Ich bin zurueck


Es war eine anstrengende Arbeitswoche und Spass hat es gemacht! Gelegentlich brauche ich den Adrenalinschub von Geschaeftsreisen.

Bei bisherigen Geschaeftsreisen wurde ich regelmaessig auf isr. Politik angesprochen – ich spreche von ueber 10 Jahren und 3-5 Reisen pro Jahr – aber diesmal kein einziges Mal. Beim letzten Kunden erwaehnte ich das. Seine Antwort war, dass ja jeder die Nachrichten kenne. Aber das erklaert natuerlich nichts. Die Berichterstattung ueber Israel war immer dicht und teilweise tendenzioes. Oft wurde ich nicht nur befragt, sondern geradezu zur Rede gestellt. Dadurch uebte ich uebrigens Argumentieren. Schliesslich hat ein Kunde grundsaetzlich Recht und ich muss immer freundlich und hoeflich bleiben, waehrend ich gleichzeitig doch die groebsten Vorurteile und Fehleinschaetzungen zu berichtigen suchte.

Gefuehlsmaessig wuerde ich dieses auffallende Fehlen darauf zurueckfuehren, dass die Meinung in Europa umgeschlagen hat. Die „Eliten“ sind wie so oft die Nachhut. (Warum sollten eigentlich Journalisten und Intellektuelle die „Elite“ darstellen, waehrend Geschaeftsleute, die sehr viel unmittelbarer die Resultate ihrer Entscheidungen spueren, zum „einfachen Volk“ gerechnet werden?)  Insgesamt ist mein Eindruck, dass breite Teile der europaeischen Bevoelkerung verstanden haben, dass nicht Israel durch seine besondere Boesartigkeit die eigene Vernichtung herausfordert, sondern dieselbe Ideologie auch ihre Lebensweise vernichten wuerde.

9 Antworten

  1. Wirklich? Oh, das wäre ja zu schön um wahr zu sein.

    Schön, daß Du wieder zurück bist!

  2. liebe ruth,

    tut mir leid, ich kann deinen optimismus (noch) nicht teilen. eher habe ich das gefuehl viele menschen lassen sich immer noch gerne von den medien manipulieren, das erspart nachfragen und nachdenken. nicht nachfragen kann auch ein zeichen von zunehmender bequemlichkeit sein 🙂

    schabbat schalom,
    d.

  3. Dieses Beobachtung kann ich auch nicht teilen.
    Vielleicht wurde weniger gefragt, weil Israel momentan eher innenpolitische Schlagzeilen macht (Winograd) und weniger der Konflikt mit den Palästinensern.
    Das ist nicht so interessant wie die Israelis für Kriegsverbrechen anzuprangen.

  4. Willkommen zurück. Anneka(fast unterwegs nach IL)

  5. Ein guter Freund von mir ist gerade von Deutschland aus aufgebrochen, um auf dem Landweg nach Israel zu reisen. Das Bild Israels in den Ländern, durch die er zu reisen gedenkt, ist eines seiner Themen, mit denen er sich als deutscher Jude besonders auseinandersetzt. Interessierten empfehle ich einen Besuch auf seiner Webseite http://www.selutin.de.

  6. „Insgesamt ist mein Eindruck, dass breite Teile der europaeischen Bevoelkerung verstanden haben, dass nicht Israel durch seine besondere Boesartigkeit die eigene Vernichtung herausfordert, sondern dieselbe Ideologie auch ihre Lebensweise vernichten wuerde.“

    das ist zwar nicht mein persönlicher eindruck – ich bin vielleicht ein wenig zuuuu schwarz sehend in bezug auf „dieselbe ideologie“ – aber eine meiner kolleginnen brachte fast wörtlich die gleichen argumente vor. wir diskutiereten über die folgen der säkularisierung und die gleichzeitige stärkung und unterstützung des islams in deutschland durch staatliche stellen auf die allgemeinen demokratischen strukturen und den lebensstil der hier lebenden leute.
    ich fürchte, wir hier in europa verfolgen – die in meinen augen falsche – strategie der „zähmung“ , wie sie in „der kleine prinz“ eindrucksvoll beschrieben wird. der fuchs bittet den kleinen prinzen, ihn zu zähmen, ihn sich vertraut zu machen. nachzulesen auf dieser seite: http://fsinfo.cs.uni-sb.de/~lynx/texts/petitprince.html.de
    ich wage aber zu bezweifeln, dass dieser „fuchs“ gezähmt werden will. mir scheint, er ist und bleibt ein raubtier.

    in bezug auf deine jüngste erfahrung mit der eigentlich üblichen israelkritik würde ich mich auch eher erans und grenzgängers meinung anschließen.

  7. Also, ich hatte gerade Besuch von einem deutschen Journalisten, noch dazu einem gutmeinenden!, und ich fand die implizite Feindseligkeit und Doppelmoral Israel gegenüber absolut intakt. Und solche Leute empfinden sich als pro-Israel! Ich will gar nicht wissen, was die denken, die sich ehrlich als anti-Israel outen.

    Israel ist alles schuld, Israel ist korrupt und aggressiv, Israel ist ein Unrechtsstaat, Apartheidsstaat, die Mauer…. das ganze alte Blabla. Egal was passiert, der israelische Goliath gegen den arabischen David….

    Vergessen wir es. Wir haben von Europa NICHTS zu erwarten.

  8. Vergesst bitte nicht, dass meine Beobachtungen sich auf eine kleine, klar definierte Gruppe von Deutschen beziehen: Geschaeftsleute im mittleren Management in mittelgrossen Unternehmen. Was diese Gruppe angeht, kann ich einen Stimmungsumschwung beobachten. Auf andere beziehe ich mich nicht. Im Gegenteil habe ich Journalisten und andere selbstdefinierte Eliten ausdruecklich als Nachhut bezeichnet. Die werden den Groschen erst fallen hoeren, wenn er schon vom Herumliegen Rost angesetzt hat.

  9. @lila>ich befuerchte du hast recht, so nehme ich die stimmung auch wahr, LEIDER !

    @alle> SCHAVUA TOV !

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