angriffskrieg vom Zaun zu brechen. Bekanntlich waren ja auch alle israelischen Kriege reine Agressionen, das Land Israel wurde nie angegriffen, nicht wahr? Auch der Iran auessert gegenueber Israel allenfalls voelkerrechtlich legitime Kritik, und alles andere sind Uebersetzungsfehler, nicht wahr?

Faktenresistenz: ein klares Symptom fuer Ideologie


Vor zwei Wochen veroeffentlichte das Journal J21 einen Text von Kurt Theodor Oehler.

Darin befuerchtet Herr Oehler einen israelischen Angriff auf den Iran, womit Israel mal wieder den Weltfrieden gefaehrde. Die Bedrohung durch den Iran sei nur “gefuehlt” und auch das nur von Israel und den USA. Komisch, ich erinnere mich da an Berichte, wonach die Golfstaaten und Saudiarabien sich Sorgen machen…

Die Israelis braeuchten sich eigentlich nicht bedroht zu fuehlen, meint Herr Oehler, wenn sie nur die Siedlungspolitik einstellen und aufhoeren wuerden, sich wie Nazis zu benehmen:

Die Israelis können sich nicht in die katastrophalen Bedingungen, unter denen die Palästinenser leben, einfühlen. Letztere werden laufend gedemütigt, und ihr Land wird ohne Skrupel für neue Siedlungsprojekte und umfassende Infrastrukturmassnahmen enteignet. Für die Israelis scheint das Leben eines Palästinensers weniger Wert zu haben als das Ihrige. Ist es wirklich erlaubt, seine direkten Nachbarn so als „Untermenschen“ zu behandeln? Das dürfte doch angesichts der schrecklichen Erlebnisse während des Zweiten Weltkrieges gerade von den Israelis nicht erwartet werden müssen…

Aber das ginge mit dieser Regierung nicht, sagt Herr Oehler:

Netanyahu ist kein Mann des Friedens
Die wutentbrannten Hasstiraden von Benjamin Netanyahu gegen die Friedenspolitik seiner Vorgänger sind nicht vergessen, und er hat sich in letzter Zeit kaum zum „Paulus“ verwandelt. Es sind die gleichen Absichten, die sich hinter seiner Verzögerungstaktik verbergen. Er will weder einen Friedensvertrag mit den Palästinensern, noch will er die Westbank preisgeben. In diesem Sinne richtet sich seine Politik gegen eine Zweistaatenlösung. Seine Friedensbekundungen sind deshalb verlogen und scheinheilig und nur auf Zeitgewinn bedacht. Mit seiner aggressiven Siedlungspolitik will er zudem vollendete Tatsachen schaffen, die schliesslich einen palästinensischen Staat verunmöglichen.

Irgendwie erinnere ich mich an keine Hasstiraden von Netanyahu. Haette nicht auch J21 eine Quelle verlangen koennen? Die “aggressive Siedlungspolitik” bestand in einem 10-monatigen Baustopp in den Siedlungen, mit denen mal wieder “Vertrauen gebildet” werden sollte. Da die PA sich erst kurz vor Ablauf dieses Moratoriums an den Verhandlungstisch bequemten und ausser der Forderung, das Moratorium muesse verlaengert und um Jerusalem erweitert werden, nichts mitbrachten, wird seither wieder gebaut – zum Mitschreibenn: nur innerhalb der bestehenden Siedlungen, neue Siedlungen werden nicht gebaut, nur der Abriss von nicht genehmigten Siedlungen wird nicht so schnell und rigoros vorangetrieben, wie sich das manche israelische Linke wuenschen wuerden.

Aus Ha’artez, dem Leib- und Magenblatt der “Israelkritiker” erfahren wir nun, dass Netanyahus Vorschlaege waehrend der Verhandlungen mit der PA in Jordanien weitgehend mit den Vorschlaegen der damaligen Ausseministerin Zipi Livni in Annapolis im Herbst 2008 uebereinstimmen. Die Reaktion der palaestinensischen Unterhaendler ist auch weitgehend identisch. Es wird geleugnet, dass Israel ueberhaupt Vorschlaege eingebracht hat, diese nicht eingebrachten Vorschlaege werden als nicht akzeptabel bezeichnet und die Verhandlungen abgebrochen.

Der Washington Post erklaerte Abbas im Fruehjahr 2009, warum er auch Olmerts Vorschlaege, die anscheinend noch ueber Annapolis hinausgingen, abgelehnt habe:

In our meeting Wednesday, Abbas acknowledged that Olmert had shown him a map proposing a Palestinian state on 97 percent of the West Bank — though he complained that the Israeli leader refused to give him a copy of the plan. He confirmed that Olmert “accepted the principle” of the “right of return” of Palestinian refugees — something no previous Israeli prime minister had done — and offered to resettle thousands in Israel. In all, Olmert’s peace offer was more generous to the Palestinians than either that of Bush or Bill Clinton; it’s almost impossible to imagine Obama, or any Israeli government, going further.

Abbas turned it down. “The gaps were wide,” he said.

(…)

Instead, he says, he will remain passive. “I will wait for Hamas to accept international commitments. I will wait for Israel to freeze settlements,” he said. “Until then, in the West Bank we have a good reality . . . the people are living a normal life.” (..)

Das Leben als “Untermensch” unter israelischer Besatzung ist anscheinend nicht so schlimm.

Ob Herr Oehler angesichts dieser Fakten umdenken koennte? Ich bezweifle das. Seine eigentliche Motiviation schimmert deutlich zwischen den Zeilen hervor:

Israel hat in seinen Augen kein Existenzrecht, da es nur auf die Bibel gegruendet sei, Balfourdeklaration, Britisches Mandat Palaestina, UN-Entscheid und erfolgreiche Verteidigung im Unabhaengigkeitskrieg werden verdraengt. Vor allem aber sei Israel zu arrogant, ein bisschen Solidaritaet mit den Nachbarn  und Dankbarkeit gegenueber der Weltgemeinschaft darfuer, dass es ueberhaupt gegruendet werden durfte (oha, hier erinnert Herr Oehler sich doch wieder an die UN!), stuendem dem kleinen Land besser an.

Mit anderen Worten, die Juden sind mal wieder uebermuetig geworden und koennen sich selber zuschreiben, was ihnen dafuer blueht:

“Wie so oft in der Geschichte, wenn der Jude übermütig geworden und die Völker, bei denen er sich eingenistet habe, zu sehr von ihm ausgepowert worden seien, erkenne auch jetzt langsam ein Volk nach dem anderen, wieviel Schaden ihm der Jude zugefügt habe. Jeder versuche dann auf seine Weise mit ihm fertig zu werden.”

(Henry Picker: Hitlers Tischgespraeche, S. 348)

Hamas’ Interesse an der Eskalation (nach Stratfor)


Von Strafor habe ich mit gestrigem Datum eine Analyse bekommen, die mE die Vorgaenge bei Eilat und den Raketenbeschuss vom Gazastreifen aus in den richtigen Kontext stellen. Ich uebersetze

Israelisch-Arabische Krise rueckt naeher

Die UN Generalversammlung wird im September darueber abstimmen, ob Palaestina als unabhaengiger und souveraener Staat mit vollen Rechten in den Vereinten Nationen anerkannt werden soll. In vielerlei Hinsicht erscheint das ein vernuenftiges und logisches Unterfangen. Was auch immer die Palaestinenser einmal waren, heute stellen sie eindeutig eine Nation dar im einfachsten und wichtigsten Sinne – sie empfinden sich selbst als Nation. Nationen entstehen aus historischen Umstaenden und die Umstaende haben zur Entstehung einer palaestinensischen Nation gefuehrt. Nach den Grundsaetzen der Vereinten Nationen und der Theorie der nationalen Selbstbestimmung, dem moralischen Fundament der modernen Theorie der Nationalstaaten, hat eine Nation das Recht auf einen Staat, und dieser Staat hat einen Platz in der Familie der Nationen. So gesehen ist diese UN-Abstimmung nichts Aussergewoehnliches.

Die UN-Abstimmung zum palaestinensischen Staat ueberschneidet sich jedoch mit anderen Realitaeten und anderen historischen Prozessen. Zum einen ist es eine Sache, einen palaestinensischen Staat auszurufen; und etwas ganz anderes, ihn zu schaffen. Die Palaestinenser sind zutiefst gespalten entlang zwei Konzepten, was die palaestinensische Nation sein soll. Diese Spaltung kann nicht leicht ueberwunden werden. Zum andern kommt diese Abstimmung, waehrend zwei von Israels Nachbarn mit internen Konflikten beschaeftigt sind. In Syrien herrscht Chaos. Gegen das Regime hat sich verbreiteter und signfikanter Widerstand gebildet. In der Zwischenzeit ringt Aegypten mit inneren Spannungen nach dem Fall von Praesident Hosni Mubarak und hinsichtlich der Aussichten fuer das Militaerregime, das ihn ersetzt hat. Der US-Abzug aus dem Irak und  der moegliche Machtzuwachs fuer den Iran koennen noch hinzugefuegt werden. Vor diesem Hintergrund wird die potentielle Anerkennung des Staates Palaestina  – obwohl in der Theorie stimmig – zu einem Ereignis, das mitten in den gegenwaertigen Krisen in der Region eine weitere Krise ausloesen kann. Daher handelt es sich um eine Abstimmung, die weitreichende Folgen haben kann.

Die palaestinensische Spaltung

Fangen wir mal nicht mit dem Recht einer Nation auf den eigenen Staat an, sondern betrachten das Wesen eines palaestinensischen Staates unter den gegenwaertigen Umstaenden. Die Palaestinenser spalten sich in zwei hauptsaechliche Franktionen. Die erste, Fatah, herrscht im Westjordanland. Fatah bezieht ihre Ideologie von der aelteren, saekularen pan-arabischen Bewegung. Historisch sah Fatah die Palaestinenser als Untergruppe der arabischen Nation. Die zweite, Hamas, hat die Macht im Gazastreifen inne. Im Gegensatz zur Fatah sieht sie die Palaestinenser als Teil einer groesseren, islamistischen Erhebung, worin Hamas die wichtigste islamistische Kraft in der palaestinensischen Nation darstellt.

Die pan-arabische Bewegung ist dem Untergang geweiht. Waehrend sie einmal die Existenz muslimischer Staaten, z.B. der arabischen Koenigreiche, bedrohte, so ist sie nun selbst unter Druck. Mubarak, Syriens Praesiden Bashar al Assad und Libyens Fuehrer Moammar Gadhafi repraesentieren alle die alte, pan-arabische Vision. Ein viel besserer Blick zum Verstaendnis des “Arabischen Fruehling” zeigt ihn als Verfall der dynamischen Regime, die in den spaeten 1960er und fruehen 1970er an die Macht kamen, aber seither in ideologische Bedeutungslosigkeit abgesunken sind. Fatah gehoert zu dieser Gruppe, obwohl sie immer noch fuer den Palaestinensischen Nationalismus als saekularer Bewegung spricht, ist sie von den weiteren Entwicklungen in der Region abgeschnitten. Sie steht im Konflikt  mit dem steigendenen Fundamentalismus und gleichzeitig wird sie von den Monarchien beargwoehnt, die sie zu entmachten versucht hat. Aber sie kontrolliert den palaestinensischen Protostaat, die Palaestinensische Autonomiebehoerde und daher wird sie eine UN-Abstimmung zum Palaestinensischen Staat verlangen. Hamas dagegen ist sehr repraesentativ fuer den gegenwaertigen Trend in der muslimischen Welt und verfuegt ueber bedeutendene Popularitaet, aber es ist nicht klar, ob sie eine Mehrheitsposition in der palaestinensischen Nation vertritt.

Alle Voelker haben ideologische Konflikte, aber die Spaltung der Palaestinenser bezieht sich auf die grundlegende Frage nach der nationalen Identitaet der Palaestinenser. Fatah sieht sich selbst als Teil der saekularen arabischen Welt, die in der Defensive ist. Hamas definiert die palaestinensische Nation als einen muslimischen Staat, der im Kontext einer weiten islamistischen Erhebung in der Region im Entstehen ist. Keine von beiden kann in Anspruch nehmen, fuer das palaestinensische Volk zu sprechen. Die Punkte, an denen sie sich spalten, sind die zentralen Punkte im Herzen  der Nation. Ebenso wichtig ist, dass beide eine unterschiedliche Auffassung haben, wie ihre kuenftigen Beziehungen zum Staat Israel aussehen sollen. Fatah hat in der Praxis Israels Bestehen als Staat und die Notwendigkeit fuer die Palaestinenser, sich damit zu arrangieren, akzeptiert. Hamas lehnt das ab.

Die UN-Entscheidung erhoeht den Einsatz in dieser Debatte innerhalb der palaestinensischen Nation, was den Konflikt intensivieren koennte. So boesartig die Schlacht zwischen Hamas und Fatah war, in den letzten Jahren herrschte ein angespannter Waffenstillstand. Jetzt koennte ein international legitimierter Staat enstehen und wer diesen Staat kontrolliert, ist wichtiger als je zuvor. Wer immer den Staat kontrolliert, definiert, was die Palaestinenser sind,  so dass es zunehmend schwieriger wird, diesen Konflikt zu suspendieren um eines voruebergehenden Waffenstillstands willen. Anstatt irgendetwas zu regeln oder Israel in die Defensive zu draengen, wird die Abstimmung eine palaestinensische Krise ausloesen. Fatah hat einen Vorteil von UN-Abstimmung zum Staat Palaestina: Sie geniesst weit mehr internationale Unterstuetzung als Hamas. Europaeer und Amerikaner glauben, sie stuende ihren Interessen freundlicher und Israel weniger feindlich gegenueber. Die Saudis und andere moegen Fatah wegen frueherer Konflikte  misstrauen, aber schlussendliche fuerchten sie die radikalen Islamisten und den Iran mehr. Sie brauchen also amerikanische Unterstuetzung zu einem Zeitpunkt, wo es den Amerikaner langsam leid ist, im “Sandkasten” zu spielen, wie es die Amerikaner ausdruecken. Waehrend sie gleichzeitig Hamas Hilfszahlungen leisten und unter grossenm Zoegern, fuehlen sich die Saudis trotzdem wohler mit Fatah. Und die umkaempften arabischen Regime, egal welche taktischen Manoever sie durchfuehren, entsprossen natuerlich der selben Erde wie Fatah. Fatah ist fuer viele der bevorzugte palaestinensische Partner. Das kann jedoch Hamas ausnutzen, um Fatah in einer Phase der Konfrontation als Kollaborateur mit Israel gegen das palaestinensische Volk darzustellen.

Fuer ihren Teil geniesst Hamas die Unterstuetzung der Islamisten in der Region, einschliesslich der iranischen Schiiten, aber das ist eine explosive Mischung als Grundlage einer Strategie. Hamas muss ihre Isolation durchbrechen, wenn sie es mit der mueden, aber echten Macht der Fatah aufnehmen will. Symbolische Flotten aus der Tuerkei sind troestlich, aber mehr als alles andere braucht Hamas ein Ende der aegyptischen Feindseligkeit gegenueber Hamas.

Die Rolle Aegyptens und Fatah in der Defensive

Aegypten ist die Macht, die Hamas geographisch isoliert durch seinen Friedensvertrag mit Israel und durch seine immer noch funktionierende Blockade des Gazastreifens. Mehr als jeder andere braucht Hamas einen wirklichen Regimewechsel in Aegypten. Das benoetigte neue Regime ist keine freiheitliche Demokratie, sondern eines, wo islamistische Kraefte an die Macht kommen, die Hamas unterstuetzen, naemlich die Muslimbruderschaft.

Im Augenblick ist das nicht wahrscheinlich. Die aegyptische Armeefuehrung hat ein bemerkenswertes Mass an Kontrolle behalten, die Opposition ist gespalten in saekulare und religioese Elemente, und die Religioesen sind weiter zersplittert und ausserdem vom aegyptischen Geheimdienst infiltiert, der jahrelang Krieg gegen sie fuehrte. Wie die Dinge liegen, ist nicht wahrscheinlich, dass Aegypten sich in eine Richtung entwickelt, die fuer Hamas guenstig waere. Hamas muss daher die politische Lage in Aegypten dahingehend modifizieren, dass aus einem maechtigen Feind ein maechtiger Freund wird.

Obwohl es fuer eine kleine Bewegung nicht einfach ist, eine grosse Nation umzudrehen, koennte es in diesem Fall klappen. In Aegypten sind weite Kreise ungluecklich wegen des Friedenvertrags mit Israel. Das Thema tritt immer dann in den Vordergrund, wenn Israel und die Palaestinenser gegen einander kaempfen. Wie auch in anderen arabischen Laendern, schlagen die Leidenschaften hoch, sobald Palaestinenser gegen Israelis kaempfen.

Unter Mubarak  wurden diese Leidenschaften eingedaemmt in Aegypten. Jetzt ist das aegyptische Regime zweifellos verletzlicher, und pro-palaestinische Gefuehle verbinden die meisten, wenn nicht alle Oppositionsgruppen. Es handelt sich um eine einzigartige, einende Kraft, die ausreichen koennte, die Macht der Militaers zu brechen, oder sie wenigstens dazu zwingen koennte, ihre Israelpolitik zu aendern.

Sollte Hamas sich in einem kriegerischen Konflikt mit Israel befinden, waehrend die Vereinten Nationen fuer den Staat Palaestina stimmen, wuerde Fatah innerhalb der palaestinensischen Bevoelkerung in die Defensive gedraengt. Fatahs Kooperation mit Israel, waehrend der Gazastreifen sich im Krieg befindet,  wuerde Fatah unterminieren und sie moeglicherweise dazu zwingen, sich Hamas anzuschliessen. Sollte die UN Abstimmung stattfinden, waehrend im Gazastreifen Krieg herrscht, und die Abstimmung womoeglich von einer Verurteilung Israels in der Generalversammlung begleitet werden, so koennte das die Region veraendern.

Der Terrorangriff auf der Strasse nach Eilat von letzter Woche sollte in diesem Zusammenhang verstanden werden. Manche spekulieren, dass sich neue islamistische Gruppen auf der  Sinaihalbinsel bilden oder dass palaestinensische Gruppen im Gazastreifen ausserhalb von Hamas’ Kontrolle diesen Angritt unternommen haben. Formal moegen solche Organisationen von Hamas unabhaengig sein, mir faellt aber schwer zu glauben, dass Hamas mit ihren ausgezeichneten Nachrichtendiensten im Gazastreifen und unter den islamistischen Gruppen im Sinai die Plaene einer solchen Gruppe nicht wenigstens in groben Zuegen gekannt haette und nicht in der Lage gewesen waere, sie zu stoppen. Die Strategie neue Organisationen zu gruenden, die die Verantwortung fuer Konflikte uebernehmen koennen, ist eine alte Taktik, sowohl bei den Palaestinensern wie weltweit. Zum Beispiel gruendete Fatah in den 1979ern die Gruppe “Schwarzer September”,  nach aussen hin unbahaengig von der Fatah, aber in Wirklichkeit heimlich ein Teil von ihr.

Der fuer Hamas ideale Angriff muesste plausibel verleugnet werden koennen – sie muesste argumentieren koennen, dass sie nicht einmal wusste, dass ein Anschlag bevorstand – und einen israelischen Angriff auf den Gazastreifen ausloesen. Ein solches Szenario wuerde Israel als Aggressor und Hamas als Opfer dastehen lassen, so dass Hamas den Krieg am effektivsten in Aegypten und unter den Palaestinensern ausschlachten koennte, und natuerlich auch in der weiteren islamischen Welt und in Europa.

Auswirkungen in der Region und Israels Dilemma

Diese Sache ist groesser als Hamas. Das syrische Regime kaempft derzeit um sein Ueberleben gegen eine Mehrheit der sunnitischen Bevoelkerung. Bisher hat es ueberlebt, aber auch es muss den Konflikt umdefinieren. Die Iraner und Hisbolla machen sich mit die groessten Sorgen wegen eines moeglichen Sturzes des syrischen Regimes. Syrien ist der wichtigste Buendnispartner des Iran, in strategischer Lage, um den iranischen Einfluss in der Levante zu verstaerken. Sein Sturz waere ein schwerer Rueckschlag fuer den Iran und das zu einem Zeitpunkt, wo der Iran seinen Stand verbessen will, waehrend sich die USA aus dem Irak zurueckziehen. Iran geht davon aus, dass dieser Aufstand von seinen Feinden – USA, Saudiarabien und Tuerkei – in die Wege geleitet wurde, und  moechte verstaendlicherweise, dass al Assad an der Macht bleibt..

Ein Umsturz in Syrien liesse bedeutete auch, dass Hisbollah, die heute sehr vom gegenwaertigen syrischen Regime abhaengt und zu einem grossen Teil die Fortsetzung syrischer Politik im Libanon darstellt , ausschliesslich auf den Iran angewiesen waere. Und Iran ohne den syrischen Bundesgenossen ist sehr weit entfernt von Hisbollah. Wie Teheran hat Hisbollah ein Interesse daran, dass das Assadregime ueberlebt. Hisbollah und Hamas gemeinsam in einer Konfrontation mit Israel, das wuerde die Aufmerksamkeit vom Assadregime ablenken, und seinen Gegner koennte unterstellt werden, dass sie den Widerstand gegen Israel untergraben. In einem solchen Krieg mitzumachen, wuerde es Hisbollah auch erleichtern den Fall von al Assad zu ueberstehen, sollten sich dessen Gegner durchsetzen. Hisbollah koennte mit seiner Hilfe eine moralische Grundlage fuer sich selber bauen, unabhaengig von Syrien. Dass Hisbollah 2006 in der Lage war, ein Unentschieden gegen Israel zu erreichen, bedeutete fuer die radikal-islamistische Organisationen einen Sieg, der ihre Glaubwuerdigkeit dramatisch erhoehte.

Der kriegerische Konflikt 2006 stellte auch fuer Damaskus einen Sieg dar, da durch ihn der islamischen Welt vorgefuehrt wurde, wie Syrien als einziger Nationalstaat den Widerstand gegen Israel unterstuetzte. Israel und den USA wurde gezeigt, dass allein Syrien Hisbollah kontrollieren konnte und dass Israel und die USA einen strategischen Fehler begangen hatten, als sie Syrien zum Abzug aus dem Libanon zwangen.

Angesichts dieser Dynamik wird es Fatah schwerfallen, ihre Beziehung zu Israel aufrecht zu erhalten. Fatah koennte sich genoetigt fuehlen, eine Intifada zu starten, obwohl sie das lieber vermiede, um den wirtschaftlichen Aufschwung im Westjordanland nicht auf’s Spiel zu setzen.

Israel koennte also einem kriegerischen Konflikt im Gazastreifen, einem Konflikt entlang der libanesischen Grenze und einem Aufstand im Westjordanland gegenueber stehen, und das weiss es auch. In einer seltenen Geste hat Israel angekuendigt, dass es im September die Reserven einberufen will. Normalerweise werden solche Dinge nicht angekuendigt, aber Israel wollte Entschlossenheit signalisieren.

Gegenueber diesem potentiellen Sturms hat Israel zwei moegliche Strategien. Eine davon waere ein vernichtender Angriff auf den Gazastreifen, woraufhin die Truppen nach Norden verlegt wueden, um Hisbollah zu neutralisieen, begleiter von einem harten Niederschlagen der Intifada. Mit dem Gazastreifen schnell und eindeutig fertig zu werden, ist dabei der Angelpunkt, wenn die Entwicklung, wie ich sie oben skizziert habe, unterbunden werden soll. Das Problem ist jedoch, dass dieses 3-Fronten-Szenario nur eine Moeglichkeit ist, aber keine Gewissheit. Wenn Israel den Konflikt im Gazastreifen zuendet, dann riskiert es, diese Moeglichkeit in eine Gewissheit zu verwandeln – und Israel kann in den letzten Jahrzehnten keine ueberwaeltigenden Siege vorweisen. Das wuerde auch die Militaerregierung in Aegypten in eine Krise stuerzen, und das wollen die Israelis nicht.

Israel koennte einfach die Angriffe durch Hamas erleiden, um Israel als Opfer darzustellen. Auf Sympathie zu zielen ist jedoch wenig aussichtsreich, weil die Palaestinenser die Meinung der Weltoeffentlichkeit zu ihren Gunsten beeinflusst haben. Ausserdem ist zu erwarten, dass Hamas die Angriffe wiederholen wuerde bis zu dem Punkt, wo Israel dem Kampf nicht laenger ausweichen koennte.

Krieg liegt daher im Interesse der Hamas (auch wenn Hamas glaubhaft dementieren kann, indem sie andere die Angriffe unternehmen laesst). Hisbollah haette guten Grund, sich an dieser Stelle einzuschalten. Fatah wuerde nicht wollen, koennte aber zur Teilnahme gezwungen sein. Ein solcher Krieg wuerde die Dynamik in Aegypten deutlich zu Hamas’ Gunsten verschieben. Iran haette gern, dass al-Assad den Syrern sagen koennte, dass waehrend des Kriegs gegen Israel keine Zeit fuer einen syrischen Buergerkrieg bleibt. Israel koennte sich in der Lage sehen,  drei Schlachten gleichzeitig schlagen zu muessen. Dazu waere intensive Aggression notwendig, Maessigung waer strategisch sehr schwer.

Israel reagierte im Vergleich zu frueher sehr zurueckhaltend auf den Vorfall bei Eilat, und flog nur begrenzte Angriffe auf den Gazastreifen, vor allem gegen Mitglieder der Palaestinensischen Widerstandskommittes, einer Dachorganisation, die bekanntlich Verbindungen zur Hamas hat. Hamas machte deutlich, dass der bisherige de facto Waffenstillstand nicht laenger eingehalten werde. Die Frage ist nun, was Hamas weiter unternehmen will und ob Unterstuetzer der Hamas, vor allem Saudiarabien, sie dazu zwingen kann, anti-israelische Aktivitaeten in der Region einzuschraenken. Die Saudis wollen, dass al Assad stuerzt, und sie wollen kein radikales Regime in Aegypten. Vor allem aber wollen sie nicht, dass der Iran gestaerkt wird. Aber es ist nie ganz klar, wieviel Einfluss die Saudis oder die Aegypter auf Hamas haben. Fuer Hamas sieht das nach einer perfekten Gelegenheit aus, und mir faellt schwer zu glauben, dass die Saudis sie zurueckhalten koennen. Was die Israelis angeht:  Was passieren wird, haengt davon ab, was andere entscheiden – und das ist Israels grundlegendes Strategieproblem.

Israeli-Arab Crisis Approaching is translated and republished with permission of STRATFOR.”

Arbeitstreffen der Achse Iran-Syrien-Hisbollah-Hamas


Ich treffe immer noch auf Leute, die glauben oder vorgeben zu glauben, dass Anhaenger der beiden grossen Stroemungen im Islam, Sunna und Shia, unmoeglich kooperieren koennen.

Hiermit lade ich sie ein, mir dieses Treffen zu erklaeren:

Bethlehem – Ma’an – Palestinian opposition factions, Hizbullah officials and a delegation of Iranians, will soon meet in Damascus, the Kuwaiti Al-Anba daily newspaper reported on Monday.

The meeting, according to the anonymous source quoted in the paper, will take place in late June, under official Syrian patronage, in an effort to activate resistance in the region in light of an expected Israeli offensive against Iran or against Hizbullah in Lebanon.

Initial arrangements for the meeting, according to senior Palestinian sources speaking to the Kuwaiti paper, were made at a commemoration event for leader of the Iranian revolution in 1979 Ayatollah Syed Ruhollah Moosavi Khomeini, who died on 4 June 1989.

As part of an apparent ramp up in relations between Palestinian opposition factions – namely Hamas and Islamic Jihad – Lebanon and Syria, the groups were reportedly permitted to establish community centers in the refugee camps of southern Lebanon, which had previously been prohibited in favor of involvement from PLO-faction centers, the paper reported.

Bethlehem – Ma’an – Die palaestinensischen Oppositionsfraktionen, Hisbollah-Funktionaere und eine iranische Delegation warden sich bald in Damaskus treffen, wie die kuwaitische Tageszeitung Al-Anba am Montag berichtete.

Das Treffen soll Ende Juni unter offizieller syrischer Schirmherrschaft stattfinden, so die in der Zeitung zitierte anonyme Quelle. Es ginge darum , den Widerstand in der Region zu aktivieren angesichts einer erwarteten, israelischen Offensive gegen Iran oder gegen Hisbollah im Libanon.
Erste Vorbereitungen fuer das Treffen seien an der Gedenkfeier fuer den am 4. Juni 1989 verstorbenen Fuehrer der iranischen Revolution von 1979, Ayatollah Syed Ruhollah Moosavi Khomeini, getroffen worden, sagte eine hochrangige pal. Quelle der kuwaitischen Zeitung.

Als Teil der offensichtlich zunehmend engeren Beziehungen zwischen den pal. Oppostionsfraktionen einerseits– im Besonderen Hamas und Islamischer Jihad – mit Libanon und Syrien auf der anderen Seite, wurde den Gruppen erlaubt, in den Fluechtlingslagern im suedlichen Libanon Gemeinschaftszentren zu errichten. Bisher war das verboten zugunsten der Einbindung der Zentren der PLO-Fraktionen, berichtete die Zeitung.

Der Ausverkauf der Zedernrevolution und der Verrat an Israels begann gleichzeitig mit der Veroeffentlichung des NIE Berichts im Dezember 2005. Schon im Maerz 2008 sahen sich die Kraefte des 14. Maerz genoetigt, dem beDoha-Abkommen zuzustimmen, wodurch Hisbollah (und ihre Schutzmaechte Iran und Syrien) wieder Vetorechte im Libanon zugestanden bekamen. Mit dem Amtsantritt Obamas wurde der Strategiewechsel, den Manfred schon hier befuerchtet hatte, beschleunigt.

Fuer mich sind die Auswirkungen auf Israel natuerlich subjektiv wichtiger. Aber die gesamte Weltoeffentlichkeit verdraengt, dass der schwaechere Libanon zuerst und gruendlicher verraten wurde.

Das Internationale Rote Kreuz betreibt Propaganda – ein Vergleich mit WHO


Die Militaeraktion “Gegossenes Blei” gegen Hamas im Gazastreifen begann Ende Dezember 2008 und wurde zwei Tage vor Obamas Vereidigung am 18. Januar 2009 beendet. Der internationalen Berichterstattung zufolge und von Goldstone noch einmal bekraeftigt, haette Israel dabei in voller Absicht Zivilisten angegriffen und zivile Einrichtungen zerstoert.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erarbeitete schon im Februar 2009 eine vorlaeufige Einschaetzung der Gesundheitssituation im Gazastreifen und im Maerz 2009 schickte sie eine eigens dafuer aufgestellte Mission in den Gazastreifen, um die gesundheitliche Lage genauer zu eruieren. Die Mission berichtete der WHO im Mai 2009 und im Juli 2009 veroeffentlichte die Weltgesundheitsorganisation die Resultate.

Das Internationale Rote Kreuz veroeffentlichte Ende Juni 2009, also fast zeitgleich, ebenfalls einen Bericht ueber die Lage im Gazastreifen. Ausserdem liegt mir der IKRK Bericht vom 14. Juni dieses Jahres vor.

Die Kluft zwischen der Einschaetzung der WHO und des IKRK ist weit und tief:

Most health services have been functioning normally since the end of hostilities. All primary health care facilities (PHC), except for two centres which were completely destroyed and relocated to a new building, resumed regular working hours after the ceasefire on January 18th, 2009, providing essential PHC services that include vaccination, antenatal care, chronic disease management, general medical consultations for children and adults, as well as PHC diagnostic services and dental care. The public health program activities have resumed as well, but with the pre-existing limitations.

Die meisten Gesundheitsdienste funktionieren seit Beendigung der Feindseligkeiten normal. Alle Einrichtungen zur medizinischen Grundversorgung – bis auf zwei, die vollkommen zerstoert wurden und in neue Gebaeude umziehen – haben nach dem Waffenstillstand vom 18. Januar, 2009 ihre normalen Dienstzeiten wieder aufgenommen und leisten die grundlegenden Geesundheitsdienste einschliesslich Impfungen, praenatale Versorgung, Behandlung chronischer Krankheiten, diagnostische Dienste und Zahnmedizin. Das oeffentliche Gesundheitsprogamm hat seine Aktivitaeten ebenfalls wieder aufgenommen, innerhalb der vorher bestehenden Grenzen.

Das Internationale Rote Kreuz sah die Lage im Juni 2009 dramatischer:

Gaza’s health-care system cannot provide the treatment that many patients suffering from serious illness require. Tragically, a number of them are not allowed to leave the Strip in time to seek health care elsewhere.

Health issues in Gaza are often politicized and patients find themselves caught up in a bureaucratic maze. The procedures for requesting permission to leave the territory are complicated and involve both the Palestinian and Israeli authorities. Seriously ill patients sometimes have to wait for months before the relevant authorities allow them to leave the Gaza Strip.


Gazas Gesundheitssystem kann die Behandlung nicht liefern, die viele Patienten brauchen, die an ernsthaften Krankheiten leiden. Das Antragsverfahren, um das Gebiet zu verlassen, ist kompliziert und involviert sowohl palaestinensische wie israelische Behoerden. Schwerkranke Patienten muessen manchmal Monate warten, bevor die entsprechenden Behoerden ihnen erlauben, den Gazastreifen zu verlassen.

Und noch schlimmer sieht es dem IKRK zufolge ein Jahr spaeter aus:

“The state of the health-care system in Gaza has never been worse,” said Eileen Daly, the ICRC’s health coordinator in the territory. “Health is being politicized: that is the main reason the system is failing. Unless something changes, things are only going to get even worse. Thousands of patients could go without treatment and the long-term outlook will be increasingly worrisome.”

“Die Lage des Gesundheitswesens im Gazastreifen war nie schlimmer”, sagt Eileen Daly, die Gesundheitskoordinatorin des IKRK im Gazastreifen. “Gesundheit wird zum Politikum: das ist der Hauptgrund, warum das System zusammenbricht. Wenn sich nichts aendert, werden die Dinge nur noch schlimmer. Tausende von Patienten koennten ohne Behandlung bleiben und die lange Sicht wird immer beunruhigender.”

Zur Energieversogrung schreibt die WHO:

Repairs to damaged power lines and the entry of diesel fuel to run the local power plant has increased the availability of public electricity at the health facility level. Power outages across the Gaza Strip have now decreased to a daily average of 2 hours. Fuel needed to run emergency generators during power outages is in good supply, and all hospitals have two backup generators. All health facilities have access to water.


Reparaturen der beschaedigten Stromleitungen und die Lieferung von Diesel fuer das oerltliche Kraftwerk haben die Verfuegbarkeit von oeffentlicher Elektrizitaet bei den Gesundheitsdiensten erhoeht. Stromausfaelle im gesamten Gazastreifen sind auf durchschnittlich 2 Stunden pro Tag gesunken. Treibstoff fuer den Betrieb der Notgeneratoren waehrend der Stromausfaelle ist ausreichend vorhanden, und alle Krankenhaeuser haben zwei Generatoren als Back-up. Alle Gesundheitsdienste haben Zugang zu Wasser.

Dazu das Rote Kreuz im Juni 2009:

Daily power cuts and power fluctuations continue to damage medical equipment. Most hospitals have to rely on backup generators for several hours a day, but it is never certain that enough fuel will be available to run them.


Taegliche Stromausfaelle und Spannungsschwankungen beschaedigen weiterhin medizinische Geraete. Die meisten Krankenhaeuser muessen sich mehrere Stunden taeglich auf die Back-up Generatoren verlassen, aber es ist nie sicher, dass genuegend Treibstoff fuer sie zur Verfuegung steht.

Und ein Jahr spaeter:

Gaza is suffering from an acute electricity crisis. The power supply in Gaza is interrupted for seven hours a day on average. The consequences for public services, especially the primary health-care system, are devastating. Hospitals rely on generators to cope with the daily blackouts.

Der Gazastreifen leidet unter einer akuten Elektrizitaetskrise. Die Stromversorgung im Gazastreifen wird taeglich fuer durchschnittlich sieben Stunden unterbrochen. Die Folgen fuer die oeffentlichen Dienste, im besondern die grundlegende medizinische Versorgung, sind katastrophal. Krankenhaeuser muessen sich waehrend der taeglichen Stromausfaelle auf Generatroren verlassen.

Zur Ernaehrung stellt das IKRK im Juni 2009 in den Raum:

This increase in poverty has taken a heavy toll on the population’s diet. Many families have been forced to cut household expenses to survival levels. Generally, people are getting the calories they need, but only a few can afford a healthy and balanced diet. Poor families often substitute cheaper alternatives such as cereals, sugar and oil for fruits, vegetables, meat and fish. For tens of thousands of children, this has resulted in deficiencies in iron, vitamin A and vitamin D. The likely consequences include stunted growth of bones and teeth, difficulty in fighting off infections, fatigue and a reduced capacity to learn.

Die zunehmende Armut hat schwere Auswirkungen auf die Ernaehrung der Bevoelkerung. Viele Familien muessen Haushaltsausgaben kuerzen, um zu ueberleben. Insgesamt bekommen die Menschen die notwendigen Kalorien, aber nur wenige koennen sich eine gesunde, ausgewogene Ernaehrung leisten. Arme Familien ersetzen Obst, Gemuese, Fisch und Fleisch durch billigere Alternativen: Getreide, Zucker und Oel. Bei zehntausenden Kindern hat das zu Mangel an Eisen, Vitamin A und D gefuehrt. Die wahrscheinlichen Folgen davon sind Wachstumshemmungen der Knochen und Zaehne, Anfaelligkeit fuer Infektionen, Muedigkeit und verringerte Lernfaehigkeit.

Dazu die WHO:

Data on children 6-16 years, previously not available, have been collected from September 2007 to June 2008 through the MoH nutrition surveillance system in Gaza and recently analyzed. The findings revealed that the prevalence of underweight is 1.4%, while stunting prevalence is 7.2%. If analyzed by district, no difference was detected in the level of stunting among school children and in general these results are at acceptable levels. However, high prevalence of overweight2 children was found. In children 10-16 years overweight prevalence is 15.9%.

Daten zu Kindern im Alter von 6-16 Jahren, wie sie vorher nicht zur Verfuegung standen, wurden vom September 2007 bis Juni 2008 erhoben und vor kurzem analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Unterernaehrung in 1.4% vorkommmt, waehrend Wachstumshemmungen bei 7.2% liegen. Wenn nach Distrikt analysiert wird, kann kein Unterschied in den Wachstumsstoerungen bei Schuldkindern gefunden werden und diese Werte sind auf akzeptablem Niveau. Dagegen wurde ein starkes Vorkommen von Uebergewicht bei Kindern gefunden. Bei Kindern zwischen 10 und 16 Jahren sind es 15.9%.

The level of anaemia among children 9-12 months was 65.5% in February 2009, which is slightly lower than the averages in 2006 (68.2%) and 2007 (72.1%). The level of anaemia among pregnant women was 37.5% in February 2009, which is the same as the 2006 average and higher than the 2007 average (33.3%).

Das Niveau von Anaemie [Eisenmangel RB] bei Kindern zwischen 9 und 12 Monaten lag im Februar 2009 bei 65.5% und damit etwas niedriger als 2006 (68.2%) und 2007 (72.1%). Der Przentsatz von Anaemie bei schwangeren Fragen lag im Februar bei 37.5%. was dem Durchschnitt von 2006 entspricht und etwas hoeher als der Durchschnitt von 2007 (33.3%).

Ich denke, durch die Gegenueberstellung ist deutlich geworden, wie sehr das Internatioanle Rote Kreuz mit Uebertreibungen arbeitet.

Das Internationale Rote Kreuz gibt sich im Gegensatz zur WHO nicht mit der Beschreibung der Lage zufrieden, sondern formulierte 2009 zu jedem Punkt fettgedruckte Forderungen. Im Bericht von 2010 erscheint die Forderung bereits als Untertitel:

The hardship faced by Gaza’s 1.5 million people cannot be addressed by providing humanitarian aid. The only sustainable solution is to lift the closure.

Sicher ist es reiner Zufall, dass die vom IKRK erhobene Forderung mit den Program der Achse, Iran-Syrien-Hisbollah-Hamas (und seit neuestem auch der Tuerkei) uebereinstimmen. Schliesslich ist das IKRK eine neutrale Organisation, nicht wahr?

“Linkage”


wuerde ich mit “Verkettung” uebersetzen. Welche disparaten Gegebenheiten miteinander verknuepft werden koennen (und welche antisemitischen Klischees damit bedient werden) laesst sich hier gut beobachten.

In Israel sind wir der Meinung, dass die Verkettung von juedischen Siedlungen im Westjordanland mit dem iranischen Atomprogramm lachhaft ist. Aber vielleicht existiert sie in etwas anderer Weise doch.

Laut Debka soll Abbas im Namen der Palaesineser und der arabischen Staaten mit Ausnahme von Syrien den chinesischen Praesidenten aufgefordert haben, harte Sanktionen gegen den Iran nicht laenger zu blockieren.

Das passt natuerlich gut zur Politk der Obamaregierung, die chinesische Unterstuetzung fuer die Sanktionen ja bereits als Fakt behauptet haben.

Gleichzeitig erfahren wir, dass Obama Abbas offensichtlich weitgehende Versprechungen gemacht hat: einen unabhaengigen Staat, dessen Territorien miteinander verbunden sind (wozu Israel in zwei Teile geschnitten werden muss), sowie einen verlaengerten Baustopp in den juedischen Siedlungen im Westjordanland und im Gazastreifen.

Obama moechte also gern in israelischer Muenze fuer einen diplomatischen Erfolg gegenueber Iran bezahlen.

“Peace for our time!” (das naechste Jahr oder so)


(von IsraelMatzav entliehen)

USA: Kein Militaerschlag gegen Iran, eventuell Abschuss israelischer Flugzeuge


Mich ueberrascht nichts mehr, was von der Obamaregierung kommt. Aber vielleicht schlackert der eine oder andere meiner Leser noch mit den Ohren.

AP meldet, die Obamaregierung schliesse einen Militaerschlag gegen den Iran fuer die naechste Zeit aus:

“Military force is an option of last resort,” Undersecretary of Defense for Policy Michele Flournoy said during a press briefing in Singapore. “It’s off the table in the near term.”

The U.S. and its allies fear Tehran is using its nuclear program to build arms. Iran denies the charges, and says its program only aims to generate electricity.

“Right now the focus is a combination of engagement and pressure in the form of sanctions,” Flournoy said. “We have not seen Iran engage productively in response.”

Einen Tag frueher konnte der US Generalstabschef Mike Mullen nicht ausschliessen, dass israelische Kampfflugzeuge auf dem Weg nach Iran beim Ueberflug ueber den Irak abgeschossen werden koennten.

Vermutlich sollte Israel sich ein Beispiel am Iran nehmen und mit dem Saebel rasseln.

Robert Gates in Riad


Als ich mit meinem Mann gestern abend ueber die US-Politik gegenueber Israel sprach, wies er mich darauf hin, dass Robert Gates kurzfristig nach Bidens Besuch in Israel von Afghanistan nach Saudiarabien reiste.

Soweit ich sehen kann, berichtet von den westlichen Medien nur die New York Times von diesem Besuch. Dort klingt es so, als muese Gates ein zoegerliches Saudiarabien dazu ueberreden, Sanktionen gegen Iran zu unterstuetzen.

In dieser Kuweiter Veroeffentlichung toent dagegen an, dass Gates zur Rede gestellt wird, was die USA eigentlich gegen Iran unternehmen:

The Secretary will provide an update … about where we are in our Iran policy, as we’ve pivoted from the engagement track to the pressure track,” said the official, who asked not to be named. The United States has expanded land- and sea-based missile defense systems in and around the Gulf to counter what it sees as Iran’s growing missile threat, and arms sales to Gulf allies have risen sharply in recent years. Saudi Arabia bought $3.3 billion in US arms in fiscal 2009, according to a Pentagon estimate.

So sieht das auch Debka und erinnert an die Aussage von General David Petraeus im CNN Interview:

ZAKARIA: What does that mean? They want — they want the United States to strike?

PETRAEUS: Well, it’s interesting. I think there — there is almost a slight degree of bipolarity there at times. On the one hand, there are countries that would like to see a strike, us or perhaps Israel, even. And then there’s the worry that someone will strike, and then there’s also the worry that someone will not strike. And, again, reconciling that is — is one of the challenges of operating in the region right now.

Moeglicherweise haben die Saudis die US-Hysterie wegen der Baubewilligung fuer Ramat Shlomo aehnlich eingeordnet wie ich und machen sich grosse Sorgen, ob mit Israel und Libanon nicht auch sie an den Iran verraten werden.

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