Alibijuden: Shraga Elam (mit Update)


Ich habe mich entschlossen, eine neue Serie aufzumachen, in der ich mir verschiedene juedische Kronzeugen von Israel- und Judenhassern etwas genauer anschaue.

Seit ich Kenneth Levin „The Oslo Syndrome“ gelesen habe, gehe ich davon aus, dass die letzte Ursache fuer ein Verhalten, das mal juedischer Antisemitismus, mal juedischer Selbsthass genannt wird, in dem psychologischen Druck liegt, der auf Mitgliedern einer ueber Jahrhunderte hinweg diffamierten und verfolgten Gruppe lastet. Ich empfehle Levin ausdruecklich zur Lektuere. Ich beginne mit dieser Bemerkung, um klar zu machen, dass Alibijuden, wie ich sie in dieser Reihe behandeln will, Anspruch auf „mildernde Umstaende“ haben, auch wenn ich ihre Texte und Haltungen verurteile.

Ueber Shraga Elamist ist bekannt, dass er 1947 in Haifa geboren wurde (also vor Gruendung des Staates Israel). Seit 1979 lebt er in der Schweiz, er hat Israel demnach als 32jaehriger verlassen. Er arbeitet als „Journalist“ (keine geschuetzte Berufsbezeichung) und hat sich auf juedische und israelische Themen spezialisiert.

Dabei buerstet er seine Themen gegen den Strich, wozu auch mal gehoert, sich beim Holocaustleugner David Irving anzubiedern. Das Palaestinaportal hat soviel Gefallen an einem Text von Shraga Elam gefunden, dass es diesen unter Missachtung des Copyrights und trotz Beschwerde des Autors auf seine Seite kopiert hat*. Auch auf der SteinbergRecherche, einer marxistischen Seite, die u.a. mit Verschwoerungstheorien zum 11. September hausiert, ist Elam ein geschaetzter Autor. Damit duerfte Elams Eignung als Alibijude belegt sein.

Mit seinen Prognosen zu Israel liegt Elam in der Regel ebenso daneben wie Uzi Mahnaimi. So hat er am 25. Februar eine massive Bombardierung des Gazastreifens vorhergesagt, die sich knapp 6 Wochen spaeter noch nicht materialisiert hat.

Sein neuester Scoop ist die Nachricht, dass Israel selbst iranisches Oel kaufe, zwar nicht direkt vom Iran, sondern ueber Europa. Als Quelle gibt er EnergiaNews an. Auf deren Seite kann ich aber mit den Stichworten „נפט“ (Oel), „איראן“ (Iran) oder „פרס“ (Persien) gar nichts finden. Auch mit dem von Elam genannten Autor „משה שלב“ (Moshe Shalev) finde ich nichts, was als Quelle in Frage kaeme. Auch eine Suche auf English mit „Moshe Shalev, oil, Iran, Israel) fuehrt ins Nichts. Update: Wenn ich besser gesucht haette, (im besonderen den Namen Shalev richtig geschrieben haette), waere ich fuendig geworden:

Ich schliesse daraus, dass die Nachricht, ueber die Europas Antisemiten sich gerade die Haende reiben, einfach erfunden wurde… Fuer die Unterstellung, Elam habe seine Quelle erfunden, moechte ich mich entschuldigen.

Wenn man den Text selber genauer liest, erschliesst sich ebenfalls:

Der Sprecher der Oil Refineries Ltd., Moshe Debby, dementiert jedoch, dass seine Gesellschaft iranisches Öl importiere oder verarbeite. Seine Aussage steht aber im Widerspruch zu Artikeln vom Oktober 2006 in israelischen Zeitungen. Damals gab es eine Ausnahme in der Zensurpolitik, und es war zum Beispiel in der «Ha’aretz» zu lesen, dass die israelische Gesellschaft Paz iranisches Erdöl importieren wolle, welches in Israel raffiniert, zum Teil an die palästinensischen Behörden geliefert und auch auf dem israelischen Markt verkauft werde.

Hier steht also Behauptung gegen Behauptung (wobei die Oil Refinieries weniger frei luegen koennen als Journalisten, weil sie an der Boerse gehandelt werden und daher einer gewissen Aufsicht unterworfen sind). Als „Beweis“ fuer seine Behauptung kann Elam nichts anfuehren als dass vor anderthalb Jahren mal in Ha’aretz davn berichtet wurde, Paz denke darueber nach, iranisches Erdoel zu importieren. Von Ueberlegungen zu konkreten Plaenen bis gar zur Umsetzung ist ein weiter Weg, wie jeder bestaetigen kann, der schon mal abnehmen wollte…

P.S. Gerade habe ich den entsprechenden Ha’aretzartikel gefunden. Bei den Ueberlegungen von Paz ging es um Oel fuer die PA, das aus dem Iran geliefert werden koennte. Elams Luegen werden immer durchsichtiger. Auch hier war meine Formulierung zu scharf, da im Artikel auf Hebraeisch die Rede davon war, dass diese Oel auch in Israel vermarktet werden koennte, ist „Verzerrung“ oder „Uebertreibung“ angemessener.

Des weiteren sagt Herr Elam, dass er sich nicht auf dem Bild oben links wiedererkenne. Ich korrigiere das, in dem ich ein anderes Bild einstelle, das hoffentlich passt:

Was „Palaestinaportal“ angeht, so nehme ich gern zur Kenntnis, dass Herr Elam und Herr Arendt sich bestens verstehen (ich habe nichts anderes erwartet), allerdings hat Herr Arendt nicht das Copyright auf „Palaestinaportal“. Wer dem Link oben folgt, wird feststellen, dass er auf einem anderen Palaestinaportal landet, das unter dem Artikel ein e-mail von Herr Elam* veroeffentlicht, indem er Entfernung des Texts fordert.

* Die Seite wurde inzwischen von deren Betreiber veraendert, die entsprechende Korrespondenz geloescht.
crossposted bei Freunde der offenen Gesellschaft

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6 Antworten

  1. früher mußten sich die juden von ihre religion lossagen und umgehend taufen lassen damit sie von der geselschaft akzeptiert wurden. heute muß sich der jude in aller öffentlichkeit von israel distanzieren und die anerkenung ist ihm sicher. die spielregeln haben sich nicht großartig geändert.

  2. Von Henryk M. Broder wissen wir, dass diese Geistesgröße sich nicht nur Journalist schimpft, sondern „Recherchier-Journalist“…

  3. @sabartage
    Wenn die Alibijuden sich bei den Antisemiten Lieb Kind machen, heißt deren „Anerkennung“ allerdings nicht, dass sie gerettet werden könnten, wenn das große Schlachten wieder los geht. Die werden genauso über die Klinge springen müssen wie jeder Hassidim oder Zionist.

  4. eine sehr gute idee mit der serie, ruth 😉

    schabbat schalom !

  5. […] Der abrupte Schlusstrich und Neuanfang, den die Eltern vollzogen haben, hat Auswirkungen auf den Sohn. Shlomo Sand hat nach meinem Empfinden noch mehr Anspruch auf “mildernde Umstaende” als andere Alibijuden. […]

  6. […] (Serie bei Beer7): Shlomo Sand (Shlomo Zand), Jeff Halper Shraga Elam, Uri Davis, Anat Saragosti, Avraham […]

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