Die ZEIT begeht Israels 60jaehriges Bestehen
Mai 1, 2008Als erster Interviewee der Serie darf Aviv Geffen seine Gedanken und Gefuehle zum Besten geben. Als naechster ist Moshe Zuckermann daran. Weitere Gespraechspartner sind noch nicht bekannt, aber ich erwarte Moshe Zimmermann, David Zonnshein, Ilan Pappe, Felicia Langer, Uri Avnery usw.
Auf mich wirken Geffens Auesserungen ziemlich entlarvend:
Der Attentäter Yigal Amir hat an diesem Abend den Traum meiner Generation zerstört, nur ein paar Meter von mir entfernt. In diesem Moment wurde mir schlagartig klar, dass sich binnen weniger Sekunden die Zukunft meines Landes verändern würde.
Ja, es war ein Wunschtraum und ohne den Mord an Rabin haetten wir ihn womoeglich noch ein paar Monate weiter traeumen koennen.
Die Palästinenser sind gute Menschen, auch wenn wir das nicht auf Sendern wie CNN oder auf Fox News sehen.
Wir sehen das auch nicht auf den palaestinensischen Fernsehsendern, weder der Hamas noch der Fatah, wo Hasspredigten gegen Juden ausgestrahlt werden und das Kinderprogramm fuer Selbstmordattentate wirbt. CNN unternimmt ganz im Gegenteil sehr viel, um diese Selbstdarstellung der “guten Menschen” nach Kraeften unter den Tisch fallen zu lassen.
Das, was während des Zweiten Weltkriegs den Juden angetan wurde, hat dazu geführt, dass wir bis heute paranoid sind. Die Nazis haben versucht, die gesamte jüdische Gemeinschaft auszurotten. Und natürlich tun wir deshalb alles, um unseren Kindern Hoffnung für die Zukunft zu geben. Aber ich denke, gerade deshalb müssen wir den Palästinensern vertrauen. Denn ohne Vertrauen, gibt es keine Hoffnung. Keine Hoffnung bedeutet kein Leben. So einfach ist das.
Blindes Vertrauen oder Vertrauen wider besseres Wissen, mit anderen Worten Wunschdenken ist demnach der Schluessel zur Hoffnung. Und Hoffnung ist gleichbedeutend mit Leben. Jemand wie Geffen lebt wahrscheinlich ohnehin in einer Phantasiewelt und kann sich gar nicht vorstellen, wie es ein Normalsterblicher in der realen Welt aushaelt. Vermutlich empfaende er, waere er dazu gezwungen, das Aufgeben seines Sonderstatus, als eine Art Sterben/Tod.
Wie narzisstisch Geffen ist, wird spaetestens hier klar:
Aber ich spiele große Konzerte mit 40.000 Zuschauern und ich sage auf der Bühne, dass ich gegen die Besatzung bin, dass wir uns zurückziehen müssen, auch aus Ostjerusalem. Meine Feinde in der israelischen Regierung sagen zu mir
Die Friedensbewegung steht und faellt mit den Konzerten von Geffen! Die israelische Regierung hat Geffen in den Rang eines Feindes erhoben! Aber viel schlimmer:
Denn ich habe noch nie gesehen, dass ein Aviv Geffen Erwähnung in dem Kampf der anderen Seite findet. Noch nie. Ich habe auf der ganzen Welt Konzerte gegeben, werde jeden Tag interviewt, ich kämpfe für den Frieden. Aber ich suche immer noch nach der Wahrnehmung auf der palästinensischen oder syrischen Seite.
Die “guten Menschen” auf der anderen Seite ignorieren Geffen! Sie scheinen nicht zu realisieren, dass er der Messias (aeh, Mahdi) ist, der ihnen den Frieden bringen wird!
es ist noch schwieriger für mich zu akzeptieren, dass es nur einige Kilometer von mir entfernt Menschen gibt, die kein Wasser haben, nichts zu essen, keine Heizung, um im Winter ihre Häuser zu wärmen. Das ist nicht menschlich.
Hm, ich wage die Behauptung, dass es auch in London (wo Geffen ebenfalls lebt) nur einige Kilometer von ihm entfernt Menschen gibt, denen Wasser, Nahrung und Heizung nicht garantiert sind. Wenn Geffen auf seinen Konzerten auch fuer die Sache der Obdachlosen und Slumbewohner in England eintreten sollte, dann habe ich das verpasst.
Ich kann dem Frieden vertrauen, ich kann den Arabern vertrauen. Viele junge Menschen aus Saudi-Arabien, aus dem Libanon, aus Syrien und Iran besuchen meine Myspace-Seite im Internet und schicken mir Nachrichten. Sie kennen mich und sie alle lieben Musik.
Und warum hat er dieses Vertrauen in den Frieden? Ja klar doch, weil es Araber gibt, die ihm Fanpost schicken! Die ZEIT ist sich da mit Geffen einig. Es koennen nur die Israelis sein, die noch nicht zum Frieden bereit sind, vor allem von den Siedlern glaubt man zu wissen, dass sie Fanatiker und Kriegsliebhaber sind.
ZEIT online: Ist denn die israelische Gesellschaft bereit für Frieden? Sie haben eine kurze Zeit in einer israelischen Siedlung verbracht.
Geffen teilt bemerkenswerterweise gerade dieses Vorurteil nicht. Nach seiner Antwort zu schliessen haette er mehr Verstaendnis fuer Siedler aus religioese Ueberzeugung als fuer diejenigen, die aus pragmatischen Gruenden in Siedlungen gezogen sind. Aber er beeilt sich, auf die Linie der ZEIT einzuschwenken.
Es gibt ja auch noch die Orthodoxen. Sie dürfen den ganzen Tag beten, müssen nicht arbeiten, weil die Regierung sie sponsert. Sie bekommen Geld für jedes Kind, das sie in die Welt setzen. Sie bezahlen keine Miete, keine Steuern. Alles, was sie tun müssen, ist zu Gott zu beten.
Gemeint sind natuerlich die Haredim (und gerade nicht die Orthodoxen). Das eine grosse Zahl von Haredim den Staat Israel ueberhaupt ablehnen und daher keine Einwaende gegen die Aufgabe von Gebieten haben, erinnert Geffen in diesem Moment nicht. Dagegen wuerde er das Kindergeld (das natuerlich fuer jedes israelische Kind, auch fuer nicht-juedische) bezahlt wird, gern selektiv gestalten.
Wir müssen viel Geld in die richtigen Hände im Gazatsreifen investieren.
Naeher traut sich Geffen nicht an die Tatsache, dass der Gazastreifen von einer islamistischen Terrororganisation beherrscht wird, die Israels Zerstoerung als Programm hat. Wie er verhindern wuerde, dass Gelder und Investitionen im Gazastreifen einfach von der Hamas requiriert wuerden (man vergleiche die humantiaeren Lieferungen Oel, Medikamente), verraet er uns nicht.
Wir brauchen Ostjerusalem nicht. Keiner meiner Freunde fährt dorthin, um Zeit zu verbringen.
Weil es in Ostjerusalem keine Pubs oder anderen Treffpunkte gibt, wo Geffen und seine Freunde sich gern vergnuegen wuerden, braucht Israel Ostjerusalem nicht. Was sind schon Tempelberg, Klagemauer gegenueber einer richtig fetzigen Bar (oder wie man das im gegenwaertigen Jugendsprech ausdrueckt)!
Und zum Schluss das progressive Credo (nur schlechter formuliert als bei Oz und Grossman); Alle Menschen ticken so wie ich:
Ich denke, das Gefühl, das alle Menschen teilen, ist die Traurigkeit. Jeder weiß, was es heißt, traurig zu sein. Wenn Paare sich trennen, sich scheiden lassen. Wenn die Kindheit verloren geht. All das lässt sich unter dem Schirm der Traurigkeit zusammenfassen und ich beschäftige mich mit diesen Dingen. Ich rede über Gott, obwohl ich nicht sicher bin, dass es ihn gibt. Wenn es ihn gibt, dann vertraue ich ihm, bin aber nicht sicher, ob er auch an mich glaubt. All diese Dinge versteht man überall auf der Welt.
(Geffen)
Der Narziss kann selten so ganz zwischen sich und dem Rest der Welt unterscheiden.
Vielen Dank an Die ZEIT und an Geffen uns so deutlich vorgefuehrt zu haben, wie sie ticken. Und nein, nicht jeder tickt in derselben Weise.
crossposted bei Freunden der Offenen Gesellschaft
Verfasst von beer7
