Mehlkrise in Nablus (Shchem)


Die UN hat ihre eigene Hungerhilfe. Sie hoert auf den Namen World Food Programme

Wenn man da auf die Welthungerkarte geht und „Near East“ anklickt, erlebt man die erste Ueberraschung: Israel mitsamt den Besetzten Gebieten gehoert nicht zum Nahen Osten. Zu Nordafrika gehoert es aber auch nicht. Es ist auf der Welthungerkarte einfach nicht relevant, genausowenig wie Amerika noerdlich von Mexiko und Westeuropa.

Im Nahen Osten ergibt sich durch die Karte sofort, dass Jemen mit ueber 35% das Land ist, indem von verbreiteter Unterernaehrung gesprochen werden kann. Von den uebrigen Staaten schneidet Jordanien am schlechtesten ab, zwischen 5 und 19% der Bevoelkerung sollen unterernaehrt sein. Die uebrigen Staaten sind alle, sofern ueberhaupt Daten zu ihnen vorliegen, einheitlich senfgelb eingefaerbt: 2.5-4% Unterernaehrung in der Bevoelkerung.

Im Jemen ist das World Food Programme seit Juni 2007 in groesserem Mass aktiv, und zwar fuer „Internally Displaced Persons“ (IDPs). Insgesamt 2442 Tonnen Nahrungsmittel sind geliefert worden. In welchem Zeitraum genau (3 Monate oder mehr) kann ich nicht genau erkennen.

In Jordanien leistet das WFP der Regierung nur technische Hilfe, u.a. in einem Duerre-Fruehwarnsystem Von Nahrungsmittellieferungen kann ich nichts finden.

Demgegenueber lesen wir hier, dass vor kurzem 21000 Tonnen Mehl fuer die PA gespendet wurden. Davon wurden 4000 Tonnen Nablus zugeteilt.

Der Jemen hat nach UN Angaben 19.3 Millionen Einwohner, davon leiden 7.1 Millionen an Mangel- oder Unterernaehrung. Das WFP liefert 2,442 Tonnen Lebensmittel. In Nablus leben insgesamt 134,000 Einwohner. Gehen wir mal spasseshalber davon aus, dass alle Bewohner ohne Ausnahme Hunger leiden muessen. Das WFP liefert 4000 Tonnen Mehl.

Laut Adam Riese bekommt jeder Hungrige im Jemen vom WFP 595 Gramm Lebensmittel. Selbst wenn wir annehmen wollen, dass das ausschliesslich Kraftnahrung ist, sieht es ein bisschen duerftig aus gegenueber den 298.5 Kilogramm Mehl, die jeder Einwohner von Nablus bekommen koennte.

Wie die meisten Frauen kenne ich mich mit Kalorien bestens aus: Weissmehl hat durchschnittlich 420 340 Kcal pro 100 gr. Auf jeden Einwohner von Nablus wartet also eine Kalorienbombe mit insgesamt 1,253,731 1,014,900 kcal. Die meisten Kalorien haben reine Oele: 930 Kcal pro 100 gr. Wenn also alle 2442 Tonnen Lebensmittel als Oel geliefert wurden, dann hat jeder hungrige Jemeniter 5533 kcal erhalten.

Von der rampante Unternaerhung in Nablus, die eine so prompte und grosszuegige Hilfe ausgeloest haben muss, kann ich auf Photos nichts erkennen:

Weder diese Schuelerinnen,

noch diejenigen, die hier an einem Checkpoint Schlange stehen

noch diese Demonstranten in Nablus wirken unterernaehrt auf mich.

Komisch, nicht?

Natuerlich wird das Mehl in Nablus genauso gerecht an die Bevoelkerung verteilt, wie der Treibstoff im Gazastreifen.

crossposted bei Freunden der Offenen Gesellschaft

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