ein bisschen Hintergrund zum Rohoelhandel


ist vielleicht angebracht: Rohoel ist eine Commodity. Ich habe ein paar Jahre Erfahrung im Bereich Leichtmetalle, die ebenfalls an der Rohstoffboerse gehandelt werden. Die wichtigsten Boersen fuer Rohoel sind der New York Mercantile Exchange (NYMEX) und der International Petroleum Exchange (IPE) in London. Rohstoffe werden auf dem Papier gehandelt und zwar als „Futures“, wobei der Lieferort der Ware in bestimmten Lagern an bestimmten Standorten definiert ist. Rotterdam ist einer von den vier wichtigsten Haefen weltweit, die als Standorte fuer Rohoelpreise an den Boersen dienen:

IFO380 IFO180 MDO MGO
Singapore 503.50 Firming +1.50 519.50 Softening -0.50 963.50 Firming +4.00 974.50 Firming +2.50
Houston 475.50 Firming +0.50 513.50 Firming +4.50 980.50 Firming +5.50
Rotterdam 475.00 Firming +3.00 501.00 Softening -0.50 885.50 Firming +8.50 953.50 Firming +16.00
Fujairah 507.00 Firming +2.50 519.50 Softening -0.50 962.50 Firming +2.50 956.00 Firming +7.50

Beim Handel duerfte die Herkunft des Rohoels angegeben werden. Erst wenn das Geschaeft konkret wird, muss die genaue Spezifikation offengelegt werden, da sich auch Oele aus derselben geographischen Lage voneinander unterscheiden und beim Raffinieren wichtig ist, von welchen Bestandteile das Oel gereinigt werden muss. Nicht jede Raffinerie kann jedes Oel verarbeiten. Iranisches Oel wird vor allem in Rotterdam gehandelt. Das ist gleichzeitig der logistisch beste Handelsplatz fuer Israel. Daher ist es alles andere als ausgeschlossen, dass iranisches Rohoel auch von Israel gekauft wird. Der Verkaeufer ist dabei nicht Iran, sondern ein internationales Handelshaus. Der Iran hat keine Moeglichkeit zu kontrollieren, an welchen Endverbraucher das Oel geht. Dagegen duerfte der Kaeufer ueber die Spezifikation und Handelspapiere verfolgen koennen, woher das Oel kommt.

Ein solches Geschaeft verstoesst gegen kein Gesetz. Das israelische Recht verbietet direkte Geschaefte mit dem Iran, nicht Geschaefte mit internationalen Partnern, deren Gegenstand iranisches Rohoel ist. Ein israelischer Boykott von Rohoel iranischer Provinienz wuerde auch wenig Sinn machen. Rohoel ist fast genauso fungibel (ersetzbar) wie Kapital.

Die UN Sanktionen beruehren das Oelgeschaeft ebenfalls nicht. Die Gleichsetzung mit dem Schweizer Gasgeschaeft ist verlogen und heuchlerisch. Dort handelte es sich um einen direkten Deal, zu dessen Abschluss die Schweizer Aussenministerin in den Iran gereist ist und wofuer massive Infrastrukturinvestitionen im Iran noetig sind.

Zwischen den USA und Israel existiert ein Memorandum of Understanding, in dessen Annex spezifiziert ist, dass Israel sich wie jeder andere auch auf dem Weltmarkt mit Oel versorgen solle. Nur im Fall, dass das nicht moeglich sein sollte, ist die USA bereit einzuspringen.

Zum Vergleich: Hier ist ein Bericht in der New York Times ueber ein Oelgeschaeft, das Israel 1989 direkt mit dem Iran abgeschlossen hatte.

In diesem Zusammenhang duerfte auch von Interesse sein, dass der Iran am 17. Februar dieses Jahres seine eigene Oelboerse eroeffnen wollte.

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