Victor Kocher – wie ein erfahrener Antizionist berichtet


Schon vor zweieinhalb Jahren hat Chajm seine kleine Anleitung fuer Nahostberichterstattung veroeffentlicht. Aber Victor Kocher in der NZZ hat noch einiges mehr zu bieten, so dass ich ihn praktizierenden Antizionisten als Vorbild waermstens empfehlen kann.

Hamas-Protest gegen Benzinkrise in Gaza

Auslassen und nicht Berichten sind wichtige Elemente in der antizionistischen Berichterstattungen, auf die viel zu wenig hingewiesen wird. Man beachte die richtige Verwendung hier: Ueber den Anschlag auf den Grenzuebergang Nahal Oz am Mittwoch den 9. April hatte die NZZ wohlweislich nicht berichtet. Wozu auch? Jeder aufrechte Antizionist weiss, dass die Palaestinenser nur ihr voelkerrechtlich garantiertes Recht auf Widerstand gegen die Besatzung des Gazastreifens (? !) ausueben.

Besser ist es, einfach zu warten, bis Israel reagiert und dann ueber die „exzessive Gewalt“ und „unverhaeltnismaessigen Massnahmen“ zu schreiben. Wenn die israelische Reaktion auch mit dem besten, antizionistischen Willen nicht ueberzogen genannt werden kann wie im vorliegenden Fall (was sind schon ein paar Tage warten auf die naechste Oellieferung, wenn die Lager eh voll sind gegenueber ermordeten Zivilisten), dann kann man immer noch die pal. Reaktion als Schlagzeile waehlen, wie es hier geschehen ist.

Sinnvoll sind auch richtungsweisende Untertitel:

Folgen eines missglungenen Anschlags auf ein Treibstofflager

„Misslungen“ ist der Anschlag, weil das mutmassliche Ziel der Geiselnahme nicht gegeglueckt war. Die Wortwahl signalisiert auf subtile Weise die Identifikation mit den Terroristen und schafft es doch ein bisschen, eine unverhaeltnismaessige Reaktion der Israelis zu suggerieren. Warum muessen die auch die Treibstofflieferung reduzieren, wenn der Anschlag doch missglueckt ist?

Wo moeglich (naemlich, wo das Verhaeltnis an Toten zu Ungunsten Israels ausfaellt) sollten auch die Zahlen eingebaut werden. Etwa so:

palästinensische Angreifer dort am Mittwoch zwei zivile Arbeiter getötet hatten. (…)
Die israelische Artillerie eröffnete nach dem Angriff heftiges Feuer auf die Fluchtwege der Angreifer, 4 Kämpfer und 3 Zivilisten kamen dabei ums Leben.

Dass die Kategorie „Zivilist“ nur auf Angaben beruht, fuer die jeder Tote zum Zivilist wird, wenn er es geschafft hat im Fallen die Waffe weit genug von sich wegzuschleudern, tut den Angaben keinen Abbruch. So genau sollte man es wirklich nicht nehmen, wenn man nicht als unmoralischer Zyniker verschrieen werden will.

Hier haben wir noch ein Beispiel fuer richtiges Auslassen: Dass die beiden ermordeten Israelis Angestellte eben der Oelfirma waren, die fuer die Treibstofflieferungen in den Gazastreifen zustaendig ist und dass sie sich ueberhaupt nur dort aufhielten, weil sie erst vor kurzem eine Lieferung durchgefuehrt hatten, dass wuerde den Leser nur mit unnoetigen Informationen belasten und moeglicherweise verwirren.

Zwischentitel sind ebenfalls geeignet, dem Leser die richtige (naemlich die antizionistische) Sicht nahezulegen:

Israelische Zerstörungsaktion

Keine Selbstkritik in Gaza

Die Zerstoerungswut der Israelis ist ja allgemein bekannt, nicht zuletzt als sie bei dem „Massaker von Jenin“* das Fluechtlingslager mit F16** zerstoert haben. Dagegen tun sich die Leute im Gazastreifen einfach mit Selbstkritik schwer, das kennen wir: Wem fiele es leicht, eigene „Misserfolge“ und ihre Folgen zuzugeben.

Immer beliebt und effektiv ist auch der Hinweis auf palaestinensische Kinder:

Laut den Hilfsdiensten wurden 5 Palästinenser getötet, unter ihnen 2 Kinder und ein Kämpfer, sowie mindestens 16 Personen verwundet.

Dass es sich bei den „Hilfsdiensten“ um palaestinensische Quellen handelt, die immer Israel verantwortlich (bitte im besonderen darauf achten, wo „medical sources“ oder „medics“ oder Organisationen zum Kindeswohl als Quellen angegeben werden) machen, auch wenn das nicht zutrifft, braucht nicht eigens erwaehnt zu werden.

Eigene (antizionistische) Meinungen duerfen gern in die Berichterstattung eingebracht werden:

den Israeli jeden denkbaren Vorwand für eine neue Kollektivstrafe liefert.

Viktor Kocher weiss wie jeder aufrechte Antizionist, dass Israel an kaum etwas so viel Freude hat, wie kollektive Strafen ueber unschuldige Palaestinenser zu verhaengen. Anschlaege (und noch dazu misslungene!) sind deshalb zu verurteilen, weil sie diesem israelischen Sadismus Vorwaende liefern.

Die Propaganda von Hamasfunktionaeren sollte 1:1 uebernommen werden, schliesslich sieht Viktor Kocher die NZZ ohnehin als Sprachrohr der Hamas:

Nach dem Boykott-Komitee stehen als akkumulierte Auswirkung der Abschnürung 85 Prozent der öffentlichen und privaten Transportmittel im Streifen still. Auch Schulbusse und die meisten Ambulanzen fielen mangels Benzin aus.

Irgendwelche Assoziationen zu frueheren Propagandaluegen sollten vermieden werden, zum Glueck ist das Gedaechtnis der meisten Leser sehr kurz. Dass selbst Ha’aretz (sonst eine beliebte Referenz fuer antizionistische Berichterstattung) berichtet, wie Hamas ganz offiziell die Haelfte von allem gelieferten Treibstoff fuer militaerische Zwecke konfisziert, faellt wieder unter verwirrende und daher ueberfluessige Informationen.

crossposted bei Freunden der Offenen Gesellschaft

* Fuer alle, die es immer noch nicht wissen: Es gab nie ein Massaker in Jenin. Bei Haeuserkaempfen kamen 23 israelische Soldaten und 52 Palaestinenser, davon mindestens die Haelfte Kombattanten um’s Leben.
** F16 wurden beim Kampf in Jenin nie eingesetzt, obwohl Kocher diese Luege noch Wochen danach wiederholt.

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3 Antworten

  1. naja, die nzz halt. diese schwere bleiwüste findet sich manchmal als werbeeinwurf in meinem briefkasten. drin zu lesen ist mir meine lebenszeit zu kurz aber bei malerarbeiten tut diese zeitung als abdeckplane vorzügliche dienste. kann ich nur empfehlen.

  2. […] Verdummungsversuche noch nicht müde; ihren Versuch Gülle über Israel auszuschütten nimmt Beer7 […]

  3. […] Wieder lesen wir, dass Israel nach Viktor Kocher Freude daran habe, ueber unschuldige Zivilisten kollektive Strafen zu verhaengen. Diesmal erfahren wir aber zu unserer Ueberraschung, dass Israel nicht allein auf diese Idee kommt, sondern offensichtlich von den USA und der EU dazu gedraengt werden muss! (Frau Calmy-Rey uebernehmen Sie, offensichtlich hat nur die Schweizer Aussenpolitik das noetige, moralische Format, endlich klar Partei zu ergreifen.) […]

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