Fingeruebungen zum „Friedensprozess“


Die BBC – wahrscheinlich, weil sie wie so viele „progressive“ Organisationen den Eindruck hat, dass es eigentlich ganz einfach sein muesste, den pal.-isr. Konflikt zu loesen – hat eine Korrespondenz zwischen zwei jungen Frauen initiieert:

Anav ist Israelin, studiert englische Literatur und hat einen Job beim Media Center in Sderot.

Mona hat ihr Englischstudium erfolgreich abgeschlossen und arbeitet als selbstaendige Uebersetzerin im noerdlichen Gazastreifen.

Bevor wir uns die Briefe naeher ansehen, sollten wir uns Folgendes klar machen: Mona ist nicht unbedingt repraesentativ. Mit oder ohne Wissen der BBC wurde von Hamas eine junge Frau ausgewaehlt, bei der sich das Regime darauf verlassen kann, dass sie ideologisch einwandfrei schreiben wird.

Bereits in ihrer ersten Antwort auf Anav bedient Mona die Hamasluegen: Sie habe letzten Monat unter schweren Kopfschmerzen gelitten, weil sie bei Kerzenlicht studieren musste. Die Luege, dass Israel dem Gazastreifen den Strom abgestellt habe, wurde schon Mitte Januar lanciert. Schon am 21. Januar knickte Israel ein und lieferte wieder die volle Dieselmenge, was natuerlich nicht heisst, dass die Lieferungen angenommen wurden. Und Mona beklagt sich Anfang Maerz ueber die Kopfschmerzen, die sie moeglicherweise in der 3. Januarwoche gehabt haben koennte!

Bemerkenswert auch, wie sie darauf besteht, dass der Rueckzug aus dem Gazastreifen nichts wert ist, weil immer noch Ueberschallflugzeuge gehoert werden muessen! (Tips an die Deutschen, die in den Einflugsschneisen zum Flughafen Zuerich wohnen: Die Laermbelaestigung kann auch als Besatzung mit anderen Mitteln gesehen werden. Protestaktionen bei der UN gegen die voelkerrechtswidrige Besatzung von Sueddeutschland durch die Schweiz sind angesagt.)

Mona beklagt sich auch darueber, dass sie nirgendwohin reisen kann. Die Heuchelei wird augenscheinlich, wenn wir uns daran erinnern, dass Hamas am 24. Januar die Grenze nach Aegypten gewaltsam geoeffnet hatte und ausser den Lahmen und Bettlaegrigen die ganze Bevoelkerung Einkaufstouren in Aegypten unternahm. Waere Mona ehrlich wuerde sie davon berichten. Das ist auch mit einer Hamas-genehmen emotionalen Faerbung moeglich, etwa wie befreiend es war, endlich einmal den Gazastreifen zu verlassen oder aehnlich. Dass sie kein einzige Wort ueber etwas verliert, was auf alle Menschen im Gazastreifen elektrisierend gewirkt haben muss und erst so kurz zurueckliegt, aber die „Kopfschmerzen“ erwaehnt, belegt, dass sie ihre Propagandapunkte abarbeitet und sonst nichts.

Im zweiten Briefwechsel fragt Anav expressis verbis:

Do you believe that the Jewish people have a right to live in this land? Do you recognise Israel as a Jewish state?

Und die Antwort ist kaum weniger eindeutig. Zwar verweigert Mona die Antwort auf die Frage, wo ihre Urururgrosseltern herstammen und legt damit den Schluss nahe, dass ihre Familie auch noch nicht so lange im Raum Palaestina ansaessig ist:

I don’t care where my great-great-great grandparents came from, or when. History is full of migration and the movement of peoples, including yours.

Fast koennte man meinen, dass sie vor diesem Hintergrund auch das Recht von Juden in Israel zu leben und die Existenz des Staates anerkennte, aber dann kommt der Klartext:

How can I accept the existence of a state which has occupied our land for 40 years, an occupation which has resulted in so many Palestinians being killed?

Mona bringt wieder die Hamasproganda du jour: die Gesundheitslage im Gazastreifen.

Vor diesem Hintergrund bekommt ihre Aussage

Peace is always possible everywhere if attention is paid to it, and if rights are returned to people who have lost them. I believe in peace, as we are exchanging letters.

eine andere Bedeutung. Wir tun gut daran, dieses Verstaendnis von „Frieden“ im Hinterkopf zu behalten, wenn von arabischer Seite von „Friede“ gesprochen wird. Friede bedeutet, wenn die eigenen Forderungen erfuellt werden. Der Glaube an den Frieden haelt genauso lange an, wie die fordernde Seite den Eindruck hat, dass sie noch etwas herausholen kann.

Da Mona nach eigener Auskunft den Staat Israel nicht anerkennen kann, erwartet sie vom Staat Israel die friedliche Selbstaufloesung, um den Palaestinensern „ihre Rechte“ zurueckzugeben. Und dann fragt sie:

Do you see this as a struggle for survival, between me and you?

Wenn ich fuer Anav antworten sollte, hiesse meine Erwiderung „You bet!“

crossposted bei Freunde der offenen Gesellschaft

2 Antworten

  1. „Bemerkenswert auch, wie sie darauf besteht, dass der Rueckzug aus dem Gazastreifen nichts wert ist, weil immer noch Ueberschallflugzeuge gehoert werden muessen!“

    Hatte mich zuerst gefragt, ob es sich hier nicht um seine satirischen Ansatz, seitens der guten Mona, handeln könnte aber nö, sie meint es sehr ernst. Sowas tut schon fast körperlich weh.

  2. Man sollte doch vorher Korrektur lesen, wenn man ein Post sendet. Es sollte natürch nicht heißen „seine satirischen Ansatz“ sondern „einen satirischen Ansatz“.

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