Vier Professoren oder die psychischen Nachwirkungen der Nazizeit im deutschen Bewusstsein


ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum das Thema gerade jetzt Wellen schlaegt:
German professors: Nazis helped establish Israel
German professors: No more preferential treatment for Israel

Das urspruengliche Manifest wurde schon im November 2006 in der Frankfurter Rundschau veroeffentlicht. Und die nachfolgende Diskussion hat durchaus zu einer differenzierteren Wahrnehmung gefuehrt, siehe Die Last der Geschichte

Derzeit sind wohl vier der damaligen Unterzeichner zu einer Konferenz in Netania und haben das dringende Beduerfnis, nicht nur hinter alle Differenzierungen zurueckzufallen, sondern ihren Standpunkt auch moeglichst undiplomatisch (und unwissenschaftlich natuerlich auch) zu Protokoll zu geben.

Das scheint ein deutsches Syndrom zu sein. Ich bilde mir ein, auf der Achse des Guten von einem Fall gelesen zu haben, wo ein ganz normaler Deutscher (kein Alt- oder Neonazi) in Tel Aviv nach ein bisschen Alkohol Swastikas und Heil Hitler in ein Gaestebuch eintrug. Auch aus persoenlichen Gespraechen ist mir bewusst, dass manche Deutsche davon ausgehen, dass sie in Israel als Nachfolger der Nazis betrachtet werden. Der daraus entstehende Druck ist anscheinend schwer zu ertragen und in Momenten der Enthemmung werden dann genau die Dinge rausgelassen, die unter das Tabu „Ich muss beweisen, kein Nazi zu sein“ fallen.

Ein paar Worte dazu: Kein Mord kann je „voll bezahlt“ werden. Jedes Menschenleben ist unersetzbar und kein Mord kann ungeschehen gemacht werden. Maximal kann davon gesprochen werden, dass ein Moerder seine Schuld gegenueber der Gesellschaft abgebuesst hat. Wir wissen alle, dass sehr viele Nazimoerder das nicht getan haben. Wir wissen ebenfalls, dass es keine Sippenhaft gibt. Alle Deutschen, die nicht an der Shoah mitgewirkt haben, trifft keine Schuld und sie koennen persoenlich nicht haftbar gemacht werden.

Deutschland ist ein juristisches Abstraktum. Die moderne Bundesrepublik hat die Rechtsnachfolge auch von Nazideutschland uebernommen. Israel ist nicht weniger ein juristisches Abstraktum. Meines Wissens kann Israel nicht einfach die Rechtsnachfolge von allen im Holocaust ermordeten oder verschollenen Juden uebernehmen und hat das auch nicht getan.

Die „Wiedergutmachung“, die 1952 von Ben Gurion und Adenauer ausgehandelt wurde, war ein Geschaeft zum beiderseitigen Vorteil: Israel erhielt Finanzen und Waren, die zur Zeit des Staatsaufbaus dringend benoetigt wurden, nicht zuletzt auch um die gleichzeitige grosse Welle von juedischen Fluechtlinge aus arabischen Laendern in Israel integrieren zu koennen. Im Gegenzug verhalf die Einigung mit Israel der Bundesrepublik zur dringend benoetigten internationalen Anerkennung als Rechtsstaat.

Dieser Vertrag war eigentlich abgeleistet. Im vergangenen Herbst wollte Israel nachverhandeln. Um einen abgeleisteten Vertrag wieder zu oeffnen, braucht es guter Argumente, dass sich eine neue Situation ergeben hat, die zum Zeitpunkt des urspruenglichen Vertragsabschlusses nicht absehbar war und doch in engem Zusammenhang mit der damals verhandelten Materie steht. Israel hat damit argumentiert, dass die massenhafte Einwanderung von Holocaustueberlebenden nach Israel nach dem Zusammenbruch der Sovjetunion eine solche neue Situation darstelle. In welcher Weise Deutschland das akzeptiert oder welche Argumente (ich kann mir einige vorstellen) dagegen angefuehrt wurden, habe ich nicht recherchiert. Insgesamt befinden wir uns dabei aber auf einer vertragstechnischen Ebene, die mit dem, was die Professoren drueckt, wohl wenig zu tun haben duerfte.

Zum Vergleich ist es interessant einen Blick auf die deutschen Zahlungen an die Palaestinenser zu werfen. Seit 1971 gibt es EU-Zahlungen an die Palaestinenser. Zwischen 1993 und 2003 hat die EU insgesamt 2 Milliarden Euro direkt gezahlt und die einzelnen Mitgliedstaaten zusammen noch einmal 2 Milliarden. Damit endeten die Zahlungen aber nicht. Auch 2004 bis 2007 zahlte die EU betraechtliche Summen und auf der Geberkonferenz von Paris im vergangenen Herbst sagte die EU der PA fuer das laufende Jahr 2008 650 Millionen Dollar zu. Ich spare mir das Auseinanderfieseln, wieviel davon von deutschen Steuerzahlern genommen wird, aber da Deutschland als Zahlmeister der EU gilt, wird es wohl ein signifikanter Anteil sein. Mein grober Eindruck ist, dass die deutschen Zahlungen pro Palaestinenser inzwischen das Niveau der Wiedergutmachungszahlungen pro Israeli erreicht haben.

Diese Zahlungen sind offensichtlich keine „Wiedergutmachung“ fuer einen Voelkermord, sondern haben ebenfalls das Verstaendnis eines Geschaefts zum gegenseitigen Vorteil. Die PA nahm und nimmt gern Finanzen, mit denen sie ihr kleptokratisches System in Schwung haelt und die EU und Deutschland legten es darauf an, sich als Global Player im Nahen Osten einzukaufen. Hier handelt es sich nicht um einen abgeleisteten Vertrag, sondern um einen immer noch laufenden Vertrag, bei dem staendig zusaetzliche Zahlungen verhandelt werden.

Waere es nicht mindestens so angebracht, wenn deutsche Professoren ein Ende der Bevorzugung der Palaestinenser forderten!? Wie wir inzwischen wissen, geht es den Palaestinensern selbst nach dem selbst verschuldetenen wirtschaftlichem Niedergang immer noch besser als vielen Buergern arabischer Staaten.

Eine andere Ebene ist die politische. Weil die arabischen Staaten bis heute Israels Existenzrecht als juedischer Staat nicht anerkennen wollen (Ausnahme Aegypten seit 1978 und Jordanien seit 1994) hatten und haben Staaten, die freundliche Beziehungen zu Israel unterhalten, Nachteile von arabischer Seite zu erwarten. Deutschland macht/e dabei keine Ausnahme. Mit anderen Worten: Die Haltung der arabischen Staaten zwang auch Deutschland dazu, sich zwischen Israel und den arabischen Staaten zu entscheiden. Dabei hat sich Deutschland tendenziell (aber keineswegs durchgehend!) fuer Israel entschieden. Dafuer gaebe es auch ohne die Shoah gute Gruende.

Israel ist eine westliche Demokratie und ein Rechtsstaat – die arabischen Staaten sind totalitaere Systeme in verschiedenen Auspraegungen.
Israels Wirtschaft ist groesser als die aller arabischen Staaten zusammen. Im Jahr 2005 lag das Handelsvolumen Israel/EU bei knapp 23 Milliarden Euro. Dem gegenueber betrug das Handelsvolumen der EU/Arabische Liga im Jahr 2004 gute 16 Milliarden Euro .

Eigentlich gibt es vor allem einen Grund, warum die EU sich nicht noch klarer und eindeutiger zu Israel bekennen will: Oel.
Ein zweiter Grund dringt erst seit wenigen Jahren mehr und mehr ins europaeische Bewusstsein: Die muslimischen Immigranten in Europa und ihr Gewaltpotential.

Beides scheinen mir Gruende zu sein, die in sog. Realpolitik ihre Berechtigung haben, aber kaum im moralischen Diskurs, wie ihn die Professoren zu fuehren vorgeben.

crossposted bei Freunde der offenen Gesellschaft

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18 Antworten

  1. Ich kann mir noch einen Grund vorstellen, für Israel Partei zu ergreifen:
    Wer geifert eigentlich immer mit Hass und droht mit Vernichtung?
    Und wer hilft selbst noch den Leuten, die die Vernichtung praktizieren wollen?

  2. Deine beiden Links haben dieselbe URL (führen auf dieselbe Seite von Ynet).
    Kann es sein, dass der erste zur JPost führen sollte?
    http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1203343697375&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

  3. Noch einen gefunden, bei Israel Matzav (na gut, ist ein Blog):
    http://israelmatzav.blogspot.com/2008/02/german-professors-nazis-helped.html

  4. Danke, Heblev. Ich hatte tatsaechlich vor, zur JPost zu verlinken, jetzt habe ich das korrigiert.

    Carl aus Jerusalem (Israelmatzav) gehoert zu den Blogs, die ich regelmaessig lese. Deswegen ist er auch auf der Blogroll.

  5. Zu den vielen guten Gründen, Israel zu unterstützen, gehört vor allem der, dass wir im selben Boot sitzen, weil der Feind derselbe ist. Die Muslime hassen Israel ja als westlichen Staat mindestens genauso wie als jüdischen (und sie würden einen hypothetischen christlichen Staat am selben Ort genauso bekämpfen); die Formel „Kampf gegen Juden und Kreuzfahrer“ zeigt für sich schon an, dass aus islamischer Sicht der Westen ein jüdisch-christliches Ganzes bildet. Die Einzigen, die sich weigern, das zur Kenntnis zu nehmen, sind unsere Gutmenschen. Die werden sich noch eine Burka überstreifen, um „die Muslime nicht zu provozieren“ und sich dann immer noch anklagen, „den Arabern das Öl zu rauben“.

  6. „Auch aus persoenlichen Gespraechen ist mir bewusst, dass manche Deutsche davon ausgehen, dass sie in Israel als Nachfolger der Nazis betrachtet werden.“

    Das stimmt, und das steckt auch hinter dem Phänomen des sekundären Antisemitismus: „Wie lange wollen die Juden denn noch…“ Denen, die so argumentieren, ist nicht bewusst, dass hier eine Projektion vorliegt, dass sie also den latenten Selbsthass auf Andere projizieren.

    Viele von uns haben schlicht kein Verhältnis zur deutschen Geschichte und kommen mit dem Widerspruch nicht zurecht, dass sie sich einerseits mit dem eigenen Land identifizieren (was ganz natürlich ist), dass andererseits aber diese Identifikation zwangsläufig auch die Deutschen der Nazizeit mit einschließt, deren Taten man selbstverständlich ablehnt. Man gerät also, ohne ein Nazi zu sein, durch schlichten Patriotismus in eine Art Identifikationsfalle, mit deren Paradoxien man nicht fertig wird, weil sie eine nachträgliche geistige Mittäterschaft zu implizieren scheint.

  7. „Ich bilde mir ein, auf der Achse des Guten von einem Fall gelesen zu haben, wo ein ganz normaler Deutscher (kein Alt- oder Neonazi) in Tel Aviv nach ein bisschen Alkohol Swastikas und Heil Hitler in ein Gaestebuch eintrug.“

    ich kenn den Fall eines deutscher Musiker der Berliner Philharmonie (?), der sein Hotelrechnung mit Heil Hitler in Jerusalem unterschrieb.
    War damals ein großer Skandal.

  8. prinzipiell sind wir, deutsche oder österreicher, die nachfolger der nazis, zumindest die nachkommen. damit muss man leben. auch, dass man in israel als deutscher oder österreicher zuerst einmal gescannt wird, ist völlig verständlich. ich hab die erfahrung in israel gemacht, dass eine klare stellungnahme zu den fürchterlichen ereignissen völlig ausreicht, jedoch sollte die stellungnahme ohne jedes wenn und aber erfolgen, was ja eigentlich das mindeste ist. auch habe ich schon leute gehört, die sich beklagt haben, dass überlebende der shoah nicht mit ihnen geredet haben. mir ist das nie passiert. aber wenn, dann gibt es keinen grund sich larmoyant darüber zu beklagen. überempfindlich wird sofort die ablehnung einer kollektivschuld (die eine erfindung der antisemiten und revisionisten ist) verkündet. ich rate diesen leuten nicht so überempfindlich zu sein, angesichts dessen was ein überlebender der shoah erlebt hat, sind diese dinge nicht einmal fliegenkacke.

    nach dem in unseren ländern diese wahnsinnigen dinge passiert sind, haben sich auch die nachfolgenden generationen damit zu baschäftigen, da prinzipiell eine verantwortung, nicht für die vergangenheit, aber für den umgang mit der vergangenheit besteht. patriotismus scheint mir unangebracht, weil er im heutigen europa veraltert scheint oder ist. man kann sich nicht aussuchen wo man geboren wird, man kann nur darauf achten, was in seinem land passiert und versuchen mittels demokratischer und rechtstaatlicher mittel gerechtigkeit zu fordern. simon wiesenthal ist hier ein überlebensgrosses vorbild. selbst betroffen von den greueln und danach mit einer skandalösen nachkriegsjustiz für die mörder konfrontiert, hat er immer für die gerechtigkeit gearbeitet, ohne aus dem demokratischen rahmen zu fallen. zum dank dafür bekam er vom bundeskanzler kreisky den rat, österreich zu verlassen, weil er den fpö-klubobmann friedrich peter zurecht beschuldigt hat, bei der ss und bei den mordbrigaden dabei gewesen zu sein.

  9. Oren,

    Patriotismus hat ein Comeback, zumindest wuerde ich Kosovo & Co. so einordnen.

    Ich finde es zu kurz, Patriotismus einfach als Stolz auf das eigene Land zu verstehen. Es hat mehr mit dem Gefuehl der Zugehoerigkeit zu tun. Wir koennen uns ja auch nicht die Familie auszusuchen, in die wir geboren werden. Trotzdem wuerde es jedem absurd erscheinen, dass wir deswegen unseren Familien gegenueber dieselbe Distanz einnehmen sollten wie allen anderen Menschen.

    Mit der Zugehoerigkeit entsteht auch der Wunsch sich einzubringen. Wenn wir unsere Land lieben, dann wollen wir auch Dinge verbessern, von denen wir meinen, dass sie im Argen liegen. Vielleicht wollen wir die schmutzige Waesche nicht in aller Oeffentlichkeit waschen, aber dass sie schmutzig bleibt, wollen wir auch nicht!

  10. beer7.

    http://community.aon.at/a/board.topic?id=47404

    das ist ein kleines beispiel. der grösste provider des landes betreibt ein forum, indem es vor antisemiten nur so wimmelt. dieses forum zeichnet die durchschnittsmeinung des durchnittsösterreichers auf. was hat sich geändert?
    grüße oren.

  11. Oren,

    es kann gut sein, dass oesterreichische Identitaet nur schwer ohne Antisemitismus auskommt. Hast Du mal bei Manfred nachgelesen, wie er den europaeischen Antisemitismus ableitet? Da Oesterreich ansonsten eine ziemlich schwachbruestige Konstruktion ist. Das Erbe des Habsburgischen Vielvoelkerstaat kann es ja nicht antreten und so bleibt es ohne wirklich eigene Geschichte, Kultur und mit einer Sprache, die es mit dem groesseren Nachbarn teilt, ziemlich ohne tieferes Identifikationsangebot.

    Das bedeutet aber immer noch nicht, dass Patriotismus grundsaetzlich synonym mit Antisemitismus und/oder Fremdenhass sei.

  12. 1)Denke ich auch, Geschichte ist ein Prozeß und überall ist alles einweing anders, aber gerade Albanien/Kosovaren sind ein Beispiel dafür:

    http://www.hagalil.com/archiv/2003/09/antisemitismus.htm

    2)Das Problem mit der alltäglichen deutschen Geschichtswahrnehnung (bis hinein ins akademische Milieu) ist, dass viele nicht begreifen wollen, dass die Shoa, eben kein Bestandteil eines militärischen Konfliktes war, sondern aus rassitischen Überzeugungen heraus geschah. Und im Gegensatz zu einigen anderen europäischen Ländern, gab es in D/Ö keine Besatzungsmacht, die einige Einheimische zu Greultaten ermutigen mußte. Wer sich das nicht einbesteht, betrügt. Es ist nur natürlich, dass „unbefleckte patriotische Gefühle“(wenn sie denn notwendig sein sollen) hier schwerlich für sich alleine stehen können. Aus dieser Fehldeutung kommt auch die Vielzahl an irrigen Gleichsetzungen zum Nahostkonflikt, selbst wenn sie oft nur angedeutet sind.

  13. Indem die Österreicher nach 1945 aufhörten, sich als Deutsche zu definieren, haben sie kollektiv die Flucht aus ihrer eigenen Geschichte angetreten. (Österreich hat ja eine sehr alte eigene Staatstradition, die aber immer die Tradition des führenden DEUTSCHEN Staates war – um die Political Incorrectness auf die Spitze zu treiben: Österreich hat entweder eine deutsche Identität – oder gar keine).

    Dabei haben die Österreicher nur kollektiv das gemacht, was viele Deutsche individuell getan haben, nämlich sich von der eigenen Nation verabschiedet; es gibt in Deutschland ziemlich viele Leute, die sich als Europäer, Weltbürger oder „einfach Menschen“ verstehen. Das klingt human, ist es aber nicht, weil es die Aufkündigung einer Solidargemeinschaft – eben der Nation – bedeutet, ohne eine andere an ihre Stelle zu setzen. Solche Völker – oder überhaupt Kollektive – die ihren eigenen Interessen und Bedürfnissen nicht den Vorrang vor denen anderer geben, fallen über kurz oder lang stärkeren Kollektiven zum Opfer. Das heißt ja nicht, dass man sich rücksichtslos über alle Anderen hinwegsetzt. Aber wenn einem das Hemd nicht näher ist als der Rock, dann steht man irgendwann ohne Hemd und sogar ohne Hosen da.

  14. friedrich torberg hat einmal gesagt: „der grösste unterschied zwischen deutschen und österreichern liegt in der gemeinsamen sprache.“ österreich und deutsch sind immer miteinander verbunden gewesen. man sollte jedoch nicht vergessen, dass österreich aus der tradition eines vielvölkerstaates entstanden ist. schon in diesem staat gab es nationale strömungen. es müsig darüber nachzudenken, wer angefangen hat, irgendwer wirds wohl gewesen sein. nimmt man den deutschen nationalismus heraus, so gab es lange vor hitler äusserst unsympathische deutschnationalisten in österreich, die natürlich auch mit dem antisemitismus stimmung machten. aber es gab auch einen lueger. der war christlich sozial und einer der grössten antisemiten, noch immer sind nach ihm plätze und strassen in wien benannt. weiters gab es im alten österreich einen starken tschechischen und serbischen nationalismus, die beide sehr destruktiv waren. der ungarische nationalismus war stolz aber durch seine souveränität (eigenes königreich – sisi) nicht so beissend.
    das habsburgerreich war durch und durch katholisch. über katholischen antisemitismus etwas zu sagen, erübrigt sich wohl. trotzdem war es ein habsburger, josef der zweite, ein sohn maria theresias, der das toleranzpatent einsetzte. soetwas wie eine gleichberechtigung der anderen religionen.
    die idee eines vereinten europas, kann man schon in stefan zweigs „die welt von gestern“ nachlesen. europa war in den köpfen der intellektuellen, der kaffeehausliteraten, zeitungsherausgeber usw. ein fixer bestandteil. nicht umsonst wurde das reinste deutsch weder in deutschland noch in österreich gesprochen sondern in prag. leider haben die nazis nicht nur die ganze welt in einen fürchterlichen krieg getrieben sondern auch das geistesleben in deutschland und österreich vollkommen zerstört. wenige haben überlebt. einige konnten flüchten, noch weniger kamen zurück. nicht umsonst gibt es noch immer nobelpreisträger, die 1938 flüchteten, und mit denen sich österreichische zeitungen jetzt brüsten, die vertreibung 1938 steht kleingedruckt im anhang, wenn überhaupt.

  15. @Manfred
    Nur das Problem war, dass es hier immer schwer gefallen ist, auf konstruktive Art und Weise herauszufinden, was diese „Solidargemeinschaft oder Kollektive“ (diese Worte helfen hier auch nicht weiter) –nach innen und außen- bedeuten und ausmachen, bzw. wer dazugehören darf (!) und muß(!)! Seit Beginn der Epoche der Nationalstaaten, war das fast immer der Fall: Vor Bismarck, während Bismarck, danach, im Kalten Krieg und eigentlich in anderer Form auch jetzt. Und wenn die westlichen Alliierten nicht für ein wenig Ordnung in unseren Köpfen gesorgt hätten, wäre die Bundesrepublik erneut mehrmals über ihre eigenen Füße gestolpert. Ich vermute in Österreich hat sich dieses Problem so nie dauerhaft gestellt: K&K war da immer eher der Getriebene, die deutsche Mentatlität eher ein Antreiber, der nie recht wusste was er wollte, und wenn doch … war es meist falsch.

    @Oren
    1)Stimme dir sonst weitgehend zu, obwohl während der Nazibarbarei in D der Protestantismus weitaus stärker versagt hat als der Katholizismus.
    2)„Die Welt von Gestern“ ist nicht nur in diesem Zusammenhang ein absolut lesenswertes und hochinteressantes Buch.

    Ok, das war es von meiner Seite!

    PS: Gute Besserung für all die Kranken!

  16. […] wir die Grundlage der negativen Erwartungshaltung von Deutschen gegenueber Israelis, auf die ich hier schon zu sprechen […]

  17. […] wir die Grundlage der negativen Erwartungshaltung von Deutschen gegenueber Israelis, auf die ich hier schon zu sprechen […]

  18. […] wir die Grundlage der negativen Erwartungshaltung von Deutschen gegenueber Israelis, auf die ich hier schon zu sprechen […]

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