Von Muettern und Toechtern


Seit ein paar Tagen beschaeftigen sich meine Gedanken mit der Situation von Frauen, Muettern und Toechtern.

Die Ballettschule, die unsere beiden Toechter besuchen, begeht das baldige Ende des Schuljahres auf eine sehr schlaue Weise: Alle Schuelerinnen (und Schueler, es gibt ein paar Buben!) haben Taenze mit Kostuemen eingeuebt. An diesen drei Vormittagen (gestern, heute, morgen) hat die Ballettschule Grundschulen in Beer Sheva eingeladen, jeweils die 1. bis 4. Klasse. Vor den besuchenden Kindern werden die Taenze aufgefuehrt, anschliessend gibt es Tanzspiele, wo die Ballettratten ihre Altersgenossen animieren. Fuer die Ballettschule ist das mit Sicherheit eine sehr effektive Marketingveranstaltung und den Kindern macht es rundum Spass.

Heute morgen mussten wir frueher als sonst aufstehen, weil die Ballettkinder sich schon um halb acht sich auf die Vorstellung von von 8:30 vorbereiten muessen (Kostueme). Wundersamerweise ist das fuer meine beiden, die ich sonst nur mit Muehe aus dem Bett bringe, ueberhaupt kein Problem. Um viertel vor sieben Uhr waren sie schon gewaschen, gekleidet, frisiert in der Kueche und futterten ihre Cornflakes. Die Morgensonne scheint bei uns durch’s Kuechenfenster, direkt auf diese jungen, lebensfrohen, schoenen Gesichter. Ich empfand wieder einmal sehr tief meine Dankbarkeit dafuer, dass uns die Freude mit diesen Kinder geschenkt wurden. Seit ihrer Geburt habe ich nicht das Gefuehl von Besitz, sondern von einer kostbaren Leihgabe.

Seit es abends so lang hell und warm ist, duerfen die Maedchen auch unbeaufsichtigt draussen spielen. Sie treffen in der Regel Schulfreunde und -freundinnen. Aber auch allein Roller oder Velo zu fahren, macht Spass. Dazu sollte ich vielleicht anmerken, dass wir direkt ueber einem Park wohnen, Strassen muessen nicht ueberquert werden. Vor allem die Kleine geniesst ihre neue Selbstaendigkeit. Seit Anfang des Jahres bekommen sie auch regelmaessig Taschengeld. Bisher haben sie das gehortet, jetzt entdecken sie die Freuden des Geldausgebens. Ebenfalls sehr nahe bei unserem Haus (und ohne eine Strasse, die ueberquert werden muesste) gibt es einen netten Tante-Emma-Laden. Dort werden immer wieder Suessigkeiten erstanden.

Gestern nachmittag wollte die Kleine ein bisschen spazierengehen. Sie verliess die Wohnung mit leeren Haenden und ihr Roeckchen hat keine Taschen. Zu meiner Ueberraschung kam sie bald zurueck und hatte Suessigkeiten fuer sich und ihre Schwester (!) eingekauft. Bei der Bushaltestelle hatte sie Kleingeld auf dem Boden gefunden. Sie fragte noch eine Frau, die dort wartete, ob sie das Geld verloren habe, was aber verneint wurde. Insgesamt waren es 8 Shekel, dafuer bekommt man schon ein paar Suessigkeiten…

Die Grosse wurde dadurch animiert. Sie wollte sich nicht auf ihr Glueck verlassen, packte also von ihrem Taschengeld ein und machte zusammen mit ihrer besten Freundin, die gegenueber wohnt, ebenfalls einen Ausflug zum Laden. Sie kam sehr aufgeregt zurueck und bat sich aus, dass ich vorlaeufig nicht ins Kinderzimmer kommen sollte. Kein Problem, die Vorbereitungen fuer das Abendessen waren in der letzten Phase. Ich richtete es auf dem Balkon und rief dann zum Essen. Die Grosse kam etwas verspaetet zu Tisch und brachte ein Geschenkpaeckchen mit. Sie hatte einen Zettel daran geklebt, auf dem stand: „Liebe Imma, lieber Abba, vielen Dank fuer 8* wundervolle Jahre. Ich liebe euch!“ Im Paeckchen war eine Duftkerze, die jetzt im Sommer auf dem Balkon wundervolle Dienste leisten kann. Wir waren alle sehr geruehrt und die Pasta wurde kalt ueber den Umarmungen und Kuessen.

* die ersten anderthalb Jahre ihres Lebens hat sie abgezogen, weil sie sich daran nicht erinnern kann, sagt sie.

Heute hat meine Mutter Geburtstag:

Herzlichen Glueckwunsch, Mama! Ich hoffe, dass Du mit uns nicht weniger Freude hattest als ich jetzt mit unseren Maedchen.

Eine Antwort

  1. oh my gosh das mit der Kerze ist ja sooooooooo süß
    Das fühlt sich schon beim Lesen an wie ein „Ich hab dich lieb“ von meinem Patenkind … *total gerührt bin*
    Danke für’s Teilen🙂

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