Umfrageergebnisse des Palestinian Center for Policy and Survey Research


Die neuesten Umfrageergebnisse des Public Opinion Poll # 28 sind da.

Innenpolitisch, zu den konkurrierenden Regierungen:

50.6% im Gazastreifen sind mit Abbas zufrieden (vs. 46.5%), aber nur 42.8% in der Westbank gegenueber 54.1% dort, die unzfrieden mit ihm sind. Dementsprechend wuerden 56.2% im Gazastreifen, aber nur 49.2% in der Westbank fuer ihn stimmen, wenn morgen Wahlen waeren (Frage 02).

Auch bei Paralementswahlen morgen wuerde die Fatah im Gazastreifen deutlich besser abschneiden als in der Westbank: 48.8% gegenueber 39.9%. Die Hamasliste „Change and Reform“ dagegen liegt ziemlich gleichauf in beiden Territorien : 29.7% versus 33%. In der Westbank wuerden mehr Spitterparteien gewaehlt, auch ist die Zahl derjenigen, die nicht waehlen wuerden, hoeher. (Frage 03)

Mit der Hamasregierung sind 39.5% der Bevoelkerung im Gazastreifen zufrieden, versus 37.9% Unzufriedene im Gazastreifen. In der Westbank geben 34.7% Zufriedenheit und 33.8% Unzufriedenheit mit der Regierung Haniyes zu Protokoll. (Frage 22)

In beiden Gebieten lehnt man die von Abbas installierte Notstandsregierung unter Fayyad ab: Im Gazastreifen mit 51.4%, in der Westbank mit 51.2% (Frage 08). Das Fortdauern der Hamasregierung im Gazastreifen lehnen die Menschen dort zu 51% ab, aber nur 45.2% in der Westbank. Auch die Ablehnung des Hamasputsches ist im Gazaputsches ist im Gazastreifen noch ausgepraegter als in der Westbank, 69.7% gegenueber 61% (Frage 06). In der Frage der Legitimitaet geniesst die Fatahregierung einen kleinen Vorsprung im Gazastreifen 33.7% versus 29.5% in der Westbank. (Frage 09).

Sogar in Sachen Korruption ist man im Gazastreifen geneigt, Abbas Mazen nicht ganz so negativ einzuschaetzen: 19.1% halten seine Regierung fuer nicht korrupt, gegenueber 11.5% in der Westbank (Frage 15). Was die kuenftige Entwicklung der Korruption unter Abbas angeht, ist man im Gazastreifen mehr als doppelt so optimistisch: 45.9% der Befragten im Gazastreifen meinen, dass die Korruption unter Abbas abnehmen wuerde. In der Westbank erwarten das nur 22.5%. Dort ist eine absolute Mehrheit 55.4% ueberzeugt, dass sich die Korruption noch ausweiten wird, gegenueber 31.3% Pessimisten im Gazastreifen. (Frage 16)

Ein deutlicher Unterschied ergibt sich auch in der Einschaetzung der Menschenrechtslage in der Westbank: 43% der Betroffenen geben sie als schlecht oder sehr schlecht an, aber nur 38.2% der Bevoelkerung im Gazastreifen. (Frage 18. ) Bei der Einschaetzung der Menschenrechtslage im Gazastreifen meinen 50% der Betroffenen, sie sei schlecht oder sehr schlecht, aber nur 46.9% der Bevoelkerung in der Westbank. (Frage 19)

Die Menschen im Gazastreifen erleben ihre Situation noch eine Nuance schwaerzer als sie von der Westbank aus wahrgenommen wird. Gaza: „schlecht“ 24.2 – „sehr schlecht“ 61.4% (gesamt 85.6%).
West Bank: „schlecht“ 37.4 – „sehr schlecht“ 49.5 (gesamt 86.9). (Frage 11)

Dem gegenueber meinen die Menschen im Gazastreifen, dass es der Bevoelkerung in der Westbank doch ganz ordentlich ginge: 5% sehr gut, 28.3% gut und 26.9% soso (gesamt 60.2%). Die Betroffenen sehen das etwas anders: 33.7% meinen, es ginge ihnen schlecht und 18.6% sogar sehr schlecht (gesamt 52.3%.

Nach den bewaffneten Aktionen der Hisbollah im Libanon befragt, geben die Mehrheit der Gazastreifenbewohner (51.9%), dass dies ein nicht legitimes Vorgehen sei, waehrend die Menschen in der Westbank mit 60.2% die Aktionen legitim fanden. (Frage 55)

Meine Einschaetzung ist, dass die Bevoelkerung im Gazastreifen von der Erfahrung unter der Hamasregierung doch einigermassen ernuechtet ist.

Zu den Polizeieinsaetzen im Westjordanland

Die Aufgabe der Polizeitruppen, die in einigen Staedten der Westbank eingesetzt werden (siehe fruehere Berichte), haben die Menschen in den beiden Gebieten verschiedene Auffassungen: Eine Pluralitaet von 34% im Gazastreifen meint, sie sollten vor allem gegen Terroristen vorgehen (die natuerlich hier „Widerstandskaempfer“ genannt werden), aber nur 25.1% der Menschen in der Westbank sind dieser Auffassung. (Frage 26) Vielleicht empfinden die Menschen im Gazastreifen deshalb diese Polizeieinsaetze mit 45.9% ueberwiegend als gescheitert, waehrend die Bevoelkerung in der Westbank mit 64.2% von einem Erfolg ausgeht. (Frage 25)

Zum pal.-isr. Konflikt

Fuer eine Zweistaatenloesung auessern sich im Gazastreifen 55.1%, in der Westbank 56.2%. (Frage 31) Wenn der saudische Vorschlag ins Spiel gebracht wird, der noch dazu ein Rueckkehrrecht der Fluechtlinge und ihrer Nachkommen beinhaltet, erhoeht sich die Zustimmung auf 73.2% im Gazastreifen und 63.4% in der Westbank. (Frage 35)

Sobald aber spezifischer gefragt wird (Frage 37B) wendet sich das Blatt: 52.9% in der Westbank und 51.3% im Gazastreifen sind gegen eine Zwei-Staatenloesung. Folgende Paramenter loesen starke Ablehnung aus: Verzicht auf eigene Armee (70.7% Ablehnung insgesamt), „nur“ Ostjerusalem inklusive Tempelberg als Hauptstadt (56.5% Ablehnung insgesamt), Loesung der Fluechtlingsfrage ohne automatisches Rueckkehrrecht nach Israel (56.5% Ablehnung insgesamt), israelische Sicherheitseinrichtungen trotz pal. Soveraenitaet (60.2% Ablehnung insgesamt).

Eine Interimsloesung ohne Behandlung der Fluechtlingsproblematik wird mit grosser Mehrheit abgelehnt. Nur 15.2% koennen sich das insgesamt vorstellen, im Gazastreifen immerhin 18.4% vs. 13.4% in der Westbank. (Frage 46)

Man ist sich nicht sicher, ob die Zweistaatenloesung moeglich ist (35.7%) oder doch eher die Einstaatenloesung (37.5%) oder vielleicht sind beide gleich schwierig (24.8%)? (Frage 47)

Annapolis wird scheitern, meinen 76.2% der Palaestinenser. (Frage 40). Wird der Zeitplan bis Ende 2008 hinzugefuegt, sind 79.4% vom Scheitern ueberzeugt. (Frage 41) Verhandlungen mit der Olmertregierung sind zum Scheitern verurteilt, meinen 75.1% der Befragte. (Frage 42) Die Treffen Olmert-Abbas bringen nichts und sollten eingestellt werden, geben 68.1% zu Protokoll. (Frage 43)

Ueberhaupt meinen 63.9% der Palaestinenser, dass es nie oder nicht in absehbarer Zeit zu einer politischen Loesung mit Israel kommen wird. (Frage 44) Auch nach Abschluss eines Friedensabkommens meinen 63.4%, dass es nie oder erst nach vielen Generationen zu einer Versoehnung der Voelker kommen koennte. (Im Gazastreifen kreuzen 47.4% „nie“ an, in der Westbank nur 40.4%) (Frage 45).

Hier haben wir wieder die bekannte „Alles oder nichts“ Haltung der Palaestinenser vor Augen…

Zum Terror

Raketenangriffe auf Israel werden durch die Bank unterstuetzt. 60.4% im Gazastreifen und 55.4% in der Westbank. (Frage 49) Das Gleiche gilt fuer Terroranschlaege gegen israelische Zivilisten innerhalb des israelischen Kerngebiets: 63.2% der Bevoelkerung im Gazastreifen und 50% in der Westbank unterstuetzen sie. (Frage 50)

Zum Waffenstillstand

Das Waffenstillstandsabkommen der Hamas mit Israel geniesst grosse Popularitaet, witzigerweise in der Westbank noch mehr mit 79% als im Gazastreifen mit 74.9% (Frage 51), aber nur wenn es auch fuer die Westbank gilt, ansonsten ist man genauso eindeutig dagegen. Im Gazastreifen mit 78% und in der Westbank mit 74.1% (Frage 52). Auch wenn die Grenzuebergaenge, im besonderen Rafah nicht sofort geoeffnet werden, geben 78.6% zu Protokoll, dagegen zu sein. (Frage 53) Ein Waffenstillstandsabkommen wuerde nach pal. Einschaetzung der Bevoelkerung im Gazastreifen hoechtens die Gewalt verringern (46.9%) oder ueberhaupt keine Auswirkung haben (31.4%). Die Bevoelkerung in der Westbank ist kaum optimistischer mit 35.2% und 36.9%. (Frage 54)

Die Befragten scheinen einfach die damaligen Verhandlungspositionen der Hamas verinnerlicht zu haben. Offensichtlich geht es nicht wirklich darum, dass die pal. Bevoelkerung die israelischen Angriffe beendet sehen moechte. Es geht um politische Vorteile, die man herausholen will, auch und gerade wenn die Feindseligkeiten weitergehen.

Schweigende Laemmer?

Bemerkenswert finde ich an den Ergebnissen, dass die Prozentangaben bei den Bewohnern des Westjordanlands bei den Antworten (keine Meinung, keine Angabe) in fast allen Fragen signifikant hoeher liegt als bei der Bevoelkerung aus dem Gazastreifen.

Z.B. Frage 02) Wenn heute Praesidentschaftswahlen stattfaenden mit Mahmud Abbas als Kandidat fuer Fatan und Ismail Haniyeh fuer die Hamas, wen wuerden Sie waehlen? 11% der Bevoelkerung des Westjordanlands machen keine Angabe, aber nur 4.8% der Leute im Gazastreifen. Auch in Frage 03), wo Abbas durch Barghouti ersetzt wird, sagen 6% der Menschen in der Westbank nichts, gegenueber 3.1% im Gazastreifen. Dito in Frage 06, zur Einschaetzung des Hamasputsches: 5.9% in der Westbank gegenueber 3% im Gazastreifen, ziehen es vor, keine Angabe zu machen.

Bei Frage 07, ob es richtig sei, dass Haniyeh einfach weiter im Amt bleibt, ist die Differenz noch deutlicher: 9.8% im Westjordanland machen keine Angabe und nur 3.2% im Gazastreifen. Ebenso bei Frage 10), ob man eher den Aussagen der Hamas oder der Fatah traut, schweigen 5.7% der Bevoelkerung in der Westbank gegenueber 2.4% im Gazastreifen.

Eine noch groessere Differenz sehen wir bei der Einschaetzung von Demokratien und Menschenrechten im Gazastreifen (Frage 17): 11% der Befragten im Westjordanland sagen lieber nichts, aber nur 0.9% im Gazastreifen. Aehnlich in Frage 22, wie Haniyeh eingeschaetzt wird: 9.2% in der Westbank, aber nur 1.9% im Gazastreifen haben keine Meinung.

Vielleicht sehe ich Gespenster, aber ein solcher Unterschied im Antwortverhalten koennte bedeuten, dass die Bewohner der Westbank eine Machtuebernahme durch die Hamas vorstellen koennen und daher etwas vorsichtiger sind mit ihren Aussagen.

crossposted bei Freunden der Offenen Gesellschaft

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: