Ein Insider-Handbuch zur wichtigsten Story der Welt


Das englische Original von Matti Friedman wurde gestern auf Tablet veroeffentlicht.

Bis Mitternacht habe ich den Text ins Deutsche uebersetzt. Ich habe versucht, Tablet und Matti Friedman zu erreichen, um mir eine Genehmigung fuer die Uebersetzung zu holen. Bis jetzt habe ich noch keine Antwort erhalten.

Die Veroeffentlichung des uebersetzten Texts geschieht also unter Vorbehalt. Notfalls muss ich ihn wieder aus dem Blog loeschen.

Ein Insider-Handbuch zur wichtigsten Story der Welt

Ein ehemaliger AP Korrespondent erklärt wie und warum Reporter Israel missverstehen und wieso das etwas ausmacht

Die Israel-Story

Blieb irgendetwas zu Israel und dem Gazstreifen noch ungesagt? Diesen Sommer sind die Zeitungen voll davon. Fernsehzuschauer sehen Trümmerhaufen und Wolkensäulen schon im Schlaf. Ein repräsentativer Artikel aus der jüngsten Ausgabe des “The New Yorker” beschriebt die Ereignisse dieses Sommers, indem er je einen Satz für den Horror in Nigeria und in der Ukraine verwendet, vier Sätze für die fanatischen Völkermörder von ISIS und den Rest des Artikels –  30 Sätze für Israel und den Gazastreifen. Wenn die Hysterie nachlässt, werden die Geschehnisse im Gazastreifen von der Welt nicht als besonders wichtig erinnert werden, glaube ich. Leute wurden getötet, die meisten davon Palästinenser, einschliesslich vieler unbewaffneter Unschuldiger. Ich wünschte, dass die Tragödien ihres Todes oder des Tods der israelischen Soldaten irgendetwas verändern würden, dass sie einen Wendepunkt markieren. Aber das tun sie nicht. Diese Runde war nicht die erste in den arabischen Kriegen gegen Israel und wird nicht die letzte sein. Die israelische Kampagne war kaum anders als andere, die von einer westlichen Armee gegen einen vergleichbaren Gegner geführt wurden, ausser dass die Bedrohung der eigenen Bevölkerung viel unmittelbarer war und dass grössere, wenn auch vergebliche Anstrengungen gemacht wurden, zivile Opfer zu vermeiden.

Die Bedeutung dieses Sommerkriegs liegt meiner Meinung nach nicht im Krieg selber. Sie liegt vielmehr darin, wie dieser Krieg im Ausland beschrieben und wie auf ihn reagiert wurde, und wie dadurch alte, verquere Denkmuster wieder auflebten und von den Rändern in die Mitte des westlichen Diskurses wanderten – nämlich eine feindselige Obsession mit Juden. Continue reading

Grenzuebergang fuer Menschen


Kerem Shalom ist der Grenzuebergang, ueber den Waren in den Gazastreifen transportiert werden. Wir haben schon gesehen, dass Hamas Kerem Shalom staendig unter Moerserbeschuss nimmt.

Ueber den Grenzuebergang Erez findet der Personenverkehr statt. Das sind vor allem Patienten aus dem Gazastreifen, die zur Behandlung in israelische Krankenhaeuser kommen.

Heute morgen wurde dieser Grenzuebergang von Hamas unter Beschuss genommen und zwar gerade als eine Gruppe Kranker aus dem Gazastreifen nach Israel einreisen sollte. Drei  Vier arabische Israelis, die in diesem Grenzuebergang arbeiten – und zwar als Taxifahrer (vermutlich weil sie mit den Einreisenden in ihrer eigenen Sprache sprechen koennen) – wurden verletzt, zwei davon schwer.

Israel soll wohl gezwungen werden, aus Ruecksicht auf die eigenen Buerger, den Grenzuebergang Erez zu schliessen. Ins Feldlazarett duerfen Kranke und Verletzte aus dem Gazastreifen ja auch nicht, wenn es nach der Hamas und ihren westlichen Unterstuetzern, wie z.B. Frau Kunze geht.

Israel haelt den Grenzuebergang trotzdem offen und laesst Patienten aus dem Gazastreifen zur Behandlung nach Israel.

Humanitaere Katastrophe gefaellig?

Sehr guter Hintergrundartikel in der Basler Zeitung


Lest:  Die Gefahr der Hamas ist unterirdisch

Waffenstillstand – wie gehabt III


Heute bat Hamas um weitere 12 Stunden humanitaerer Waffenruhe, beginnend 14:00 Ortszeit, schiesst aber auch nach 14:00 Raketen aus Israel.

U
Despite announcement of truce Hamas claims responsibility for rocket barrage fired at Israel in past hour
(15:15 , 07.27.14)
Code Red siren sounds in Sdot HaNegev and Eshkol
(14:45 , 07.27.14)
Rocket explodes in open area in Hof Ashkelon Regional Council
(14:41 , 07.27.14)
Egypt’s army destroys 13 tunnels connecting between Sinai and Gaza Strip
(14:26 , 07.27.14)
Three rockets explode outside communities in Eshkol; no injuries
(14:22 , 07.27.14)
Pope: World War I should teach us: No more war
(14:09 , 07.27.14)
Code Red siren sounds in Hof Ashkelon
(14:06 , 07.27.14)
Report: IDF strikes al-Aqsa Radio Studio in Gaza city
(14:00 , 07.27.14)
Hamas says agrees to new 24-hour humanitarian truce in Gaza starting at 2 pm
(13:26 , 07.27.14)

 

Kollektivstrafe


Die NZZ ist sich sicher, dass die internationalen Fluggesellschaeften ihre Fluege von und nach Tel Aviv aussetzen, weil sie die Konsequenzen aus der Gewalt ziehen. Und damit keine Zweifel daran aufkommen, welche Gewalt gemeint sein kann, verkuendet der vorhergehende Satz im Untertitel und der Anspann zur Schlagzeile “Mehr als 600 Tote im Gazastreifen”. Mit der in der Naehe des Flughafens niedergegangenen Rakete und der von den Fluggesellschaften beschworenen Sorge um die Sicherheit ihrer Maschinen und Passagiere hat das ja wohl gar nichts zu tun.

Ich moechte noch einmal darauf hinweisen, dass die Fluege nach Pakistan nicht eingestellt wurden, obwohl es dort zu mehr als einem Angriff auf Flughaefen kam.

Mit der Stornierung von so vielen Fluegen, vor allem jetzt in der Urlaubszeit, wird eine Kollektivstrafe ueber Israelis verhaengt. Ich dachte, dass Kollektivstrafen voelkerrechtlich verboten sind?! Oder ist es hier wie auch bei anderen Punkten des Voelkerrechts so, dass ein Recht fuer Israel (witzige Satire zum Thema) und ein anderes fuer den Rest der Welt gilt (und noch eine Extrawurst fuer Muslime).

Wenn wir schon bei Kollektivstrafen sind: Mir scheint, dass die ueberhoehten Strompreise, die der normale israelische Steuerzahler berappen muss, weil die Politik sich nicht erlauben kann, den Palaestinensern den Strom abzuschalten, obwohl sie nicht dafuer bezahlen, auch eine Kollektivstrafe darstellen.

Humanitaerer Waffenstillstand – wie gehabt


Schon waehrend “Gegossenem Blei” hat Israel regelmaessig humanitaere Feuerpausen eingehalten, die von Hamas fuer Raketenabschuesse genutzt wurden.

Auch dieses Mal sind weitere Raketen nach Eintreten der Waffenruhe abgeschossen worden.

Auch nach 12:00 Uhr, zwei Stunden nach Beginn der Waffenruhe, werden noch Raketen abgefeuert.

Und Punkt 15:01 Raketenalarm in Ashkelon

Die Zukunftstraeume der palaestinesischen Bevoelkerung


Das Washington Institute hat in der vergangenen Woche durch ein fuehrendes palaestinesisches Meinungsforschungsinstitut eine Befragung der palaestinensichen Bevoelkerung im Gazastreifen und im Westjordanland durchfuehren lassen. Insgesamt 1200 Personen wurden befragt und zwar in persoenlichen Interviews. Die statistische Fehlerbereich ist 3%. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Palaestinenser keinen Staat Palaestina neben einem Staat Israel wollen: Slide1

Der Text auf der Folie ist schwer leserlich, daher hier die zentralen Fragen ins Deutsche uebersetzt mit den Antworten:

 

1. Das wichtigste palestinensische nationale Ziel fuer die naechsten 5 Jahre ist:

Das Ziel sollte sein, Westbank Gaza-streifen Insgesamt
auf die Rueckgewinnung des gesamten histoirschen Palaestinas vom Jordan bis zum Meer hinzuarbeiten 55.4% 68.4% 60.3%
die Besetzung der Westbank und des Gazastreifens zu beeinden und eine 2-Staatenloesung zu erreichen 30.6% 21.8% 27.3%
auf eine 1-Staatenloesung im ganzen Land hinzuarbeiten: ein Staat, in dem Araber und Juden die gleichen Rechte haben, in einem Land, vom Jordan bis zum Meer 11.2% 8.2% 10.1%
Keine Meinung/ Weiss nicht 2.8% 1.6% 2.3%

Slide 2

 

 

 

 

 

2. Wenn es der pal. Fuehrung gelingen sollte, eine 2-Staatenloesung mit Israel auszuhandeln,

Meinen Sie, Westbank Gaza-streifen Insgesamt
Das wuerde das Ende des Konflikts mit Israel sein 32.3% 30.4% 31.6%
Der Widerstand sollte weitergehen, bis das gesamte, historische Palaestina befreit ist 63.2% 65.3% 64.0%
Keine Meinung/ Weiss nicht  4.5%  4.2%  4.4%

3. Wenn die pal. Fuehrung ueber eine 2-Staaten-Loesung mit Israel verhandelt,

Meinen Sie, Westbank Gaza-streifen Insgesamt
Das waere das Endziel 30.7% 21.3% 27.2%
Das waere ein Teil des “Stufenplans” zur Befreiung des gesamten, historischen Palaestinas zu einem spaeteren Zeitpunkt 62.5% 69.8% 65.2%
Keine Meinung/ Weiss nicht 6.8% 8.9% 7.6%

Fuer mein Teil bin ich von diesen Ergebnissen keineswegs ueberracht: “Suddenly!”Die Palaestinenser strebten schon zu der Zeit, als sie sich noch nicht als Palaestinenser definiert hatten, immer die Kein-Staat-Israel Loesung an. Was nach der Zerstoerung Israels kommen soll, blieb und bleibt im Ungewissen: der Staat Palaestina oder Provinz Suedsyrien oder vielleicht Anschluss ein das Kalifat, das derzeit von ISIS in Syrien und Irak gegruendet wird?

Sehr klar kommt zum Ausdruck, dass die pal. Bevoelkerung davon ausgeht, dass ihre Politiker nicht in gutem Glauben mit Israel verhandeln, sondern jedes Zugestaendnis nur als weitere Stufe auf dem Weg zur endgueltigen Zerstoerung Israels auffassen. Und damit vertreten die pal. Politiker auch genau den Bevoelkerungswillen, die auch bei Gruendung eines Staates Palaestina neben Israel den Kampf gegen Israel bis zu dessen Zerstoerung fortsetzen wollen.

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