Staatsvertrauen und Eigenverantwortung


Ich sehe eine gewisse Verbindung zwischen dem aus meiner Sicht uebertriebenen Staatsvertrauen in Deutschland und damit, dass auffallend wenig Eigenverantwortung und Initiative eingefordert wird.

Mir scheint, das zwei verschiedene Typen ihre Hoffnungen und Erwartungen auf den Staat richten. Das duerften zum einen diejenigen sein, die sich Chancen ausrechnen, die staatlichen Vorschriften so zu beeinflussen, dass sie den eigenen Werten entsprechen. Solche Menschen, wenn sie dem Staat mehr und mehr Zustaendigkeiten zuschanzen wollen, agieren eigentlich nach diktatorische Impulsen. Dann gibt es aber auch den Typ, der sich selber von seinen Wahlmoeglichkeiten und der daraus resultierenden Verantwortung ueberfordert sieht. Er wuerde ganz gern, wenigstens die Verantwortung fuer eigene Fehlentscheidungen an den Staat abgeben, wenn es sein muss, koennte er sich vielleicht auch mit einer Einschraenkung der Wahlmoeglichkeiten anfreunden.

Als ich noch Studentin war, hatte ich ein Gespraech mit zwei aelteren Studenten. Sie hatten beide Faecher studiert, die keinen besonderen Marktwert hatten und schlugen sich mit ABM-Massnahmen und Arbeitslosenunterstuetzung durch. Sie fanden sich von der Gesellschaft nicht ausreichend gewuerdigt. Mir war das schon damals fremd. Ich habe meine Faecher gewaehlt, wohl wissend, dass weder Historiker, noch Theaterwissenschaftler sicherere Berufsaussichten hatten. Keiner hatte mich gezwungen, meinen Interessen nachzugehen und so erwartete ich auch von niemandem, mir unter die Arme zu greifen. Aber dass ich die Freiheit hatte, etwas „Unnuetzes“ zu studieren, nur weil es mich so brennend interessierte, das wusste ich sehr zu schaetzen!

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2 Antworten

  1. „Ich sehe eine gewisse Verbindung zwischen dem aus meiner Sicht uebertriebenen Staatsvertrauen in Deutschland und damit, dass auffallend wenig Eigenverantwortung und Initiative eingefordert wird.“

    da ist 100%ig was dran.
    was war nur zuerst?

    ich sehe als selbständige auf jeden fall 100%ig den unwillen des staates selbständigkeit zuzulassen. selbständigen werden viele knüppel zwischen die beine geworfen, finanzielle und moralische. es ist dem deutschen staat lieber, die leute in abhängigkeit von (bsp. Hartz IV) zu sehen, als sie in der selbständigkeit zu unterstützen.

  2. Schoschana,
    allein schon das deutsche Steuerrecht bestraft Selbständigkeit.Abgesehen davon, dass man es kaum noch durchschaut, wird man mit formalen Anfordernissen überhäuft, bis viele entnerft das Handtuch werfen..
    Irgendwie hat die Politik nicht erkannt, dass es sich rächt, wenn man den Mittelstand abwürgt.Es scheint den feinen Volksvertretern völlig egal zu sein, dass gerade der gebeutelte Mittelstand die meisten Arbeitsplätze stellt..
    Tja, damit muss man leben- Ich möchte nicht angestellt tätig sein, gerade das Durcheinander und die sich ständig ändernden Gesetze bringen auch die Möglichkeit, sich völlig legal Schnäppchen zu sichern.
    Jutta

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