Koennte israelische Wassertechnologie im Nahen Osten Frieden schaffen?


Natuerlich nicht!

Uebersetzung des Textes: “Could Israeli water expertise bring Mideast peace? Of course not!” von Elder of Ziyon
Wunschdenken im Leitartikel der New York Times von Seth M. Siegel:

Ausbreitung von Atomwaffen, religieoser Fanatismus und materielle Ungleichheit sind wesentliche Bedrohungen der Stabilitaet im Nahen Osten. Leider koennte sich eine weitere an: Wasserknappheit.

Die menschlichen Ausloeser sind klar: Rasantes Bevoelkerungswachstum, veraltete Infrastruktut, exzessive Ausbeutung des Grundwassers, ineffiziente Landwirtschaft, Verunreinigung durch Duenger und Pestizide. Ausserdem beschleunigt sich der Klimawandel und damit das Verdunsten von Seen und Fluessen und die Niederschlaege nehmen ab.

Ein Land in dieser Weltgegend koennte die Loesung zu diesen Wasserproblemen haben: Israel. Es hat dieselben Probleme mit dem Klima und der Wuestenbildung wie seine Nachbarn, aber es hat die Bewirtschaftung seiner Wasservorraete gemeistert, so dass es Zeiten der Duerre ueberstehen kann, waehrend es gleichzeitig eine wachsende Bevoelkerung versorgt. Seine Wasserwirtschaft kann nicht nur ein Beispiel geben, sondern sogar die regionalen Spannunngen verringern.

Verschwenderische, landwirtschaftliche Praktigen – im besonderen, ein Feld unter Wasser zu setzen, um es zu bewaessern – sind die wichtigsten Faktoren hinter der regionalen Wasserknappheit. Seit den 1960er Jahren haben die israelischen Bauern diese Praxis aufgegeben und durch Tropfchenbewaesserung ersetzt, wodurch der Wasserverlust durch Verdunstung heruntergedrueckt, das Wasser effizienter an die Wurzeln gebracht wird und, besonders zentral, weit groessere Ernten erzielt werden koennen, als mit konventioneller Bewaesserung. Israel behandelt auch das Abwasser aus Haushalten als eine wertvolle Resource und verwendet ueber 80% davon in der Landwirtschaft. Im Iran und in vielen arabischen Laendern, laesst man Abwasser unbehandelt abfliessen, was die oeffentliche Gesundheit bedroht, weil so Quellen und Grundwasser verunreinigt werden.

… Niemand sollte sich irgendwo eine Wasserkrise wuenschen. Wenn die Wasserprobleme aber zunehmen, hofft man, dass Ideologie von Prgamatismus abgeloest wird und sich dadurch eine Tuer fuer freundschaftliche Kontakte zwischen der arabischen und islamischen Welt mit Israel oeffnen koennte. Eine Partnerschaft, die bei den Ingenieuren anfaengt und sich auf die Landwirte ausdehnt, koennte zu einem Kompromiss, vielleicht sogar zur Aussoehnung bei den Regierungen fuehren. Anstatt Israel als ein Problem zu betrachten, waeren Israels Gegner gut beraten, in ihm eine Loesung zu sehen.

Wann wachen die Leute endlich auf?

Araber hassen Israel nicht einfach – sie sind emotional darauf angewiesen, den Hass auf Israel beizubehalten. Das schliesst auch Israels “Friedenspartner” in Aegypten und Jordanien mit ein. Es mag einige, taktische Zusammenarbeit geben und die Beziehungen florieren unter dem Tisch, wo sie auf gemeinsamen Interessen beruhen, aber sie werden sich nie in einen richtigen Frieden verwandeln, so wie normale Leute Frieden definieren.

Jedes arabische Land hat Organisationen, die sich dem Kampf gegen “Normalisierung” mit Israel widmen. Jeder arabische Staat beleidigt Israel routinemaessig in internationalen Gremien. Arabische Medien werden so gut wie nie oeffentlich Antisemitismus oder Holocaustleugnung entgegentreten. (Letzte Woche gab es eine der sehr seltenen Ausnahmen.)

Die Athmosphaere ist vergiftet, und drei Generationen wurden schon mit diesem irrsinnigen Hass gross gezogen. Gelegentlich bemerken ein paar Araber, dass Araber einander schlechter behandeln, als Juden mit Arabern umgehen, aber das nicht wirklich als Kompliment gemeint.

Heute morgen hat mir gerade ein idiotischer Twitter auf meinen Beitrag geanwortet, in dem ich aufzeige, dass die arabischen Staaten planten, ihre juedische Bevoelkerung noch vor der Abstimmung zum UN Teilungsplan im November 1947 zu verfolgen, mit der Behauptung, es handle sich dabei um eine Reaktion darauf, dass Juden Araber aus ihren Heusern vertrieben. (Tatsaechlich waren die einzigen Mensche, die in Palaestina vor der Teilung aus ihren Haeusern vertrieben wurden,  Juden.)

Arabische Luegen ueber Israel dienen nicht nur dazu, Israel und Juden zu daemonisieren. Sie sollen auch die arabische Schande mildern, dass sie von Juden besiegt wurden. Westliche Menschen koennen einfach nicht verstehen, wie zentral Ehre/Schande in der arabischen Kultur sind. Israels blosse Existenz ist schandbar und eine staendige Erinnerung an die arabische Unfaehigkeit. (Deswegen werden dafuer auch uebertriebene Worte wie “Naqba” und “Nasqa” verwendet, aber nie fuer innerarabische, weitaus toedlichere Kriege oder Kriege, die von westlichen Maechten in der arabischen Welt gekaempft wurden.)

Das ist ein Problem, das nicht geloest werden kann, ausser durch Israels Vernichtung.

Israel kann nur sicherstellen, dass solche Technologien seinen Nachbarn in einer Weise zur Verfuegung gestellt werden, dass sie sie umettikettieren koennen, als kaemen sie aus Europa – und weiterhin oeffentlich den Hass auf Israel beibehalten koennen.

Arabische Regierungen moegen im Stillen darueber froh sein, dass es Israel gibt, weil die Alternative ein zweites Libyien oder Syrien waere und niemand mag das an seinen Grenzen. Laender wie Marokko werden weiterhin in aller Stille mit Israel Handel treiben. Abkommen ueber spezifische, gemeinsame Angelegenheite – einschliesslich Wasser – werden manchmal unter Schirmherrschaft einer dritten Partei entworfen werden. Aber die arabischen Staaten wollen und koennen Israel nicht als dauerhaften Staat in ihrer Mitte akzeptieren.

Als Beiweis braucht man nur zu sehen, was Israel heute schon anbieten kann und anbietet, weit mehr als Wassertechnologie, und die arabische Welt weigert sich, davon zu profitieren, obwohl es ihr unendlich helfen koennte. Nichts wuerde Israel lieber tun als Professoren als Dozenten an arabische Universitaeten zu schicken oder zu arabischen Regierungen als Berater fuer technische Themen wie Landwirtschaft, Medizin und Katastrophenschutz. Fuer Araber waere das oeffentliche Annehmen von israelischer Hilfe ein weiterer Fall arabischer Schande.

Friede ist unmoeglich. Entspannung ist das Ideal und in grossem Ausmass bereits erreicht. Das Einzige, was die Entspannung noch verbesseren kann, ist israelische Staerke, so dass seine Existenz als gegebene Tatsache akzeptiert werden kann. Israelische Zugestaendnisse dagegen machen den Arabern Hoffnung, dass sie die “Naqba” rueckgaengig machen und ihre Schande tilgen koennen.

Wie geht es Mahmoud Abbas gesundheitlich?


Demnaechst feiert Mahmoud Abbas seinen 79. Geburtstag. Er raucht wie ein Schlot und litt (leidet?) unter Prostatakrebs.

Falls Abbas etwas zustossen sollte, ist das Chaos vorprogrammiert. Abbas hat sich immer geweigert, einen Nachfolger zu ernennen. In Gesellschaften wie der palaestinensischen kann so etwas sich in ein Todesurteil verwandeln, ganz ohne israelische Moerder. Daher ist nachvollziehbar, dass Abbas im Gegenteil systematisch denjenigen ein Bein stellte, die als moegliche Nachfolger gehandelt wurden.

Seit Anfang des Jahres gibt es merkwuerdige Geruechte und Verschwoerungstheorien aus der Palaestinensischen Autonomiebehoerde:

1) Saeb Erekat verbreitete, dass Israel Abbas eliminieren moechte.

2) John Kerry soll Abbas gedroht haben, er werde wie Arafat enden, wenn er die US Vorschlagen zu den Gespraechen mit Israel ausschlage. Wenn Kerry so etwas sagte, dann meinte er isoliert und irrelevant wie Arafat in seinen letzten Jahren. Die Palaestinenser aber hoeren Polonium-Vergiftung.

3) Zippi Livni soll eine erfahrene Moerderin fuer den Mossad sein und bedrohe Abbas’ Leben.

Seit gestern ist sogar die Rede davon, einen Stellvertreter zu ernennen.

Was wissen die Fatah-Granden ueber Abbas’ Gesundheitszustand? Wird hier der naechste Mordvorwurf an Israel vorbereitet, sobald Abbas das Zeitliche segnet?

Eid al Adha – das muslimische Opferfest – eingeuebte Verrohung


Diese Woche wird das Opferfest, Eid al Adha, gefeiert. Der Hintergrund im Koran wurde deutlich der Thora entnommen. Ibrahim (Avraham) soll seinen Sohn opfern (im Islam Ishmael statt Yitzchak), in letzter Minute wird er davon abgehalten und opfert stattdessen ein Tier.

Zur Feier schlachten Muslime jedes Jahr zum Opferfest Tiere. Soweit ich sehen kann, handelt es sich dabei nicht um eine religioese Pflicht, der jeder Muslim nachkommen muss, sondern um eine Tradition derer, die es sich leisten koennen, ein Tier zu Ehren des Fests zu schlachten. Dabei handelt es sich auch nicht um eine Opferung, denn die Schlachtung ist keineswegs an einen bestimmten Ort gebunden und es gehoert kein Ritual dazu, das ueber eine normale muslimische Schlachtung hinausginge. Im Unterschied zum Judentum, wo ein Schochet (Schaechter) eine mehrjaehrige Ausbildung absolvieren muss, ist es jedem maennliche Muslim erlaubt, Tiere zu schlachten.

Im Gazastreifen gibt es offensichtlich trotz der jahrezehntenlangen “humanitaeren Krise” ziemlich viele, die sich die Schlachtung leisten koennen. Zusaetzlich zur lokalen Zucht von Schafen und Rindern wurden seit Anfang Oktober von Israel ueber 2000 Kaelber eingefuehrt.

Bei Elder of Ziyon gibt es Videos und Bilder dazu. Beachtet die Buben – ich schaetze den Juengsten auf dem unteresten Bild auf 3 Jahre alt – die ueberall zuschauen.

Was geschieht in einem Kind, das jedes Jahr mitanschaut, wie sein Vater einem Tier die Kehle durchschneidet? Was geschieht mit ihnen, wenn sie Maenner geworden sind und selbst regelmaessig eine solche Schlachtung vollziehen?

Einigermassen unumstritten kann ein Mensch Lust beim Toeten und beim Zusehen empfinden.

Ich halte dafuer, dass das Toeten von Tieren zu einer Verrohung fuehrt. Eine Toetungshemmung wird so geschwaecht.

Es ist kein Zufall, dass bei vielen Morden durch Muslime dem Opfer die Kehle durchgeschnitten wird, bis hin zum Abtrennen des Kopfes: Daniel Pearl 2002, Nicholas Berg 2004, … viele mehr , Colin Greenaway 2013

Seit 2010 hatte PETA uebrigens nichts mehr zu Eid al Adha zu sagen.

Iran: Worte und Taten


Rouhanis Charmeoffensive scheint bisher erfolgreich zu sein, seine Propaganda an das amerikanische Volk darf der iranische Praesident in der Washington Post veroeffentlichen, wie kuerzlich Putin in der New York Times.

Niemand mag sich erinnern, dass der Praesident im Iran nicht eigenstaendig Politik macht. Rouhani wurde auch nicht im westlichen Sinn demokratisch, sondern aus einer Handvoll auserlesener Optionen gewaehlt.

Vergessen wird auch, dass ein erheblicher Teil von Rouhanis Karriere darin bestand, der International Atomic Energy Agency (IAEA) Sand in die Augen zu stoeren, waehrend der Iran sein Programm fortsetzte. Vor den Wahlen buchstabierte  Rouhani diese Taktik in einem Interview im iranischen Fernsehen.

Stattdessen freut man sich allenthalben, dass der Iran nun “moderat” geworden sei.

Die FAZ zeigt sich bereits ungehalten ueber den Stoerenfried bei der allgemeinen Euphorie. Damit die Botschaft auch von denen verstanden wird, die textliche Nuancen nicht so ganz wahrnehmen, werden die Bilder sorgfaeltig ausgewaehlt:

Israels Ministerpraesident Benjamin Netanjau dpader iranische Praesident Hassan Rohani dpa

Leser Heinrich Thiry versteht denn auch sofort:

Also für mich sehr aufschlussreich die beiden Fotos na so ca. 15 sec. intensiv anzusehen und meinen Gefühlen dabei nachzugehen.

Ueberhaupt sind mit einer Ausnahme, Rainhart Raack, die Kommentatoren ueberwiegend von Misstrauen gegenueber Israel gepraegt.

Waehrenddessen berichtet die libanesische Zeitung As-Safir, dass der Iran enger mit Hamas und Hizbollah kooperieren und die “Achse des Widerstands” staerken will.

Waehrenddessen veruebt die Al-Kaida-nahe, somalische Terrororganisation Al-Shabaab den Anschlag auf das Einkaufszentrum in Nairobi mit Waffen und Ausruestung, die sie wahrscheinlich vom Iran geliefert bekam.

Und so sagt ein iranischer Blogger, sehen viele in Teheran Obama:
obama seen in tehran

Waffengesetze und Gewaltverbrechen: Harvard Studie


Mit diesem Thema habe ich mich ausfuehrlich 2006 beschaeftigt und kurz 2008.

Inzwischen liegt eine Studie der Universitaet Harvard vor, die zum selben Ergegnis kommt wie ich: Schaerfere Waffengesetze korrelieren nicht mit einer niedrigeren Rate an Gewaltverbrechen. Im Gegenteil scheint die umgekehrte Korrelation vorzuliegen:

Obviously there are certain people who should not be allowed to own any deadly instrument. Reasonable as such prohibitions are, it is unrealistic to think those people will comply with such restrictions any more readily than they do with laws against violent crime.82 In any event, studies analyzing acquaintance homicide suggest there is no reason for laws prohibiting gun possession by ordinary, law‐abiding responsible adults because such people virtually never murder. If one accepts that such adults are far more likely to be victims of violent crime than to commit it, disarming them becomes not just unproductive but counter‐productive.83

Harvard hat ja nicht gerade den Ruf, ein Nest fuer Waffenarren, Hardcore-Republikaner und Tea-Party-Aktivisten zu sein…

Europaeischer Konsens


In der NZZ erfahren wir, was europaeischer Konsens sein soll:

(…) darin sind sich Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit einig: Netanyahu zerstört faktisch die Zweistaatenlösung durch seine völkerrechtswidrige Siedlungspolitik (…)

Das moegen sich Politik, Wissenschaft und Oeffentlichkeit gemeinsam einbilden, da es ihnen seit Jahren von den Medien, darunter auch von der NZZ weisgemacht wurde. Wahr wird diese Aussage trotzdem nicht.

1) Israelische Siedlungen im Westjordanland sind nicht voelkerrechtswidrig. Wie klar aus dem Wikipedia-Eintrag hervorgeht, sind es vor allem UN-Gremien, welche die Illegalitaet behaupten. Angesichts der strukturellen Voreingenommenheit der UN gegenueber Israel ist das nicht weiter ueberraschend, kann aber dementsprechend nicht ernst genommen werden.

2) Netanyahu treibt die Siedlungspolitik gerade nicht voran. Immer wieder muss wiederholt werden, dass seit dem Abschluss der Oslovertraege Siedlungstaetigkeit praktisch darauf begrenzt ist, innerhalb von bestehenden Siedlungen zusaetzliche Flaeche zu bebauen. Und die bestehenden Siedlungen, innerhalb derer gebaut wird, sind ueberwiegend solche, die nach allen bisherigen Annaeherungen bei Israel bleiben wuerden.   Diese Realitaet ist sogar bei der Washington Times angekommen:

Twenty-five years ago, Israel’s government openly aimed at building West Bank settlements that would block a Palestinian state. But that policy changed following the 1993 Oslo accords. Mr. Netanyahu’s government, like several before it, has limited building almost entirely to areas that both sides expect Israel to annex through territorial swaps in an eventual settlement.

Im ersten Jahr seiner Amtszeit 2009 fror die Regierung Netanyahu unter amerikanischem Druck fuer 10 Monate jede Bautaetigkeit auch innerhalb von solchen Siedlungen ein, um damit Abbas zur Rueckkehr an den Verhandlungstisch zu bewegen. Die Palaestinensische Autonomiebehoerde nahm diese Einladung kurz vor Ablauf der 10 Monate an, verlangte eine Verlaengerung und Ausweitung, worauf sie  sich schmollend wieder zurueckzog. Seither weigert sich die PA, direkt mit Israel zu verhandeln.

In den Jahren seither hat Israel behutsam innerhalb der bestehenden und  - wie auch von PA Unterhaendlern zugestanden – bei Israel bleibenden Siedlungen gebaut. Wiederum unter amerikanischem Druck wird inzwischen laut darueber nachgedacht, noch einmal einen vollstaendigen Baustopp durchzuziehen. 

Wir Israelis wissen, dass auch ein erneuter, kompletter Baustopp nichts bringen wird. Die Palaestinenser wollen keinen eigenen Staat, sie wollen den Staat Israel zerstoeren.

Was nun Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit in Europa betrifft, habe ich allmaehlich den leisen Verdacht, dass sie dieses Ziel unterschwellig teilen.

 

Hungerstreik als Druckmittel


In Israel geht gerade der Hungerstreik von sicherheitsverwahrten Palaestinensern zu Ende.

Bei dieser Gelegenheit moechte ich die Verwendung von Hungerstreiks als Druckmittel im Nahen Osten etwas genauer anschauen. Meine Arbeitshypothese ist folgende: Ein Hungerstreik impliziert, dass die relevante Autoritaet ein Interesse daran hat, dass der Gefangene am Leben bleibt. Der Gefangene muss davon ausgehen, dass die Weltoeffentlichkeit und in einer Demokratie auch die eigene Bevoelkerung die Ziele des Hungerstreikenden unterstuetzen wird.

Afghanistan:
Im Maerz 2012 haben ca. 100 Gefangene im Pul-e Charkhi Gefaengnis in Afghanistan einen Hungerstreik begonnen. Dieses Gefaengnis wird noch von den US-Streitkraeften kontrolliert, soll jedoch innerhalb von 6 Monaten an die afghanische Regierung uebergeben werden. Das scheint eine Folge der Proteste zu sein, mit denen Afghanen auf die Nachricht reagierten, dass die US-Streitkraefte Koranausgaben verbrennen wollten.

Tatsaechlich ist eine der konkreten Forderungen der Gefangenen in Pul-e Charkhi, dass sie Zugang zu religioesen Texten bekommen wollen. Die Gefaengnisleitung erklaert, dass Korane konfisziert werden mussten, weil Gefangene, darunter Taliban und Al-Kaide Kaempfer sie zur Kommunikation untereinander verwendeten.

Das war natuerlich genau der Grund, warum die US-Streitkraefte Korane einsammelten und verbrennen wollten.

Diese Nachrichten sind zwei Monate alt. Ich kann keine neue Entwicklung zu diesem Hungerstreik finden. Entweder er wird fortgefuehrt, ohne dass sich jemand dafuer interessiert oder er wurde stillschweigend beendet, mit oder ohne Zugestaendniss durch die Gefaengnisleitung.

Aegypten:
In Aegypten erhielt letztes Jahr der Fall des inhaftierten Bloggers Maikel Nabil Sanad einige Aufmerksamkeit. Sanad kann seinen Hungerstreik unmoeglich die gesamte Zeit ueber durchgehalten haben, er wurde erst im Januar 2012 entlassen nach fast 10 Monaten Haft. Fuer seine Entlassung bedankt er sich bei der internationalen Oeffentlichkeit, hier Amnesty International.

Jordanien:
Hier finde ich nur einen Fall von 2002, als eine Frau nach 29 Tagen Hungerstreik durch koenigliche Gnade freigelassen wurde. Ihr “Verbrechen” war offensichtlich, auf Korruption hinzuweisen. Von oeffentlichen Aemtern ist sie nach wie vor ausgeschlossen.

Zu Hungerstreikenden Haeftlingen im Irak konnte ich gar nichts finden.

Syrien:
Ich bin etwas ueberrascht, auch einen Hungerstreik in Syrien vom Maerz 2011 zu finden. Man sollte meinen, das ein Regime, das seine Buerger offen
toetet, sich kaum anstrengen wird, Gefangene im Hungerstreik am Leben zu erhalten. Die Streikenden beweisen aehnlichen Todesmut wie die Demonstranten, die sich seit einem Jahr immer wieder den Streitkraeften des Assadregimes als Ziel praesentieren. (Noch etwas frueher begann Dr. Toumama Maarouf ihren Hungerstreik.) innerhalb von Tagen wurde Haitham al-Maleh, der 80jaehrige Menschenrechtsaktivist, der zusammen mit 12 anderen Gefangenen in Adra in Streik trat freigelassen. Ich wuerde vermuten, dass die Amnestie fuer alte Gefangene nur seinetwegen erfunden wurde. al-Maleh hat eine gewisse Prominenz. Die anderen 12 offensichtlich nicht. Im Juni 2011 war der Hungerstreik in Adra anscheinend noch aktuell, aber darueber hinaus finde ich keine Informationen.

Iran:
Im Juni 2011 soll ein iranischer Haeftling, Hoda Saber, an den Folgen seines Hungerstreiks gestorben sein. 12 weitere politische Gefangene im Iran begannen daraufhin einen Hungerstreik. Was aus ihnen geworden ist, kann ich nicht finden. Von Januar 2012 befand sich Medhi Khazali, ein inhaftierter Blogger im Hungerstreik, Anfang Maerz 2012 wollte er diesen intensivieren. Ende Maerz wurde er entlassen. Vermutlich immer noch im Hungerstreit ist Ali Moradi, der seit dem 4. April hungert. Die letzte Nachricht von ihm, die ich auf die Schnelle finde, stammt vom 5. Mai.

In Saudi-Arabien wird dementiert, dass sich Mohamad al-Bajadi im Hungerstreik befinde.

In Bahrain wird das Verfahren gegen 21 Regimegegner wieder aufgerollt. Einer davon, Abdulhadi Al-Khawaja, befindet sich zwei Monaten im Hungerstreik

Nirgends finde ich eine so grosse und gut vermarktete Aktion wie die der ca. 1,600 Hungerstreikenden in Israel.

Antisemitische Mythen: Kindermord


Mit der Erinnerung an den bethlehemitischen Kindermord, als sei er historisch erwiesen, begann Hilary Andersson ihren Bericht ueber die Kindesopfer der sogenannten 2. Intifada vom Juni 2001:

Deep underground in Bethlehem are the remnants of an atrocity so vile, so far back in history, that it almost seems impossible. King Herod’s slaughter of the innocents. All the little children under two were killed.

Die Mutter und Grossmutter des aktuellen Opfers, Mohammed, geben ausdruecklich zu Protokoll, dass sie den Einsatz von Kindern, auch den eigenen Soehnen und Enkeln, befuerworten:

MOTHER:
(TRANSLATION) They want to fight and liberate Palestine. If we all stopped our sons, there would not be a fight. It’s not just up to me.
REPORTER:
But he was only 13 years old. Is it right that children should be fighting an adult war?

MOTHER:
(TRANSLATION):
He’s not a child. He’s a young man. And this is the age when they all go out and throw stones and fight. How can I stop him?

ANDERSSON:
His grandmother went even further. “If they all died and this was the last child we have left, we would send him to fight too,” she said.

Die Reporterin rationalisiert diese moerderische Einstellung in einer Weise, die letzlich Israel die Verantwortung zuordnet:

Many families do try to stop their children from fighting, but this family have lived in a refugee camp for over 50 years. They see no way of ever getting their land back unless every Palestinian is involved

Dazu passt, wie sie am Ende des Berichts dem verantwortlichen israelischen Minister staendig unterstellt, dass israelische Soldaten wissentlich und absichtlich Kinder toeten:

ANDERSSON:
The Israelis say the Palestinians want the children to die to help their propaganda. But to the families whose lives are being ripped apart by it all, the claim is outrageous.

SNEH:
To kill children, it’s against our values, against our very basic and fundamental moral concept and against our values.

REPORTER:
But you’re still shooting.

SNEH:
We are trained…

REPORTER:
You’re shooting them.

SNEH:
Who sent them to the place?

REPORTER:
Who is shooting them?

Hilary Andersson bewies, dass sie den antisemitischen Mythos, dass Juden Kinder toeten, erinnerlicht hatte. Vermutlich war ihr nicht einmal bewusst, dass sie mit ihrer Einleitung explizit diesen Mythos bediente.

Lady Ashton bedient den gleichen antisemitischen Mythos, indem sie auf den kaltbluetigen Mord an juedischen Kindern und Lehrern so reagiert:

And in days when we remember young people who have been killed in all sorts of terrible circumstances, the Belgian children having lost their lives in a terrible tragedy, and a friend of mine’s child being part of that. When we remember what happened in Toulouse today, when we remember what happened when I was in Norway last week, a year ago. When we know what’s happening in Syria, when we see what’s happened in Gaza and Sderot, in different parts of the world, we remember young people and children who lose their lives.

Wie wir wissen, wurden bei den juengsten Luftangriffen im Gazastreifen 20 Terroristen getoetet und vier  Zivilisten getoetet, obwohl die Terrororganisationen ihre Raketen bekanntlich aus dicht bewohnten Gebieten  abfeuern und gern Kinder als menschliche Schutzschilde verwenden. Meines Wissens war keiner der vier Zivilisten minderjaehrig.

Vermutlich geht der Mythos tiefer als der Bethlehemitische Kindermord.  Thematisch gehoert er eindeutig zum Themenkreis “Menschenopfer”.
In der Bibel wird ausfuehrlich beschrieben, dass die Kanaaniter Kinder opferten. Gleichzeitig gibt es auch Hinweise, dass auch die fruehen Israeliten Kindesopferung praktiziert haben mochten. Dass Avraham Avinu bereit gewesen waere, seinen Sohn zu opfern, ist bekannt. In der Geschichte vom Auszug aus Aegypten markieren die Israeliten ihre Tueren mit Tierblut, damit ihre maennlichen Erstgeborenen verschont bleiben. Die Ausloesung des maennlichen Erstgeborenen ist ein bis heute praktiziertes Ritual. Auch die Beschneidung kann als Ersatzhandlung fuer die Opferung verstanden werden.  Waehrend des Zusammenlebens mit den Kanaaniter in der Richter- und Koenigszeit uebernahm ein Teil der israelitischen Bevoelkerung auch immer wieder den Goetzendienst und die Menschenopfer. Erst nach dem babylonischen Exil scheint das endgueltig ueberwunden zu sein.

In der psycholanalytischen Literatur scheint man sich einigermassen einig zu sein, dass der Vorwurf des Kindermordes eine Projektion ist. (Mortimer Ostov, Martin Bergmann,

By their very existence, the Jews, who had abandoned and condemned human sacrifice, became the unwitting accusers of the Christians, who have sacrificed their Christ Jesus to their God the Father, and, by “a perverse move of the spirit,” the Jews became the target of the sacrificer’s unconscious projections of guilt feelings.

(Avner Falk,  Antisemitism: a history and psychoanalysis of contemporary hatred, p. 28)

Heutzutage wirkt das Opfermotiv im Christentum vielleicht weniger stark in der Psyche von modernen Europaeern. Dafuer koennte ein zusaetzliches Motiv an Bedeutung gewonnen haben. In Grossbritannien wird jede 5. Schwangerschaft abgetrieben, bei jungen Maedchen jede zweite.

nachtraeglich noch zu Purim


bzw. dazu, was Peter Muench dazu in der Sueddeutschen formuliert:

Hatte nicht schon vor 2500 Jahren ein Finsterling namens Haman als oberster Beamter des persischen Königs die Tötung aller dort ansässigen Juden geplant? Verhindert wurde dies damals allein durch das Fasten und Beten der Königin Ester. Der Errettung vor dem Genozid, auf die ein Gemetzel an den Feinden folgte, wird seither mit einem fröhlichen Fest gedacht, mit Straßenkarneval, mit Umzügen und mit reichlich Alkohol.

Ein Volk, das solche Feste feiert, ist wahrlich leidgeprüft. Doch Israel hat nicht nur allen Grund, sein Überleben zu begießen. Es hat genauso allen Grund, um seine Existenz zu bangen. Die Verfolgung ist die Grunderfahrung des jüdischen Volkes – bis hin zum Holocaust, der als Kollektivtrauma vererbt wird an die nachfolgenden Generationen. Andere Nationen haben sich ihren Staat erkämpft, die Juden haben ihn sich erlitten.

Nach dem Buch Esther staerkte sich die Koenigin Esther durch Fasten und Beten, um mit ihrem Anliegen zum Koenig vorzudringen und Gehoer zu finden. Fasten und Beten selber aber reichten keineswegs aus, um den Genozid zu verhindern. Die Koenigin erhielt nur die Erlaubnis, dass sich Juden in Persien praeventiv (einen Tag vor dem geplanten Genozid) gegen ihre moechte-gern Moerder wehren durften. Das “Gemetzel an den Feinden” – wie Muench formuliert, folgte nicht auf die Errettung, sondern war die Rettung, naemlich der Sieg in einem Kampf, der andernfalls mit der Vernichtung der juedischen Bevoelkerung in Persien geendet haette.

Der Unabhaengigkeitskrieg 1948/49 wurde nicht durch Transparente mit Schreckensbildern des Holocaust gewonnen, sondern im Kampf. Von allen Kriegen Israels hat der Unabhaengigkeitskrieg die meisten Gefallenen und Verletzten gekostet.

Wer angesichts dieser allgemein bekannten Fakten so formuliert wie Muench, hat ein tiefsitzendes Problem mit Juden, die sich ihrer Haut zu wehren wissen. Dass Muench eigenartige Emotionen in die Quere kommen, zeigt auch sein Schlussatz:

Es ist das Mantra vom “Nie wieder” – verbunden mit dem Anspruch des Anführers, als Retter und vielleicht auch Rächer eine neue Katastrophe abzuwenden.

Als gewaehltes Regierungsoberhaupt hat Netanyahu nicht den “Anspruch” des Anfuehrers, sondern diese Aufgabe. “Retter” mag ja noch hingehen, aber wo kommt der  “vielleicht auch Raecher” her, wenn nicht vom antisemitischen Mythos der juedischen Rachsucht? Meint Muench wirklich, dass Netanyahu sich noch fuer Haman an Persien raechen moechte? Wenn ja, warum waren die Beziehungen zum Iran unter dem Schah so gut?

Antisemitische Mythen: “Landraub”


Ich moechte eine neue Serie beginnen, in der ich auf antisemitischen Themenfelder eingehe. Zielgruppe sind natuerlich nicht die Antisemiten selber – die sind unbelehrbar – sondern Menschen, die sich mit den verschiedenen Themengebieten nie naeher befasst haben und sich daher keine eigene Meinung gebildet haben. Leider ist die Berichterstattung vor allem in Europa immer deutlicher von anti-israelischen und anti-juedischen Ressentiments gepraegt, so dass der normale Medienkonsument ueberwiegend verzerrte Darstellungen serviert bekommt.

Ich beginne mit dem Thema “Landraub”, weil ich dazu einen fast fertigen Text auf dem Rechner habe. Der Hintergrund war, dass mir bei einer Online-Zeitung ein Kommentarschreiber auffiel, der sich auf dieses Thema versteifte und es auch dort anbrachte, wo wirklich kein Zusammenhang bestand. Da dieser Mann mit Klarnamen kommentierte, konnte ich ihn leicht ausfindig machen und weil es sich um jemand handelt, mit dem ich zu den meisten Themen eine gemeinsame Sprache haben sollte, habe ich ihn angemailt. In seiner ersten Antwort schrieb er:

Es finden regelmaessig ‘Restitutionen’ von Werten statt, die waehrend der Zeit des Dritten Reiches unrechtmaessig enteignet worden sind. Ich will jetzt nicht argumentieren ob zu Recht oder nicht. Man koennte ev diskutieren, warum die Sudetendeutschen z.B. nicht das selbe Privileg haben sollten.
 
Im Falle Palaestinas stellt sich doch sicher die Frage, ob alle Eigentumsfragen denselben strengen iuristischen Tests standhalten wuerden. Man muesste bei jedem einzelnen Grundstueck genauestens die Sachlage pruefen.

Wir sehen, dass hier Palaestinenser,  Sudentendeutschen und im 3. Reich verfolgte Juden gleichgestellt werden. Ganz uebersehen wird der offensichtliche Unterschied: Die Sudetendeutschen und die Palaestinenser gehoeren einem Kollektiv an, das einen Aggressionskrieg gefuehrt und verloren hat, was den Juden nur schwer nachgesagt werden kann. Selbst der Artikel im Daily Express vom 24.03.1933, der hier symptomatischerweise vom Radio Islam aufgegriffen wird, beschreibt unter der reisserischen Ueberschrift “Judea declares war on Germany” nur Boykottaktionen als Reaktion auf den Terror, die Gewalt und Unterdrueckungsmassnahmen gegen deutsche Juden:

Sectional differences and antagonisms have been submerged in one common aim – to stand by the 600,000 Jews of Germany who are terrorised by Hitlerist anti-Semitism, and to compel Fascist Germany to end its campaign of violence and suppression directed against its Jewish minority.

Ich glaube, der Mythos, dass Juden einen Aggressionskrieg gegen Deutschland gefuehrt haetten, ist bisher nur bei extremen Antisemiten verbreitet. Daher mache ich mir nicht die Muehe, ihn detailliert ad absurdum zu fuehren.

Dagegen ist der Mythos, Juden haetten einen Aggressionskrieg gegen Palaestinenser gefuehrt und ihnen dabei ihr Land geraubt, weit verbreitet:

Natuerlich gab es keinen Staat Palaestina. Bis zum 1. Weltkrieg gehoerte dieser Teil des Nahen Ostens zum Osmanischen Reich. Das Britsche Imperium (Aegypten) und Frankreich (Libanon, Syrien) hatten territoriale Ambitionen. Juden dagegen mussten enorme buerokratische Huerden ueberwinden und hohe Preise zahlen, um Immobilien zu erwerben.  Auch unter der Britischen Mandatsregierung aenderte sich die Situation nicht wesentlich: Die buerokratischen Huerden wurden reduziert, aber gleichzeitig auch die Korruption, mit der die Huerden umgangen werden konnten.

Alles Land, das Juden vor 1948 erwarben, haben sie daher rechtmaessig gekauft und haeufig ueber dem Marktpreis bezahlt. Das waren immerhin ca. 7% des heutigen Staatsgebiets und der 1967 besetzten Gebiete, wie diese Karte von “Palestine Remembered” belegt, die den “Landraub” Israels dokumentieren soll. Diese ca. 7% befanden sich in einwandfrei belegtem, juedischen Privatbesitz. Demgegenueber befanden sich die restlichen 93% des Landes nicht in arabischem Privatbesitz. “Palestine Remembered” vermengt absichtlich die Kategorien von arabischem Privatbesitz und oeffentlichem Land.

Durch die Staatsgruendung Israel uebernahm der Staat Israel die Rechtsnachfolge des Britischen Mandats, das wiederum der Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches war. Alles oeffentliche Land wurde daher voellig rechtlich in israelischen Staatsbesitz ueberfuehrt. Verschiedentlich wird angefuehrt, dass Landbesitzer im Osmanischen Reich ihre Besitzansprueche nicht formalisierten, um keine Steuern darauf zahlen zu muessen. Das Osmanische Reich soll auch eine langfristige Strategie verfolgt haben, moeglichst viel kommunalen Grundbesitz in Staatsbesitz zu verwandeln. Beides mag zutreffen, kann aber schwerlich Israel angelastet werden.

“Landraub” kann nur vorliegen, wo Grundbesitz aus arabischem Privatbesitz ohne angemessene Entschaedigung enteignet wurde/wird. Dagegen koennen Palaestinenser vor dem Obersten Gerichtshof in Israel klagen und tun das auch, teilweise mit Erfolg. Der Verlauf der Sperranlage zum Westjordanland muss in mehr als einem Fall geaendert werden, weil das Oberste Gericht den palaestinensischen Klaegern Recht gab. (Ha’aretz ist eine sehr regiergungskritische, links orientierte Zeitung)

Waehrend den Unruhen, die in den Unabhaengigkeitskrieg muendeten und waehrend des Kriegs, verliessen viele Araber Gebiete, die spaeter zum Staatsgebiet Israels wurden.

In diesem, ebenfalls antiisraelisch ausgerichtetem Text, wird dieser Grundbesitz mit 2.4 Millionen Dunam angegeben, das waeren, wenn wir mit den Zahlen unter der oben verlinkten Karte vergleichen, ca. 10% des heutigen Staatsgebiets und der 1967 besetzten Gebiete. Das ist wahrscheinlich hoch gegriffen, ebenfalls in der Absicht, Israel “Landraub” vorzuwerfen.

Nach der Staatsgruendung uebertrug der neue Staat Grundbesitz von geflohenen Personen nach und nach an den Jewish National Fund, diesselbe Organisation, die vor der Staatsgruendung mit juedischem Geld Land im Mandatsgebiet gekauft hatte. 1960 wurde die  Israel Land Administration gegruendet, um den Grund im Staatshaenden zu verwalten. Die verschiedene Herkunft des Grundes wird aber weiterhin dokumentiert und dazwischen unterschieden:

In 1960 under Basic Law: Israel Lands, JNF-owned land and government-owned land were together defined as “Israel lands,” and the principle was laid down that such land would be leased rather than sold. The JNF retained ownership of its land, but administrative responsibility for the JNF land, and also for government-owned land, passed to a newly created agency called the Israel Land Administration or ILA.

Of the total land in Israel in 1997, the Israel Government Press Office statistics say 79.5% is owned by the government, 14% is privately owned by the JNF, and the rest, around 6.5%, is evenly divided between private Arab and Jewish owners. Thus, the ILA administers 93.5% of the land in Israel.

George E. Bisharat stammt aus einer palaestinensischen Familie. Seinen Text LAND, LAW, AND LEGITIMACY IN ISRAEL in “The American University Law Review” verfasste er unter der Praemisse,  dass der Zionismus ein kolonialistisches Projekt sei. Er steht Israel alles andere als positiv gegenueber. Trotzdem geht klar aus seinem Text hervor, dass Israel das Thema Grundbesitz auf legale Art anging. Bisharat haelt auch fest, dass es keineswegs eine sofortige und eindeutige Entscheidung gab, den Grundbesitz geflohener Araber zu enteignen. Tatsaechlich konnten Zehntausende der Fluechtlinge unbehindert zurueckkehren. Nach und nach uebernahm der Staat Grundbesitz, zum einen in grenznahen Gebieten, als Schutzmassnahme gegen feindliche Infiltration, zum anderen zur Unterbringen von Hunderttausender juedischer Fluechtlinge aus arabischen Staaten. (504 ff).

Mein Gegenueber akzeptierte meine Antwort natuerlich nicht:

Na wenn Sie das alles glauben dann ist Ihnen nicht zu helfen
 
Britisches Mandat war genauso legal wie das Generalgouvernement Polen, nur da regt sich die (zionistisch dominierte) ‘Weltmeinung’ ja nicht auf.

Der Witz ist, dass ich meine Argumentation fast ausschliesslich auf anti-israelischen Quellen aufgebaut hatte, denen Antisemiten normalerweise alles glauben. Auch die Legitimitaet des Britischen Mandats kann eigentlich nur bestritten werden, wenn Voelkerrecht insgesamt abgelehnt wird. Aber die Palaestinenser begruenden  ihre Beschwerden und Forderungen  vor allem mit Voelkerrecht.

Das ist ein klares Symptom fuer Antisemitismus: Logik, Konsistenz spielen keine Rolle. Solange es gegen Juden geht, kann dasselbe Gesetz mal heilig, mal voellig unberechtigt sein.

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