Rabins Gedenktag und Shir LaShalom


Morgen jaehrt sich nach dem hebraeischen Kalender der Tod von Yitzhak Rabin zum 12. Mal.

Meine Grosse ist dieses Jahr stolz im Schulchor und uebt fleissig zuhause fuer die Veranstaltung in der Schule: Shir LaShalom

Gestern abend, als ich schon muede dabei war, das Abendessen auf den Tisch zu bringen und es hinter mir wieder in den hoechsten Toenen dem Frieden sang, bemerkte ich halblaut zu meinem Mann (der mir natuerlich in der Kueche half), wie Rabin es wohl findet, dass sein Tod und dieses Lied eine unloesbare Verbindung eingegangen sind.

Die Grosse ist hellhoerig. Sie hoerte sofort zu singen auf und fragte, ob ich denn etwas dagegen haette. Nein, nicht wirklich. Aber angesichts dessen, was sich aus dem Osloprozess entwickelt hat, ist „Friede“ schon fast zu einem schmutzigen Wort geworden.

So wie ich es sehe, lehnt sich „Shir LaShalom“ an „Imagine“ von John Lennon an.

Beide Texte betonen das Hier und Jetzt. Die Vergangenheit wird zurueckgewiesen, inklusive von geliebten Toten (Shir LaShalom), die Zukunft gibt es auch nicht wirklich, sie wird durch die Utopie ersetzt. Nicht nach vorn, nach oben richtet sich der Blick im Shir HaShalom und John Lennon betont ausdruecklich „living for today„.

Beide Lieder wollen der Utopie ueber Gefuehle, Phantasie, Gesang naeher kommen.

Eine solche Haltung erscheint mir heute unreif, wuerdig fuer Jugendliche in der Pubertaet, die sich und ihre Gefuehle als Mittelpunkt der Welt empfinden.

Ein 73jaehriger Regierungschef sollte damit nicht viel zu tun haben. Tatsaechlich musste Rabin auch zum Mitsingen gedraengt werden. Ich erinnere mich gut an die Fernsehbilder, denn natuerlich hing auch ich am Fernseher und verfolgte die Rally.

Sechs Jahre spaeter nach Beginn der sog. 2. Intifada wurde „I hate Israel“ zum Hit in Aegypten.

Lied gegen Lied.

An diesem Abend besoff sich die Menge am Kikar der Koenige Israels in Tel Aviv und viele vor ihren Fernsehern an ihren eigenen Gefuehlen. Es waere ueberzeugender gewesen, wenn auch in Gaza und in Ramallah solche Rallies stattgefunden haetten.

Aus Rabins letzter Rede:

I want to say bluntly, that we have found a partner for peace among the Palestinians as well: the PLO, which was an enemy, and has ceased to engage in terrorism. Without partners for peace, there can be no peace.

Ganz richtig, ohne Partner zum Frieden kein Friede. Und die Auffassung, die PLO unter Arafat sei ein solcher Partner, erwies sich als Wunschdenken. Schon im Herbst 1995 haette ich Bedenken haben sollen, aber auch ich habe die Augen fest zusammengekniffen, um nicht aus dem schoenen Traum aufzuwachen.

Apr 6, 1994 – Afula
8 killed in a car-bomb attack on a bus.
Apr 13, 1994 – Hadera
5 killed in a suicide bombing on a bus at the central bus station.
Oct 9, 1994 – Bir Nabala
Nahshon Waxman was kidnapped and taken to Bir Nabala, where he was killed 5 days later during a rescue operation. An officer from the rescue team was also killed.
Oct 11, 1994 – Netzarim
3 soldiers killed by a suicide bomber riding a bicycle.
Oct 19, 1994 – Tel Aviv
21 Israelis and 1 Dutch national killed in a suicide bombing on the No. 5 bus.
Jan 22, 1995 – Netanya
18 soldiers and 1 civilian killed by two consecutive bombs at the Beit Lid junction.
Apr 9, 1995 – Kfar Darom
7 Israelis and 1 American killed when an explosivesladen van collided with a bus.
July 24, 1995 – Ramat Gan
6 killed in a suicide bomb attack on a bus.
Aug 21, 1995 – Jerusalem
3 Israelis and 1 American killed in a suicide bomb attack on a bus.

74 Tote in Israel durch Terroranschlaege in 16 Monaten (wobei ich Nashon Wachsmann und den Offizier, der bei der Aktion fiel, nicht mitgezaehlt habe).

Wenn ich in die andere Richtung zaehle, dann komme ich zwischen Maerz 1975 und 1993 auf 73 Tote in Israel durch Terroranschlaege.

18 Jahre versus 16 Monate.

„Friede“

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2 Antworten

  1. Sei stolz darauf, dass bei Euch solche Lieder gesungen werden, und nicht „I hate Palestians“ oder dergleichen!

    Ich glaube schon, dass ich Dich verstehe. Ich selbst schalte im Radio auf einen anderen Sender, wenn ich mit allzu gefühligem, politisch korrektem Liedgut traktiert werde. (Da dies ziemlich häufig geschieht, bin ich entsprechend oft am Umschalten: Man nennt dies auch den Grönemeyer-Slalom.)

    Aber ich würde nicht in einer Gesellschaft leben wollen, die solche Lieder nicht hat.

  2. […] es war ein Wunschtraum und ohne den Mord an Rabin haetten wir ihn womoeglich noch ein paar Monate weiter traeumen koennen. […]

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