Victor Kocher von der NZZ


bietet sich fuer einen Vergleich in der Berichterstattung an:

Libanons Armee rückt in Nahr al-Barid vor

(…)

Die libanesische Armee geniesst weiterhin die Unterstützung der Regierung und breiter Bevölkerungskreise. Und sie vermochte bisher den Anschein zu erwecken, als vermieden die Truppen möglichst einen blinden Beschuss des Palästinenserlagers und seien um Schonung der verbliebenen Zivilbevölkerung bemüht. Doch nun, da die Guerilla offenbar in einem zentralen Teil des Lagers auf rund einem Quadratkilometer eingekesselt ist, gestaltet sich die Aufgabe der Soldaten zusehends schwieriger. Wenn die hartgesottenen Kämpfer, von denen einige auch Erfahrungen im Irak haben sollen, die Elitetruppen in Nahkämpfe in den zweifellos mit Sprengfallen präparierten Gassen und Häusern verwickeln können, droht die Opferzahl rasch anzusteigen.

Wenn anderseits die Armee schwere Mittel wie Panzer und Bulldozer einsetzt, um Breschen zu schlagen, setzt sie sich dem Vorwurf aus, die gleichen brutalen Methoden wie die Amerikaner in Fallujah und die Israeli im Palästinenserlager von Jenin anzuwenden. Umgekehrt darf es keine halben Lösungen geben, weil hier in einem Kampf von strategischer Bedeutung die Durchschlagskraft der Streitkräfte und der Regierung auf dem Spiel steht. (…)

In diesem Artikel hat Victor Kocher volles Verstaendnis fuer die Vorgehensweise der libanesischen Armee. Er betont vorsorglich schon, dass ev. stark ansteigende Opferzahlen auf das Konto der „hartgesottenen Kaempfer“ und ihrer „Sprengfallen“ gehen werden.

Und so berichtete derselbe Victor Kocher vor fuenf Jahren, als die IDF nach den Terroranschlaegen vom Maerz 2002 mit ueber 100 israelischen Toten ins Fluechtlingslager von Jenin eindrang

Die Sprache der Trümmer in Nablus und Jenin

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Im Zentrum des Flüchtlingslagers von Jenin befindet sich hingegen eine wahre Stätte des Elends. Im Viertel Hawashin bietet eine Fläche von rund drei Fussballfeldern das Bild eines von Menschen gemachten Erdbebens. Nach Aussagen von Anwohnern brauchte die israelische Armee hier, wo palästinensische Bewaffnete äusserst zähen Widerstand leisteten, tagelang Kampfhelikopter und Panzerkanonen. Nach abschliessenden Warnungen über Lautsprecher begann schliesslich am 11. April ein Bombardement mit F-16-Kampffliegern. Dann rückten riesige gepanzerte Bulldozer ein und legten in dem Geviert alle noch stehenden Haustrümmer endgültig flach. Die Armee machte geltend, sie habe auf diese Art zahlreiche Sprengladungen unschädlich gemacht. Rettungstrupps fanden im Schutt später Leichen von Kämpfern und Zivilpersonen.

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In den Häusergruppen um das Zentrum sind vielfach entlang der Strasse auf beiden Seiten die Hausfassaden weggerissen. Die Bewohner sassen in den offenen Räumen und tranken Tee. Ein Baufachmann bemerkte, dass solche Schäden nicht von einem Kampfpanzer herrühren, sondern von Bulldozern mit einer grossen Ladeschaufel. Zudem müssten die Fahrer dieser Apparate grosse Erfahrung in solchen Operationen haben, denn die Gefahr des Einsturzes eines ganzen Gebäudes über der Maschine ist gross.

Es wird auch deutlich, dass diese Zerstörungen nur teilweise der Zufahrt von Panzern dienten; vielfach wurden ohne ersichtlichen Grund Häuser zerstört. Die Palästinenser fassen das Ganze als eine monumentale Strafaktion der Israeli für deren blutigen Verluste bei der Eroberung des Lagers auf, insgesamt 23 Tote und Dutzende von Verletzten. (…)

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Hier uebernahm Victor Kocher ungeprueft und voellig unkritisch pal. Behauptungen. Ein Bombardement durch F16-Flieger hat es in Jenin nie gegeben. Dennoch wird diese Luege als Tatsache formuliert und das zwei Wochen nach den Kaempfen in Jenin!

Kocher hat nicht nur keinerlei Verstaendnis fuer die schwierige Aufgabe der israelischen Soldaten. Im Gegenteil mimt er den Militaerexperten, der feststellen kann, dass die Zerstoerungen mindestens teilweise willkuerlich und pure Racheaktion gewesen seien.

Die unterschiedliche Emotionalitaet der beiden Darstellungen laesst sich kaum erklaeren, wenn unterschwelliger Antisemitismus ausgeschlossen werden soll

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2 Antworten

  1. Ein Vergleich der Viktor Kocher ganz schön alt aussehen läßt. Ich würde sagen, dass dies die Dopelmoral dieses Herrn entlarvt.

    Ruth,

    hast Du Kocher schon angeschrieben und ihn mit diesem Vergleich konfrontiert ? Mich würde seine Reaktion interessieren bzw. wie er sich hier herauswindet.

  2. Perry,

    ich habe der Redaktion der NZZ Text und Link zukommen lassen und gefragt, ob sie zu anderen Schlussfolgerungen kommen. Der Erhalt wurde mir von der Redaktion bestaetigt.

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