„Change“ – Hoffnung auf Veraenderung/Erneuerung


Vor Obama war „Change“ das Stichwort von Clinton (Audio) und davor von Carter:

His campaign, which began early in 1975, stressed Washington’s defects and his own virtues, not specific issues or a clearly defined ideology. He sensed a widespread yearning for change in leadership and great distrust of and skepticism about established leaders. He tried to persuade the disenchanted that he had the personality and values the situation demanded.

Veraenderung, Erneuerung kann sehr anziehend wirken. Vom ersten Moment an, als ich das Wort gelernt hatte, gefiel mir das hebraeische „להתחדש“ (sich erneuern), das als Glueckwunsch zu jeder neuen Frisur oder jeder neuen Kleidung gesagt wird.
אחרי החגים יתחדש הכל
יתחדש וישובו ימי החול. המטר
והאש. גם אתה גם אתה תתחדש
Das ist zum Beispiel der Refrain eines Liedes, das zu Rosh HaShana regelmaessig im Radio laeuft und das ich sehr gern habe:
Nach den Feiertagen erneuert sich alles,
der Alltag erneuert sich und kehrt wieder. Der Regen
und das Feuer. Auch du, auch du wirst dich erneuern.

Die oben hervorgehobene Stelle erinnert mich sehr an das Gebet beim Schliessen des Thoraschreins in der Synagoge: “Chadesch, Chadesch jameinu, chadesch jameinu k’kedem” (Erneuere, erneuere unsere Tage, erneuere unsere Tage wie ehedem.)

Darueber habe ich schon einmal geschrieben:
Bemerkenswert finde ich die Kombination von “neu” und “ehedem”. Es bezieht sich auf ein Konzept, wonach zyklische Ereignisse uns immer wieder Gelegenheit geben, neue Anfaenge zu setzen. Aber eben keine “Stunde Null”, keinen “Schlusstrich”, die Erneuerung aus uns selbst kann nicht funktionieren, wenn wir unsere Geschichte verleugnen.

Es liegt auf der Hand, dass die demokratische Partei, die sich links, liberal, progressiv definiert mit dem Schluesselwort „Change“ hausieren geht. Gleichzeitig wird damit der anderen Partei unterstellt, fuer Stagnation, Status Quo und dergleichen zu stehen.

Fuer Bert von Dutchblog scheint jede Veraenderung gegenueber der den beiden Bush Amtszeiten nur gut sein zu koennen. Das finde ich ein bisschen gewagt: Es kann immer schlimmer kommen. Vor allem aber scheint mir, dass es voellig falsch ist die beiden Amtsperioden von Bush so zu behandeln als ob sie eine stringente, monolithische Politik im Nahen Osten verfolgt haetten.

Mir scheint das Gegenteil der Fall zu sein.

Am 25. Juni 2002 hielt Bush eine Rede, die als Kehrtwende in der Nahostpolitik gefeiert oder je nach Standpunkt beklagt wurde:

(…) Peace requires a new and different Palestinian leadership, so that a Palestinian state can be born.

I call on the Palestinian people to elect new leaders, leaders not compromised by terror. I call upon them to build a practicing democracy, based on tolerance and liberty. If the Palestinian people actively pursue these goals, America and the world will actively support their efforts. If the Palestinian people meet these goals, they will be able to reach agreement with Israel and Egypt and Jordan on security and other arrangements for independence.

And when the Palestinian people have new leaders, new institutions and new security arrangements with their neighbours, the United States of America will support the creation of a Palestinian state whose borders and certain aspects of its sovereignty will be provisional until resolved as part of a final settlement in the Middle East. (…)

Und hier ist Bushs Rede in Annapolis vom 27. November 2007:

Standing against this dark vision are President Abbas and his government. They are offering the Palestinian people an alternative vision for the future — a vision of peace, a homeland of their own, and a better life. If responsible Palestinian leaders can deliver on this vision, they will deal the forces of extremism a devastating blow. And when liberty takes root in the rocky soil of the West Bank and Gaza, it will inspire millions across the Middle East who want their societies built on freedom and peace and hope.

By contrast, if Palestinian reformers cannot deliver on this hopeful vision, then the forces of extremism and terror will be strengthened, a generation of Palestinians could be lost to the extremists, and the Middle East will grow in despair. We cannot allow this to happen. Now is the time to show Palestinians that their dream of a free and independent state can be achieved at the table of peace — and that the terror and violence preached by Palestinian extremists is the greatest obstacle to a Palestinian state.

Die Forderung nach neuen, demokratisch legitimierten Fuehrern ohne den Makel Verbindungen zu Terror ist stillschweigend verschwunden. Abbas und Fayyad sind demokratisch nicht legitimiert. Die Wahlen im Januar 2006 hatte die Hamas gewonnen, die auch von den USA als Terrororganisation definiert wird. Wo vorher der pal. Staat davon abhaengig gemacht wurde, dass entsprechende demokratische und rechtsstaatliche Institutionen aufgebaut wurden, so wird die Reihenfolge nun umgekehrt: Der pal. Staat als Instrument Kampf gegen Extremismus und Terror. Das ist eine 180 Grad Wende.

Kann ein Praesident Obama wirklich etwas bieten, was beiden Ansaetzen der Bushregierungen entgegen gesetzt waere?

Ich faende es schoen, wenn mir jemand mal konkret auseinandersetzen koennte, welche Sorte Veraenderung er/sie sich erwartet.

crossposted bei Freunden der Offenen Gesellschaft

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