Ode an ein altes Haus


Wir sind an diesem Wochenende umgezogen, in unsere eigene Wohnung. Die Kartons sind fast alle ausgepackt. Die Wohnung wird langsam zum Zuhause, und dem Garten werden wir uns auch noch widmen, vorlaeufig ist er wuest und leer.

Ich bin immer noch dankbar, dass wir die Zeit zwischen dem Verlassen unserer vorigen Wohnung und dem Bezug der neuen so gut ueberbruecken konnten.

Das Uebergangshaus steht in einem alten Stadtviertel nicht weit vom Konservatorium und Theater. Als wir den Mietvertrag unterschrieben und beim Einzug lernten wir den Mann kennen, der es zum grossen Teil mit eigenen Haenden gebaut und in ihm fuenf Kinder grossgezogen hatte. Als Witwer verliess er das Haus und zog in eine Nachbarstadt. Dann verkaufte er das Haus an einen seiner Soehne. Der wollte eigentlich mit seiner Frau und den drei Buben in diesem Sommer beziehen. Deswegen bekamen wir es fuer ein paar Monate.

Das Haus ist alt und muesste dringend renoviert werden. Aber es hat viel Charme und eine gute Substanz. Vor allem spuert man, dass es mit viel Liebe und Sinn fuer’s Detail gebaut wurde. Der kleine Balkon im Obergeschoss ist z.B. ideal um Bettzeug zu lueften.

Eingang mit Fahne

Hier der Eingang vom Hof mit Fahne, weil kurz vor dem Unabhaengigkeitstag aufgenommen.

Hof mit Sitzecke und Waeschestaender

Das ist eine Ecke des Hofs, mit unserem Balkontisch und Stuehlen. Es war sehr schoen, hier in der Fruehlingssonne zu sitzen.

Gitter vom Hof auf den Weg mit Faehnchen

Blick ueber Mauer und Ziergitter zu den Nachbarn. Im mittleren Haus uebrigens eine sehr nette, arabische Familie aus Nazareth.

Dem Kater hat es auch gut gefallen.

Dem Kater hat es auch gut gefallen.

Die Kueche ist sehr eng und klein, aber etwas zum Naschen findet man(n) immer.

Die Kueche ist sehr eng und klein, aber etwas zum Naschen findet man(n) immer.

Blick von der Kueche

Blick aus der Kueche auf buegelnde Tochter

Kartonberg in der Essnische

Kartonberg in der Essnische

Was vom Wohnraum uebrig blieb

Was vom Wohnraum uebrig blieb

unteres Badezimmer

unteres Badezimmer

Unter der Treppe hatte ich die Kartons beiseitegeraeumt, damit im Fall von Raketenalarm ein halbwegs geschuetztes Fleckchen existiert. Zum Glueck haben wir es nicht gebraucht.

Unter der Treppe hatte ich die Kartons beiseitegeraeumt, damit im Fall von Raketenalarm ein halbwegs geschuetztes Fleckchen existiert. Zum Glueck haben wir es nicht gebraucht.

oberer Flur mit Waeschekorb

oberer Flur mit Waeschekorb

Maedchenzimmer 1 mit dem typischen Durcheinander

Maedchenzimmer 1 mit dem typischen Durcheinander

Maedchenzimmer 2 mit Durcheinander

Maedchenzimmer 2 mit Durcheinander

Schlafzimmer der Eltern

Schlafzimmer der Eltern

Oberes Badezimmer

Oberes Badezimmer

Das vierte Zimmer diente als Speicher fuer leere Kartons und andere Sachen, die wir gerade nicht brauchten.

Das vierte Zimmer diente als Speicher fuer leere Kartons und andere Sachen, die wir gerade nicht brauchten.

Blick in den Garten hinten.Der Olivenbaum und die Palme leben noch und dem Zitronenbaum sind dieses Fruehjahr neue Triebe gewachsen. Dieses verwahrloste Gaertchen bot ideale Bedingungen fuer eine Katzenmutter. Wir haben natuerlich gefuettert und Wasser hingestellt. Die Jungen wurden zwei Tage vor unserem Umzug von der Mutter in die Selbstaendigkeit vertrieben.

Blick in den Garten nach hinten mit jungen Katzen.  Der Olivenbaum und die Palme leben noch und dem Zitronenbaum sind dieses Fruehjahr neue Triebe gewachsen. Das verwahrloste Gaertchen bot ideale Bedingungen fuer eine Katzenmutter. Wir haben natuerlich gefuettert und Wasser hingestellt. Die Jungen wurden zwei Tage vor unserem Umzug von der Mutter in die Selbstaendigkeit vertrieben.

Nahaufnahme

Nahaufnahme

Im vorderen Hof versuchte ich mit Blumentoepfen einen Ersatzgarten zu schaffen. Leider verwackelt

Im vorderen Hof versuchte ich mit Blumentoepfen einen Ersatzgarten zu schaffen. Leider verwackelt

NZZ: Joerg Bischoff mit den alten Tricks


Joerg Bischoff ist in diesem Blog bereits fuer die antiisraelischen und antijuedischen Tendenzen in seinen Texten behandelt worden. 

Auch wenn es jetzt um Syrien geht, kann er es nicht lassen.

Nach den Aufstaendischen in Syrien faellt ihm ausschliesslich Israel ein, das “starken Druck” auf die USA ausuebe.

Fuer mein Teil erinnere ich mich an starken Druck aus Grossbritannien und aus Frankreich. Selbst der US Verteidigungsminister scheint Druck ausueben zu wollen.

Aber das ist nicht relevant, wenn es darum geht, wieder einmal Israel als Kriegstreiber in der Region darzustellen.

Die vorsichtigen Formeln, mit denen Präsident Obama seine Informationen umschrieb, zeigen, dass auch Washington falsche oder falsch interpretierte Berichte fürchtet. 

behauptet Joerg Bischoff. Mir scheint, dass die schwammingen Formulierungen vor allem zeigen, dass die USA nicht das geringste Interesse daran haben, in Syrien einzugreifen. Diese Haltung ist aus meiner Sicht vernuenftig. Das einzige Problem fuer Obama ist, dass er selbst unbedachterweise den Einsatz von chemischen Waffen als “rote Linie” definiert hat und sich damit selbst eingeengt hat.

Im Nahen Osten macht es sich nicht gut, erst zu drohen und nachher zu kuschen. Obama stellt Theodore Roosevelts Rat “Speak softly and carry a big stick” auf den Kopf: “Poltere drohend und habe nichts in der Hinterhand.”

In diesem Fall ist die Berichterstattung in der FAZ von deutlich hoeherem Niveau als in der NZZ.

Reality Check


Das Palestinian Center for Policy and Survey Research (PSR) hat Mitte Dezember 2012 die 46. Umfrage durchgefuehrt und die Ergebnisse am 13. Januar 2013 veroeffentlicht. Das sind die aktuellsten palaestinensischen Meinungsdaten, die uns zur Verfuegung stehen.

Ich schlage vor, dass wir uns dessen Ergebnisse naeher ansehen.

Im Dezember standen die befragten Palaestinenser noch unter dem Eindruck des Krieges zwischen dem Gazastreifen und Israel.
Sie sind ueberzeugt, dass Hamas in diesem Konflikt ueber Israel gesiegt hat.

26) Im letzten Krieg zwischen Hamas und Israel, wer war nach Ihrer Ansicht der Gewinner?
Insgesamt; Gazastreifen; West Bank
Hamas 80.9; 75.2; 84.4 
Israel 3.3; 2.9; 3.5
Keine der beiden Seiten 12.5; 16.9; 9.8

Dabei ist den Befragten auch klar, wer Hamas aufgeruestet hat:

31) Wer von den folgenden Parteien gab Hamas Ihrer Meinung nach die Faehigkeit, Israel gegenueberzutreten und waehrend des ganzen letzten Krieges weiter Raketen abzufeuern?
Insgesamt; Gazastreifen; West Bank
Iran 38.9; 40.8; 37.7 
Hamas selber 29.3; 29.2; 29.3
Aegypten 20.1; 17.4; 21.7

Wenn dieser Krieg ein Erfolg war, dann sind die angewendeten Methoden natuerlich richtig:

30) Angesichts des Kriegsausgangs zwischen Hamas / anderen Widerstandsgruppen und Israel, welche Methode ist Ihrer Meing nach die beste, um die israelische Besatzung zu beenden und einen pal. Staat zu bauen? Hamas’ Methode oder Abbas Methode?
Insgesamt; Gazastreifen; West Bank
Hamas 55.6; 66.1; 59.6
(addiert aus “sicher Hamas” und “Hamas”)
Abbas 31.8; 21.4; 27.9
(addiert aus “sicher Abbas” und “Abbas”)

Sollten demnaechst Wahlen durchgefuehrt werden, dann bekaeme Hamas unter Haniyyah  die Haelfte aller der Stimmen und  wenn Marwan Barghouti als Dritter im Rennen waere, sogar die relative Mehrheit.

16) Wenn neue Praesidentschaftswahlen durchgefuehrt wuerden und Fata Mahmud Abbas nomierte und Hamas Ismail Haniyyah, wem wuerden Sie Ihre Stimme geben?
Insgesamt; Gazastreifen; West Bank
Haniyyah 45.0; 51.9; 47.7
Abbas 45.1; 43.8; 44.6

17) Und wenn die Abstimmung zwischen Marwan Barghouti, Ismail Haniyyah und Mahmud Abbas waere, wen wuerden Sie waehlen?
Insgesamt; Gazastreifen; West Bank
Haniyyah 42.5; 42.2; 42.3
Barghouti 24.2; 36.5; 29.3
Abbas 30.7; 21.4; 26.9

Kurz vor der Umfrage durch PSR hatte Hamas deutlich vermittelt, wie sie zu Israel steht:

“We are not giving up any inch of Palestine. It will remain Islamic and Arab for us and nobody else. Jihad and armed resistance is the only way,” Mashaal said, referring to holy war. “We cannot recognize Israel’s legitimacy.”

Vor diesem Hintergrund dokumentierter nicht-Friedfertigkeit und nicht-Kompromissbereitschaft, sollte es nicht wunder nehmen, dass eine Mehrheit der Palaetinenser die Parameter fuer die sogenannte Zwei-Staaten-Loseung ablehnt:

Unter 32) werden diese Parameter folgendermassen  zusammengefasst:

1) Israels Abzug aus dem gesamten Gazastreifen und Raeumung der Siedlungen (was 2005 schon passiert ist), in der Westbank zieht Israel ab und raeumt die meisten Siedlungen, mit Ausnahme weniger Siedlungen auf weniger als 3% der Westbank, die durch Gebiete in derselben Groesse abgegolten werden.

2) Ein unabhanegiger Staat Palaestina wird in den Gebieten in der Westbank und im Gazastreifen errichtet. Er verfuegt ueber keine Armee, aber eine starke Sicherheitstruppe und internationale, mulitnational Trupppen sichern die Sicherheit des Staates.

3) Ostjerusalem wird die Hauptstadt Palaestinas, die arabischen Viertel kommen unter pal. Souveraeinitaet, juedische Viertel unter israelische, die Altstadt kommt zu Palaestina, mit Ausnahme des juedischen Virtels und der Klagemauer, die zu Israel gehoeren.

4) Hinsichtlich der Fluechtlingsfrage: Beide Seiten stimmen ueberein, dass die Loesung auf den Un Resolutionen 194 und 242 beruhen wird und auf dem arabischen Friedensplan. Die Fluechtlinge bekommen 5 Optionen zur Auswahl: im Staat Palaestina, ohne jede Einschraenkung, dauerndes Aufenthaltsrecht in Gastlaendern, dritten Laendern und Israel unterliegt der Entscheidung der betreffenden Staaten. Die Anzhl der Fluechtlinge, die nach Israel zurueckkehren koennen, wird auf Durchschnitt der Fluechtlinge in Drittlaender wei Australien, Kanada, Europa und anderen beruhen. Alle Fluechtlinge haben das Recht auf Entschaedigung fuer ihren Fluechlingsstatus und Verlust an Eigentum.

5) Wenn alle Vereinbarungen voll umgesetzt sein werden, bedeutet das das Ende des Konflikts und keine Seite kann weitere Forderungen erheben.

6) Der Staat Paelestina hat Souveraenitaet ueber sein Land, Wasser und die Lufthoheit. Israel darf jedoch den Luftraum fuer Trainingsfluege nutzen und hat zwei Fruehwarhnstaionen im Westjordanland fuer 15 Jahre lang. Die multinationalen Truppen bleiben zeitlich unbefristet und in ihre Verantwortung faellt es, die Umsetzung des Abkommens zu kontrollieren und die Grenzen und Kuesten samt der Greanuebergaenge des Staates Palaestina zu ueberwachen.

Zu 1) gibt es im Gazastreifen eine Mehrheit – schliesslich ist der Gazastreifen bereits vollstaendig geraeumt und judenrein, aber nicht in der Westbank.
Insgesamt; Gazastreifen; West Bank
53.2; 67.3; 44.6
(addiert aus “stimme voll zu” und “stimme zu”)

Zu 2) – keine eigene Armee, aber starke Sicherheitskraeft – gibt es eine klare Ablehnung:
Insgesamt; Gazastreifen; West Bank
70.8; 68.3; 72.2
(addiert aus “stimme ueberhaupt nicht zu” und “stimme nicht zu”)

Zu 3) – nicht ganz Jerusalem kommt unter pal. Souveraenitaet
ist die Ablehnung nicht weniger eindeutig:
Insgesamt; Gazastreifen; West Bank
69.7; 71.4; 68.6
(addiert aus “stimme ueberhaupt nicht zu” und “stimme nicht zu”)

Zu 4) Fluechtlinge haben 5 Optionen faellt die Ablehnung nicht ganz so deutlich aus. Im Gazastreifen liesse sich dafuer sogar eine knappe Mehrheit finden.
Insgesamt; Gazastreifen; West Bank
56.2; 48.1; 61.2
(addiert aus “stimme ueberhaupt nicht zu” und “stimme nicht zu”)

Zu 5) Ein Ende des Konflikts kaeme durch:
Insgesamt; Gazastreifen; West Bank
58.9; 70.7; 51.7
(addiert aus “stimme voll zu” und “stimme zu”)

Zu 6) Souveraener Staat mit Sicherheitsvereinbarungen ist die Ablehnung wieder klar. Im Gazastreifen faende sich dafuer wieder eine Mehrheit, dort hat man schon erlebt, wie leicht “Polizei” zur Armee wird, und wie schnell internationale Beobachter das Weite suchen.
Insgesamt; Gazastreifen; West Bank
53.2; 36.2; 63.5
(addiert aus “stimme ueberhaupt nicht zu” und “stimme nicht zu”)

7) Gesamtpaket aller 6 Punkte – ueberwiegend Ablehnung:
Insgesamt; Gazastreifen; West Bank
55.8; 46.7; 61.4
(addiert aus “stimme ueberhaupt nicht zu” und “stimme nicht zu”)

Israel wird unterstellt, dass es keinen Frieden, sondern stattdessen Expansion und Vertreibung anstrebt:

41) Was meinen Sie ist Israels langfristiges Ziel?
Ausdehnung der israelischen Grenzen, um das gesamte Gebiet zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer und Vertreibung seiner arabischen Buerger.
Insgesamt; Gazastreifen; West Bank
60.5; 53.5; 64.8.

Zur Frage 44-5), ob die Palaestinenser wieder zu einer bewaffneten Intifada und Konfrontationen greifen sollten, ist man geteilter Meinung. Im Gazastreifen sind die Menschen trotz des “Siegs” derzeit wohl etwas kriegsmuede.
Insgesamt; Gazastreifen; West Bank
Dafuer 50.8; 43.8; 62.2;
Dagegen 48.5; 55.2; 37.5

Klarer Fall, Netanyahu blockiert die 2-Staatenloesung und es geht ausschliesslich um Land, nicht wahr?!

Chag sameach vekasher


Pessach Kibbutz 2013

Das Geschenk des Kibbutz’: Organisches Gemuese, Selleriestangen, Roemischer Lattich – beides kann als Bitterkraut auf der Sederplatte mitwirken, und eine Pizzaplatte, Pizza ist Chametz und ganz unvereinbar mit Pessach.

Ein palaestinensisches Dorf in Familienbesitz und sein Kinderstar


Als “Shirley Temper” (von Shirley Temple wegen der rotblonden Locken und ihrem temperamentvollen Auftreten) wird in der englischsprachigen-israelischen Bloggerszene Ahed (oder Ah’d) Tamimi bezeichnet.

Das 11- bis 13jaehrige Maedchen wurde durch ein Video bekannt, wo sie umsonst versucht, einen israelischen Soldaten zu provozieren. Sie tritt anscheinend prinzipiell in Begleitung von  Fotographen auf. Die fotographierende Frau ist offensichtlich die Mutter, Neriman (oder Nariman) Tamimi, und die fotographiert fuer B’Tselem.

Das Maedchen und ihre Mutter haben die letzte Dezemberwoche fuer einen Besuch in der Tuerkei genutzt, auf Einladung eines Stadtteils von Istanbul. Dabei fruehstueckten Ahed und ihre Mutter mit Erdogan.

Den Hintergrund habe ich erst gestern angefangen zu recherchieren:

Ahed Tamimi stammt aus Nabi Salih, einem kleinen Dorf in der Naehe von Ramallah. Dieses Dorf wird offensichtlich fast ausschliesslich von der Tamimi-Sippe bewohnt. Aus Wikipedia erfahren wir, dass der Ort in ottomanischen Steuerlisten zum erstenmal 1595 erwaehnt wurde und damals zwei muslimische Haushalte umfasste. Gut moeglich, dass es sich um die Grossfamilien zweier Brueder handelte.

Nabi Salih bedeutet “Prophet Salih”. Gemeint ist der Saleh aus dem Koran, der jedoch keinerlei Bezug zum geographischen Ort hat. Die Identifikation mit Shelah, dem dritten Sohn Yehudas aus der Bibel ist an den Haaren herbeigezogen und passt schlecht. Wahrscheinlich wurde die christlich-byzantinische Kirche einfach uebernommen und erst anschliessend ein willkuerlicher Bezug zum Islam hergestellt.

Im Kontext des 6-Tage-Kriegs floh ein Teil der Einwohner und der Tamimi-Sippe nach Jordanien, wo sie den jordanischen Zweig der Familie begruendeten.

Aus diesem Zweig stammt die Terroristin Ahlam Tamimi, die Sbarro, ein Restaurant mit vielen Kindern, als Ziel fuer einen Selbstmordanschlag auswaehlte und den Attentaeter zum Tatort brachte. In ihrer Eigenschaft als TV Journalistin berichtete sie anschliessend selber ueber den Anschlag. 15 israelische Zivilisten wurden dabei ermordet, darunter acht Kinder und eine schwangere Frau. Dementsprechend wurde Ahlam zu 16 Mal Lebenslaenglich verurteilt, aber im Shalit-Deal kam sie frei und lebt als Heldin gefeiert mit ihrem Mann in Jordanien.

Ihr Mann, Nizan Tamimi, stammt aus dem Tamimi-Clan in Nabi Salih. Passenderweise war er ebenfalls wegen Beteiligung an der Ermordung eines israelischen Zivilisten, Chaim Mizrachi,  im Gefaengnis und wurde mit seiner Frau im Shalit-Deal auf freien Fuss gesetzt.

Die Heirat innerhalb der Sippe ist bei den Palaestinensern sehr verbreitet. Aheds Vater, Bassem Tamimi, wurde 2011 gemeinsam mit Naji Tamimi, verhaftet. Naji ist anscheinend gleichzeitig Bassems Cousin und der Onkel muetterlicherseits von dessen Frau Nariman Tamimi.

Der Vater, Bassem Tamimi, wurde im November wieder verhaftet (hier in der sympathisierenden Berichterstattung des uns schon bekannten +972 Magazins), nachdem er erst im April 2012 vorzeitig aus der Haft entlassen wurde. Als Grund fuer die Milde wurde der Gesundheitszustand seiner Mutter angegeben. An die Auflagen bei seiner vorzeitigen Entlassung im April hat sich Tamimi offensichtlich nicht gehalten.

Von Amnesty International wird Bassem Tamini als palaestinensischer Menschenrechtsaktivist gehandelt, der gewaltlosen Widerstand leistet. Dabei werden Steinwuerfe nach deutschem Recht als versuchte gefaehrliche Koerperverletzung behandelt. Dass Bassem Demonstrationen organisiert, bei denen Steine geworfen werden, wird von niemandem abgestritten. Seine Frau Nariman gibt die Steinwuerfe im schon oben verlinkten Interview zu. Auch fehlt es nicht an Aufnahmen, wo die Tochter Ahed Tamimi in einer Gruppe von steinewerfenden Jugendlichen zu sehen ist. Wenn Catherin Ashton im Namen der EU solche Proteste als gewaltlos bezeichnet, dann wird wieder mal ein doppelter Masstab angelegt. In keinem Mitgliedsstaat der EU ist das Werfen von Felsbrocken (gern auch mit Schleudern, siehe 6. Bild hier) im Demonstrationsrecht eingeschlossen.

Wenn ich richtig recherchiert habe, finden die woechentlichen Demonstrationen in Nabi Salih seit 2009 statt. Als Vorwand gilt eine Quelle, die von den Einwohnern von Nabi Salih als ihre deklariert wird, obwohl sie anscheinend von den Einwohnern der juedischen Siedlung Halamish erschlossen wurde. Die Palaestinenser behaupten, der Grund und Boden, auf dem die gesamte Siedlung Hamalish erbaut wurde und auch der, aus dem die Quelle springt, seien ihr Eigentum. Der Israelische Oberste Gerichtshof hat sich schon  vor ca. 30 Jahren damit befasst und kam zu dem Ergebnis, dass die Ansprueche unbegruendet sind, was Peace Now nicht daran hinderte, in ihrem sehr umstrittenden Report von 2006 zu behaupten, ein Drittel des Landes sei palaestinensischer Besitz.

Der Vater, Bassem Tamimi, ist einer der Begruender, moeglicherweise in fuehrender Rolle – als Lehrer hat er eine gute strategische Ausgangsposition – der woechentlichen Proteste. Diese sind offensichtlich nach dem Vorbild der Freitagsemonstrationen in Bili’in und Na’alin konzipiert. Vielleicht reichten diese beiden Protestevents nicht mehr aus, um das steigende Interesse internationaler und israelischer Aktivisten zu befriedigen? Bassem Tamimi ist auch federfuehrend bei Tamimi-Press, mit der die in Nabi Shalih produzierte anti-israelische Propaganda vertrieben wird.

Die Show scheint sich fuer die Tamimi-Sippe ideologisch und wahrscheinlich auch finanziell auszuzahlen, auch wenn es mir noch nicht gelungen ist, etwas zur Finanzierung zu finden. Dafuer werden auch Opfer gebracht.

Mustafa Tamini wurde waehrend einer gewalttaetigen Demonstration durch einen Gaskanister getoetet, der anscheinend entgegen den militaerischen Vorgaben direkt auf ihn abgeschossen wurde. Die IDF untersucht den Fall.

Waehrend der Militaeraktion Wolkensaeule im vergangenen November, wurde Rushdi Tamimi bei einer weiteren gewalttaetigen Demonstration getoetet. Die Umstaende seines Todes sind noch ungeklaert. Als palaestinensischer Polizist verfuegte er ueber eine Waffe, und waehrend “Wolkensaeule” waren die Proteste im Westjordanland noch gewalttaetiger als sonst.

In dieser Umgebung und dieser Grossfamilie wird Ahed Tamimi gross. Wahrscheinlich nimmt sie seit 2009 also ihrem 8. bis 10. Lebensjahr an den Freitagsdemonstrationen teil. Auch ihr drei Jahre aelterer Bruder Waad ist am Familienunternehmen beteiligt und die etwa gleichaltrige Cousine Marah. Seit 2012 entwickelt sich Ahed zum Star der Show. Vermutlich erkannte die Mutter das Potential ihrer rotblonden, frueh-pubertaeren Schoenheit.

Ich bin selbst Mutter von zwei bildhuebschen Toechtern (12 und 14) und verwende viel Gedanken daran, wie ich sie vor verfruehter und/oder unangemessener Aufmerksamkeit schuetzen kann. Was Nariman mit ihrer Tochter macht, scheint mir an Prostitution zu grenzen, ganz zu schweigen von der Gefahr fuer Leben und Gesundheit ihrer Kinder, die sie bewusst in Kauf nimmt.

Frohe Weihnachten


Waehrend Yusuf al-Qaradawi, der als Fernsehscheich gelegentlich als Symbol eines modernen oder gar toleranten Islams gehandelt wird, das Weihnachtsfest in mehrheitlich muslimischen Laendern insgesamt verbieten moechte, und im besonderen auch die Weihnachtsbaeume, verteilt die Stadt Jerusalem gratis Weihnachtsbaeume an alle, die das Fest so feiern wollen.

Das hindert  ”Anti-Zionisten” jedoch nicht, Israel die Verantwortung dafuer zuzuweisen, dass das Christentum im Nahen Osten auszusterben droht.

Die “Zweiteilung” des Westjordanlands


Selbst in serioesen Medien wie der FAZ wird unwidersprochen behauptet, die eventuellen Bauten im Gebiet zwischen Jerusalem und Ma’ale Adumim ( E1) wuerden die Westbank in zwei Teile zerschneiden.

In ihrer augenfaelligen Unwahrheit erinnert mich diese Luege an die nachdrueckliche und falsche Behauptung, der Gazastreifen werde von Israel abgeriegelt.

Auch im Fall der aktuellen Luege muss man nur mal eine Karte anschauen:

Oder auch zwei, drei:

Deutlich ist zu erkennen, dass das Westjordanland an seiner engsten Stelle doch ein bisschen breiter ist als die 7 km, die Jerusalem von Ma’ale Adumim trennen.

Gut, es handelt sich um schwieriges Terrain, wo Israel bisher keine Strasse gebaut hat. Aber ein bisschen eigene Arbeit darf der PA zugemutet werden oder nicht?

Und warum sollte nur Israel schmale und daher gefaehrdete Stellen haben?

Besonders laecherlich ist die Aufregung, weil dieselben Staaten, die nun in Israels Baugenehmigungen das Ende des Friedenprozesses postulieren, letzte Woche geschwiegen oder zugestimmt haben, als die PA unter Abbas mit Hamas’ Unterstuetzung die Oslovertraege oeffentlich brach.

Mein Teeloeffel Senf


Der Waffenstillstand laesst mich ausgelaugt zurueck. Wir trauen der Ruhe nicht. Die Stahllaeden in unserem Schutzraum bleiben bis auf weiteres geschlossen. Wie lange wird die Ruhe, die seit 23:00 gestern herrscht, anhalten? Zwei Tage, zwei Wochen, zwei Monate? An zwei Jahre wie nach Gegossenem Blei kann ich nicht glauben.

Was sind die Auswirkungen dieses Minikriegs und was davon beinhaltet Chancen fuer Israel? Diese Fragen stellt man sich jetzt allerorten und ich mag meinen Teeloeffel Senf aus Beer Sheva auch abgeben.

Auswirkungen:

Gazaland ist auf dem besten Weg zu einem unabhaengigen Staat. Natuerlich wird die Weltoeffentlichkeit noch einige Zeit weiter von “Besatzung” schwafeln, aber irgendwann bekommt sie es auch mit: Ein Territorium mit klar definierten Grenzen, einer relativ einheitlichen Bevoelkerung und mit einem klaren Souveraein erfuellt alle Bedingungen an einen Staat. Keine staatsrechtliche Definition sieht vor, dass ein Staat wirtschaftlich autark sein muss. Wenn diese Einheit auch noch Staatsbesuche bekommt, Kriege fuehrt und an internationalen Verhandlungen beteiligt wird, dann spielt es irgendwann keine Rolle mehr, ob es sich selber Staat nennt oder nicht. Wenn derjenige, der am meisten Unterstuetzung liefert, der Oberherr ist, dann handelt es sich bei Gazaland um einen Vasallenstaaten der UN, EU und USA.

Im Augenblick hat sich Gazaland an Aegypten angelehnt und etwas Abstand zwischen sich und Iran  entstehen lassen. Der Iran “is not amused” und liess sich sogar dazu hinreissen, Verbindungen, die bis vor kurzem bestanden und sonst immer abgestritten wurden, oeffentlich zu machen.

Aegypten hat sich von der US-Regierung kaufen lassen. David Goldman (alias Spengler) geht davon aus, dass das Sinn und Zweck der Uebung war.

I believe: Egyptian President Mohamed Morsi encouraged Hamas to attack Israel as part of a protection racket, directed at Saudi Arabia as well as the West. In return for putting out a fire he helped to start, Morsi wants the West and the Gulf States to bail out his crumbling economy. Saudi Arabia and other Gulf States (with the exception of Qatar’s radical ruler) consider the Muslim Brotherhood a subversive organization and a mortal threat to their regimes and sent Morsi away empty-handed after his mid-August visit to Riyadh. Morsi is hoping that Gaza will shake money loose. “Nice little country you’ve got here. It would be a shame if something were to happen to it.”

Derzeit jedenfalls verhaelt sich die Muslimbruderschaft noch pragmatisch (wenn auch im Mafiastil) und gibt den Interessen des Staates Aegypten Vorrang vor ihrer islamistischen Ideologie.

Das Weisse Haus unter Obama wurde sowohl von Aegypten wie auch von Israel an den Verhandlungen beteiligt und ist von jetzt an involviert.

Chancen fuer Israel:

Die Verantwortung fuer den Gazastreifen und Hamas kann vielleicht ganz langsam in Richtung Aegypten verschoben werden.

Israel hat keinerlei Interesse daran, die Verwaltung des Gazastreifens selber zu uebernehmen, auch keines, fuer die Fatah die Drecksarbeit zu leisten und ihr den Gazastreifen auf dem Silbertablett zu ueberreichen. Carl in Jerusalem vermutet, dass Netanyahu den Waffenstillstand angenommen hat, weil ihn das Weisse Haus genau dazu zwingen wollte. Die Fatah ist ein totes Pferd, im Westjordanland haelt sie sich nur an der Macht, weil sie diskret von Israel gestuetzt wird. Vermutlich hat die Fatah auch kein wirkliches Interesse daran, den Gazastreifen zu uebernehmen. Es ist doch auffallend, dass hohe aegyptische und tuerkische Politiker und die Vertreter der Arabischen Liga ostentativ den Gazastreifen besuchen, aber Fatah durch Abwesenheit glaenzt.

Moeglicherweise konnte Netanyahu durch sein Nachgeben gegenueber Obama ein bisschen Boden gut machen. Das koennte Israel zugute kommen, wenn in absehbarer Zeit gegenueber dem Iran gehandelt werden muss.

Ich erinnere mich auch an Michael Orens Buch zum Sechstagekrieg. Er beschreibt darin eindringlich, wie der damalige israelische Premierminister Levi Eshkol die Entscheidung zum Krieg ueber Wochen hinauszoegerte. Die Einberufung der Miliz legte eine schwere wirtschaftliche Buerde auf das Land. Israelis  fuehlten sich dem Untergang geweiht.  Aber Oren arbeitet heraus, dass gerade dieses Zoegern war, das Eshkol den guten Willen der westlichen Welt eintrug, wodurch der Sieg nicht nur erkaempft, sondern auch gehalten werden konnte.  Im Unterschied zu vielen anderen Kriegen, wo Israel unter dem Druck seiner westlichen Aliierten zur Aufgabe von Erreichtem gezwungen war.

Vielleicht orientiert sich Netanyahu an diesem Script?

Oder vielleicht hantiere ich mit Wunschdenken?

Die Letzten werden die Ersten sein


Letzte Raketen vor dem Waffenstillstand
Erste Raketen, die den Waffenstilstand brechen. Auch auf Beer Sheva wurden bei dieser Gelegenheit Raketen abgeschossen. Mein Mann und ich sassen im Schutzraum und zaehlen zwei Explosionen. Und noch eine auf Ashdod.

Bisher haben schon 12 Raketen den Waffenstillstand gebrochen. Wenigstens hat die 13. kein Unglueck gebracht.

Und schon beginnt wieder die uebliche Arbeitsteilung “we cease, they fire”:
Yacimovich: Give cease-fire a chance to succeed
Netanyahu: Give ceasefire a chance

Und im Gazastreifen koennen die Feiern zu Ehren des Attentats inTel Aviv gleich als Siegesfeier fortgesetzt werden.

Update: Heute kurz nach 10:00 morgens Raketenalarm. 

Hamas erstarkt


Gazaland erhielt gestern den ersten Staatsbesuch, den Scheich von Qatar.

Dementsprechend wurden Willkommensschilder aufgestellt,

der rote Teppich ausgerollt,

und Kinder hielten Luftballons:

Etwas weniger international ist der Brauch, vor dem Gast und zu seinen Ehren Schafe zu schlachten:

(Hattip: Elder of Ziyon)

Ein Feuerwerk durfte auch nicht fehlen: Total number of rockets fired from Gaza rises to 80. Bilder davon finden sich ebenfalls bei Elder of Ziyon.

Drei Gastarbeiter in der Landwirtschaft wurden verletzt, zwei davon schwer. Diese Rakete fiel offensichtlich in einen Huehnerstall. Die Opfer unter den Huehnern wurden nicht gezaehlt. Durch eine andere Rakete wurde eine Frau leicht verletzt.

Bei dieser Gelegenheit moechte ich die Abstufung der Verletzungen, wie sie in Israel ueblich ist, wiederholen:

lebensgefaehrlich – wird meistens nur als Umschreibung fuer “noch nicht klinisch tot” verwendet. Wenn jemand eine solche Verletzung lebend uebersteht, spricht man von einem Wunder.
schwer – fuer alle Verwundungen, die zwar lebensgefaehrlich sind, aber eine reale Chance zum Ueberleben beinhalten.
mittel – Verletzungen, die das Leben nicht bedrohen, aber bleibende Schaeden nach sich ziehen, die den Betroffenen daran hindern, je wieder ein ganz normales Leben zu fuehren. (Verluste von Gliedmassen, Laehmung, Erblindung, Hoerverlust etc.)
leicht – alle anderen physischen Verletzungen. Vom Verlust eines Auges, Fingern oder der Hoerfaehigkeit in einem Ohr bis zur Schnittwunde
Schock – jede nicht physische Verletzung. Menschen, die solche Traumata erlebt haben, koennen oft ueber Jahre hinweg nicht normal leben.

Die israelische Armee reagiert mit gezielten Luftangriffen. Drei Terroristen wurden getoetet, waehrend sie eine Raketen zuenden wollten.

Hamas beschwert sich, dass Israel ihnen damit die Freude am Staatsbesuch vermiesen moechte.

Spass beiseite: Wie Barry Rubin voellig richtig analysiert, fuehlt sich Hamas mit der Regierung der Muslimbruderschaft in Aegypten staerker. Der Staatsbesuch duerfte ebenfalls dazu beigetragen haben.

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