Der neue NIE Bericht zum iranischen Atomwaffenprogramm


Gestern wurden die Ergebnisse des neuen NIE Berichts veroeffentlicht, wonach Iran im Jahr 2003 sein Atomwaffenprogramm auf Eis gelegt haette.

Israel stimmt mit dieser Einschaetzung ueberein, geht aber davon aus, dass das Atomwaffenprogramm seither wieder aktiviert wurde. Ich halte diese Sicht fuer plausibel. Unter dem Eindruck der ueberlegenen amerikanischen Kriegsmacht in Afghanistan und Irak hat auch Lybien im gleichen Zeitraum vorgezogen, sein Atomwaffenprgramm nicht weiter zu verfolgen.

Zum lybischen Atomwaffenprogramm lagen uebrigens so gut wie keine Geheimdienstinformationen vor, ebensowenig zu Syrien, obwohl inzwischen Konsens darueber zu bestehen scheint, dass Israel diesen September eine syrische Atomwaffenanlage bombardiert hat. Diese Beispiele und natuerlich das fehlende, irakische Atomwaffenprogramm, das seinerseits von verschiedenen westlichen Geheimdiensten fuer weit fortgeschritten gehalten wurde, sollten die notorische Unzuverlaessigkeit von solchen Berichten beleuchten.

Ob das iranische Atomwaffenprogramm seither wieder aktiviert wurde oder nicht, kann der Bericht selber nicht mit
Sicherheit beantworten.

We assess with moderate confidence Tehran had not restarted its nuclear weapons program as of mid-2007, but we do not know whether it currently intends to develop nuclear weapons.

Israel sieht diesen Punkt anders:

Israeli intelligence disputes the report’s conclusion, Barak said, and still believes Tehran is still trying to develop a nuclear weapon: “It’s apparently true that in 2003 Iran stopped pursuing its military nuclear program for a time. But in our opinion, since then it has apparently continued that program. There are differences in the assessments of different organizations in the world about this, and only time will tell who is right.

Die Bedeutung des Berichts ist ganz offensichtlich politisch: Die Flaggschiffe der liberalen Opposition in den USA wollen daraus einen Schlag gegen Bush ableiten:

U.S. Says Iran Ended Atomic Arms Work

The conclusions of the new assessment are likely to reshape the final year of the Bush administration, which has made halting Iran’s nuclear program a cornerstone of its foreign policy.

A Blow to Bush’s Tehran Policy

The new intelligence report released yesterday not only undercut the administration’s alarming rhetoric over Iran’s nuclear ambitions but could also throttle Bush’s effort to ratchet up international sanctions and take off the table the possibility of preemptive military action before the end of his presidency.

Aus israelischer Sicht ist das zu kurz gegriffen. Der Bericht wurde schliesslich mit Bushs Zustimmung veroeffentlicht. Im Moment spreche ich fuer meinen Mann und mich und unsere Reaktionen gestern: Wir empfinden, dass Bush hier selber nach einem Vorwand greift, um Israel allein in Regen stehen zu lassen. Nachdem nach unserem Verstaendnis, Annapolis eine israelische Leistung war und ein gemeinsames Auftreten gegen den Iran als Gegenleistung angedeutet wurde, bedeutet das einen Ausverkauf Israels. Dass Bush das Land besuchen will und es Olmert ueberliess, das am selben Tag den Medien mitzuteilen, bedeutet einen billigen Trostpreis.

Dieses Verstaendnis finde ich auch in der Analyse von Calev Ben David: Reading between the lines of the new Iran report

What does the NIE analysis really tells us about Iranian nuclear intentions and capabilities? That’s anybody’s guess. But from a Jerusalem viewpoint, the message it sends from Washington seems to be: If you’re thinking of a military strike against Iran’s nuclear facilities, Israel – you’re on your own.

Vielleicht ist es ganz gut, dass ich derzeit Michael Oren: Six days of War lese. Das Muster von implizierten, amerikanischen Versprechungen, die sich dann in Luft aufloesten, ist auch da deutlich erkennbar. Zum naechsten Geburtstag wuensche ich mir (und das heisst, dass ich es mir selber kaufen werde) dieses Buch

Man beachte den implizierten Optimismus. Ich gehe davon aus, dass ich im Mai/Juni 2008 Muse und Lust haben werde, dieses Buch zu lesen.

P.S. Hier noch ein lesenswertes Interview von Michael Totten mit dem Autor und zu dem Buch

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2 Antworten

  1. Du siehst das also auch so. Ich hatte gehofft, es gäbe vielleicht noch eine tröstlichere Interpretation als die, dass zwischen diesem dubiosen Annapolis-Gipfel und den nicht minder fragwürdigen Geheimdienst-Entwarnungen ein Zusammenahng besteht, der auf Kosten Israels geht.

  2. Ich fuerchte, anders kann das nicht interpretiert werden. Ich sehe das allerdings nicht ganz und gar negativ. Israel muss immer wieder daran erinnert werden, dass nur der Staat selber seine Interessen vertritt.

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