Die NZZ mal wieder – diesmal Karin Wenger


Antizionismus scheint immer mehr zum definierenden Element einer linken Weltanschauung zu werden. Dabei wirkt es umso obsessiver, je schwieriger es angesichts der Fakten wird, an der blinden Unterstuetzung der Palaestinenser festzuhalten.

Karin Wenger liefert den neuesten Beitrag in der NZZ, mit dem diese Obsession bedient wird. Da sie aus Nablus berichtet, ist sie palaestinensischer Propaganda tagtaeglich ausgesetzt. Im Zeitalter des Internets wuerde ich aber von einer Journalistin erwarten, dass sie die Geschichten, die man ihr erzaehlt, wenigstens ein bisschen ueberprueft.

Besonders wacklig ist der dritte Absatz:

Die zionistische Führung hatte schon am 10. März 1948 Befehle an die militärischen Kommandanten erlassen, in denen die Methode zur Vertreibung der Palästinenser beschrieben wurde.

Der angebliche Vertreibungsbefehl bezieht sich auf Tochnit Daleth oder Plan D. Nur Antisemiten wie die Leute von Electronic Intifada sind imstande, aus diesem Text etwas derartiges abzuleiten.

In Wirklichkeit handelt es sich um einen Verteidigungsplan, an dem schon seit November 1947 gearbeitet worden war:

Generally, the aim of this plan is not an operation of occupation outside the borders of the Hebrew state. However, concerning enemy bases lying directly close to the borders which may be used as springboards for infiltration into the territory of the state, these must be temporarily occupied and searched for hostiles according to the above guidelines, and they must then be incorporated into our defensive system until operations cease.

In der Realitaet des Unabhaengigkeitskrieges wurde der Plan so gar nicht durchgefuehrt.

Weiter im Text von Frau Wenger:

Beim Ausbruch des Krieges war die Hälfte der Palästinenser, die als Flüchtlinge enden sollten, bereits aus ihren Häusern vertrieben oder geflohen, weil sie von Massakern in anderen Dörfern gehört hatten.

Auch das ist Geschichtsklitterung vom Feinsten. Frau Wenger will uns weismachen, dass es den Juden noch unter dem Britischen Mandat moeglich gewesen sein soll, die Haelfte aller arabischen Bewohner (Der Begriff Palaestinenser wurde erst 1964 eingefuehrt!) des Gebietes zu vertreiben. Die Briten hatten juedischen Waffenbesitz unter Strafe gestellt und fuehrten einen immer haerter werdenen Kampf gegen die juedischen Untergrundmilizen. Die Einstellung von Sir Evelyn Barker, der 1946 bis 1947 das Oberkommando der britischen Streitkraefte im Mandatsgebiet innehalte, mag als Beispiel dienen:

“I am in favour of the death penalty for murder, political or otherwise. The one strict law we had was against carrying arms. And it’s no good having a law like that if you don’t enforce it. So if anyone was caught carrying arms, he was up before a court martial, he could state his case, but if he was found guilty that was it. And, subject to Alan Cunningham’s final say, I would confirm the death sentence.”[2]

Und Karin Wenger will uns erzaehlen, dass dieselbe Mandatsmacht schweigend zugesehen habe, wie juedische Organisationen im Mandatsgebiet die Haelte der arabischen Bevoelkerung terrorisiert und vertreiben haetten?!

Natuerlich fand schon vor dem Beginn des Krieges eine demographische Bewegung statt: Arabische Fuehrer riefen schon seit November 1947 zu freiwilligen Evakuierungen auf, wie auch von Benny Morris festgehalten wird:

Benny Morris, the historian who documented instances where Palestinians were expelled, also found that Arab leaders encouraged their brethren to leave. Starting in December 1947, he said, “Arab officers ordered the complete evacuation of specific villages in certain areas, lest their inhabitants ‘treacherously’ acquiesce in Israeli rule or hamper Arab military deployments.” He concluded, “There can be no exaggerating the importance of these early Arab-initiated evacuations in the demoralization, and eventual exodus, of the remaining rural and urban populations” (Benny Morris, The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited, MA: Cambridge University Press, 2004, p. 590.)

Frau Wenger hat offensichtlich die mentale Angewohnheit der Palaestinenser uebernommen, wonach Israel fuer alles Negative verantwortlich sein muss, im Besonderen auch fuer arabische Fehlkalkulationen.

Am Ende des Jahres waren 750 000 Palästinenser entwurzelt, 531 Dörfer zerstört und 11 städtische Bezirke von ihren arabischen Bewohnern entleert. Von den 150 000 Palästinensern, die in Israel blieben und später israelische Pässe erhielten, wurden 25 Prozent aus ihren Häusern gejagt.

Am Ende desselben Jahres hatte Israel sich erfolgreich gegen die Invasion von fuenf arabischen Armeen (Libanon, Syrien, Transjordanien, Aegypten und Irak) verteidigt und dabei einen hohen Blutzoll bezahlt, etwa 1% der juedischen Bevoelkerung war gefallen. In den folgenden Jahren verliessen ca. 850.000 Juden arabische Laender, wobei sie eher weniger freiwillig gegangen sein duerften als Araber das spaetere Israel verliessen.

Warum ist diese Katastrophe ziemlich vergessen?

Die Antwort liegt auf der Hand: Weil Juden im neu gegruendeten Staat schnell integriert wurden. Trotz aller Probleme (meine Schwiegereltern koennen stundenlang davon erzaehlen) empfinden sie sich heute alle als Israelis und nicht als Fluechtlinge. Wuerden die Kriterien der UNRWA fuer palaestinensische Fluechtlinge auch auf die juedischen Fluechtlinge angelegt, dann haetten mein Mann und meine Kinder vollen Fluechtlingsstatus und koennten auf ein Rueckkehrrecht nach Lybien bestehen!

crossposted bei Freunden der Offenen Gesellschaft

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