Friede vs. Sicherheit


Man sollte meinen, dass ein Friede, der die Bezeichung verdient, die Sicherheit der Bevoelkerung automatisch mit einschliesst.

Ziad sieht das offensichtlich ganz anders. Per e-mail laesst er mich an seinem neuesten Blogeintrag Is it Really Peace that the People want in the Middle East? teilhaben.

While examining the acts and reacts of both the Israelis and the Palestinians, one can see that it is security and winning that they seek instead of Peace and sharing life.

In der Tat, solange Sicherheit und Friede als Gegensaetze empfunden werden, solange ist es menschlich sehr nachvollziehbar, dass diejenigen, die fuer den Frieden ihre persoenliche Sicherheit aufgeben sollen, das fuer ein schlechtes Geschaeft halten.

Israel hat mit dem Osloprozess ein Wagnis unternommen. Lila (der kaum rechtsradikale Neigungen nachgesagt werden koennen) schrieb vor zwei Wochen dazu:

(…)

Mit den Palästinensern ist Klasse und macht Spaß – nur leider machen sie trotzdem weiter Terror, das hatten wir nicht mit eingerechnet, wir dachten, wenn wir mit ihnen reden, hört der Terror auf. Weil normale Menschen denken: Terror ist da, wo kein Dialog ist. Nun, die Palästinenser beweisen nach Kräften, daß man beides kann: den Kuchen essen UND ihn in die Luft sprengen.

Rückzüge a la Libanon und Gaza mögen unsere Verlustzahlen an Soldaten mindern und sind daher in unserer “jeder Soldat ist mein Baby-lasst uns die Kinder beschützen”-Gesellschaft durchsetzbar. Doch auch hier erweist sich unsere schöne Rechnung (wo keine israelische Präsenz mehr ist, nimmt der Terror ab, bis er verschwindet) als schöne Illusion. Es braucht keine israelische Präsenz, um Terror zu erzeugen. Das geht auch prima ohne uns. Und wat machen wir dann? Zugucken, sich ducken? Über die Grenze rein und zurückschlagen? Ach Gott.

(…)

Kurz, die Ideen der Linken, unsere Ideen, sahen alle schön aus, solange sie wie die falsche Königstochter auf der Seite lagen und niemand sah, daß ihnen ein Auge fehlte (Brüderchen und Schwesterchen).

(…)

Ich bin nach wie vor der Meinung, daß es gut war, diese Lösungen auszuprobieren – man kann eine Hypothese weder beweisen noch widerlegen, wenn man sie nicht ausprobiert, zumindest in diesem Genre, Politik, nicht. Aber ich glaube, nur ein blauäugiger Optimist kann daran glauben, daß diese Lösungen tatsächlich funktioniert haben.

(…)

Ziad ignoriert den Osloprozess und die Schlussfolgerungen einfach, die normale Israelis daraus gezogen haben:

Still after sixty years of violence and suffering on the both sides, they want to go through more battles and sacrifice more people only for the sake of keeping their selves connected to the stupid belief and idea that they learned after they came to this life and are afraid of letting it go and create their own.

Waehrend die mangelnde Flexibilitaet der pal. bzw. arabischen Seite damit gut widergegeben ist, leugnet die Gleichstellung, dass Israel eben nicht 60 Jahre hindurch immer dieselbe Politik verfolgt hat.

Bei Ziad wird „Peace“ nicht umsonst entgegen der englische Orthographie gross geschrieben, waehrend „security“ keine Grosschreibung beanspruchen kann. Es handelt sich um einen Goetzen, der auch Menschenopfer verlangt. Wer sich weigert, ihm Blut zu opfern, dem fehlt der rechte Glaube.

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6 Antworten

  1. Wie heißt es so schön: Fool me once, shame on you. Fool me once, shame on me.
    Das ist leider das, was man den Friedenshetzern attestieren muss. Wenn dann die, die Recht behalten haben (ich auch…), „wir haben es euch ja gesagt“ brüllen, hilft das auch nicht. Jedenfalls, wenn es dazu dient, diejenigen nieder zu machen, die es versucht haben.
    Bedenklich wird es aber besonders dann, wenn die, deren Rezepte sich als falsch erwiesen haben, daraus nicht zu lernen bereit sind und denselben Fehler immer und immer wieder wiederholen wollen.

  2. Sorry, das Zitat muss im zweiten Teil natürlich heißen: Fool me twice, shame on me!

  3. […] den Frieden ihre persönliche Sicherheit aufgeben sollen, das für ein schlechtes Geschäft halten. Beer7, 01.06.08 über die seltsamen Vorstellungen so mancher Araber, wie ein Frieden im Nahen Osten aussehen soll. […]

  4. Ach, und wir haben es ja viel öfter als nur zweimal verdient. Wir haben ihnen Chance um Chance gegeben. Alles, was sie hätte machen müssen, wäre Bertha von Suttners alten Schlachtruf befolgen: die Waffen nieder. Das hätte gereicht.

    Aber sie kriegen es nicht auf die Reihe, sie meinen, mit Blut und Geist müssen sie Falestin erlösen, sie brüllen es immer wieder, mit Blut und Geist! (wobei die Definitionen von Geist hier auseinandergehen können). Kapieren sie nicht, daß sie mit Geist und Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit… viel weiter gekommen wären?

    Nicht als ob es bei uns an Knallköppfen fehlte, wie in jeder Gesellschaft haben wir auch unsere stabile Minderheit wilder Fantasten an den Rändern. Aber eine Gesellschaft, wo anscheinend die Knallköpp und Krachschläger die Mehrzahl stellen? Schwierig!

  5. Typo: wollte sagen, wir haben es viel öfter als zweimal VERSUCHT.

  6. Inzwischen muss man wohl sagen, dass die, die es immer noch nicht gelernt haben, zu dumm sind, um etwas zu lernen. Oder zu borniert? Caroline Glick hat’s ziemlich heftig und gut in Worte gefasst: Utopische Friedens-Junkies

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