Kantinengespraeche zu Dan Halutz


Die Nachricht des heutigen Tages war natuerlich der Ruecktritt von Dan Halutz. Ich war gerade im Badezimmer, mein Mann im Schlafzimmer, wo das Radio vom Wecken laeuft, bis wir das Haus verlassen. Ich hoerte einen unterdrueckten Schrei und dachte schon, es sei etwas passiert, aber es war ein unterdrueckter Freudenschrei. Mein Mann wirft Halutz Arroganz vor und konnte ihn nie wirklich leiden.

Am Vormittag war ich dann vor allem mit meinem schwierigen Kunden beschaeftigt (s. vorherigen Eintrag) und so war ich noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt, als ich in die Kantine ging.

Von Militaer verstehe ich so gut wie nichts, das will ich gleich vorwegschicken. An meinem Tisch sassen Y., S., H. und A., Maenner zwischen 40 und 60 Jahren, im mittleren Management und mit eigener Armeerfahrung.

Das erste was mir auffiel, war eine Art Clandenken. Es war die Rede davon, dass die Blauen heute einen Trauertag haetten und die Fahne auf halbmast senkten. Ich brauchte einen Moment, um zu verstehen, dass die Blauen die Angehoerigen und ehemaligen Angehoerigen der Luftwaffe bedeutete. Ueber einen nicht anwesenden Kollegen wurde gesagt, dass er nun Halutz‘ Faehigkeiten betonen und erklaeren wuerde, dass er Israel noch sehr fehlen werde. Ich hatte diesen Kollegen ganz frueh am Morgen schon gesprochen und er hatte sich tatsaechlich genauso geaeussert. Jetzt wurde mir klar, dass er ein „Blauer“ ist. Die Anwesenden gehoerten offensichtlich alle zu den Bodentruppen. Es wurden Witze gerissen, dass jemand von der Luftwaffe gar nicht wisse, was ein Zelt sei usw.

H. verglich Halutz zuerst mit der Geschaeftsleitung von Enron und liess durchblicken, dass Halutz nur zurueckgetreten sei, um nicht von einem Militaergericht im Rang zurueckgestuft zu werden. Ich fragte nach, ob er Halutz wirklich kriminelle Praktiken nachsagen wolle. Da machte er einen Rueckzieher. S. meinte, er habe immer schon gewusst, dass Halutz an seinem Stolz scheitern werde. Seiner Meinung nach wird die Winogradkommission veroeffentlichen, dass Halutz an einer irrigen Einschaetzung der Lage und den daraus abgeleiteten Strategien auch dann festhielt, als er schon wusste, dass sie falsch waren und zwar, um keinen Fehler zugeben zu muessen. Y. meinte, dass Israel ein kurzes Gedaechtnis habe. Halutz sei zurueckgetreten, weil er sich ausrechnen koenne, wann die naechsten Wahlen seien und er genuegend Zeit verstreichen lassen wolle, bevor er sich in die Politik einmischen darf und damit man weniger seine Fehler, sondern mehr seinen Ruecktritt erinnere. Auf meine Frage, welcher Partei sich Halutz denn seiner Meinung nach anschliessen wuerde, wusste er keine Antwort. Und A. genoss das Essen, das heute tatsaechlich besser war als sonst.

P.S. Lila hat auch zu diesem Thema geschrieben, einigermassen parallel, aber viel besser als mein Eintrag: Lest selber: Langsames Erwachen

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