Eshet Chayil


Woman of Valor heisst die Hymne, die der Ehemann traditionell am Shabbatabend fuer seine Frau sagt oder singt. Mir bedeutet dieser Moment viel. Wir beginnen mit dem Segnen unserer Toechter, und dann bin ich dran. Waehrend mein Mann mir diese Worte sagt (mit Singen hat er es nicht so), fuehle ich den Stolz auf die saubere und ordentliche Wohnung, das festliche Essen, die Arbeit der ganzen Woche und natuerlich auf unsere Familie und empfinde, dass ich das Lob verdient habe.

Dieses Schuljahr habe ich mich bereit erklaert, zusaetzlich zu meinen sonstigen Aufgaben noch die Rolle des Elternsprechers der Klasse meiner Grossen zu uebernehmen. Ich hatte kaum Ahnung, was da verlangt wird, nur miterlebt, wie das Amt missbraucht werden kann, wenn jemand es ausfuellt, dem es weder um die Kinder noch um das Projekt, sondern nur um das eigene Ego zu tun ist. Entsprechend unbeholfen schlittere ich in die Sachen hinein. Das Eintreiben der Beitraege z.B. ist sehr schleppend. Die Elternsprecherin der Parallelklasse hat mich gerettet, als es darum ging, Buecher als Geburtstagsgeschenke auszusuchen und die Chanukkafeier zu organisieren. Von Purim liess ich mich „ueberraschen“: Erst zwei Tage vorher wurde mir klar, dass ich fuer die Klasse auch eine Aktivitaet organisieren musste. Diesmal rettete mich C., die Mutter eines Klassenkamaraden der Grossen. Ich besorgte nur das notwendige Material und sie organisierte mit der Lehrerin und den Schuelern einen kleinen Workshop, wo die Kinder „Manot“ vorbereiteten, und fuehrte ihn auch durch. Als ich ihr dankte, meinte sie, sie wuerde gern helfen, aber das naechste Mal sollten wir etwas frueher anfangen zu ueberlegen.

Gestern abend besuchte ich sie und wir dachten gemeinsam darueber nach, was wir zu Pessach mit der Klasse machen koennen und wollen. Ich kannte C. bisher nur oberflaechlich. Ihre beiden Soehne sind rundum sympathische Kinder (ich neige dazu, von den Kindern Rueckschluesse auf die Eltern zu ziehen), und ihre Effizienz und Kreativitaet hatte ich zu Purim bewundert.

Wie es bei solchen Gelegenheiten geht, werden ein paar persoenliche Fragen gestellt. An mich gerichtet wird meistens die Frage, wie es mich nach Beer Sheva verschlagen hat, wodurch meine erste Ehe und Scheidung auf den Tisch kommen. An diesem Punkt fing C. an von ihrem eigenen Leben zu erzaehlen. Anscheinend hat sie einen Mann, der kaum zu normalem Zusammenleben faehig ist und grosse Angst vor Verantwortung hat. Wie es ihr trotzdem gelungen ist, eine Familie aufzubauen und ihrem Mann langsam die Aengste zu mildern und ihn einzubeziehen, ist eine Saga fuer sich. Ich bilde mir ja schon etwas auf meine eigene Tuechtigkeit ein, aber ich hatte/habe ganz andere Voraussetzungen! Diese Frau hat mit nichts angefangen und damit meine ich sowohl Geld, wie auch Foerderung durch ihre Familie. Sie hat sich selber um eine Ausbildung bemueht und sie durchgezogen, so dass sie finanziell selbstaendig ist. Sie hat ihre Kinder bekommen, obwohl ihr Mann ihr jedes Mal damit drohte, sie zu verlassen, und es phasenweise auch tat. Sie erzieht ihre Kinder in einer Weise, die ich rundherum gut finde, auch zur Achtung des schwierigen Vaters. Sie haelt das Haus und die Familie zusammen und imstande und bei all dem findet sie Zeit und Freude daran, mir mit der Klasse zu helfen.

Solche Frauen sind das Rueckgrat der Gesellschaft. Ich kenne viele Frauen in Beer Sheva, die den Ehrentitel „Eshet Chayil“ verdienen, aber wenige, die es so schwer hatten/haben wie C. und trotzdem mit so viel Kraft, Mut und Lebensfreue die Dinge angehen.

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