Verhandeln mit Hamas III


Gestern haben 11 linksorientierte Schriftsteller und Intellektuelle eine Petition vorgelegt, in der sie Olmert auffordern, mit Hamas zu verhandeln. Intellectuals to PM: Talk with Hamas

Ich halte nichts von Verhandlungen mit Hamas. Und mir scheint es bedenklich, dass Schriftsteller aus ihrem literarischen Rang den Anspruch auf besonderes politisches Verstaendnis ableiten.

Amos Oz und David Grossmann habe ich in dieser Hinsicht schon ein bisschen unter die Lupe genommen.

Wie gesagt, lese ich gerade systematisch „The Oslo Syndrome“ von Kenneth Levin. Hier findet sich eine ins Deutsche uebersetzte Rede von ihm vor dem Middle East Forum vom 26.09.2005. Und hier eine Rezension seines Buches durch Joel Fishman (englisch).

Vor diesem Hintergrund ordne ich die Petition folgendermassen ein. Die Auffassung, dass Israel nur zu einem Bruchteil ueberhaupt in der Lage ist, Einfluss auf den Nahostkonflikt zu nehmen (ausser, es stimmt seiner Aufloesung zu!) , bedeutet Hilflosigkeit, die psychisch schwer auszuhalten ist. Ich habe zwar Amos Oz, David Grossmann et alii nicht auf der Couch, aber gestern abend, als die Nachricht im Fernsehen kam, immerhin meinen Mann auf dem Sofa, der genauso fuehlt, ohne dass er imstande waere, seine Gefuehle so eloquent zu rationalisieren wie ein Schriftsteller. Seine Begruendung lief immer wieder auf dasselbe heraus: „Wir muessen doch irgendetwas tun. Mit Hamas haben wir noch nicht verhandelt. Es kann doch nicht schaden, das zu versuchen.“ Umsonst versuchte ich ihm klar zu machen, dass Verhandeln mit einer Partei, die nachweislich keinerlei Vertraege einhaelt (s. Mekkaabkommen) eine voellig ueberfluessige Uebung ist. Und dass sie sehr wohl schaden kann: Israelische Verhandlungen mit Hamas wuerden diese augenblicklich international rehabilitieren und die Gelder und Unterstuetzung vor allem aus Europa wuerden nur so sprudeln. Hamas genoesse waehrend der Verhandlungen einen de-facto Waffenstillstand, den sie – wie bisher noch immer – nutzen wuerde, um sich fuer die naechste Terrorrunde vorzubereiten. Israelische Verhandlungen mit Israel wuerden Hamas genau das geben, was sie braucht, um beim naechsten Anlauf noch erfolgreicher zu sein: Zeit, Geld und internationale Anerkennung.

Mein Mann konnte meinen Argumenten nichts entgegen setzen. Sie lassen sich gar zu leicht verifizieren und er kennt die Entwicklungen hier nicht weniger gut als ich. Aber sie liefen seinem Gefuehl zuwider. Er konnte nicht zulassen, dass es im Moment sehr wenig gibt, was Israel ueberhaupt tun kann.

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3 Antworten

  1. […] Antisemitismus ist nicht genetisch verankert, sondern wird kulturell weitergegeben. Bei Kenneth Levin “The Oslo Syndrome” habe ich genuegend Beispiele und Erklaerungen fuer Jud…, die sich einer von Antisemitismus gepraegten Kultur nicht entziehen konnten oder wollten. Vor […]

  2. […] Antisemitismus ist nicht genetisch verankert, sondern wird kulturell weitergegeben. Bei Kenneth Levin “The Oslo Syndrome” habe ich genuegend Beispiele und Erklaerungen fuer Juden gefun…, die sich einer von Antisemitismus gepraegten Kultur nicht entziehen konnten oder wollten. Vor […]

  3. […] Antisemitismus ist nicht genetisch verankert, sondern wird kulturell weitergegeben. Bei Kenneth Levin “The Oslo Syndrome” habe ich genuegend Beispiele und Erklaerungen fuer Juden gefun…, die sich einer von Antisemitismus gepraegten Kultur nicht entziehen konnten oder wollten. Vor […]

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