Kollektivstrafe – hausgemacht II


Inzwischen geht die UN mit dem Vorwurf hausieren, die juengsten Feindseligkeiten und natuerlich Israel haetten daran Schuld, dass das Grundwasser im Gazastreifen verunreinigt ist und Abwasser ueberlaeuft.

Wer hier im Blog fleissig mitliest, erinnert sich vielleicht, dass diese Zustaende schon jahrzehntelang herrschen und weder mit der gegenwaertigen Militaeraktion noch mit Israel etwas zu tun haben.

Ganz im Gegenteil versorgt die israelische Wassergesellschaft, Mekorot, den Gazastreifen mit frischem, sauberen Wasser und diese Versorgung laeuft weiter, genau wie die Stromversorgung und die taeglichen LKWs mit Gebrauchswaren.

Update: Der selbst verschuldete Schaden an einer Stromleitung wurde von Israel gestern schon wieder repariert. Die Arbeiter trugen kugelsichere Westen, Spezialhelme und wurden von der Armee bewacht. Trotzdem mussten sie immer wieder mal in Deckung gehen, wenn wieder Raketen auf Ashkelon und Umgebung abgefeuert wurden. (Das waren eine ganze Menge, wie man hier sehr anschaulich beobachten kann.)

Workers of the Israel Electric Corp. take cover as a siren warning of incoming rockets is heard near the Israel and Gaza border on Monday | Photo credit: AP

 

Todesopfer im Gazastreifen


Seit Beginn der israelischen Luftangriffe veroeffentlicht Hamas keine Namen von Toten. Offensichtlich moechten sie alle Opfer als Zivilisten ausgeben, und bei der Aktion Gegossenes Blei gelang es Bloggern anhand der Namen zu belegen, dass etwa die Haelfte der “Zivilisten” in Wirklichkeit Terroristen waren.

Wir wissen, dass immer wieder Raketen zu kurz fallen und im Gazastreifen selber Schaden anrichten. Wenn dadurch Menschen getoetet werden, wird auch das Israel in Rechnung gestellt.

Heute hat Al-Jazeera eine Liste der Toten mit Namen, Geschlecht und in den meisten Faellen auch Altersangaben veroeffentlicht.

Ich habe daraus eine kleine Statistik samt Graphik gemacht:

Tote im Gazastreifen Jul-14

Und hier die Tabelle dazu:

Bevoelkerungsgruppe Anzahl Prozent
Kinder 0-12 Jahre 18 10%
Frauen ab 13 Jahren 14 7%
Maennliche Jugendliche 13 7%
Maenner 18-40 93 49%
Maenner 41-50 14 7%
Maenner ueber 50 20 11%
Maenner ohne Altersangabe 17 9%
Gesamt 189 100%

Das ist keine normale Bevoelkerungspyramide im Gazastreifen. Kinder und Frauen sind krass unterrepraesentiert und Maenner im Kaempferalter sind deutlich ueberrepraesentiert.

Soviel zu “ueberwiegend Zivilisten”!

Update 16/07: Elder of Ziyon hat genauere Ergebnisse vom Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center, die auch die Namen recherchieren und den verschiedenen Terrororganisationen zuordnen.

Und hier ein Beispiel, dass auch ein 17-Jaehriger (weiland als Kind betrachet) einer Terrororganisation angehoeren und als Kombattant getoetet werden kann.

Hamas: Wir wollen keinen Waffenstillstand


Seit gestern Abend liegt ein aegyptischer Vorschlag fuer Waffenstillstandsbedingungen auf dem Tisch. Heute morgen wurde er dem israelischen Kabinett vorgelegt und angenommen. Seit heute 9:00 morgens sollte Waffenruhe herrschen, worauf dann binnen 48 Stunden die endgueltigen Bedingungen ausgehandelt wuerden. Im Entwurf war eine Rueckkehr zum Status Quo vor dieser Runde vorgesehen plus Erleichterungen bei den Grenzuebergaengen fuer Hamas.

Hamas liess mitteilen, dass sie nicht interessiert ist.

Nun ja, vielleicht ist das blosse Rhetorik, dachte man sich in Israel und gab seinerseits zu Protokoll, dass Israel die Luftangriffe ab 9:00 heute morgen einstellen werde.

Wir sind ja schon daran gewoehnt, dass die Uhren im Gazastreifen nachgehen, wenn Waffenstillstaende eingehalten werden koennten. Ueber die Raketen, die etwas nach 9:00 auf israelischem Gebiet einschlugen, wurde daher kein Wort verloren.

Hamas meint aber genau, was sie sagt und zur Bekraeftigung wurden weitere Salven abgefeuert. Ich komme gerade von einem Sprint in den Schutzraum zurueck – wir zaehlten 9 Explosionen.

Ob uns die USA nun freundlichst erlauben moegen, gegen Hamas vorzugehen?!

Der Ehrgeiz der Hamas II


Offensichtlich hat Hamas die anderthalb Jahre seit Aktion Wolkensaeule sehr gezielt zur Aufruestung fuer die naechste Runde eingesetzt. Am 7. Tag des gegenwaertigen Konflits konnten sie immer noch 130 Raketen abschiessen.

Heute morgen versuchte die Terrororganisation ein neues Mittel: Eine mit Sprengstoff beladene Drohne wurde ueber Ashdod abgeschossen.

Haette Hamas seit 2005 all das Kapital und die Muehe in die Infrastruktur des Gazastreifens und in die Bildung der Bewohner gesteckt, waere der Gazastreifen heute wahrscheinlich eine bluehende Enklave am Mittelmeer. Aber Hamas definiert sich selber ueber den Kampf gegen Israel und den Mord an Juden. Sie kann sich nicht um das Wohl der Bevoelkerung im Gazastreifen kuemmern, ohne ihre Identitaet aufzugeben.

Kollektivstrafe – hausgemacht


“Kollektive Bestrafung” ist auch so ein Lieblingsvorwurf an Israel. Wenn z.B. die Anwohner unter einer grossangelegten Suchaktion leiden, dann wird von “kollektiver Bestrafung” geschwafelt.

Hamas hat mehrfach behauptet, dass Israel dem Gazastreifen den Strom abgestellt habe mit verlogenen Photos.

Gestern Nacht hat eine Hamas-Rakete die Stromleitung beschaedigt, ueber die ca. 70,000 Bewohner des Gazastreifens mit Elektrizitaet versorgt werden. Die Arbeiter des israelischen Elektrizitaetswerks muessten angsichts der anhaltenen Raketenangriffe ihr Leben riskieren, um die Leitung zu reparieren. Dieses Mal werden sie damit warten, bis der Beschuss aufhoert.

Ueber den Kerem Shalom Grenzuebergang schickt Israel fast jeden Tag Lastwagen mit humanitaeren Guetern in den Gazastreifen. Das hindert palaestinensische Terroristen nicht, ihn gezielt anzugreifen.  Es gibt keine militaerische Basis bei Kerem Shalom, nur der Grenzuebergang oder der Kibbutz kann gemeint sein.

Auch das ein deja vue – 2008 wurde der Grenzuebergang Nahal Oz angegriffen, ueber den Treibstoff in den Gazastreifen geliefert wird, wobei die beiden Angestellten der Oelfirma, die gerade eine Lieferung durchgefuehrt hatten, ermordet wurde. Auch da sprach Viktor Kocher in der NZZ von Kollektivestrafen.

 

Medizinische Versorgung im Gazastreifen


Nach wie vor liefert Israel Waren in den Gazastreifen. Hier eine Liste der LKW -Ladungen zwischen Sonntag, dem 6. und Donnerstag, den 10. Juli. Wir koennen sehen, dass eine Menge der LKWs Medikamente und anderes Material zur medizinischen Versorgung transportieren.

Gleichzeitig sperrt Aegypten den Grenzuebergang von Rafah fuer europaeische Aerzte und Helfer. Wenn wir uns an die Rolle des norwegischen Arztes, Mads Gilbert*, waehrend Gegossenem Blei, erinnern, haben die Aegypter vielleicht nicht ganz Unrecht. * Das ist er ja wieder und UNRWA empfiehlt ihn als serioesen Interviewpartner. Das wirft ein bezeichnendes Licht auf UNRWA.

Der Blondschopf gehoert dem norwegischen Maoisten und Verschwoerungsanhaenger.

Unter dem Al-Shifa Krankenhaus in Gaza City soll die Hamas ihr Hauptquartier haben.

Natuerlich ist das ein Kriegsverbrechen, genauso wie Trainingslager der Hamas neben SOS Kinderdoerfen, Waffenlager in Moscheen und Abschussrampen in Wohnvierteln.

Update: Die Basler Zeitung hat ein Ruehrstueck zu diesem Thema veroeffentlicht. Ich moechte auf folgenden Punkt hinweisen:

An ihren Betten sitzt Kinans Grossmutter Amal Hammad. «Am Mittwochabend war die ganze Familie im kleinen Garten ihres Hauses beisammen», berichtet die 54-Jährige. Plötzlich sei eine Rakete in dem Haus im Ort Beit Hanun im Norden des Gazastreifens eingeschlagen. Sechs Menschen, drei Männer und drei Frauen, seien getötet worden.

Wenn wir davon ausgehen, dass Amal Hammad die Wahrheit sagt, dann deutet einiges darauf hin, dass diese Familie das Opfer einer zu kurz geschossenen Rakete aus dem Gazastreifen wurde. Die Rakete ging noch im noerdlichen Gazastreifen nieder, anstatt nach Israel zu fliegen. Israel schiesst keine Raketen auf den Gazastreifen, schliesslich gibt es die Luftwaffe, die wesentlich praeziser bombardieren kann. Von allen Seiten, auch von Palaestinensern wurde schon bestaetigt, dass Israel Zivilisten vor einem Angriff warnt und einen Angriff auch mal abbricht, wenn Kinder im Zielfeld erkannt werden. Eine Rakete ohne Vorankuendigung auf eine Familie, die im Garten sitzt (also aus der Luft deutlich erkennbar), das passt viel, viel besser auf eine zu kurz geschossene Rakete aus dem Gazastreifen als auf einen israelischen Luftangriff.

Bei der Militaeraktion Wolkensaeule versuchte Hamas Israel fuer den Tod von mindestens zwei Kindern verantwortlich zu machen, die in Wirklichkeit durch zu kurz geschossene Raketen der Hamas getoetet worden waren. Noch in diesem Juni wurde ein kleines Maedchen auf diese Weise getoetet.

Wenn Juden als Kindermoerder nicht so tief in der europaeischen Psyche verankert waere, koennten Journalisten sich vielleicht auch an solche Vorfaelle erinnern und ein bisschen kritischer nachfragen.

Update 14.07.14: Hamas hat offensichtlich damit begonnen, “Kollaborateure” zu ermorden. Das erklaert wahrscheinlich viele menschliche Schutzschilde. Die Chance, dass ein israelischer Soldat sich erbarmt und nicht schiesst, auch wenn es sich um ein legitimes, militaerisches Ziel handelt, ist mit Sicherheit groesser als sich auf Hamas’ Verstaednis zu verlassen.

Die Toten werden aber mit Sicherheit in der Rubrik “Zivilisten, von Israel getoetet” aufgefuehrt. Eine andere Rubrik gibt es gar nicht.

Aus dem Familienleben geplaudert


Uns geht es im Prinzip gut, auch wenn der Hausarrest und die Anspannung an den Nerven zerren.

Normalerweise mache ich am Donnerstagabend den Einkauf im Supermarkt und gehe Freitagmorgen auf den Markt. Ich liebe es, dort frisches Obst, Gemuese, Fisch und Fleisch zu kaufen. Je nachdem, was mich am meisten anlacht, plane ich das Menu fuer Shabbateingang und das Mittagessen am Shabbat.

Gestern abend wollte ich unsere Kleine zum Einkaufen mitnehmen, sie hatte den ganzen Tag die Nase noch nicht vor die Tuer gesteckt. Sie ist  eine furchtbare Troedlerin, an Schulmorgen treibt sie uns oft fast in den Wahnsinn, wenn sie eine halbe Stunde braucht, um ein Paar Schuhe anzuziehen. Und so dauerte es auch dieses Mal sehr lange, bis wir startklar waren. Mit einer Menge leerer Einkaufstaschen und einer mit den Pfandflaschen in der Hand, hatten wir die Haustuer schon geoeffnet, als die Sirene losheulte. Tuer wieder zu und ins Bunkerzimmer. Das war die Serien von Salven mit 2o Raketen und zwei Treffern in Beer Sheva, ueber die ich kurz berichtet habe.

Am selben Abend lieferte eine Salve nach Ashdod ebenfalls zwei direkte Treffer. Und heute morgen, wieder in Ashdod, kam es zu dem Treffer auf die Tankstelle. Dem Himmel sei Dank, nur Verwundete und keine Toten, aber mindestens ein Mensch ist schwer verletzt.

Angesichts dieser Serie halte ich es fuer wahrscheinlich, dass Hamas eine Schwaeche unseres Abwehrsystems, Eisenkuppel, ausgemacht hat und ausnuetzt.

Heute morgen ging ich nicht auf den Markt – dort gibt es keine Schutz vor Raketenangriffen, sondern machte nur Einkaeufe im naechsten grossen Supermarkt, wobei ich unsicher darueber nachdachte, dass daneben grosse Gastanks stehen. Vielleicht haette ich doch lieber zu einem weiter entfernten fahren sollen? Und natuerlich ging ich allein.

Unsere Grosse plant schon seit langem, diese Nacht bei einer engen Freundin zu schlafen. Andere Freundinnen sind auch eingeladen und das waere eine schoene Abwechslung fuer sie. Die Freundin wohnt nicht weit von uns und die Familie hat ebenfalls einen Schutzraum. Vor diesem Hintergrund stimmte ich im Prinzip zu.

Nach den Einkaeufen kam das uebliche Kochen. Mittendrin dachte ich auf einmal daran, dass ich den Maedchen an diesem Wochenende zeigen koennte, wie man mit der Naehmaschine umgeht. Waehrend der naechsten Wochen haetten sie so eine interessante und kreative Beschaeftigung, waehrend ich arbeiten gehe und sie unter Hausarrest stehen. Wir machten also noch einen kurzen Ausflug zum Stoffladen.

Und weiterkochen und sauber machen. Mir geht es aehnlich wie Lila, Hausarbeit beruhigt. Moegen Raketen auf uns abgeschossen werden, wenigsten sind die Ritzen zwischen den Fliesen sauber. Mein Mann reagierte aehnlich und begann, im Garten alles Verwelkte wegzuschneiden. Leider ist es ziemlich viel. Wir experimentieren vielleicht zu sehr, wie man Wasserrechnung und Garten moeglichst effizient ausbalanziert. Aber den Jasmin in der Ecke hat er uebertrieben gestutzt. Hoffentlich spriesst der klaegliche Rest im Herbst beim ersten Regen wieder.

Am Nachmittag bekamen wir ueber Zeva Adom, die Applikation, die uns die Raketenalarme im ganzen Land auf dem Laufenden haelt, die dringende Warnung des Heimatschutzes, dass heute Abend alle zuhause bleiben sollten. Das passt sehr gut zur Ermahnung unseres Premierministers, dass auch die frommen Juden heute lieber nicht oder wenn, dann nur in Synagogen mit Schutzraum gehen sollten. Seufzend verzichteten mein Mann und ich auf den Besuch im Schwimmbad, der auch zu unserer Freitagsroutine gehoert.

Unserer Grossen sagte ich, dass wir sehen wollen, wie sich die Lage entwickelt bis nach dem Abendessen. Wir sassen gerade beim Essen, da kam wieder Alarm, wieder mehrere Salven unmittelbar hintereinander und wieder ein direkter Treffer in Beer Sheva. Unter diesen Umstaenden wollten mein Mann und ich nicht, dass sie bei ihrer Freundin schlaeft. Sie hatte kein Verstaendnis fuer unsere Bedenken und warf uns in typischer Teenagermanier einige Unverschaemtheiten an den Kopf. Damit verbaute sie sich jede Chance, dass wir ihr die Uebernachtung bei der Freundin doch noch erlauben konnten. Oder genauer, ich wurde schon wieder weich, aber mein Mann fuehlt, dass wir heute unmoeglich schlafen koennen, wenn nicht alle Kinder zuhause sind, und da hat er natuerlich auch Recht.

Die verschiedenen, unerfreulichen Szenen haben den Abend weitgehend verdorben. Dabei habe ich die Lieblingsspeisen von allen gekocht und gebacken und wollte spaeter mit Brettspielen einen gemuetlichen Familienabend machen. Inzwischen ist Mitternacht vorbei und ich kann auch mit allen Kindern im Haus nicht schlafen.

 

 

 

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