Choose life!


Lila von Letters of Rungholt schrieb gestern einen langen Kommentar, warum Israel sich trotz der Bedrohung durch Kraefte, fuer die internationales Recht nur dann relevant ist, wenn sie sich davon Vorteile versprechen, an dem Prinzip ethischer Kriegsfuehrung festhaelt. Sie schliesst ihren Text mit

Jede Gesellschaft entscheidet sich, ob sie das Gewicht auf Tod oder Leben legt. Wir wählen das Leben, wenn auch unter schwierigen Bedingungen. Die Palästinenser Krieg, Terror und Tod.

Ich glaube nicht, daß wir ihnen das nachmachen sollten.

Ich bin nicht sicher, ob es Lila im Augenblick des Schreibens bewusst war, aber ihre Worte sind ein klares Echo von diesem Vers aus Parashat Nitzavim (Parasha = Abschnitt fuer woechentliche Thoralesung, der Name kommt von den jeweiligen Eingangsworten), Deut. 30:19

Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, damit du das Leben erwählst und am Leben bleibst, du und deine Nachkommen

Dieser Imperativ ergeht vor folgendem Hintergrund: Das Volk Israel hat seine 40-jaehrige Wuestenwanderschaft beendet. Es versammelt sich am Ufer des Jordans, um in das ihm versprochene Land einzuziehen. Gleichzeitig ist dies der letzte Tag im Leben von Moshe Rabbeinu. Anlaesslich dieser Zaesur wird der Bund erneuert:

Ihr steht heute alle vor dem HERRN, eurem Gott, die Häupter eurer Stämme, eure Ältesten, eure Amtleute, jeder Mann in Israel, eure Kinder, eure Frauen, dein Fremdling, der in deinem Lager ist, dein aHolzhauer und dein Wasserschöpfer, damit du tretest in den Bund des HERRN, deines Gottes, und unter den Eid, den der HERR, dein Gott, dir heute auflegt, daß er dich heute zum Volk für sich erhebe und er dein Gott sei, wie er dir zugesagt hat und wie er deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat. 13Denn ich schließe diesen Bund und diesen Eid bnicht mit euch allein, sondern mit euch, die ihr heute hier seid und mit uns steht vor dem HERRN, unserm Gott, wie auch mit denen, die heute nicht mit uns sind. (30: 9-14)

Fuer mich ist das einer der zentralen Punkte im Judentum. Die Willensfreiheit des Menschen wird vorausgesetzt. Es liegt an uns, was wir waehlen.

Der islamistische Slogan „You love life, we love death“ ist voellig richtig beobachtet. Die Schlussfolgerung, die u.a. Nasrallah daraus zieht:

We are going to win, because they love life and we love death.

dagegen ist falsch. In einem seltenen Moment von oeffentlicher Selbstkritik in der PA hielt Dr Ghazi Hamad, Sprecher der Hamas-Regierung vergangenen Sommer fest:

„We didn’t succeed in preserving the victory of liberating Gaza. 500 people died in the Strip since the withdrawal, as opposed to 3-4 Israelis killed by rockets. The reality in Gaza today is one of neglect, sadness, and failure. When someone errs we are scared to criticize him to avoid being accused of being against the resistance,“ Hamad wrote.

Es ist psychisch nicht moeglich, den Gegner zu daemonisieren und jeden Terror ihm gegenueber gutzuheissen und zu befoerdern, und gleichzeitig in der eigenen Gruppe ethisch zu handeln. Der Hass auf Israel traegt gerade auch in der palaestinensischen Bevoelkerung blutige Fruechte. Allein seit dem 1. Januar dieses Jahres wurden in den Gebieten mindestens 155 Palaestinenser durch interne Gewalt getoetet.

P.S. Dank Lila habe ich jetzt auch die Thorazitate auf Deutsch und tausche sie gegen die englischen aus.

2 Antworten

  1. […] Der “Hass auf den Tod” bei Canetti scheint mir ein sehr juedisches Motiv zu sein, vgl. Choose Life! […]

  2. […] mit ihren eigenen Nischen, Beduinen koennen sich wie Haredim in einer Nische einrichten). Choose life! This entry was written by beer7, posted on Mit, 2. Apr 2008 at 08:17, filed under FdoG. Bookmark […]

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