Dieser Ort namens Hoffnung


Ich kann mich ganz und gar mit diesem Text identifizieren. Ich habe Lust, ihn ins Deutsche zu uebersetzen fuer alle diejenigen, die von langen, englischen Texten abgeschreckt werden:

This Place Called Hope

Vor ein paar Monaten hatte ich einen Arzttermin nur ein paar Stunden, bevor ich in die Staaten fliegen musste. Wir kannten uns nicht, dieser Doktor und ich, aber er machte einen netten Eindruck. Ich hatte es eilig, musste heimkommen und packen. Ich wollte nur mein Rezept, damit ich das Medikament holen konnte, bevor ich meinen 15-Stunden Flug nach Los Angeles antrat.

Aber er war zu einem freundlichen Plausch aufgelegt. „Warum fahren Sie in die Staaten?“ wollte er wissen. „Arbeit“, antwortete ich etwas kurzangebunden. „Was machen Sie denn?“ I fuehlte mich zu mies, als dass ich ihm erklaeren wollte, was die Mandel Stiftung macht und ihn nur auf unsere Webseite hinzuweisen, schien ein bisschen unfreundlich (und wuerde mir nicht helfen, das Medikament zu bekommen). Daher log ich ein bisschen und sagte: „Ich schreibe.“ „Worueber schreiben Sie?“, fasste er nach. Ich wollte das Gespraech wirklich nicht fuehren und waehrend ich hungrig auf den Drucker blickte, der hoffentlich bald mein Rezpet ausspucken wuerde, sagte ich: „Ich schreibe ueber die Zukunft Israels.“ Da schaute er von seiner Tastatur auf, wandte sich mir zu und meinte: „Oh, Sie schreiben Kurzgeschichten.“

Ich lachte und er auch, aber es war klar, dass wir es beide nicht nur lustig fanden. In den Wochen seit dieser kurzen Begegnung habe ich mehr als einmal darueber nachgedacht. Ich glaube, es faengt die Stimmung hier ein, eine Stimmung, ueber die niemand reden mag, aber jeder spuert sie. Eine Art Verzweiflung, nicht ueber den vergangenen oder den wahrscheinlich kommenden Krieg, sondern ueber etwas Tiefergehendes.

Unlaengst habe ich mich beruflich mit einem IDF General unterhalten und unsere Unterhaltung schweifte zu den juengsten Regierungsskandalen ab, gegen die sich die Regierung so eifrig verteidigt, dass sie kaum noch funktioniert. Gegen zwei Oberrabbiner wird ermittelt. Zwei Justizminister wird Fehlverhalten vorgeworfen und Verfahren gegen sie werden angestrengt. Der gerade zurueckgetretene Generalstabschef wird immer noch von der Anklage verfolgt, dass er in den ersten Stunden des Kriegs sein Aktienpaket verkauft habe. Gegen die Leitung der Steuerbehoerde wird ermittelt, einige stehen unter Hausarrest. Der Praesident wird wegen Vergewaltigung angeklagt. Gegen den Premierminister wird wegen mutmasslicher Korrupiton ermittelt. (Er und alle anderen bestehen darauf, unschuldig zu sein.)

„Wie erklaeren Sie sich dieses Land?“ fragte mich der General. „In jedem normalen Land wuerden die Leute auf die Strasse gehen, Reifen verbrennen, zu Tausenden protestieren. Aber hier passiert nichts. Die Leute machen weiter, als gaebe es keinen Grund zur Aufregung.“

Wird fortgesetzt, sobald ich mehr Zeit habe und die Genehmigung von Daniel Gordis bekommen habe.

3 Antworten

  1. zuerst moechte ich dir fuer den hinweis auf den text danken. ich werd den glaub ich nun auch mal verlinken.

    zweitens wuerd ich anbieten, solltest du die genehmigung von gordis kriegen, auch einen teil zu uebersetzen und ihn dir dann zur veroeffentlichung zu schicken. nur ein angebot. solltest du das lieber als persoenliches projekt weiterfuehren wollen…

  2. Danke Orcival, bis jetzt habe ich noch nicht von Daniel gehoert. Ich uebersetze eigentlich so schnell, dass ich das gut allein hinkriegen sollte. Wenn es mir doch knapp wird, wende ich mich an Dich.

  3. in ordnung…

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