Die Unertraeglichkeit eines verschollenen Sohns


Miki Goldwasser ist die Mutter von Ehud Goldwasser, der vor fast zwei Jahren zusammen mit seinem Kamaraden Eldad Regev von der Hisbollah auf israelischem Territorium ueberfallen und gekidnappt wurde. Seither fehlt jedes Lebenszeichen von ihm wie auch von Regev. Die israelische Armee geht davon aus, dass beide tot sind. Schon am 27. Mai meldete der Medienspiegel der Deutschen Botschaft Tel Aviv, dass die Einzelheiten des bevorstehenden Deals auch darauf hindeuten:

DAS LETZTE ANGEBOT
Samir Kuntar, vier Hisbollah-Kämpfer, der Spion Nassim Nasser und zehn Leichen – das ist Israel bereit, der Hisbollah als Gegenleistung für die entführten Soldaten Goldwasser und Regev zu geben. Der Vermittler Ofer Dekel erklärte: „Das ist das letzte Angebot“. Auch Nasrallah deutete an, dass das Geschäft unmittelbar bevorsteht: „Kuntar wird sehr bald nach Hause kommen“. Stellen in Israel: „Der Preis lässt ein sehr schlechtes Gefühl bezüglich des Schicksals der beiden Entführten entstehen.“

Mit anderen Worten: Fuer lebende Soldaten wuerde Hisbollah einen sehr viel hoeheren Preis fordern.

Fuer Leichen und endlich die Gewissheit, was mit Goldwasser und Regeb geschehen ist, kommt also der stolze Moerder Samir Kuntar frei:

Augenzeugenbericht von Smadar Haran-Kaiser [Bearbeiten]

Smadar Haran-Kaiser, die bei dem Überfall ihren Ehemann Danny und ihre beiden kleinen Töchter Einat und Yael verlor, schildert im Interview mit der Washington Post vom 18. Mai 2003[4] den Ablauf der Ereignisse aus ihrer Sicht: In der Nacht vom Samstag auf Sonntag den 22. April 1979 seien sie „um Mitternacht herum“ in ihrem Apartment von „Schüssen und explodierenden Handgranaten“ aufgewacht, als vier „Terroristen“, die von Abu Abbas aus dem Libanon entsandt worden wären, mit einem Schlauchboot zwei Apartmentblocks entfernt an Land gegangen seien. Diese hätten bereits einen Polizisten getötet und seien dann, nachdem sie zunächst in das darübergelegene Stockwerk gestürmt wären und „beim Umdrehen“ Smadar Haran-Kaiser gesehen hätten, gewaltsam in die Wohnung der Familie Haran eingedrungen. Dabei hätten sie um sich geschossen und Handgranaten geworfen. Bei Ankunft der Polizei habe die Gruppe daraufhin den 28-jährigen Danny Haran und seine vierjährige Tochter Einat als Geiseln genommen und aus der Wohnung an den Strand verschleppt. Samir Kuntar habe dort, nachdem er Danny und Einat als „menschliche Schutzschilde“ gegen die israelischen Sicherheitskräfte missbraucht habe[5] „nach Augenzeugenberichten den Vater vor den Augen seiner Tochter erschossen“ und dann eigenhändig „das kleine Mädchen getötet, indem er dessen Schädel mit dem Kolben seines Gewehres gegen einen Fels geschmettert“ habe.[4] Samir Kuntar bestreitet, Einat getötet zu haben.[5] Der Polizist Eliyahu Shahar[6][7] und zwei Männer aus Samir Kuntars Gruppe seien ebenfalls getötet worden. Während des Schusswechsels habe sich Smadar Haran-Kaiser mit ihrer jüngeren Tochter Jael und einer Nachbarin aus dem Stockwerk über ihnen, die Zuflucht bei den Haran-Kaisers gesucht hätte, in einem Kriechgang über dem Schlafzimmer verborgen. Dabei habe sie das zweijährige Mädchen unbeabsichtigt erstickt, als sie verzweifelt versucht hätte, es stillzuhalten. Ihr sei „klar gewesen“, dass die Angreifer eine Handgranate in ihr Versteck geworfen hätten und sie „alle gestorben wären“, falls Jael geweint hätte. Am nächsten Tag habe Abu Abbas von Beirut aus erklärt, der Überfall in Naharija sei ausgeführt worden, um gegen die Unterzeichnung des ägyptisch-israelischen Friedensvertrages zu protestieren, der nach dem von US-Präsident Jimmy Carter vermittelten Gipfeltreffen zwischen Anwar as-Sadat und Menachem Begin in Camp David im März 1979 zustandegekommen war.

(…)

Im israelischen Gefängnis hat Kuntar Englisch und Hebräisch gelernt und an der Open University von Tel Aviv einen Abschluss in Soziologie erworben. Der englische Titel seiner auf hebräisch geschriebenen Doktorarbeit lautet: „The Contradiction of Democracy and Security in Israel.“[1] Haran-Kaiser zufolge hat Kuntar eine israelisch-arabische Aktivistin geheiratet, die sich für Gefangene einsetzt und als Gefangenenehefrau eine Pension vom israelischen Staat erhält.[4]

Nach Aussage der Anwältin und Gründerin des Mandela Institute for Human Rights [3] in Ramallah, Buthaina Duqmaq, die Kuntar regelmäßig im Gefängnis besucht, hat Kuntar seine Taten nie bereut oder bedauert. Seiner Auffassung nach ist er Mitglied einer „Befreiungsbewegung“ und „stolz darauf“.[3]

Al-Abrass wurde von Israel 1986 im Zuge des Ahmed-Jibril-Gefangenenaustauschs gegen drei israelische Soldaten ausgetauscht.

Irgendwie habe ich nicht das Gefuehl, dass Kuntar ausreichend bestraft wurde. Wenn es nach mir ginge, koennte er sich gern kurz vor seiner Entlassung mit einer besonders schmerzhaften, toedlichen Krankheit infizieren.

Ich kann die Mutter emotional gut verstehen:

Miki Goldwasser, the mother of kidnapped IDF reservist Ehud Goldwasser, slammed the army on Thursday for opposing a deal to free her son, claiming that if Lebanese terrorist Samir Kuntar had been released earlier, her son would not have been abducted in the first place.

Aber objektiv hat sie Unrecht: Haetten fruehrere Freipressungsversuche wie z.B. die Achille Lauro Erfolg gehabt, haetten sie zweifellos Entfuehrungen ermutigt und es haette ihren Sohn genausogut treffen koennen wie jeden anderen. Ich fuerchte, es wird andersherum ein Schuh daraus: Waere die letzte Erpressung weniger erfolgreich gewesen, waere der Ueberfall auf eine Patrouille entlang der libanesischen Grenze womoeglich nicht wiederholt worden.

Eine Antwort

  1. Hallo Beer7,

    Da hab ich noch einen (nimmer ganz aktuellen) Artikel dazu: http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1212659699738&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

    “Dozens of soldiers and officers from a reserve IDF infantry brigade have written a letter to the chief of the general staff, asking that he prevent Israel from freeing hundreds of Palestinian prisoners in exchange for their release in the event that they are captured by the enemy, Channel 2 reported Tuesday.”

    – Migdalit

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