Diskriminierungen?


Am letzten Shabbatausgang haben mein Mann und ich zusammen Ilana Dayans Programm „Uvda“ (=Fakt) im 2. israelischen Fernsehen angeschaut. Ich kann mich nicht an die Namen erinnern. Es ging um eine israelisch-arabische Familie, die von einer kleinen landwirtschaftlichen Siedlung nicht als Mitglieder akzeptiert wurden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um diesen Fall: Israeli Arab couple petitions High Court after residency denied und zwar aus dem einfachen Grund, das ich keinen zweiten Fall finden konnte, der auch nur halbwegs gepasst haette.

Rakefet ist ein Moschav, d.h. eine landwirtschaftliche Siedlung, die auf dem Prinzip der Genossenschaft beruht. Im Unterschied zum Kibbutz gilt das Prinzip des Privateigentums. Nach meinem Verstaendnis sind einige Schweizer Doerfer aehnlich genossenschaftlich organisiert. In Rakefet leben weniger als 200 Familien, die Lage ist laednlich idyllisch.

Weil Landwirtschaft allein auch in Israel eine immer prekaerere Einkommensquelle ist, hat Rakefet wie viele andere Kibbutzim und Moshavim, Bauland fuer Familien ausgewiesen, die zwar nicht in der Landwirtschaft taetig sind, aber doch laendlich wohnen moechten. Bewerber muessen sich einer Pruefung durch ein lokales Komitee unterziehen. Auch das ist in allen vergleichbaren Siedlungen so ueblich: Man moechte wissen, wen man als Nachbar bekommt und verhindern, dass sich Leute der Siedlung anschliessen, die nicht zu den bisher Ansaessigen passen.

Ahmed Zvidat und Fahina Avrik wurden abgelehnt und zwar mit einiger Wahrscheinlichkeit, weil sich das lokale Komitee nicht vorstellen kann, dass arabische Buerger zu den bisher anscheinend rein juedischen Bewohnern passen. Das empfinden die Betroffenen als Diskrimination und Ilana Dayan liess in ihrem Programm keinen Zweifel daran, dass sie diesen Standpunkt teilt.

Mit einiger Wahrscheinlichkeit werden Ahmed Zvidat und Fahina Avrik ihre Ansprueche per Gericht durchsetzen koennen. Damit haben sie einen Vorteil vor juedischen Bewerbern, die ebenfalls abgelehnt wurden, aber nicht gegen Diskriminierung klagen koennen.

Mein Mann und ich schauten uns an und unsere Lippen formten „Hebron“.

Warum ist es Diskriminierung, wenn eine kleine laendliche Gemeinde keine arabischen Mitglieder haben moechte? Aber wenn Juden in Hebron ausserhalb der juedischen Enklave ein Haus besitzen, dann droht die israelische Regierung mit gewaltsamer Raeumung, ohne zuerst abzuklaeren, ob das Haus legal erworben wurde? Mir scheint, hier wird wie so oft mit doppeltem Mass gemessen: Juedische Israelis muessen staendig beweisen, dass sie keine Rassisten sind, indem sie Araber mit ausgebreiteten Armen aufnehmen. Araber haben das gute Recht, Juden zu hassen und daher muessen Juden darauf achten, ihnen nicht in die Quere zu kommen.

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