Kaffeesatz III – die grossen Zusammenhaenge


Gestern hat eine Katjusha in Ashkelon getroffen: Ein Einkaufszentrum, in dessem oberen Stock eine Mutter-Kind-Klinik untergebracht ist. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten, sondern „nur“ Verletzte. Unter den vier schwer Verletzten befindet sich eine junge Mutter und ihre Babytochter. Weitere 11 Personen (wahrscheinlich auch ueberwiegend Frauen und Kinder) erlitten mittelschwere Verletzungen.

Dazu muss man die israelische Skala ein bisschen erlaeutern:
lebensgefaehrlich – wird meistens nur als Umschreibung fuer „noch nicht klinisch tot“ verwendet. Wenn jemand eine solche Verletzung lebend uebersteht, spricht man von einem Wunder.
schwer – fuer alle Verwundungen, die zwar lebensgefaehrlich sind, aber eine reale Chance zum Ueberleben beinhalten.
mittel – Verletzungen, die das Leben nicht bedrohen, aber bleibende Schaeden nach sich ziehen, die den Betroffenen daran hindern, je wieder ein ganz normales Leben zu fuehren. (Verluste von Gliedmassen, Laehmung, Erblindung, Hoerverlust etc.)
leicht – alle anderen physischen Verletzungen. Vom Verlust eines Auges, Fingern oder der Hoerfaehigkeit in einem Ohr bis zur Schnittwunde
Schock – jede nicht physische Verletzung. Menschen, die solche Traumata erlebt haben, koennen oft ueber Jahre hinweg nicht normal leben.

Jede Rakete, die aus dem Gazastreifen abgeschossen wird, hat das Potential zu toeten und zu verletzen. Israelis, die in Raketenreichweite um den Gazastreifen herum leben oder sich dort aufhalten, werden alle einem andauernden Spiel von russischem Roulette unterzogen.

Aus Hamas‘ Sicht war die Rakete gestern ein grosser Erfolg. Wir wissen ja schon, dass jedes verletzte Kind, jede ermordete Grossmutter im Gazastreifen gefeiert wird. Darueber hinaus ist die gestrige Raketen natuerlich auch in Feier zum 60jaehrigen Bestehen Israels und in Bushs Besuchs- und Redenprogramm eingeschlagen.

Ich bin davon ueberzeugt, dass die Anweisungen fuer die Raketen in diesen Tagen (im besonderen fuer die Katjusha mit ihrer groesseren Reichweite) aus Teheran kamen. Hamas hatte ja auch schon angekuendigt, dass sie Israel fuer Nicht-Akzeptanz des Waffenstillstandsabkommen (das voellig unnehmbare Forderungen enthaelt, also gar nicht akzeptiert werden sollte) mit harten Aktionen bestrafen wuerden, dass Praesident Bush sich auf einen lauten Empfang vorbereiten solle, usw.

Mit anderen Worten, Iran fuehlt sich stark genug oder ist sich der Schwaeche von USA und Israel sicher genug, um Provokationen einsetzen zu koennen. Die Schwaeche von Israel und USA soll vorgefuehrt werden, um die arabischen Staaten zu demoralisieren, die ja gerade im Libanon wieder vorgefuehrt bekommen haben, dass der Westen ausser ein paar Worten wenig zu bieten hat, wenn es darum geht, Terrororganisationen entschlossen gegenueber zu treten.

crossposted bei Freunden der Offenen Gesellschaft

2 Antworten

  1. […] Nachtrag zu Ashkelon Mai 16, 2008, 11:01 Posted by Lila in Uncategorized. trackback Hier ist ein Bild vom Schuh des kleinen Mädchens, das verletzt wurde. Nach israelischer Einteilung mittelschwer, Ruth erklärt diese reichlich spartanische Begrifflichkeit. […]

  2. […] geht in einem beitrag auf die israelischen kategorien von verletzungen nach anschlaegen ein. dort heisst es zu den […]

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